HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 53 / 2002 vom 27.10.2002



LEITARTIKEL

Streitkultur beinhaltet nicht ohne Grund das Wort Kultur. Von wenig Kultur zeugen die Funkamateure, die Rundsprüche aus ideologischen Gründen piratieren und sinnverfälscht unter einer falschen Identität erneut in Packet-Radio veröffentlichen. Sie handeln sogar kriminell, wenn sie Zeitschriften-Abonnements und Buchlieferungen unter falscher Identität bestellen. Die Kultur des Streites bedarf der Kraft der Argumente. Wer aber so handelt, wie der OM bei DB0LER, der erweist nicht dem Meinungsgegner, sondern der von ihm vermeintlich vertretenen Organisation einen Bärendienst.

Voice over IP und DRM wurden in der Newsgroup de.comm.ham diese Woche zum Dauerbrenner. Mehr als 40 Mails befassten sich mit dem Thema, wobei das fundamentalistische Lager der "Vereinsfunker" der Kommunikationstechnik DRM im Amateurfunkdienst keine Chance einräumt. Zu große Bandbreite, zu aufwändige Sendertechnik und sogar der Bandplan und die RegTP wurden ins Feld geführt, um sich einer Zukunftsvision zu versagen. Dabei hatte die AGZ doch nur die Amateurfunk-Öffentlichkeit über eine neue Technologie informieren und Anregungen geben wollen. Selbst aus so etwas entsteht im Amateurfunk mittlerweile offener Streit.

Wer sowenig für die eigene Öffentlichkeitsarbeit tut, wer keine Visionen mehr hat und wer auf den Bändern und im Internet zum offenen Bruch der BEMFV aufruft, der sollte sich als Fürsprecher für den Amateurfunkdienst nicht mehr hergeben: Er ist einfach unglaubwürdig.


AUSBILDUNGSCALL - WAS IST LEGAL ?

Uns erreichen zunehmend Anfragen, ob auf den Bändern täglich zu beobachtende Praktiken mit DN-Rufzeichen wirklich legal sind. Nur einige Beispiele:

  • Der OM im heimischen Shack unterhält sich mit der DN-nutzenden XYL im Auto und gibt Einkaufswünsche durch.

  • Die DN-XYL unterhält sich im heimischen Shack auf 20 Meter mit YU- und 9A-Stationen, während der OM im Auto auf zwei Meter funkt.

  • Der OM "verleiht" sein DN-Rufzeichen an einen Nicht-Lizenzierten, der in seiner eigenen Wohnung ohne Aufsicht des Callinhabers Funkbetrieb macht.

Um es klar zu sagen: All dies ist NICHT erlaubt. AFuG und AFuV verlangen, dass Ausbildungsfunkbetrieb - unter Gebrauch von DN-Calls - nur unter "unmittelbarer Anleitung und Aufsicht" des verantwortlichen Funkamateurs durchzuführen ist - dies auch nur zur Vorbereitung auf die Amateurfunk-Prüfung. Diese Gesetzesworte lassen keinen Spielraum für Interpretationen: Der Inhaber des DN-Rufzeichens und lizenzierte Funkamateur muss DIREKT NEBEN seinem Auszubildenden stehen. Unbeaufsichtigter Funkbetrieb ohne eigenes persönliches Rufzeichen ist illegal.

Wir sind zwar keine Amateurfunk-Polizei und auch keine Aktion "sauberer Amateurfunk"; wir finden aber, dass eine unberechtigte Nutzung von Ausbildungsrufzeichen in der gerade geschilderten Form eine große Ungerechtigkeit gegenüber all denjenigen darstellt, die sich ihre Amateurfunkgenehmigung teilweise mühsam erarbeiten mussten. Setzen wir die Freiheit, die das DN-Call gibt, nicht aufs Spiel.


AUCH NIEDERLÄNDISCHE VERWALTUNG GEGEN CW

Am 12. und 13. Oktober fand in den Niederlanden der "Dag van de Amateur" statt. Auf dieser wichtigen nationalen Amateurfunk-Veranstaltung teilte die niederländische Telekommunikationsbehörde nicht nur mit, dass sie fest davon ausgeht, dass die Morsetelegraphie-Prüfung auf der WRC-03 nächstes Jahr fällt, sondern auch, dass die Niederlande danach sofort und umgehend diese Prüfung abschaffen und den Inhabern der CEPT-Klasse 2 ohne weitere oder zusätzliche Prüfungsanfoderungen den vollen Zugriff auf alle Kurzwellenfrequenzen erlauben werden.

QUELLE: No Code International - NCI.


FRANZÖSISCHE FUNKAMATEURE STIMMEN GEGEN CW

Jean Dumur, F5GJZ, Präsident des französischen Amateurfunkvereins REF-UNION, berichtet anlässlich der im November anstehenden IARU-Region-1-Tagung in San Marino über den Ausgang der französischen CW-Umfrage. Insgesamt wurden 2057 Voten von den Mitgliedern abgegeben.

Frage 1 lautete: Sind Sie für oder gegen die Beibehaltung der CW-Prüfung als Kurzwellen-Zugangsvoraussetzung? Das Ergebnis:

Für Beibehaltung: 913 Voten = 44%
Gegen Beibehaltung: 1144 Voten = 56%

Frage 2 lautete: Sollte nach einem Wegfall der manuellen CW-Prüfung eine andere Prüfung die CW-Prüfung ersetzen, damit die technische und praktische Qualifikation nachgewiesen wird?

Für eine Ersatzprüfung: 990 Voten = 48%
Gegen eine Ersatzprüfung: 1067 Voten = 52%

Die französische IARU-Delegation bekommt demnach das folgende Mandat:

  1. Für die ersatzlose Streichung der CW-Prüfung zu stimmen.

  2. Für den Fall, dass die IARU die CW-Prüfung als Kurzwellenzugang beibehält, ist die französische Delegation beauftragt, in jedem Falle für die Beibehaltung der Prüfungstempos von 60 Zeichen pro Minute zu votieren.


FÜHRUNGSWECHSEL IN ÖSTERREICH

Neues Präsidium beim OEVSV: Am 12. Oktober 2002 wählte der österreichische Amateurfunkverband OEVSV ein neues Präsidium. Ing. Michael Zwingl, OE3MZC, ist der neue Präsident des OEVSV. Zu Vizepräsidenten wurden Gerhard Seitz, OE1HSS, und Norbert Amman, OE9NAI, einstimmig gewählt. Neuer Redakteur der QSP ist bereits seit Jahresanfang Michael Hansbauer, OE1MHA.

Dem scheidenden Präsidenten Dr. Ronald Eisenwagner, OE3REB, wurde in Würdigung seiner 22 Dienstjahre sowie der maßgeblichen Mitarbeit am neuen Amateurfunkgesetz und der Amateurfunkverordnung die Ehrenmitgliedschaft und die Ehrenpräsidentschaft verliehen.

QUELLE: OE1FGW und Internet


DER EINBAU VON FUNKGERÄTEN INS AUTO

ist seit dem 1. Oktober ein Dauerbrenner, der uns noch etwas begleiten wird. Die Kennzeichnung von zulässigen Funkgeräten mit dem e-Zeichen ist eine Sache, die Hinweise in den Bedienungs- und Betriebsanleitungen der Automobilhersteller eine andere - und beide müssen zugleich erfüllt sein. Wenn die Bedienungsanleitung für ein Kraftfahrzeug KEINE Genehmigung erteilt und Sie auch KEINE Einzel-Zusage des Herstellers haben, dann nützt auch die Kennzeichnung oder Zertifizierung des Funkgerätes mit einem e-Zeichen absolut NICHTS:

Sie dürfen dann KEIN Funkgerät einbauen.

Es sei denn, Sie wollen die allgemeine Betriebserlaubnis und den Versicherungsschutz Ihres Fahrzeugs riskieren. So richtig klar ist diese Regelung allerdings nur für Fahrzeuge, deren Typ erstmals nach dem 1. Oktober 2002 zugelassen wurde. Weiterhin klar ist auch, dass am 1. Oktober bereits eingebaute Funkgeräte weiterhin eingebaut bleiben dürfen. Völlig unklar sind hingegen die Übergangsbestimmungen für andere Situationen - z.B. wenn ich in ein Fahrzeug, dass vor dem 1. Oktober erstmals zugelassen wurde, ein neues Funkgerät einbauen möchte. Hier sind die Gesetzes- und Verordnungstexte widersprüchlich und nicht eindeutig interpretierbar. Wir bleiben dran - beim Kraftfahrtbundesamt, der RegTP und den zuständigen Ministerien.


WIE VERSICHERE ICH MEINE ANTENNE ?

Die Hausrat- bzw. Wohngebäudeversicherung deckt nur Schäden AN Antennen ab, die mit den Gebäudeteilen fest verbunden sind. Sie versichert aber keine Schäden, die durch die Antenne selbst an anderen Gegenständen erzeugt werden. Fällt die Antenne auf die Strasse und dort z.B. auf ein Auto, dann muss eine Haftpflichtversicherung her.

Sollte die Antenne auf einem Grundstück stehen, das einem selbst nicht gehört, dann haftet normalerweise der Vermieter, aber nur, wenn die Errichtung der Außenantenne Teil der Mietsache bzw. des Mietzwecks ist, d.h. also im Mietvertrag aufgeführt ist. Das bedeutet z.B., dass der Vermieter schon im eigenen Interesse eine Versicherung abschließt und die Prämie zusammen mit dem Mietzins vom Mieter anteilig kassiert.

Ist der Funkamateur hingegen Haus- bzw. Grundstückseigentümer, dann deckt seine Haftpflicht- bzw. Eigentümerhaftpflicht-Versicherung auch automatisch alle Schäden, die seine Antennen verursachen.


DIE FUNKWETTER-DATEN AUS KIEL
vom 26. Oktober 2002 08h00 UTC

Forecast sunact = active
Forecast magfield = minor storm expected
Relative sunspots = 151
Flux = 173
A = 19
Next expected K = 3
Forecast Aurora = No (normal)

Vy 73,

Hermann
DL1EEC


Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.