HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 70 / 2003 vom 23.02.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


NEUE NIEDERSÄCHSISCHE LANDESREGIERUNG:
AMATEURFUNK NUTZT DER GESELLSCHAFT

(rps) Die neue CDU-geführte Landesregierung in Hannover würdigt den Beitrag des Amateurfunkdienstes vor allem in Not- und Katastrophensituationen. Der designierte Ministerpräsident Christian Wulf will - so in einem Brief an einen Funkamateur - den Amateurfunk als autarkes und robustes Nachrichten- und Kommunikationsnetz in zukünftige Überlegungen im Hinblick auf den Zivil- und Katastrophenschutz mit einbeziehen. Die CDU Niedersachsen macht sich für eine deutliche Ausweitung dieser Anstrengungen stark: Unter anderem wird vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohungen die Wiedereinrichtung eines Bundesamtes für den Zivilschutz gefordert.

Der Amateurfunk in Deutschland bekommt hier die Chance, lange verlorenes Terrain wieder zurück zu gewinnen und sein Ansehen in Politik und Gesellschaft deutlich zu verbessern. Der Ausstieg des DARC aus dem nationalen Notfunk vor etwa 12 Jahren führte in die falsche Richtung. Er gab ein wichtiges Kompetenzfeld auf, provozierte die berechtigte Frage, welchen direkt und unmittelbar spürbaren Nutzen wir für die Gesellschaft eigentlich haben und reduzierte uns auf Spaß- und Hobbyfunk mit ein bisschen Technik drum herum. Packen wir's an - in den USA hat der Amateurfunk genau deshalb den Stellenwert, um den wir ihn beneiden.


BMWA VERÖFFENTLICHT AFUV-ENTWURF

(rps) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat nach über zweijährigem Bemühen den Entwurf einer neuen Amateurfunk-Verordnung (AFuV) im Internet veröffentlicht. Insbesondere sieht das Ministerium in seiner Pressemitteilung Handlungsbedarf für eine Überarbeitung hinsichtlich der Verantwortlichkeiten für besondere Amateurfunkstellen, die für die Benutzung durch die allgemeine Amateurfunk-Öffentlichkeit bestimmt sind. Allerdings sucht man diese Passagen im Text vergebens. Sie wurden nach AGZ-Informationen in letzter Minute wieder aus dem Entwurf heraus genommen, ohne jedoch die Presseerklärung zu ändern.

Stellungnahmen sind bis zum 30. April 2003 erbeten; sie werden allerdings nach uns aus dem Ministerium zugegangenen Informationen nur von Amateurfunkvereinigungen entgegen genommen. Den AFuV-Entwurfstext finden Sie auf unserer Internet-Website

www.agz-ev.de

In den kommenden Wochen bis Ende April werden wir Ihnen scheibchenweise die Neuerungen und Veränderungen präsentieren. Insgesamt ist der Entwurf als nicht gelungen zu bezeichnen, da er etliche eklatante Rechtsmängel und Nachteile für uns beinhaltet - dazu mehr am nächsten Sonntag.


NACHGEHAKT

(hfs) Das von Boyke Dettmers, DJ4KD, gegen die Verfügung 306/97 initiierte Klageverfahren ging verloren und kreierte der Kosten wegen viel Unmut. Untergegangen ist dabei aber m.E. die Tatsache, dass die Funkamateure sich damit quasi "ungeplant" eine Waffe gegen willkürliche Amtsblattverfügungen aus dem Hause RegTP zulegten. Das Gericht definierte eine Amtsblattverfügung als rein BEHÖRDENINTERNES Kommunikationsmittel - ohne Außenwirkung auf den Bürger.

Demnach beinhaltet der taufrische Entwurf zur Novellierung der Amateurfunkverordnung bereits wieder einen groben Verfahrensfehler, denn die in der Presseerklärung angekündigte Regelung für automatische und fernbediente Stationen will man ebenfalls in eine rechtsunwirksame Amtsblattverfügung packen - übrigens genauso wie die Inhalte und die Anfordernisse der Amateurfunk-Prüfung.


DB0WW TRICKST

(hfs) Das Protokoll der Herbst-Distriktsversammlung des DARC-Distriktes Ruhrgebiet, die am 9. November 2002 in Mülheim an der Ruhr stattfand, beinhaltet die folgende Passage:

"...Weiter erklärte er (DC9EL, red), dass der AGZ-Rundspruch ohne seine Zustimmung über DB0WW abgestrahlt wird. DF1QM empfahl, die AGZ zu ignorieren, keinesfalls jedoch die Aussendung zu stören. Es sei jedoch nicht möglich, die Aussendung zu verbieten, obwohl der DARC bzw. dessen Verantwortliche dort regelmäßig beschimpft werden ..."

Wir berichteten, dass DC9EL als Inhaber des Rufzeichens DB0WW der RegTP vor wenigen Tagen schrieb, dass er technische Probleme mit seinem Repeater habe, die zum Abschalten zwingen - unter anderem immer Sonntags beim AGZ-Rundspruch. Ich denke, dass die Probleme eher im Kopf des verantwortlichen Funkamateurs zu suchen sind, denn in seiner Technik.


DB0WW: VERFAHREN EINGESTELLT

(rps) Der Verantwortliche für DB0WW strengte bereits vor einiger Zeit ein verwaltungsgerichtliches Verfahren gegen die Regulierungsbehörde an. Die RegTP sollte gegen einen Funkamateur vorgehen, der die Relaisfunkstelle angeblich missbrauche und gegen Gesetze verstoße. Die Behörde lehnte dies mit Verweis auf die fehlende Rechtsgrundlage ab.

Dieses Verfahren ist nun Ende Januar vom Verwaltungsgericht Köln eingestellt worden, weil der Klagegrund sich zwischenzeitlich erledigt hat. Das Gericht sieht es allerdings in der Sache als völlig offen an, ob die Regulierungsbehörde wirklich zum Einschreiten gezwungen werden kann und hat deshalb die Kosten des Verfahrens gegeneinander aufgehoben.


ZWÖLF AMERIKANISCHE STAATEN UNTERSTÜTZEN
ERWEITERTES WELTWEITES 7 MHZ-BAND

(rps) Die Telekommunikations-Verwaltungen von Argentinien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Paraguay, Peru, Venezuela und der Dominikanischen Republik treten für ein 300 kHz breites und weltweit zugeteiltes 40-Meterband ein. Bisher steht diese Bandbreite nur auf dem amerikanischen Kontinent zur Verfügung, während der Rest der Welt dort Auslandsrundfunk veranstaltet und dem Amateurfunk nur 100 kHz zugesteht - was natürlich zu Konflikten führt.

Die Angelegenheit steht auf der Tagesordnung der im Juni in Genf stattfindenden Weltfunkkonferenz WRC-03. Wir berichteten bereits, dass auch die deutsche Nationale Gruppe zur Vorbereitung dieser Tagung einen zusammen mit dem Militär und der Deutschen Welle gefundenen Lösungsansatz unterstützt, der ebenfalls eine Erweiterung des 40-Meterbandes auf 300 kHz vorsieht.

Quelle: Radio Netherlands Media Network und ARRL


AMATEURFUNK GOES WDR-COMPUTERCLUB?

(hfs) "Die Welt" vom 21.2.2003 berichtet in ihrer "Ballade vom deutschen Ingenieur", dass die 68er Revolution jetzt ihre geistige Elite verspeist. Nachdenkenswert ist die Projektion auf den Amateurfunkdienst:

"... denn der Club bediente bei Jung und Alt ein futuristisches Fernweh, wie es besonders Kurzwellenamateurfunker gut kennen. Er bot Zukunftstechnik als Buddeltechnik hinterm TV-Mattscheibenglas ..."

Wenn wir in Zukunft diese Liebenwürdigkeit rüberbringen, haben wir viel gewonnen! Übrigens, der WDR-Computerclub wird im März eingestellt.


LESERBRIEF

DO1KRJ, Ralf, schreibt:

"Hallo,

Die Klasse 3 als Einsteigerklasse zu bezeichnen empfinden viele Klasse 3 Amateure als Fehlinterpretation. Es gibt keine Einsteigerklasse, genausowenig existiert eine Aussteigerklasse. Es ist sehr bedauernswert immer wieder diesen Begriff lesen zu müssen.

Eine wirkliche Initiative in Bezug auf 50 MHz wäre die Freigabe für ALLE Funkamateure mit entsprechender Leistungsbegrenzung. Revolutionär wäre die Freigabe aller Bänder für alle Funkamateure.

Meines Erachtens hatte die AGZ nur ein Ziel, nämlich die Abschaffung von CW. Jetzt wo dieses Ziel sogut wie erreicht ist, mit der Unterstützung vieler Amateure - hauptsächlich der Klasse 2 und 3 -, gibt es für die AGZ keine weiteren Ziele mehr. Es wird über ein QRP QSO berichtet, das keinen so richtig beeindrucken kann. Andererseits wird berichtet mit viel Power auf der Ausgabefrequenz eines Relais zu senden. Was soll denn das ?????

Ich erwarte einfach mehr von der AGZ als Opposition zum DARC.

73 de Ralf"

Ralfs Leserbrief wurde aus redaktionellen Gründen leicht gekürzt.


Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung von Funkamateuren und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.