HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 45 / 2002 vom 01.09.2002


LEITARTIKEL

(hs) Die Folgen der diese Woche in Kraft getretenen BEMFV lassen die Funkamateure in Deutschland aus den Socken springen; die Wiederholung der Backsteinaktion vom Januar 1949 nahm in diversen Diskussionsrunden schon konkrete Gestalt an. Seit 1994 brodelt die "EMVU-Keule", die nicht alleine die Funkamateure in die Pflicht nimmt, sondern die besonders dort, wo mehrere Funkdienste einen gemeinsamen Standort nutzen, einschneidend einen Konsens erzwingt.

Lagepläne, Stromlaufpläne und Schaltungsunterlagen sollten schon immer vom Funkamateur vorgehalten werden; bis 1997 war es sogar Pflicht. Als Sahnehäubchen kommt jetzt noch eine rechnergestützte Feldstärkenberechnung hinzu, die es - Gott sei Dank - teils kommerziell, teils als Freeware auf dem Softwaremarkt gibt - teils aber leider auch nur für Clubmitglieder.

Ob man diese Unterlagen im stillen Kämmerlein abheftet oder der RegTP zuschickt, das ist doch die Aufgeregtheit nicht wert. Ich erkenne jedoch, dass viele Funkamateure damit Probleme haben, aus ihrer Anonymität herauszutreten.

Die BEMFV und ihr Anzeigeverfahren können eine riesige Chance werden, den Ruf und die Kompetenz der Funkamateure in der Öffentlichkeit zu verbessern. Welch einen Erfolg hat man, wenn der Nachbar vor einem schnaubt und man ihm die Kopie der Umweltanalyse der eigenen Funkstelle, die bei der RegTP hinterlegt ist, präsentieren kann.

Schauen Sie nach vorne und bedenken Sie, dass Sie im Kollisionsfall viel besser dastehen, wenn Sie nachgewiesen haben, dass Ihre Sendeanlage "ungefährlich" ist. Eine Überprüfung durch die RegTP OHNE vorheriges Anzeigeverfahren wird Sie per se in die schlechtere Position und in ein unkalkulierbares Kostenrisiko bringen.

Überlegen Sie einmal, ob es deshalb nicht sinnvoll wäre, so schnell wie möglich die Berechnungen anzufertigen und Ihre Amateurfunkstelle der RegTP anzuzeigen.

Hermann
DL1EEC


DIE AUSSAGE,

(hs) dass im Jahre 1994 noch gar keine Rede von Herzschrittmacher-Grenzwerten war, ist schlicht falsch. Das Sieben-Punkte-Statement des DARC, der Rausschmiss von DK8OK und die Verteufelung der AGZ gehen allesamt auf die damalige gemeinsame Forderung einer 100-Watt-Basislizenz zurück. Rückblickend wäre die Festschreibung einer 100-Watt-Klasse für die Funkamateure der Schutzwall schlechthin gegen die BEMFV gewesen. Höhere Leistungen wären schließlich auf Antrag und mittels einer Umweltanalyse immer noch drin gewesen, wenn das QTH stimmt.

HSM-Grenzwerte von DIN und VDE gibt es bereits seit 11 Jahren. Deswegen hatte die AGZ 1995 dem DARC-Vorstand empfohlen, das Schulungsprogramm seiner Mitglieder in dieser Disziplin aufzurüsten.


DIE BEMFV TRAT ALSO AM 28. AUGUST IN KRAFT

Hören Sie dazu den folgenden Beitrag.


WAS BEDEUTET DIE BEMFV KONKRET ?

(rps) Was muss ich tun und was nicht und was kostet das alles? Zunächst einmal, die BEMFV kostet dem Funkamateur kein Geld - allerdings mit zwei Ausnahmen: Erstens, wird eine Amateurfunkstelle entgegen den gemachten Angaben betrieben, so wird ein Verwaltungsgeld von bis zu 2000 Euro fällig; hinzu kommen dann noch die individuell zu berechnenden Kosten eines Messeinsatzes. Später soll zusätzlich ein Ordnungsgeld hinzu kommen. Zweitens, befindet sich eine Amateurfunkstelle zusammen mit anderen Funkdiensten an einem gemeinsamen Standort, dann benötigen alle Funknutzer dort eine gemeinsame Standortbescheinigung: Wer ändert, der zahlt eine neue Bescheinigung für alle - und die kann teuer werden.

Falsch ist auch die oft gehörte Behauptung, man müsse bei jeder Änderung erneut eine Anzeige bei der RegTP einreichen. Richtig ist, dass Paragraf 7 des Amateurfunkgesetzes nur die Betrachtung der ungünstigsten Konfiguration der Anlage verlangt. Lediglich wenn eine Änderung zu größeren Sicherheitsabständen führt, muss erneut eingereicht werden. Es ist also sinnvoll, den umgekehrten Weg zu gehen und zu berechnen, was man bei den größten vor Ort sicher kontrollierbaren Abständen maximal an Senderleistung fahren kann; so minimiert man auch die Nahfeldproblematik. In diesem Rahmen kann sich der Funkamateur dann frei bewegen - weniger Feldstärke machen als angemeldet ist immer erlaubt ...

Die neue BEMFV unterscheidet zwischen Dingen, die man der RegTP bereits vor Aufnahme des ersten Sendebetriebs an einem festen Standort anzeigen muss, und Unterlagen, die man jederzeit abrufbar zu Hause bereithalten muss.

Anzeigen muss man den Standort der Funkstelle, die benutzten Frequenzbänder, ob die Herzschrittmacher-Grenzwerte außerhalb des kontrollierbaren Bereichs unter- oder überschritten werden, ob man bei Überschreitung dafür Sorge trägt, dass sich während des Sendens kein HSM-Träger dort aufhalten kann, und schließlich die mit rechtsverbindlicher Unterschrift versehene Erklärung, dass der berechnete Sicherheitsabstand innerhalb des vom Funkamateur kontrollierten Bereichs endet. Ferner muss eine maßstäbliche Skizze, die Gebäude, die Standorte der Antennen, den kontrollierten Bereich und den Sicherheitsbereich zeigt, eingeschickt werden.

Zu Hause aufbewahren und für die RegTP auf Abruf bereithalten muss man:

  1. Eine Dokumentation über die Einhaltung der Anforderungen. Das sind z.B. die detaillierten Berechnungen und die zugrunde liegenden Verfahren oder die Daten des verwendeten Messgeräts und die genaue Lage der Messorte.

  2. Antennendiagramme, sofern es sich um handelsübliche Antennen handelt.

  3. Einen Lageplan auf der Grundlage des Bebauungs-, Liegenschafts- oder Flächennutzungsplans, in dem die angrenzenden Grundstücke bzw. Gebäude und deren Nutzung, sowie die Bereiche, in denen die Grenzwerte einzuhalten sind, einzuzeichnen sind.

  4. Bei Montage der Sendeantenne auf einem Bauwerk eine Bauzeichnung oder Skizze mit Bemaßungen in Seitenansicht und Draufsicht.

  5. Details der einzelnen Sendersysteme, wie z.B. Frequenz, Leistung, Antennengewinn, Leitungsverluste, Winkeldämpfung, Sendeart, Senderichtung und Höhe über Grund.

Das ist ganz schön kompliziert. Daher Schluss für heute. Nächste Woche geht's dann weiter mit den Fragen "was ist ein kontrollierter Bereich?", "wie werden nun die Herzschrittmacher-Grenzwerte gehandhabt?" und "wie ist das mit der Übergangsregelung?"


QRP 4 EVER

(hs) wurde zum Schlachtruf dieser Woche. Viele Funkamateure suchen ihr Heil vor der BEMFV in der 10-Watt-Klasse und wollen jetzt QRP und QRPP frönen. Ich hoffe, dass CW, PACTOR und PSK31 jetzt als Betriebsarten ihren Härtetest überstehen und den vorausgesagten Aufschwung zeitigen.


DAS BMWi VERLANGT EINEN FINANZIELLEN NACHSCHLAG

(rps) von Funkamateuren in Form der wieder auferstandenen EMV-Beiträge - und das für vier Jahre rückwirkend! Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat vergangene Woche eine neue EMV-Beitragsverordnung erlassen. Für die Jahre 1999, 2000, 2001 und 2002 werden demnächst von jeder Person, die mindestens ein Amateurfunk-Rufzeichen besitzt, pro Jahr 20,84 Euro per Bescheid abgefordert - wohlgemerkt pro Person und nicht pro Rufzeichen. Die Bundesregierung zieht damit die Konsequenzen aus diversen verlorenen Prozessen um die "EMV-Gebühr".

Ob diese neue Gebührenverordnung nun endlich rechtskonform ist, das sei dahin gestellt. Immerhin verlangt das zugrunde liegende EMV-Gesetz, die Gebühren innerhalb der Nutzergruppen nach der Art der Frequenznutzung und dem Anteil am Störaufkommen zu bemessen. Dies ist innerhalb der Nutzergruppe "Amateurfunkdienst" ganz klar nicht geschehen: Der 10-Watt-EIRP-Klasse-3-Inhaber zahlt dasselbe, wie der 750-Watt-Kurzwellenmann mit High-Gain-Beam, obwohl der Einstiegslizenzler mit seinen 10 Watt auf UKW keine wirkliche Chance hat, EMV-Störungen zu verursachen. Auch jemand, der überhaupt keinen Sender besitzt, sondern nur ein Rufzeichen, soll zahlen - fällt der auch unter den Begriff "Senderbetreiber"? Wohl kaum.


KLEINE HILFE FÜR DIE DOS-BOX

unter Windows 2000: Wenn ein DOS-basiertes Terminalprogramm nicht so recht die serielle Schnittstelle sehen will, dann schreiben Sie sich eine Batchdatei und initialisieren Sie darin als erstes die Schnittstelle, bevor Sie das eigentliche Programm starten. Benutzen Sie beispielhaft den DOS-Befehl

mode com1:9600,n,8,1

entsprechend Ihrer Com-Port-Nummer und ihrer Schnittstellenparameter. Es spielt allerdings keine Rolle, ob sie später höhere Geschwindigkeiten brauchen. Ihr DOS-Programm erkennt danach sicher die von Windows versteckte Schnittstelle - allerdings nur, wenn es die Schnittstelle nicht direkt mit ihrer Speicheradresse und ihrem Interrupt unter Umgehung der "Hardware Abstraction Layer" anspricht. So etwas geht unter den professionellen Windows-Varianten NT, 2000 und XP aus Gründen der Systemarchitektur grundsätzlich nicht und führt zum Absturz des Prozesses.


DIE FUNKWETTER-DATEN AUS KIEL
vom 31. August 2002 10h00 MESZ

Forecast sunact = active
Forecast magfield = quiet
Relative sunspots = 150
Flux = 170
A = 7
Next expected K = 2
Forecast Aurora = NO (normal)

Vy 73,

Hermann
DL1EEC


Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.