HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 54 / 2002 vom 03.11.2002


LEITARTIKEL

(rps) Man muss auch gönnen können,

könnte man geneigt sein zu sagen, wenn man an die neuen EMV-Gebühren denkt. Der Staat ist sowieso fast pleite. Mehr bleibt wohl nicht. Will man den Amateurfunk heraushalten aus der EMV-Gebühr, dann bringt es nichts, sich an einer wasserdichten und formal korrekten Rechtsverordnung blutige Wunden zu holen: Der Gesetzgeber hat bewusst gewollt, dass wir gebührenpflichtig sind - wir sind schließlich elektromagnetische Felderzeuger und potentielle Störer wie andere auch.

Will man die Gebühren vermeiden, muss man statt dessen in die Politik gehen mit dem Ziel, das EMV-Gesetz zu ändern, den Amateurfunk hier explizit heraus zu nehmen und von den EMV-Gebühren frei zu stellen - weil er ja so wichtig für die Gesellschaft ist ... Dies kann nur der Gesetzgeber - allerdings in freier Entscheidung. Nun ja, über die Erfolgsaussichten reden wir dann ein anderes Mal. Die damaligen Versuche jedenfalls sind gescheitert.

Ob man nun Klage erhebt oder nicht und wie hoch das Prozessrisiko wirklich ist - das muss jeder für sich alleine entscheiden. Wir sind mündige Bürger; und ein eingetragener Verein als Interessenvertretung kann lediglich Sachargumente und Analysen öffentlich vortragen - mehr nicht. Die Schlüsse daraus muss jeder selbst ziehen.

Die rechtliche Analyse der neuen EMV-Gebühren finden Sie auf unserer Internet-Präsenz www.agz-ev.de. Zusammengefasst: Wir geben Klageüberlegungen keine Chance auf Erfolg.


NEUES VON DER NATIONALEN GRUPPE

(rps) Die Nationale Gruppe zur Vorbereitung der Weltfunkkonferenz 2003 tagte am 31. Oktober erneut in Bonn beim Bundeswirtschaftsministerium. Der Amateurfunk wurde durch den DARC und die AGZ mit zusammen fünf Personen vertreten. Der Vertreter des Ministeriums bekräftigte erneut, dass die Bundesregierung auf europäischer und internationaler Ebene für die Abschaffung der Morsetelegrafie-Prüfung in der VO-Funk eintritt. Außerdem werde die Bundesregierung nichts unternehmen, um die Ansiedlung des "Earth Exploration Satellite Service" (EESS) im Amateurfunk-Frequenzbereich 432 bis 438 MHz zu verhindern: Den, der sich am wenigsten wehren könne, würde es halt treffen, wurde außerhalb des Protokolls am Rande gewitzelt. Weiter wurden verschiedene Szenarien diskutiert, die Erweiterung des 40m-Bandes zeitlich vorzuziehen.


DEM AFU-VOLK AUFS MAUL GESCHAUT

(hfs) Bill:

"Da hätte ich ja nur drauf gewartet, vor allem darauf, wie das eingehalten und kontrolliert werden sollte. In so einem Fall hätten sich nämlich 99 Prozent aller Amateure "offiziell" auf 10 W EIRP beschränkt und inoffiziell das TX-Power-Knöpfchen bis zum Anschlag aufgedreht. Dessen war man sich im Bundesrat bewusst und deswegen brauchen wir (immer noch) keine Standortbescheinigung."

Henk:

"Ganz einfach, indem man den Amateurfunk eben genau deswegen als einen Haufen gesetzesbrechender Funker hingestellt hätte ... Und so ganz Unrecht hätte man in diesem Falle ja wohl nicht , oder ???"

Zum Thema "Freier Amateurfunk für freie Bürger" reüssierten zwei Funkamateure kürzlich in der Newsgroup de.comm.ham; die Namen sind verfremdet. Hört man in die Bänder, speziell auf den Frequenzen 3636 kHz und 7099 kHz, so sind das keine Einzelmeinungen. Untergangsstimmung und Fatalismus machen sich in Deutschland auf der Kurzwelle breit - ist den Diskutanten eigentlich bewusst, dass sie die Grenzwerte schon seit 1997 einzuhalten haben und dass ein "Abschalten" am 1. Januar nebst Verweigerung der Dokumentation ein öffentliches Eingeständnis von jahrelangem illegalen Betrieb bedeuten kann?


PUBLIC RELATION

(hfs) gab es am Samstag, den 26. Oktober 2002 beim "Computerclub PRAXIS" im WDR-Fernsehen mit der folgenden Anmoderation:

"Als die Heimcomputer ´laufen lernten´ waren es die Funkamateure, die sich sehr schnell dieser Rechner bedienten, um ihr Hobby aufzuwerten. Heute ist der Computer überhaupt nicht mehr wegzudenken. Einen relativ neuen Dienst betreiben einige Hobbyisten mit viel Spaß: APRS (Automatic Position Reporting System). Der Funkamateur erhält in seinem Fahrzeug die aktuelle Position über GPS - Satelliten, wie man es aus der Navigation im Auto her kennt. Diese Position wird per Funk einem zentralen System mitgeteilt, so dass ein anderer Amateur auf einer Karte genau sehen kann, wo wer herfährt. Per Amateurfunk kann er dann mit ihm kommunizieren.

ATV steht für Amateur Fernsehen. Dieses Hobby betreiben die Funkamateure schon seit einigen Jahren intensiv. Mit oftmals selbstgebauter Technik verbinden sie sich mit anderen Amateuren und tauschen Informationen über ihr Hobby aus ..."

Quelle: www.wdrcc.de

So modern dieser Text klingt, so sehr sah die Requisite nach alter Klamotte aus: Nostalgische Funkgeräte waren das Aushängeschild im Hintergrund und ausgediente analoge Übertragungsverfahren wurden breit vorgestellt. Außerdem vertraten die telegenen Repräsentanten des Amateurfunkdienstes in Deutschland - DF1PN, DJ6AN und DL4EBK - doch glatt die Inhalte des Amateurfunkgesetzes von 1949 und nicht die des aktuellen AFuG-97. DF1PN sagte als junger Mann von unter 20 Jahren zum Beispiel doch tatsächlich wörtlich, dass Funkamateure ausschließlich über technische Inhalte sprechen dürfen und keineswegs über persönlich-private Inhalte, die so wichtig seien, dass man das Telefon dafür benutzen müsse. Schließlich fehlten ja sonst der Telekom die Gebühren ... Das ist schon ziemlich "heavy".

Hier wurde eine der seltensten Gelegenheiten, den Amateurfunkdienst in Deutschland modern und attraktiv darzustellen, so richtig vergeigt - und das über volle 30 Minuten ohne Werbeunterbrechung. Schade drum.


ERNEUT SCANNER-PROZESS AUF STAATSKOSTEN EINGESTELLT

(rps) Die 38. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart hat am 15. Oktober 2002 als Berufungsinstanz ein Strafverfahren gegen einen Funkamateur wegen Abhören des Flugfunks auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Der Funkamateur und Flugschüler hatte auf der Stuttgarter Messe im November vergangenen Jahres einen Scanner erworben. Er wurde mit dem Gerät in der Hand vor den Messehallen von der Polizei angehalten und kontrolliert, gerade als er das Gerät ausprobieren wollte. Im Speicher befanden sich zwei Frequenzen, die dem Flugfunk zugeteilt sind.

Nach drei Verhandlungstagen, der Einholung von Sachverständigengutachten und mehr als zweifelhaften Aussagen der Zeugen - das waren der beteiligte Polizeibeamte und ein Beamter der Regulierungsbehörde - wurde der Funkamateur, der das Abhören des Flugfunks unter Hinweis auf das bekannte Urteil des Amtsgerichts Burgdorf für erlaubt hielt, durch das Amtsgericht Stuttgart am 29. April 2002 wegen Verstoßes gegen das Abhörverbot gemäss der Paragrafen 95 und 86 Satz 1 TKG zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt. Gegen das Urteil legte der Funkamateur Berufung ein.

Nach Auffassung seines Verteidigers, Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln, wurde hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Das Argument der Verteidigung, wonach Paragraf 86 TKG - und auch anderen Rechtsnormen - nicht entnommen werden kann, dass Aussendungen des Flugfunks und des Amateurfunks hinsichtlich des Abhörens durch die Allgemeinheit unterschiedlich zu behandeln seien, konnte durch die Gerichte nicht überzeugend widerlegt werden.

Mitgeteilt von Rechtsanwalt Michael Riedel, Köln.


ELEKTROSMOG WUCHERT WEITER

Nach einer neuen Untersuchung von italienischen Medizinern regt die Bestrahlung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern Leukämie-Zellen zur Vermehrung an, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Demnach haben Fiorenzo Marinelli und seine Kollegen vom National Research Council in Bologna Leukämie-Zellen mit elektromagnetischen Feldern von 900 Megahertz und einem Milliwatt Leistung bestrahlt. Nach 24 Stunden waren zunächst 20 Prozent weniger Leukämie-Zellen in der Probe als in einer nicht bestrahlten Referenz-Probe. Nach 48 Stunden Bestrahlung stellten die Forscher allerdings fest, dass die Leukämie-Zellen in der bestrahlten Probe sich rapide vermehrten.

Ob ein gesundheitsgefährdender Effekt von Mobiltelefonen ausgeht, ist noch immer nicht eindeutig nachgewiesen und in der Fachwelt umstritten. Marinellis Ergebnisse, die er Anfang Oktober auf dem "International Workshop on Biological Effects of Electromagnetic Fields" vorgestellt hat, dürfte die Diskussion um die biologische Wirksamkeit elektromagnetischer Wellen neu entfachen.

Quelle: FM - DAS FUNKMAGAZIN


SCHWARZFUNKER IN HAGEN GEFASST

In Hagen hat die Polizei mit Hilfe der RegTP zwei Schwarzfunker gefasst, denen vorgeworfen wird, wochenlang den Taxifunk und den Betriebsfunk der Deutschen Bahn AG gestört zu haben. Die Störungen begannen Anfang Oktober. Taxifahrer beschwerten sich, dass auf ihren Funkkanälen lautes Rülpsen und Tiergeräusche wie Bellen, Miauen und Blöken zu hören seien. Zwei Wochen später meldete die Deutsche Bahn AG, dass ihr Rangierfunk ebenfalls durch imitierte Tiergeräusche gestört werde.

In aufwändigen Einsätzen mit mehreren Peilwagen gelang es der RegTP, die Störer in einer Wohnung in der Hagener Innenstadt ausfindig zu machen. Es handelte sich um zwei 21- und 23-jährige Männer. Auf Befragen erklärten sie, dass sie sich "doch nur einen Jux" erlaubt hätten. Die beiden Schwarzfunker werden gemäss TKG voraussichtlich zur Zahlung der Kosten für die Peilwageneinsätze in vierstelliger Höhe herangezogen. Darüber hinaus wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, möglicherweise auch ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Die verwendeten Funkgeräte wurden sichergestellt.

Quelle: FM - DAS FUNKMAGAZIN


VETERANEN-TAG AUF DER USS HORNET

Interessierte Funkamateure können in SSB Stationen auf der USS HORNET arbeiten:

ZEIT: 9. bis 11. November 0900 - 1700 Pacific-Time
QRG: 7240, 14320, 21320 und 28320 kHz plusminus QRM

CW-SKEDS folgen noch und werden in einem RTTY-Bulletin veröffentlicht.

Quelle: Tom Hale, KB6SSN, President Pro-Team USS Hornet ARC


DIE FUNKWETTER-DATEN AUS KIEL
vom 2. November 2002 09h00 UTC

Forecast sunact = eruptive
Forecast magfield = quit
Relative sunspots = 169
Flux = 162
A = 6
Next expected K = 2
Forecast Aurora = No (normal)

Vy 73,

Hermann
DL1EEC


Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.