HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 72 / 2003 vom 09.03.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL - KONKURRENZ FÜR DIE AGZ E.V. ??

(wvg) Drei namhafte Funkamateure, die alle in der Vergangenheit in verantwortlicher Funktion für den DARC in der Pflicht waren, haben sich Anfang Februar Gedanken über die Entwicklung des Amateurfunkdienstes in Deutschland gemacht. Dabei halten Sie eine Lösung dieses Problems nur für möglich, wenn ihr eigener Verein seine Strukturen endlich grundlegend ändert und den Teufelskreis aus nicht umgesetzten Konzepten und nachfolgender Frustration durchbricht. Das hört sich gut an.

Nur - wo waren diese Funkfreunde, als engagierte Mitglieder die heutige Entwicklung nachhaltig und schonungslos schon Mitte der 90er aufzeigten? Sie waren "in Amt und Würden".

Und wie haben sie reagiert? Applaus gab es nur hinter den Kulissen. Auf der Bühne haben sie zielstrebig diejenigen Kräfte unterstützt, denen die neuen Ideen nicht in den Kram passten. Konnten sie doch so in "bewährter" Form in der Öffentlichkeit für den Amateurfunkdienst tätig sein - und vor allem auch bleiben. Die innovativen Denkmodelle wurden innerhalb des Vereins im Kein erstickt. Wer es dennoch wagte, aus der Deckung zu kommen, musste mit dem Rausschmiss rechnen.

Wenn es den Dreien gelingen sollte, neben der AGZ e.V. eine schlagkräftige Truppe aus ihrem Verein zu machen, wäre ich der Letzte, der dies nicht begrüßen würde.

Ich wünsche den ehemaligen Vorsitzenden DJ8BN, DL9MH und DK9HU viel Erfolg mit ihrem "Memorandum zur Situation des DARC und des Amateurfunks", das Sie auf der Homepage des Ortsverbands G25 (Siebengebirge) lesen können. Und wenn es gar nicht klappen sollte, gibt es ja immer noch die AGZ e.V., wo Mitarbeit für den Amateurfunkdienst noch immer erfolgreich war.

Vy 73 de
Wolfgang, DL5EDA
Vorsitzender der AGZ e.V.


DIE NEUE AFUV - HEUTE: WAS BESSER WERDEN SOLL

(rps) Der Entwurf zu einer neuen Amateurfunkverordnung enthält auch Gutes: so z.B. eine Leistungserhöhung auf 1 Watt EIRP bei 135 kHz auf Langwelle - allerdings sind die Betriebsorte der RegTP anzuzeigen und die Bandbreite ist auf 800 Hz beschränkt. Der Bereich 1810 bis 1850 kHz darf künftig mit 750 Watt genutzt werden und 1890 bis 2000 kHz steht nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern überall in Deutschland mit 10 Watt out zur Verfügung. Erlaubt sind die Sendearten A1A, F1B und J3E sowie eine Bandbreite von maximal 2,7 kHz. Im 30-Meter-Band gibt es eine Überraschung: Von 10100 bis 10150 kHz darf künftig mit 300 Watt anstatt mit 150 Watt gesendet werden - bei einer Bandbreite von maximal 7 kHz. SSB ist nun erlaubt - wenn es kein Druckfehler ist.

Besonders hervorzuheben ist die vorgesehene generelle Freigabe des 50 MHz-Bandes für alle Inhaber der Zeugnisklassen 1 und 2. Allerdings sollen die Sperrzonen um die drei Fernseh-Grundnetzsender im Kanal E2 und die Beschränkung auf 25 Watt ERP und die Sendearten CW und SSB bestehen bleiben. Hier gilt es, Nachbesserungen zu verlangen.

Der Informationsaustausch mittels Licht wird für Wellenlängen kürzer als etwa 314 Mikrometer entsprechend 956 GHz erstmalig als "Amateurfunk" deklariert und generell für zulässig erklärt, sofern die Lichterzeugung den Laserklassen 1 oder 2 entspricht. Dies bedeutet die Forderung nach einer völligen Ungefährlichkeit der Strahlung für das menschliche Auge bei Laserklasse 1, und nach einer Ungefährlichkeit, solange das Licht im sichtbaren Bereich liegt und die Pulsdauer nicht länger als 0,25 Sekunden beträgt, für die Laserklasse 2. Ein Dauerstrich-Laser im Sichtbaren - also zwischen 400 und 750 Nanometer Wellenlänge - darf dabei nicht mehr als 1 Milliwatt Leistung haben.

Die Zeugnisklasse 3 soll in diesem Zusammenhang keine einzige betriebliche Verbesserung erfahren. Hiermit sind wir in der AGZ nicht einverstanden. Wir denken an eine Anhebung der in der Praxis kaum einhaltbaren Grenze von 10 Watt EIRP und - nach der Weltfunkkonferenz in diesem Sommer - an die Freigabe des 10-Meterbandes für die Einsteigerklasse. Auch eine Aufstockungs-Prüfung auf die kommende gemeinsame Klasse 1/2 sollte möglich sein - doch dazu mehr, wenn wir über Prüfungen reden. Nächste Woche geht's weiter.


GERICHT RÜTTELT AN SENDEMASTEN

(wvg/rps) Ein aktueller Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Münster nimmt die kommunalen Baugenehmigungsbehörden in die Pflicht: Gesundheitliche Auswirkungen und ästhetische Aspekte der Mobilfunkmasten sind vorher zu prüfen - jedenfalls in Nordrhein-Westfalen, wo das OVG Münster zuständig ist.

Der weitere Ausbau mit den umstrittenen Sendemasten dürfte jetzt speziell für UMTS noch schwerer werden. Möglicherweise müssen auch Antennen in den Innenstädten wieder abgebaut werden. Die Qualität des OVG-Beschlusses ist für den Nachbarschutz in Wohngebieten von immenser Bedeutung, für die Mobilfunkbetreiber könnte es knüppeldick kommen. In drei wesentlichen Punkten hat das Gericht betroffenen Nachbarn neue Klagemöglichkeiten eröffnet und die Prüfpflicht der Behörden erweitert:

Erstens - die Optik der Anlagen: Erstmals hat ein Oberverwaltungsgericht von den Gemeinden verlangt, auch die "optischen Auswirkungen der Mobilfunksendeanlage" in den Blick zu nehmen, wenn es um die Beurteilung nachbarrechtlicher Belange geht. Im Klartext: Sieht eine Antenne im Wohngebiet besonders hässlich aus, könnte sie als "störender Gewerbebetrieb" eingestuft werden.

Zweitens - Umweltschäden: Die Baugenehmigungsbehörde muss nach dem Beschluss "in eigener Zuständigkeit prüfen, ob schädliche Umwelteinwirkungen hervorgerufen werden". Dazu zählen auch die besonders umstrittenen Strahlenemissionen - neben der BEMFV also nun eine weitere Strahlen-Hürde.

Und Drittens - der Sicherheitsabstand als Baulast: Sollte der Sicherheitsabstand der Antennen (dieser weist einen Radius von typisch fünf bis neun Metern aus) auf dem Grundstück eines Nachbarn liegen, so könne der den Abriss fordern, falls er seine eigene Bautätigkeit beeinträchtigt sieht. Die Behörde muss jetzt also immer prüfen, ob Nachbarn betroffen sind.

"Das gefährdet massiv Arbeitsplätze gerade im Mittelstand", sagt Klaus-Dieter Maass, Chef eines Antennenbaubetriebs mit 35 Beschäftigten in Hamminkeln. Sein Unternehmen allein habe jetzt schon 110 Bauanträge auf Halde liegen, deren Genehmigung nicht voran komme. "Die Beamten wissen nicht mehr, nach welchen Kriterien sie Genehmigungen erteilen sollen." Dazu komme die Angst, für etwaige Strahlenschäden haftbar gemacht zu werden. Das dürfte jetzt noch schlimmer werden.

Das Urteil des Oberwaltungsgerichts Münster hat das Aktenzeichen 10 B 2417/02. Wir werden seine Relevanz für den Amateurfunkdienst sorgfältig prüfen. Jedenfalls ist nun der Gesetzgeber gefragt: Man kann nicht 100 Milliarden Deutsche Mark an Lizenzgebühren kassieren und den Unternehmen danach den Aufbau der notwendigen Infrastruktur behördlicherseits verweigern ...

Quelle: Rheinische Post vom 6. März 2003


DATV BOOMT

(hfs) Uwe Kraus - DJ8DW - bestätigte am 4. März der Redaktion von HamRadio 2day, dass bereits 100 Bestellungen für die neue Digital-ATV-Technik vorliegen - sogar aus Übersee. Uwe legt Wert darauf zu betonen, dass JEDER Funkamateur die für DATV notwendige Technik erwerben kann. Ein Versuch mit über 50 Usern vom Hochhaus der Deutschen Welle auf 23 cm war ein toller Erfolg. Wer sich für DATV interessiert, der schaue bitte vorbei bei

www.agaf.de


SUMMA CUM LAUDE FÜR DIE AGZ

(hfs) und speziell für ihre Lobbyarbeit entnehme ich dem schon im Leitartikel angesprochenen "Memorandum zur Situation des DARC und des Amateurfunks" einer Arbeitsgruppe um Horst Ellgering, DL9MH. Er schreibt auszugsweise:

"Dabei spielen nach der zwölfjährigen Erfahrung der Verfasser im Umgang mit Politik und Verwaltung nicht die Mitgliederzahl, sondern deren Qualifikation die entscheidende Rolle."

Danke für diese späte Bestätigung, dass Qualität sich nicht an der Delegationsgröße oder der Mitgliederzahl festmacht.


Vy 73
Hermann, DL1EEC

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