HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 77 / 2003 vom 13.04.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL

(hfs) Unlängst besuchte mich ein OT, der - bedingt durch sein Alter - mit CW Schwierigkeiten hat. Er kaufte sich einen Pactor-Controller und frönt damit jetzt wieder seiner Leidenschaft Morsetelegrafie. Daraus resümiert er, dass ursprüngliches Handtasten-CW ja eine Abkehr von der Technik schlechthin sei.

Unlängst hörte ich auf DB0UR zu, wie über die Vernetzung von Repeatern diskutiert wurde. Es gibt offensichtlich Sysops, die sich beschweren, dass bei vernetzten Repeatern ständig Betrieb sei. Die ersehnte Ruhe auf Repeatern als Abkehr von der Technik?

Unlängst sah ich auf der Internet-Visitenkarte des deutschen Funkamateurs W. aus M., die er bei www.qrz.com anbietet, dass er nur noch auf 40 Meter QRV sein kann und um Kontakte via Echolink bittet. Dieser OM hat einen guten Funkfreund P. aus R., mit dem er gerne Betrieb macht. Nachdem ich die beiden via Echolink und meiner Funkstation "zusammenschaltete", hatte Funkfreund P. ziemliche Schwierigkeiten zu verstehen, dass er auf einmal mit seinem Funkfreund W. aus M. in Echtzeit spricht. Nachdem die beiden sich wieder getrennt hatten, motzte P. rum, dass so was kein Amateurfunk sei. Schließlich der Amateurfunk selbst als Abkehr von der Technik?

Offensichtlich läuft in den Köpfen einiger Funkamateure doch etwas grundsätzlich schief. Natürlich kann jeder seinen Amateurfunk so ausleben, wie es ihm beliebt. Natürlich sollte man keinem ein QSO aufzwingen. Natürlich darf man den AUSKNOPF drücken, wenn einem das Palavern über Repeater nicht zusagt. Und natürlich darf man aus der Amsat-DL austreten, wenn einem deren Echolink-Gateway nicht gefällt.

Aber bitte - vergessen wir mal nicht, dass der Amateurfunkdienst PRIMÄR ein Kommunikationsdienst ist, der allerdings auf der technischen Seite keine Grenzen hat und große Freiheiten genießt. Damit richtig umgehen zu können, macht offensichtlich sehr vielen Funkamateuren Schwierigkeiten.

Dieses Spannungsfeld führt offensichtlich einerseits zu Technikfeindlichkeit, was neue Medien angeht, und andererseits zu einer Kommunikationsabschottung, die den Amateurfunkdienst in den Geruch der gewerblich-wirtschaftlichen Nutzung bringt. Wagen wir doch mal wieder etwas mehr Amateurfunk in seiner Ursprünglichkeit als Kommunikationsebene und schönes Spielzeug.


10-METER-FM OHNE LOBBY?

(hfs) Chris (der Name wurde verfremdet) reklamierte am 7. April bei der AGZ, dass der aktuelle Bandplan der IARU im 10-Meter-Band nur auf den Relaisfrequenzen oberhalb von 29,2 MHz die Sendeart FM vorsieht. FM ist demnach für Funkamateure in IARU-Mitgliedsvereinen zwischen 28,225 und 29,2 MHz OFF LIMITS, da dort die Bandbreite auf 2,7 kHz beschränkt sein soll. Dass diese Situation de facto schon lange besteht, ist allerdings kein Argument, sie zu akzeptieren und nicht zu ändern.

Die AGZ besteht grundsätzlich auf der Beachtung geschützter Frequenzen im Sinne der Wissenschaftsorientierung des Amateurfunkgesetzes - hierzu zählen wir unter anderem die Bakensender -, nicht aber auf den teils unsinnigen Betriebsregeln privater Vereine. Daher sehen wir keine Probleme darin, FM als Betriebsart in den Bereichen oberhalb von etwa 28,8 MHz auszuüben, solange die Frequenz ungenutzt ist - und das wird im mit Riesenschritten nahenden Sonnenflecken-Minimum sehr oft der Fall sein. Übrigens - welcher handelsübliche Amateurfunk-Transceiver hält eigentlich in FM die von DARC und IARU geforderten 6 kHz als maximale Bandbreite oberhalb von 29,2 MHz wirklich ein?


FUNKAMATEUR DARF ANTENNE WIEDER ERRICHTEN

(rps) Es gibt auch noch erbauliche Nachrichten: Ein Funkamateur aus Frankenthal in der Pfalz traute vor wenigen Tagen seinen Augen nicht. Seine Langdrahtantenne, die er an seinem Haus und an einem gegenüberliegenden Haus befestigt hatte und die dort lange Jahre ohne Beachtung hing, fand er fein säuberlich zusammengerollt vor seiner Tür wieder. Ohne den Funkamateur zu informieren, hatte die Wohnungsverwaltung des anderen Hauses den Langdraht abgehängt. Auf Nachfrage wurde ihm erklärt, man betrachte die Antenne als einen ungenehmigten und nicht nur optisch unerwünschten Eingriff in das Eigentum.

Entgegen des Rates vieler anderer "Sachkundiger" - diese bescheinigten ihm wenig Erfolgsaussichten in dieser Sache - nahm er anwaltliche Hilfe in Anspruch: Dies mit dem Ergebnis, dass es ihm im Wege eines außergerichtlichen Vergleichs bereits vier Tage später gestattet wurde, die Antenne kostenfrei wieder am Haus anzubringen. Nach einigen speziellen Rechtsausführungen und unter Hinweis auf die Bedeutung des Amateurfunkdienstes für die Allgemeinheit - und auch wegen der schnellen und sachlichen Unterstützung des Ortsverbandsvorsitzenden konnte dieses Ergebnis erzielt werden.

Besonders zu erwähnen ist die kompetente und engagierte Unterstützung der Geschäftsleitung des DARC e.V. in Baunatal zugunsten des Funkamateurs: Innerhalb eines Arbeitstages wurde eine Bescheinigung über die bestehende Mitgliedschaft und die bestehende Haftpflichtversicherung des Betroffenen erstellt, unterzeichnet und übersandt. Die Geschäftsführerin der Wohnungsverwaltung hat nach Beilegung der Auseinandersetzung das Shack des Funkamateurs persönlich aufgesucht, um sich ein Bild von der Tätigkeit des Funkamateurs zu machen. Sie zeigte sich tief beeindruckt. Der Funkamateur wurde anwaltlich vertreten durch Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR aus Köln.


FCC WARNT FUNKAMATEURE

(red) Es könnte die LIZENZ kosten. Die amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC mahnte drei Funkamateure aus Idaho ab, die sich außerhalb der Amateurfunkfrequenzen bewegten, und sie drohte mit dem Entzug der Lizenz im Wiederholungsfall. Das Bußgeld beträgt zwischen 7.500 und 10.000 US-Dollar für das unlizenzierte Senden im 27 MHz-CB-Funkband in SSTV und SSB. In USA ist es im übrigen rechtlich erlaubt, öffentlich Verstöße detailliert zu beschreiben und dabei Ross und Reiter zu nennen - ganz im Gegensatz zur Bundesrepublik.

Quelle: ARRL


USA MACHEN MOBIL - FÜR DIE WRC-03

(red) Der amerikanische Amateurfunkverband ARRL will sich während der vom 9. Juni bis zum 4. Juli in Genf stattfindenden Weltfunkkonferenz WRC-03 nicht auf den alles andere überstrahlenden VO-Funk-Artikel S25.5 - Stichwort Morsetelegrafie - beschränken. Ausnahmslos alle kritischen Punkte sollen behandelt werden, die eine Verringerung des Frequenzspektrums oder eine Gefahr für den Amateurfunk insgesamt bedeuten könnten. Die ARRL hat folgende Themen auf der Agenda:

  • Die Abgrenzung der geplanten 40-m-Band-Erweiterung von den Expansionswünschen des Rundfunks im gleichen Frequenzsegment im Zusammenhang mit digitaler Kurzwelle bzw. DRM,
  • den Einfluss von industriellen Entscheidungen auf den Amateurfunk,
  • die Erhaltung des Amateurfunkdienstes im Allgemeinen,
  • die Festigung der Stärke und der Position des Amateurfunkdienstes auf internationaler Basis,
  • die erweiterten Frequenzansprüche zukünftiger LEO-Satelliten,
  • das kommende Satelliten-gestützte Radarsystem zur Abtastung der Erdoberfläche im 70-cm-Band und
  • die erwartete Expansion des Frequenzbedarfs von WLANs im Amateurfunkband bei 5,6 GHz.

Schließlich sollen Probleme des Drittenverkehrs und die geforderte Qualifikation der Funkamateure auf der WRC-03 abschließend behandelt werden. Anzumerken ist, dass die ARRL meint, dass der Amateurfunkdienst nur dann langfristig überleben könne, wenn organisierte und nicht organisierte Funkamateure an einem Strang ziehen und der Industrie gemeinsam Paroli bieten.

Quelle: ARRL


DAS WIRTSCHAFTSMINISTERIUM BESTÄTIGT ...

(red) dass das Betreiben von CB-Funk-Netzwerken kein "geschäftsmäßiges Erbringen von Telekommunikationsdiensten" im Sinne des Telekommunikationsgesetzes sei. Das hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit einem CB-Funker auf Anfrage mitgeteilt. Das Betreiben von Funkanlagen auf der Basis von Frequenzzuteilungen für den CB-Funk erfolgt auch in Fällen eines örtlich begrenzten Zusammenschlusses von Einzelfunkanlagen immer nach den Freiwilligkeitsprinzip. Eigentumsrechte der Nutzer sowie Rechte über Beteiligungen und Zugänge anderer Teilnehmer an diesen Netzen liegen nicht im Regelungsbereich des TKG. Dies ist in digitalen Amateurfunknetzen mit Sicherheit genau so.

Quelle: FM - Das Funkmagazin


DAS KREUZ MIT DEN BANDPLÄNEN

(red) der IARU erlebte ebenfalls KA1OGM, der W1AW das ARRL-Bulletin verlesen hörte. Er empfing ihn nämlich auf 7,290 MHz in SSB mitten auf der AM-Anruffrequenz. Na ja, manchmal stolpert man eben über die eigenen Füße.

Quelle: www.qrz.com


SCANNERURTEILE AKTUELL

(rps) Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt hat am 21. März 2003 einen Funkfreund und Diplom-Ingenieur der Nachrichtentechnik wegen unerlaubten Abhörens von Nachrichten gemäss Paragraf 95 TKG (das ist der "Abhörparagraf") zu einer Geldstrafe von 2.100 Euro verurteilt. Der Beschuldigte hatte den Scanner-Empfänger im September 2001 erworben. Das Gerät wurde bei einem polizeilichen Zugriff auf offener Strasse - das Gerät befand sich in der Jackentasche des Beschuldigten und er hatte einen Öhrhörer angeschlossen - im Oktober 2001 beschlagnahmt.

Es blieb in der Hauptverhandlung offen, auf welcher Frequenz der Scanner während des Zugriffs eingestellt war und welche Inhalte tatsächlich abgehört wurden. Erst bei einer dem Zugriff folgenden Überprüfung durch die Polizei wurde festgestellt, dass im Gerät eine Vielzahl von Betriebs-, Sondereinsatz- und Datenstationskanälen der Landespolizeidirektion, sowie auch Frequenzen von Rundfunksendern gespeichert waren. Das Gericht geht in seiner Entscheidung davon aus, dass der Beschuldigte zwischen September 2001 und Oktober 2001 in mindestens einem Fall Nachrichten von behördlichen Funkstellen abgehört hat. Ohne weitere Begründung führt das Gericht aus, das Gerät sei einzuziehen, weil anzunehmen sei, dass der Beschuldigte damit weiterhin den Polizeifunk abhören wird.

Der Beschuldigte hat durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln, gegen das Urteil Berufung einlegen lassen. Dieser erklärte: "Das Urteil kann keinen Bestand haben und leidet an erheblichen rechtlichen Mängeln". Das nicht rechtskräftige Urteil hat das Aktenzeichen B4 Cs 2278/02.

Quelle: Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR aus Köln


HAMRADIO FRIEDRICHSHAFEN 2003

(red) Auch dieses Jahr wird die AGZ e.V. wieder auf der HAMRADIO in Friedrichshafen präsent sein - erstmals auf dem neuen Messegelände. Sobald uns die Standnummer vorliegt, werden wir Sie informieren. Wir sehen uns!

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.