HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 65 / 2003 vom 19.01.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL: AGZ-WEBSITE ZUNEHMEND GEFRAGT

(rps) Seit Januar letzten Jahres hat sich die Nutzung des AGZ-Webservers etwa verzehnfacht: von 10 000 Zugriffen auf mehr als 90 000 im Monat. Wesentlichen Anteil daran haben HamRadio 2day und unsere aktualisierten Gesetzes- und Verordnungstexte. Wir bedanken uns bei Ihnen für das Vertrauen, das Sie unserer aktuellen Berichterstattung mit steigender Tendenz schenken. Dass wir kurz vor der 100 000er-Schallmauer stehen, ist die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ein Rundspruch ist aber nur so gut, wie seine Informationsbeschaffung sein kann. Wenn Sie über eine wichtige und vor allem neue Nachricht für den Amateurfunk oder sein technisches und politisches Umfeld verfügen, lassen Sie es uns einfach wissen und arbeiten Sie mit an HamRadio 2day!


FEEDBACK VOM DARC-SERVER

(hfs) Alle gesperrten Email-Adressen, die der Redaktion von HamRadio 2day bisher bekannt wurden, sind wie von Geisterhand wieder freigeschaltet: Sie können ihre persönlichen Emails an DARC-Mitglieder nun unzensiert an deren Clubadresse abschicken. Herzlicher Dank gilt besonders dem ungenannten Administrator, der tatkräftig seine Hintergrund-Information aus der Newsgroup de.comm.ham bezieht. Wir finden allerdings schon, dass eine Entschuldigung angebracht ist.

Nils Schiffhauer, DK8OK, hat, nachdem die Zustellung seiner Emails an mycall@darc.de wieder frei ist, dem Vorsitzenden des DARC und dem Amateurrat seine Kooperation hinsichtlich Öffentlichkeits- und Pressearbeit mit Hinweis auf den aktuellen FAZ-Artikel angeboten. Wie ich finde, eine tolle Geste. Ich hoffe, DL9KCX hat die entsprechende Grösse.


PACKET-RADIO OHNE FUNK

(hfs) LZ1KIS am Institut für Weltraumforschung der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften macht es möglich. Rufen Sie im Internet die Website

http://www.lz1kis.hamgate.org

auf und klicken Sie unter "Free Services" auf

telnet://hamgate.org.

Sie starten damit eine Telnet-Session, die Sie beim Login nach Ihrem Rufzeichen fragt. Sie landen schließlich auf einem Prompt von X-Net-Node und somit im Packet-Radio-Netz. Geben Sie dann z.B. "connect db0zwi-4" oder "connect db0lj" ein. Je nach Konfiguration Ihres Computers erscheint dabei kein lokales Echo! Windows selbst unterstützt Telnet mit Bordmitteln leider nicht gut. Ein anspruchsvollerer Telnet-Client wie Reflection-X oder Exceed ist hier sicher bequemer.

Sie landen nun in weniger als einer zehntel Sekunde z.B. bei dem deutschen Digipeater DB0ZWI, der offensichtlich einen Internetlink zu LZ1KIS hat, genau wie DB0LJ. Schizophren wie vieles in diesem Geschäft ist, dass die Mailbox von DB0ZWI die Rubrik MEINUNG zensiert. Wer soviel Angst vor der Manipulation hat, der sollte sich besser von LZ1KIS fernhalten, denn bei dessen Login-Prompt kann man im Internet als Rufzeichen eingeben, was man gerade will. Eine Überprüfung findet nicht statt.

Ist Rufzeichenmissbrauch ohne die Aussendung von Hochfrequenz überhaupt ein Rufzeichenmissbrauch? Der User ist doch "nur" über die Telefonleitung im Internet und muss nicht einmal ein Funkgerät dazu besitzen. Dem Missbrauch im deutschen Packet-Netz bis hin zu Straftaten jedenfalls öffnet LZ1KIS Tür und Tor. Die Kopplung von HF-Systemen mit Internet-Gateways wirft ganz offensichtlich viele bisher ungelöste rechtliche Fragestellungen auf, zumal, wenn sich die Koppelrechner im Nicht-EU-Ausland befinden.


UMTS-VERSTEIGERUNGSERLÖSE SCHÖNEN STAATSDEFIZIT

(hfs) Laut Statistischem Bundesamt war das Staatsdefizit erstmalig und einmalig im Jahre 2000 gar keins - es war positiv. Alle anderen Jahre - speziell zwischen 1997 und 2002 - waren tief negativ. Grund für die Ausnahme in 2000 waren schlicht die Milliarden-Erlöse aus der UMTS-Versteigerung.

Da bringt der Mobilfunk als ein Wirtschaftszweig alleine einmalig das Staatsdefizit nach unten und schon mobbt die Regierung diese Industrie mittels EMVG, FTEG, Herzschrittmacher-Grenzwerten und BEMFV derart, dass die Schaffung einer Infrastruktur und die Re-Investition der ersteigerten Lizenzen schier unmöglich werden. Am Amateurfunkdienst wird diese ausgesprochen technikfeindliche politische Grundhaltung ganz bestimmt nicht vorbeigehen.


FEEDBACK SELBSTANZEIGE

(red) Im Zuständigkeitsbereich einer RegTP-Außenstelle in Baden-Württemberg haben bisher 270 Funkamateure ihre Selbstanzeige nach BEMFV abgegeben. Davon wurden 267 beanstandet und wieder zurück geschickt, also ziemlich genau 99 Prozent. Nur ganze drei wurden akzeptiert. Es sieht so aus, dass die meisten Beanstandungen in den Zeichnungen und dem Kennzeichnen des vom Funkamateur kontrollierbaren Bereichs und der standortbezogenen Sicherheitsabstände zu finden sind. Hier nun ein paar Tipps zur Selbstanzeige:

  • Markieren Sie im Lageplan unbedingt und UNÜBERSEHBAR den von Ihnen KONTROLLIERBAREN BEREICH, also z.B. die Umrandung Ihres Grundstücks.

  • Zeichnen Sie unbedingt Ihren STANDORTBEZOGENEN SICHERHEITSABSTAND ein, den Sie rechnerisch oder durch Messung als Maximum über alle Antennensysteme bestimmt haben. Dieser sollte natürlich innerhalb des kontrollierbaren Bereichs liegen.

  • Wenn die RegTP Ihnen etwas "zur Entlastung" zurück schickt, so gilt die Selbstanzeige rechtlich als nicht geschehen. Sie haben nun die Entscheidung zu treffen, ob Sie auf der Korrektheit Ihrer ersten Abgabe beharren und gegen den Verwaltungsakt der Rücksendung juristisch vorgehen, oder ob Sie eine erneute Abgabe mit eventuell korrigierten Inhalten einsenden wollen - oder auch, ob Sie fortan mit 10 Watt EIRP senden wollen und "aufstecken".

  • Schicken Sie grundsätzlich alles mit EINWURFEINSCHREIBEN. Einschreiben mit Rückschein sind nicht notwendig, wenn es um die Dokumentation der Zustellung durch die Deutsche Post AG geht. Die RegTP versendet selbst keine Eingangsbestätigung.

  • Denken Sie darüber nach, ob es in Ihrem persönlichen Fall nicht besser ist, bereits im Vorfeld von nachbarschaftlichen Konflikten die vollständigen Berechnungsunterlagen und Messprotokolle einzuschicken und nicht lediglich zu Hause bereit zu halten, wie es in der BEMFV steht. Nur so kann ohne wenn und aber das Vorlege-Gebot des AFuG-Paragrafen 7 Absatz 3 von Ihnen erfüllt werden, das Ihre Rechtsposition im Konfliktfall stärkt.


DIE REISEKOSTEN DER REG TP IN SAN MARINO

(hfs) sind zwischenzeitlich auf dem Prüfstein des Bundesrechnungshofes. Die Eingabe eines Funkamateurs wurde zur Überprüfung angenommen. Das ist insofern interessant, dass nur solche Eingaben wirklich behandelt werden, die auch realistische Ansatzpunkte bieten.


FREQUENZHANDEL KOMMT

(rps) Eckpunkte zur Ausgestaltung eines möglichen Handels mit Frequenzen hat eine Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit ausgearbeitet, die Sie auf der Internet-Präsenz des Ministeriums laden können.

Hintergrund ist die anstehende Neufassung des Telekommunikationsgesetzes. Mit dem Begriff "Handel" ist gemeint, dass Inhaber von Frequenzzuteilungen diese direkt und ohne Umwege an andere interessierte Personen oder Firmen zu Marktpreisen verkaufen können. Dies ist heute nicht möglich: Heute müssen nicht mehr genutzte Frequenzen grundsätzlich zunächst an die RegTP zurück gegeben werden.

Diese marktpolitische Aktivität des BMWA muss uns Funkamateure alarmieren und massiv anspornen, für die Schaffung eines europäischen Amateurfunkgesetzes zu arbeiten, schon alleine, damit wir nicht unter einem europäischen TKG dem freien Frequenzhandel zum Opfer fallen.


SCANNER-EMPFÄNGER EINES JOURNALISTEN BESCHLAGNAHMT

(rps) Das Amtsgericht Detmold hat durch Beschluss vom 29.11.2002 die Beschlagnahme eines Kommunikationsempfängers - eines "Scanners" - bestätigt. Der Scanner wurde im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle auf dem Beifahrersitz liegend entdeckt; er war ausgeschaltet und an eine C-Netz-Außenantenne angeschlossen. Gegen den Willen des Journalisten wurde der Empfänger für weitergehende Untersuchungen beschlagnahmt und mitgenommen. Dabei wurde ermittelt, dass in dem Scanner Frequenzen des Polizeifunks im Speicher abgelegt waren. Der Verteidiger des Betroffenen hat gegen die Beschlagnahme Beschwerde eingelegt.

Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln hierzu: "Der bloße Besitz eines ausgeschalteten Scanners kann keinen Tatverdacht für die Verwirklichung des Paragrafen 86 TKG - er enthält das "Abhörverbot" - und für eine Beschlagnahme darstellen. Das ist verfassungswidrig. Außerdem gehören Scanner zum Berufswerkzeug von Journalisten."

Mitgeteilt von: Rechtsanwalt Michael Riedel, Köln.


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Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.