HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 05 / 2001 vom 18.11.2001




Guten Tag, liebe XYLs, YLs und OMs,

die Schmuddelecke

Convers Channel Zero

des deutschen Amateurfunkdienstes wird zunehmend Plattform des akademischen Grades. Besonders in den späten Abendstunden und nach Mitternacht präsentiert sich dort eine Clique, deren Motivation mir lange Zeit verschlossen blieb. Ich neige neuerlich zu der Hypothese, dass die bis zum Rand des Strafrechts gehenden Zoten nur dazu da sein sollen, das bestehende Amateurfunkgesetz AFuG-97 ad absurdum zu führen. Den Grundstein dazu hat der resignierte Vorsitzende des größten Amateurfunkvereins in DL bereits vor zwei Jahren gelegt.

Richtig ist, dass das vorkonstitutionelle Amateurfunkgesetz ein geschlossenes System war und somit ein Korsett um die Sozialstruktur bildete. Das AFuG-97 überantwortet alle strafrelevanten Delikte an das Strafgesetzbuch und es bleiben nur die amateurfunkspezifischen Delikte wie Rufzeichenmissbrauch oder gewerblich-wirtschaftliche Tätigkeiten INNERHALB des AFuG-97 übrig.

Damit ist der Deckel weg und im Amateurfunkdienst zeigt sich dasselbe Sozialgefälle wie in allen Gesellschaftssparten. Convers Channel Zero ist eben der Sozial-Brennpunkt des Amateurfunkdienstes; mehr Bedeutung sollte man

Convers Channel ZERO

aus diesen Gründen auch nicht mehr geben. Auch dann nicht, wenn Staatsanwaltschaften einknicken müssen, weil die Beklagten einfach behaupten, zur fraglichen Zeit nicht am Gerät gewesen zu sein, oder überhaupt nicht aktiv seien. Der Nachweis des Rufzeichenmissbrauchs ist eben nur in flagranti möglich. Vielleicht ist es eben beruhigend und besser, dass sich so manche Persönlichkeit in CHANNEL ZERO auslebt, als dass sie anderen Mist anstellt.

GEBEN WIR IHNEN DORT IHR VENTIL !

Wenden wir uns den Veränderungen im Amateurfunkdienst zu. Neu ist, dass mit dem AFuG-97 jetzt

  • eine CEPT-2-Lizenz CW auf allen zugewiesenen Frequenzen machen kann; auch OHNE CW-Prüfung und nicht nur bei 144.125 MHz, und

  • eine 50-MHz-Lizenz ebenso dort CW praktizieren kann und nicht nur Fonie.

Gegen den Widerstand der etablierten Vereine fördert das AFuG-97 CW als Betriebsart überdurchschnittlich. Die Interaktion der Amateurfunk-Fundies erinnert mehr an eine CPU auf dem Motherboard eines Rechners, die sich selbst die Kommunikations-Pinne abschneidet.

Rufzeichenmissbrauch ist seit dem AFuG-97 ein beliebtes Thema, das die Schlechtigkeit des Gesetzes demonstrieren soll. Vielmehr richtig ist, dass es im Packetradio-Netz weniger als 10 Rufzeichenmissbraucher gibt. In der Betriebsart CW auf Kurzwelle sind es weit über HUNDERT, die besonders während Contesten dort ihr Unwesen treiben. Sind die dort etwa nur willkommen, weil man damit POINTS und MULTIPLIERS machen kann ?

Ich denke, wir müssen auch als Funkamateure die Kirche im Dorf lassen und uns weder von den HOOLIGANS des CHANNEL ZERO noch von den CW-RUFZEICHENMISSBRAUCHERN ins Boxhorn jagen lassen.

MfG
Hermann, DL1EEC