HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 79 / 2003 vom 27.04.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


GAST-KOMMENTAR

(hb) In zwei Themenkomplexen - nämlich "RegTP: 'Keine Einwände gegen Kopplung über Internet'" und "DL: HamRadio 2day 78-2003" - zähle ich am 23. April in der Internet-Newsgroup de.comm.ham insgesamt 284 Beiträge. Beim Lesen der Beiträge kam auch mir das Bild vor Augen, das Michael, DG2KAR, dort beschrieb: als ob gerade eine Herde Wildpferde mitten durch das Hirn galoppiert.

Dabei fing es ganz harmlos an: Stefan König schrieb unter Bezugnahme auf ein Statement der RegTP: "na endlich: Jetzt können wir auch die deutschen Relais an Echolink koppeln". Wohlgemerkt, es geht um eine ZUSÄTZLICHE Möglichkeit, und nicht darum, dass die Amateurfunkkommunikation künftig grundsätzlich über das Internet abgewickelt werden soll. Es geht darum, dass auch von Deutschland aus das gemacht werden KANN, was in vielen anderen Ländern längst üblich ist - NICHT aber gemacht werden MUSS!

Dass man über die Einbeziehung des Internets in den "Ausbreitungsweg" einer Kommunikationsstrecke unterschiedlicher Auffassung sein kann, ist erst einmal völlig normal. Aber - kann denn nicht akzeptiert werden, dass die Geschmäcker eben verschieden sind? Warum muss daraus immer gleich ein Riesenproblem konstruiert werden?

Wer beispielsweise Echolink machen will, soll es doch tun! Dadurch wird der Amateurfunk genau so wenig demontiert werden, wie seinerzeit durch die Umstellung von AM auf SSB oder durch das Hinzukommen von FM-Kanalfunk und Relaisfunk - und so weiter. Die Gefahren für den Amateurfunk liegen meines Erachtens ganz wo anders: beispielsweise in der Art der Kommunikation, wie wir miteinander umgehen. Wenn in beinahe 300 Diskussionsbeiträgen kaum ein Ansatz eines Konsenses feststellbar ist, die "Fronten" sich noch weiter verhärten, der jeweilige Diskussionsgegner als dumm, fundamentalistisch und was weiß ich noch alles bezeichnet wird, dann liegt doch was ganz schwer im Argen.

Amateurfunk - Brücke zur Welt; einander respektieren, egal welche Grenzen zwischen einem liegen, politische wie auch menschliche; leben und leben lassen? Manche nennen dies "Hamspirit".

Ich befürchte, wir sind auf dem besten Wege, uns diese Werte selber kaputt zu machen. Das Fatale daran ist: Was wir verlieren, werden wir erst merken, wenn wir es verloren haben.

Hermann, DK6XH.


AM 30. APRIL IST ES SOWEIT

(red) Die AGZ wird am kommenden Mittwoch, dem 30. April ihre Kommentierung zum Entwurf einer novellierten Amateurfunkverordnung veröffentlichen, den das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Mitte Februar dieses Jahres veröffentlicht hat - wir berichteten. Im Rahmen eines besonderen Schwerpunktes haben wir uns dabei intensiv mit der Fragestellung beschäftigt, welche speziellen Regelungen das vorrangige Amateurfunkgesetz in einer Rechtsverordnung überhaupt zulässt. Außerdem machen wir einen Vorschlag, wie die auf der WRC-03 zu erwartenden Beschlüsse zur Morsetelegrafie möglichst schnell in nationales Recht umgesetzt werden können - mit dem Ziel der Gleichstellung der Genehmigungsklasse 2 mit der Genehmigungsklasse 1 hinsichtlich der zugeteilten Frequenzen unterhalb von 30 MHz.

Sie werden unser Statement im deutschsprachigen Packet Radio-Netz in den Rubriken AGZ und ALLE als Textdatei finden. Darüber hinaus können Sie die Kommentierung natürlich auch auf der Website der AGZ e.V. unter

www.agz-ev.de

als PDF-Dokument einsehen und herunterladen.


FREQUENZNUTZUNGSPLAN LIEGT ALS ENTWURF VOR

(rps) Welch ein Ereignis: Nach fast siebenjähriger Schwangerschaft war es endlich soweit. Die Regulierungsbehörde gebar Mitte April den ersten Entwurf des Frequenznutzungsplans, den uns das Telekommunikationsgesetz bereits im Sommer des Jahres 1996 angekündigt hat und auf den unser Amateurfunkgesetz schon seit Sommer 1997 direkten Bezug nimmt. Viele hatten das nicht mehr für möglich gehalten. Auch der Amateurfunk ist enthalten - für ihn werden die Frequenzen ausgewiesen, die gemäss dem Amateurfunkgesetz den Funkamateuren als zugewiesen gelten. Der Frequenznutzungsplan benennt für uns in der Rechtssystematik allerdings lediglich die Frequenzen selbst, ohne weiter gehende Nutzungsdetails wie z.B. Genehmigungsklassen, Senderleistungen, Bandbreiten oder Teilbereiche für Relais und Digipeater vorzuschreiben. Dies soll statt dessen in der ebenfalls im Entwurf vorliegenden Amateurfunkverordnung geschehen.

Der Entwurf des Frequenznutzungsplans ist auf der Website der RegTP öffentlich zugänglich unter der URL

http://www.regtp.de/imperia/md/content/reg_tele/frequenznutzung/FreqNTP460.pdf

Die Behörde erwartet Stellungnahmen der bei der Aufstellung des Frequenznutzungsplans zu beteiligenden Öffentlichkeit bis zum 17. Juni 2003.


NEUES SPIEL - NEUES GLÜCK

(rps) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit startet nach einigen verwaltungsrechtlichen Niederlagen erneut einen Versuch, bei den Senderbetreibern an die Gebühren zu kommen: Die "Verordnung über Beiträge zum Schutz einer störungsfreien Frequenznutzung", die seit wenigen Tagen im Entwurf vorliegt, soll zukünftig ab dem Jahre 2003 die Frequenznutzungsgebühr und die EMV-Gebühr gemeinsam erheben. In diesem Jahr soll demnach der Amateurfunk 3,70 Euro für die Frequenznutzung und 20,90 Euro für Aufwendungen der RegTP im Rahmen des EMV-Gesetzes bezahlen, und zwar pro Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst - also pro Person und nicht pro Rufzeichen. Stellungnahmen erbittet das Ministerium bis zum 30. Mai 2003.


REGTP STARTET GEBÜHRENEINZUG IM MAI

(rps) Anfang Mai startet die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post den Versand von einer Million Beitragsbescheiden für die Rechnungsjahre 1999 bis 2002. Betroffen von dieser Aktion sind alle Betreiber von Sendefunkanlagen und die Inhaber von Frequenzzuteilungen, z.B. Flugfunk, Taxifunk, die Betreiber von Mobilfunk-Basisstationen und auch der Amateurfunk. Rechtsgrundlage dazu sind das Telekommunikationsgesetz (TKG) und das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten (EMVG). Pro Person wird die Regulierungsbehörde nach unserer Berechnung insgesamt etwa 110 Euro für diese vier Jahre einfordern - eine schöne Überraschung im Wonnemonat Mai.

Die AGZ e.V. hat nach gründlicher Recherche allerdings rechtliche Bedenken, ob Amateurfunkgenehmigungen und Frequenzzuteilungen, die allein auf der Basis des Amateurfunkgesetzes beruhen, tatsächlich zu einer Beitragspflicht auf Grundlage der genannten anderen Gesetze führen können, wie die RegTP dies zu handhaben gedenkt. Das AFuG selbst enthält keine Ermächtigung zur Erhebung laufender Gebühren. Wir werden zu gegebener Zeit - spätestens allerdings im Zusammenhang mit unserer Stellungnahme zum Entwurf der "Verordnung über Beiträge zum Schutz einer störungsfreien Frequenznutzung" - auf das Thema im Detail zurück kommen.


PETITION GEGEN PLC BEIM DEUTSCHEN BUNDESTAG

(red) Die Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer ADDX e.V. hat vor einigen Wochen in Zusammenarbeit mit einigen sehr engagierten Funkamateuren eine Petition zum Thema Power Line Communication (PLC) beim Bundestag eingereicht, die dort mittlerweile unter dem

Aktenzeichen 3-15-09-9027-006057

bearbeitet wird. Ab sofort kann sich jeder Interessent durch ein einfaches Schreiben an den Petitionsausschuss unseres Parlaments dieser Petition anschließen. In diesem Schreiben braucht z.B. nur zu stehen:

"Hiermit schließe ich mich den von der ADDX e.V. in ihrer Petition vom 19. März 2003 erhobenen Forderungen unter dem Aktenzeichen 3-15-09-9027-006057 an."

Die Adresse lautet:

Deutscher Bundestag
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Die AGZ e.V. sieht dies auch für Funkamateure als sinnvoll an und fordert dazu auf, die Petition der ADDX e.V. zu unterstützen. Schreiben Sie an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages! Den Wortlauf der Petition und eine Dokumentation zum Störpotenzial von PLC finden Sie auf der Website der ADDX unter

http://www.addx.de/plc/Petition.pdf


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Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.