HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 47 / 2002 vom 15.09.2002


LEITARTIKEL

(hfs) Die BEMFV führt zu einer der skurrilsten Situationen und Verhaltensweisen im deutschen Amateurfunkdienst seit 1949. Das Spektrum reicht vom 10-Watt-Going-Undercover bis zur Nonchalance des "AUF DIE DAUER HILFT NUR POWER".

Wie schädlich diese Struktur ist, zeigt der RTA-Abblitzer von letzter Woche beim BMWi: Die BEMFV wird OHNE WENN UND ABER durchgezogen. Es gibt definitiv keine Schonfristen mehr und auch keine erneute Fristverlängerung zur Abgabe der Anzeige. Am 31. Dezember ist endgültig "Schicht".

Offensichtlich hat die Behörde mit den Funkamateuren weder Mitleid noch Nachsehen; die verantwortlichen Funkamateure haben den Bogen entscheidend überspannt. O-Ton des zuständigen Referatsleiters im BMWi: "Sie hatten fünf Jahre Zeit, sich mit der Materie zu beschäftigen. Die BEMFV ist lediglich eine andere Organisationsform - die Physik hat sich nicht geändert".

Gerade die von OT Bernd von Bojan im Internet herbeigebetete CSU in der Lichtgestalt des Herrn Stoiber von der bayrischen Staatskanzlei beantragte als einziges Bundesland im Bundesrat, die Funkamateure den Kommerziellen GLEICHZUSTELLEN und auch ihnen die Standortbescheinigung überzustülpen - Amateurfunkstellen seien Sender wie andere auch, nur noch schlimmer: mitten in Wohngebieten. Man müsse gerade hier die 750 Watt OUT kippen. Mit Stoibers CSU würde Bernd von Bojan in Sachen BEMFV wohl eine 1a-Bauchlandung hinlegen! Gott sei Dank scheiterte dieser Antrag.

Nicht dass Sie jetzt denken, Sie sollten Ihre Wahlentscheidung alleine am Amateurfunk orientieren. Es gibt wichtigeres.


UNSERE REGELMÄSSIGE BEMFV - ECKE

(rps) Heute: Was ist bei technischen Veränderungen der Station ?

Falsch ist die Parole, dass der Funkamateur bei JEDER Veränderung seiner Stationen eine Anzeige machen muss. Richtig ist: Der Amateurfunk genießt in der BEMFV eine bevorzugte Behandlung gegenüber anderen Funknutzern. Im Amateurfunkdienst dürfen wir wegen Paragraf 7 des Amateurfunkgesetzes die ungünstigste Konfiguration unserer Sendersysteme betrachten. Daher dürfen wir eine Art "Maximalrahmen" berechnen und analysieren, innerhalb dessen wir uns bewegen können.

Konkret: Man nimmt den maximal zur Verfügung stehenden Abstand und rechnet "rückwärts" aus, welche Leistung man dann maximal machen darf. Ob ich die wirklich mache oder gar technisch erzeugen kann, spielt dabei keine Rolle. Aber Achtung: Diese Leistung darf natürlich nicht höher sein, als die maximal in der AFuV erlaubte! Damit minimieren wir die Anzahl der Änderungsanzeigen, die WIR nur machen müssen, wenn es "schlechter" wird.

Andere Funkstellen müssen JEDE BELIEBIGE technische Veränderung anzeigen und sich eine neue Standortbescheinigung erteilen lassen, auch wenn es "ungefährlicher" wird. Dies trifft leider auch die Amateurfunkstellen an gemeinsamen Standorten.


JIM HAYNIE, W5JBP, PRÄSIDENT DER ARRL

sagte anlässlich des ersten Jahrestages zum 11. September 2001, dass der Amateurfunkdienst frei von kommerziellen Interessen zu bleiben habe. Ebenso tritt er für eine bessere Vorbereitung des Amateurfunks auf die Notfallkommunikation ein:

"Vor einem Jahr rieben wir uns die Augen, als wir plötzlich im Krieg standen. Wie alle Amerikaner erinnere ich Sie an das Verbrechen dieses Tages. Heute erinnern wir uns zusammen an den Tag, der Amerika, der uns veränderte. Ich frage mich, ob dieser Tag uns änderte oder ob er uns an die Sehnsucht nach Frieden mahnte.

Als Funkamateur will ich mich erinnern, dass die Gemeinschaft der Funkamateure weltweit zueinander stand. Binnen weniger Minuten organisierten Funkamateure eine Notkommunikation. In der Innenstadt - ohne Strom und Mobilcoms - halfen sie zu informieren und gaben Hilfe.

Amateurfunk ist eine wundervolle Gemeinschaft und sie verkörpert das, wofür Amerika steht.

May God bless the Amateur Radio community, and may God bless America."

Soweit auszugsweise die Rede von Jim Haynie, W5JBP, Präsident der ARRL.

BITTE GEDENKEN SIE FÜR EINEN AUGENBLICK MIT UNS DEN OPFERN

und speziell den Funkamateuren unter ihnen:

Steve Jacobson, N2SJ
Bill Steckman, WA2ACW
Michael Jacobs, AA1GO
Bob Cirri Sr, KA2OTD
Rod Coppola, KA2KET
Winston Grant, KA2DRF und
Bill Ruth, W3HRD.


ALFRED MATEJA, OE5AKM

schrieb diese Woche zum Thema "Voice over IP" (VoIP) im Amateurfunkdienst:

"Liebe Funkfreunde!

Bei uns in OE gehen die Uhren wieder einmal anders. Im AFG 98 ist es unserer "Interessenszertretung" (OeVSV) gelungen, ein generelles "Verbindungsverbot" zwischen Amateurfunk und anderen Informationsnetzen" zu etablieren. (Berücksichtigt man PLC, dürften wir dem Wortlaut des Gesetzes nach nicht einmal unsere Amateurfunkstelle mit dem Stromnetz verbinden, hi!)

Zum Glück konnte ich den OeVSV-Präsidenten damals wenigstens dazu überreden, einer Ausnahmeregelung zuzustimmen: Im Verordnungsweg kann der zuständige Minister unter bestimmten Umständen Ausnahmen vom oben geschilderten Verbindungsverbot gestatten. Bisher tut er es allerdings nicht..

73 de Alfred, OE5AKM (NCI-3778)"

(hfs) Ich habe bei der RegTP einmal nachgefragt und bekam eindeutige Antworten. Ein ehemaliger RegTP-Mitarbeiter arbeitet in einer Arbeitsgruppe weiterhin mit und wurde zitiert mit dem Satz:

... es kann nicht angehen, dass "DO'ler" sich in USA via VoIP unterhalten ...

Ich hakte nach und fragte, wie man denn Packet-Radio-Verbindungen unter den Genehmigungsauflagen der Klasse 3 z.B. auf den 23cm-Interlinks sehe. Darauf gab es keine Antwort - nur ein tiefes Schlucken - und ich kündigte an, dass bei konsequenter Umsetzung des "Totschlagarguments" des Ehemaligen kein Klasse-3-Teilnehmer am Amateurfunkdienst mehr Packet-Radio machen wird.

Spricht man mit RegTP-Mitarbeitern, die keiner Ideologie unterliegen, erhält man die Zustimmung, dass nur die Verfügungsgewalt über die zugeteilte und selbst ausgesendete Frequenz ausschlaggebend ist. Das bedeutet, dass Klasse-3- und CEPT-2-Lizenzen ohne jede Einschränkung z.B. 2m/10m-Transponder arbeiten dürfen und VoIP legal ist, solange Drittenverkehr und Verkehr mit Nichtlizenzierten unterbunden ist.

Während dieses Gesprächs kam auch die Kinderpornografie im Packetnetz aufs Tapetchen. Mein Gesprächspartner fragte, warum die RegTP davon nichts wisse. Ich klärte den Mitarbeiter darüber auf, dass die RegTP in Mainz der Staatsanwaltschaft Wuppertal die Amtshilfe verweigerte. Und darüber sei die Staatsanwaltschaft recht sauer.

Ich denke, dass die interne Arbeitssitzung der Amateurfunkgruppe innerhalb der RegTP die kommende Woche ein paar rote Ohren haben wird.


Dieser 47. Rundspruch der AGZ e.V. ist vorproduziert. Deswegen entfallen heute DIE FUNKWETTER-DATENAUS KIEL.


Vy 73,

Hermann
DL1EEC


Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.