HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 73 / 2003 vom 16.03.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


DIE NEUE AFUV - HEUTE: PRÜFUNGEN

(rps) Das Verfahren, der Ablauf und die Inhalte von Amateurfunkprüfungen sollen zukünftig im Amtsblatt der Regulierungsbehörde festgelegt werden - und nicht mehr in der Amateurfunkverordnung. In der neuen AFuV finden wir - im Gegensatz zur aktuellen - weder, mit wie viel Prozent richtiger Antworten man bestanden hat, noch konkrete Prüfungsinhalte, noch gar die Dauer der Prüfungen. Man formuliert völlig unzureichend nur "technische und betriebliche Kenntnisse" sowie "Kenntnisse über nationale und internationale Vorschriften" und verlangt vom Kandidaten pauschal "ausreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten". Nur - was "ausreichend" ist, das steht nirgendwo.

Damit wird die Ausgestaltung dieser staatlichen Prüfung voll und ganz der Kontrolle des zuständigen Bundesministeriums entzogen, das Anhörungsrecht von Amateurfunkverbänden vollends ausgehebelt und die komplette Ausgestaltung der Prüfung in das beliebige Ermessen einer ausführenden Behörde gelegt - ein juristisches Unding.

Auch diese vorgesehene Regelung ist in Anbetracht des Münsteraner Oberverwaltungsgerichtsurteils zur nicht vorhandenen Bindung des Bürgers durch Amtsblatt-Verfügungen schlicht hanebüchen - nicht ohne Grund verlangt Paragraf 4 unseres Amateurfunkgesetzes ausdrücklich die Festlegung der inhaltlichen Anforderungen der fachlichen Prüfung für Funkamateure in einer Rechtsverordnung, die bekanntlich im Bundesgesetzblatt zu veröffentlichen ist. Sollte der Entwurf in dieser Form Wirklichkeit werden, dann sind Anfechtungsklagen geradezu vorprogrammiert.

Schlechter stellen will man Prüfungskandidaten bei Wiederholungsprüfungen. Muss heute die Anmeldung zu einer Wiederholungsprüfung spätestens nach 24 Monaten erfolgen, so soll zukünftig diese Art von Prüfung spätestens nach 24 Monaten bereits erfolgt sein. Bei dieser Regelung wäre man von der Arbeitsgeschwindigkeit der Behörde und dem rechtzeitigen Zustandekommen von Prüfungsterminen abhängig - wie wir meinen, ein rechtlich nicht haltbarer Zustand. Zur Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen sollte man es bei dem klar definierten Zeitpunkt der eigenen Anmeldung belassen, denn nur den allein hat man selbst in der Hand.

Auch diese Passagen bedürfen der Komplett-Renovierung. Soviel für heute - nächste Woche geht's weiter.


OVG MÜNSTER: HARTE BANDAGEN AUCH FÜR AMATEURFUNK-ANTENNEN

(rps) Der AGZ liegt das letzte Woche berichtete Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Baugenehmigung von Antennenanlagen mittlerweile im Wortlaut vor. Wir haben es eingehend analysiert. Das Gute vorweg: Amateurfunkantennen, die keine Baugenehmigung benötigen, sind davon nicht betroffen. Völlig anders sieht es aber aus, wenn die Antennenanlage baugenehmigungspflichtig ist - in Nordrhein-Westfalen z.B. ab einer Höhe von 10 Metern und in Hamburg grundsätzlich bei einer Strahlungsleistung von mehr als 10 Watt EIRP.

Hier muss das Bauamt nun unabhängig vom gewerblichen Charakter der Anlagen zusätzlich zur RegTP mit eigenen Mitteln prüfen, ob von der Antenne eine Umweltgefährdung ausgehen kann. Dabei sind auch zukünftige Entwicklungen und theoretische Möglichkeiten mit einzubeziehen. Das heißt konkret: Befinden sich Bereiche mit überschrittenen Feldstärke-Grenzwerten oberhalb von drei Metern Bodenhöhe im Luftraum des Nachbarn, wo sich heute grundsätzlich niemand aufhalten kann, so kann dies den Nachbarn dennoch an einer zukünftigen Bautätigkeit auf seinem Grundstück hindern. Abhängig davon ist die Baugenehmigung dem Funkamateur eventuell vorweg zu verweigern, da sie später nicht mehr widerrufen werden kann, wenn sie einmal erteilt ist. Der genehmigungsfreie Aufbau ist davon nicht berührt - hier muss in einem solchen Fall nur die Leistung zurück genommen werden.

Auch das äußere Erscheinungsbild sieht das Oberverwaltungsgericht extrem kritisch. Zitat aus dem Urteil:

"Auf das Ortsbild hat eine Mobilfunksendeanlage der hier in Rede stehenden Art mit einem - gemessen von der Oberkante der Dachhaut - 7,96 m über das Gebäudedach aufragenden und deshalb im Ortsbild auffallenden Antennenmast durchaus Einfluss."

Man bedenke: Genehmigungspflichtige Amateurfunkantennenanlagen sind durchweg noch wesentlich höher als 7,96 m und meist auch wesentlich ausladender als eine typische Mobilfunk-Basisstation, um die es im Prozess ging.

Gegen das Urteil ist keine Revision mehr zulässig - es steht also unumstößlich. Das ist dann wohl der nächste Mosaikstein zur Demontage des Amateurfunks in Deutschland - und ein schwerer Schlag gegen all diejenigen, die auf UKW nur mit Berücksichtigung der Winkeldämpfung vernünftiges DX machen können.


AGZ-DIGI IM TESTBETRIEB

(tu/hfs) Der Digipeater der AGZ ist seit wenigen Tagen an seinem Standort im Bergischen Land aktiv. Unter dem Rufzeichen DF0AGZ ist zunächst der 2-Meter-Einstieg in "altertümlichen" 1200 Baud AFSK auf 144,900 MHz in Betrieb gegangen. Der Kurzwellen-Einstieg in Pactor auf 14074, 21074 und 28074 kHz Mark wird in den nächsten Wochen folgen.

Wir danken allen Helfern und Gönnern für ihre Unterstützung bei der Inbetriebnahme dieses außergewöhnlichen Standortes in 387 m über NN. Wir hoffen, alle Benutzer werden Freude an diesem Umsetzer haben. Fragen und Anregungen senden Sie bitte an digi@agz.net im Internet oder an DL9JT im Packet-Radio-Mailboxnetz. Wir hoffen ferner, dass sich im Sinne des Nürnberger Urteils nun viele Funkamateure in der Betriebsart Packet Radio zu einem individuellen QSO im Umkreis von etwa 150 km auf DF0AGZ einfinden werden.


USA: TELEGRAFIE-PRÜFUNG SOLL GANZ FALLEN

(rps) Die amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC hat Mitte Februar ihre Vorschläge zur WRC-03 vorgelegt, die vom 9. Juni bis zum 4. Juli in Genf stattfinden wird. Die Vereinigten Staaten treten für eine vollständige und ersatzlose Streichung des Artikels S25.5 der VO-Funk ein, der heute noch praktische Morsekenntnisse zur Nutzung von Frequenzen unterhalb 30 MHz verlangt. Europa dagegen will den Begriff "Morsetelegrafie" nach wie vor nennen und es den einzelnen Staaten frei überlassen, ob sie davon Gebrauch machen. Allerdings werden die CEPT-Staaten selbst definitiv keine Morseprüfung mehr verlangen.

Auch in anderen Punkten unterscheiden sich die USA hier von Europa: So tritt die FCC für die Abschaffung des Drittenverkehr-Verbots ein und lehnt die verbindliche Festschreibung der ITU-Empfehlung M.1544 zur Festlegung von Prüfungsinhalten ab. Allerdings betonen die USA die konsequente Umsetzung des nicht-kommerziellen Charakters des Amateurfunks und des Verschlüsselungsverbots.

Uns in der AGZ erscheint die amerikanische Position insgesamt als geradliniger und zukunftsorientierter.


POLNISCHE FUNKAMATEURE

erhielten für 136 kHz und 50 MHz sekundäre Nutzungsrechte. Chris, SP5HS, berichtet, dass diese neue nationale Frequenzzuteilung am 27. Februar geltendes Recht wurde.

Quelle: RSGB


HORKHEIMER-PREIS 2003

(hfs) Nominierungen für den Horkheimer-Preis müssen bis Ende März erfolgt sein. Rudolf Horkheimer war einer der ersten Funkamateure in Deutschland. Der Preis wird jährlich vom DARC e.V. für Verdienste und zukunftsweisende Entwicklungen im Amateurfunkdienst vergeben. Eine und/oder mehrere Personen oder Institutionen können sich für den Preis bewerben und jedes Mitglied der IARU ist vorschlagsberechtigt. Natürlich gelten auch Selbstvorschläge. Der Preis besteht aus einem kubischen Glasblock inklusive einer Geldzuwendung. Der diesjährige Horkheimer-Preis wird während der Hamradio 2003 in Friedrichshafen verliehen werden. Richten Sie Ihren Vorschlag zur Nominierung mit Ihrer Begründung an

DARC e.V., Lindenallee 4, 34225 Baunatal.

Quelle: RSGB


EXTREME GELDBUSSE FÜR US-HAM

(hfs) Die amerikanische Frequenzaufsichtsbehörde FCC hat dem Funkamateur Scott E. Kamm eine Geldbusse in Höhe von insgesamt 12.000 Dollar auferlegt. Das ist eine der höchsten Geldbussen, die bisher von der Behörde gegen einen Funkamateur verhängt wurde. Der Funkamateur hatte nach Beobachtungen der FCC im Dezember vergangenen Jahres im 2-Meter-Amateurfunkband mutwillig Störungen verursacht, Musik ausgesendet und entgegen den Vorschriften sein Rufzeichen nicht genannt.

Die Geldbusse setzt sich wie folgt zusammen: Für die Nichtnennung des Rufzeichens "berechnete" die FCC 1.000 Dollar, die verbotenen Musikaussendungen schlugen mit 4.000 Dollar zu Buche und für die mutwilligen Störungen wurde der Funkamateur mit 7.000 Dollar zur Kasse gebeten.

Quelle: FM - das Funkmagazin


KLEINSTES BLUETOOTH-HEADSET

erleichtert Fonie-QSOs. Nextlink.to, dänischer Hersteller von Freisprecheinrichtungen mit Bluetooth-Funk bzw. Headsets, stellt sein neues Modell Bluespoon Digital vor. Das Mini-Headset enthält sämtliche Bauteile, also Mikrofon, Lautsprecher, Funkbausteine, Steuerelektronik und Akku in einem nur 47 × 25 × 25 mm kleinen käferartigen Gehäuse und wiegt lediglich 10 Gramm.

Ausgestattet mit dem Headset-Profil, koppelt es drahtlos an Bluetooth-Handys wie Nokia 6310i oder Sony Ericsson P800. Anrufe kann man über die beiden Tasten annehmen oder einleiten und bei entsprechenden Handys auch via Sprachsteuerung starten. In Kombination mit Bluetooth-PCs, die ein Headset-Profil haben, dürfte es sich auch zur drahtlosen Spracheingabe oder für die Telefonie per Voice over IP eignen.

Quelle: Heise-News-Ticker


Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.