HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 52 / 2002 vom 20.10.2002



UMFALLER DER WOCHE

sind die CEPT und der Arbeitskreis 1 der "Nationalen Gruppe" zur Vorbereitung der WRC-03 in Sachen "Earth Exploration Satellite Service" oder kurz EESS. Noch im Frühjahr pointierten beide ein lautes CONTRA zur Ansiedlung dieses satellitengestützten Radarsystems im 70 cm-Amateurfunkband, um dann diese Woche am 16. Oktober im AK1 für die sekundäre Ansiedlung von EESS im Frequenzbereich 432 bis 438 MHz zu stimmen. Dies ist mittlerweile auch europäischer Konsens in der CEPT. Nun bleibt nur abzuwarten, wie sich z.B. die USA verhalten werden. Die AGZ e.V. hatte im Vorfeld schon berichtet und analysiert, dass die Beeinträchtigung für uns zwar deutlich spürbar, aber zeitlich hinnehmbar gering ist.

Signifikant dagegen ist die Kaltblütigkeit, mit der sich die Behörden zunehmend über die Einwände der Funkamateure hinwegsetzen; für mich ein weiteres Indiz für den Rückgang der Reputation des Amateurfunkdienstes in Deutschland. Ich denke, dass die öffentlichen und für jedermann sichtbaren Selbstdarstellungen der Funkamateure in Packet-Radio, Convers Channel Zero sowie im 40- und 80-m-Band dazu beitragen; und letztendlich auch die Drohgebärden des Mehrheitsvereins zur erneuten EMV-Klageerhebung wegen finanzieller Peanuts.


VOICE OVER KURZWELLE

kann man die Vorführung anlässlich der AK2-Sitzung der Nationalen Gruppe Anfang Oktober beim Gastgeber Deutsche Welle in Köln nennen. Bei der zwischenzeitlich hinreichend bekannten Anwendung VoIP dient das Internet als Übertragungsmedium. In Köln konnten wir hautnah erleben, wie das ganze sich unter Nutzung des Ausbreitungsmediums Kurzwelle anhört. "DRM" nennt sich das Verfahren: Digital Radio Mondiale - also weltweites digitales Radio. Es war einfach umwerfend: Toller Sound, kein Kratzen, kein Fading, kein Jamming; fast wie FM - nur auf etwa 10 kHz Audiobandbreite begrenzt. Hier ist die technische Entwicklung am Amateurfunkdienst wieder einmal voll vorbeigelaufen.

Aufgebaut war ein modifizierter AOR-Scanner vom Typ 7030, ein Laptop mit Soundkarte und eine Software vom Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen in Nürnberg/Erlangen. Die Frequenz war 15230 kHz, die zur Zeit von 09:30 bis 12:00 UTC vom Sender Sines der Deutschen Welle in Portugal mit dem Englischen Programm in DRM belegt wird. Die Bandbreite des 64-QAM-Signals beträgt etwa 10 kHz, was auch eine Filter-Modifikation des Empfängers bedeutet. Wer mehr dazu erfahren möchte - auch zur Technik - oder faszinierende MP3-Audio-Samples runterladen will? Hier sind ein paar interessante Web-Adressen:

http://www.drm-info.de/
http://home.t-online.de/home/sat-service/sat/
http://www.drmrx.org/
http://www.iis.fraunhofer.de/dab/products/drmreceiver/index.html
http://www.tu-darmstadt.de/fb/et/uet/drm.html
http://www.drm.org/indexdeuz.htm
http://www.rnw.nl/realradio/html/drm.html

Diese Technik wäre DER Innovationsschub schlechthin auf der Kurzwelle - und die einzige langfristige Überlebensgarantie für die Rundfunk-Auslandsdienste vieler Länder. Hoffentlich kommt die Hardware dann nicht wieder aus Fernost - was aber eigentlich schon sicher ist: Denn durchsetzen wird sich DRM nur mit preiswerten kleinen Weltempfängern a la ICF-7600.


NICHT VERGESSEN:

26.10.2002
INTERRADIO Hannover
Hannover, Messegelände, Halle 20
9 bis 17 Uhr

Info: www.interradio-hannover.de


BEARBEITUNGSGEBÜHREN DER REG TP EINE ABZOCKE

oder doch rechtmäßig? Die RegTP darf auch dann Gebühren für Maßnahmen des Prüf- und Messdienstes wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz erheben, wenn den betroffenen Funker keine persönliche Schuld an dem Verstoß trifft. Zu diesem Schluss kam das Verwaltungsgericht Köln in zwei Fällen aus dem Jahre 2001, deren Urteile uns erst jetzt erreichten.

In einem Fall war bei einer CB-Funkerin nach vorheriger Ankündigung eine Überprüfung der Funkanlage durch die RegTP vorgenommen worden. Die RegTP-Mitarbeiter stellten dabei eine geringe Abweichung beim zulässigen Frequenzhub und den zulässigen Mittenfrequenzen fest - eigentlich also "Peanuts". Kurze Zeit später aber schickte die RegTP der Funkerin einen Gebührenbescheid, in dem eine Bearbeitungsgebühr von 250 DM gefordert wurde.

Die Funkerin zog vor Gericht. Sie forderte, dass der Beitragsbescheid aufgehoben werde, u.a. deshalb, weil sie keine Schuld an dem Verstoß treffe. Das beanstandete CB-Funkgerät sei originalversiegelt gewesen und sie habe keinerlei Änderungen daran vorgenommen. Außerdem sei ihr kein Messprotokoll vorgelegt worden. Sie betrachte die Gebühr von 250 DM als "Bestrafung" für eine Tat, die sie nicht begangen habe und auch dafür, dass sie ihr Gerät ordnungsgemäß angemeldet habe. Die RegTP räumte ein, dass die beanstandeten Abweichungen ohne Weiteres durch Alterung und Verschleiß des Funkgeräts entstanden sein könnten. Ein Verschulden der Funkerin werde jedoch vom TKG für die Gebührenerhebung nicht vorausgesetzt. Das Gericht teilte die Auffassung der RegTP und wies die Klage der CB-Funkerin ab. Auch die Höhe der Gebühr von 250 DM, die weder eine Strafe, noch eine Ordnungswidrigkeit sei, ist nach Auffassung des Gerichts nicht zu beanstanden.

Quelle: FM - Das Funkmagazin und Verwaltungsgericht Köln.

Der AGZ liegen die Urteile mittlerweile im Original vor. Es gibt tatsächlich beim Telekommunikationsrecht den Begriff der Schuld nicht. Es spielt keine Rolle, warum Vorgaben des TKG verletzt sind und wer dies letztendlich verantwortet - nur die Tatsache selbst ist entscheidend. Wenn das unmodifizierte Gerät noch Garantie hat, dann können Sie die Bearbeitungsgebühren der RegTP auf den Hersteller abwälzen. Wenn nicht, und sie den Verdacht auf alterungsbedingte Veränderungen haben, dann stellen Sie den Betrieb ein und entledigen sich am besten Ihres Funkgeräts, wenn sich die RegTP anmeldet - denn das muss sie vorher tun - es sei denn, sie hat einen richterlichen Durchsuchungsbefehl. Alternativlösung: Jeden Monat auf den Messplatz ... denn ohne Zweifel ist Ihr CB-Funkgerät eine schlafende Zeitbombe, die jederzeit erhebliche Kosten verursachen kann - und dies speziell, wenn Sie unter Funkerkollegen schlecht gelitten sind. Irgendeine kleine Abweichung wird man doch schließlich immer finden ...

Gott sei Dank wiehert dieser gepflegte Amtsschimmel im Amateurfunk nicht: Das Amateurfunkgesetz kennt - im Gegensatz zum TKG - keine Gebühren für Messeinsätze oder Ermittlungstätigkeiten. Das ist Grund genug für die RegTP, vor Gericht auch bei Funkamateuren oftmals zusätzlich die Anwendung des TKG zu fordern, schlicht des Geldes wegen. Aber das gelingt nur selten.


PLC: MANNHEIM MACHT WEITER

- mit israelischer Technik. Der Mannheimer Energiekonzern MVV setzt auch weiterhin auf Powerline Communication. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben zur Zeit über 2500 Powerline-Kunden in drei Inselnetzen und will bis Ende 2003 das gesamte Mannheimer Stadtgebiet angeschlossen haben. In fünf bis sechs Jahren will MVV mit Powerline einen Anteil von 30 % am Internet-Markt erreichen.

MVV verwendete von Anbeginn eine andere Technik als die ehemaligen Mitbewerber RWE, E.ON und Siemens. Während diese Firmen Modems des Schweizer Herstellers Ascom einsetzten, verwenden die Mannheimer Technik des israelischen Telekommunikationsherstellers Main.Net. Dessen Geräte sollen einer Agenturmeldung zufolge "keine Probleme mit Störstrahlen von Sicherheitsdiensten, CB-Funk oder Nachrichtendiensten" haben.

Quelle: FM - Das FUNKMAGAZIN


QRP BOOMT

schreibt KQ6IK in QRZ.COM. Er hörte auf 15m Stationen aus China, Korea, Malaysia, Singapur, Japan und Sibirien. Er konnte alle arbeiten und zuletzt hörte er nur noch die Japaner, als das Band zuging. Er drehte dann auf das untere Fonieband und hörte jemanden CQ rufen. Er rief ihn an und hörte dann erst, dass er QRP arbeitete. Als er ihm berichtete, dass er 59 in Califonia war, sah man ihn fast am anderen Ende vom Tisch springen; fast bekam er einen Herzinfarkt.

Ich hörte ihm noch eine Weile zu. Seine Freude stieg wieder, als er eine kanadische Station traf. Es tat mir gut, mal wieder einen Funkamateur zu treffen, der so engagiert Funkbetrieb machte. Ich arbeitete noch ein paar weitere japanische QRP-Stationen, aber ich traf keinen mehr, der derart enthusiastisch reagierte. Was war das für ein herrlicher Tag. Meine Bitte an Euch, gebt den japanischen QRP-Stationen ihre Chance.


DIE FUNKWETTER-DATEN AUS KIEL
vom 19. Oktober 2002 08h00 UTC

Forecast sunact = eruptive
Forecast magfield = active conds expected
Relative sunspots = 200
Flux = 173
A = 9
Next expected K = 2
Forecast Aurora = No (normal)

Vy 73,

Hermann
DL1EEC


Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.