HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 85 / 2003 vom 08.06.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


REGTP VERSICHERT:

KEINER ZAHLT BEI RÜCKNAHME DES WIDERSPRUCHS!

(rps) Es geht um die Beitragsbescheide nach TKG und EMVG: "DARC-Mitglieder müssen bei Widerspruchsrücknahme keine Gebühren in Höhe von 25 Euro entrichten, so lautet die schriftliche Zusicherung der RegTP", heißt es in einer aktuellen Vorstandsinformation dieses Vereins, nachdem die groß angekündigte Musterklage kurzfristig abgeblasen wurde. Mitglieder zahlen also nicht - und die anderen? Das erschien uns ein wenig suspekt, um nicht zu sagen rechtswidrig: Die AGZ hat nachgefragt - bei der RegTP.

Das Ergebnis: Laut deren Mainzer Rechtsreferat gilt diese Aussage für ausnahmslos alle Bürger unseres Landes, die aufgrund eines Beitragsbescheides Widerspruch eingelegt haben und diesen nun zurück ziehen möchten. Von DARC-Mitgliedern allein war seitens RegTP nie die Rede. Wenn Sie als Funkamateur einen eingelegten Widerspruch zurück nehmen möchten, dann können Sie dies tun, ohne mit Kosten rechnen zu müssen, und zwar unabhängig von einer Clubmitgliedschaft, so die Zusage aus Mainz gegenüber der AGZ.


AUCH DER WORST CASE-SICHERHEITSABSTAND IST EINE ENTE

(rps) Es geht um die BEMFV: "Im Lageplan der Selbsterklärung nach Paragraf 9 BEMFV ist nicht nur der kontrollierbare Bereich, sondern zusätzlich ein Worst-Case-Sicherheitsabstand einzuzeichnen", so berichtete der DARC e.V. letzte Woche. Hier hat die AGZ ebenfalls nachgehakt - bei dem für die BEMFV als Verordnungsgeber zuständigen Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Auch hier das Ergebnis: Dem Ministerium ist ein einzuzeichnender "Worst-Case-Sicherheitsabstand" nicht bekannt. Der zuständige Referent sagte gegenüber der AGZ: "Wir haben die BEMFV, und dort wird verlangt, den kontrollierbaren Bereich und den standortbezogenen Sicherheitsabstand einzuzeichnen, mehr nicht". Von Aktivitäten, dies zu ändern, habe das Ministerium weder Kenntnis, noch bestehe die Absicht dazu. Im übrigen habe sich die Regierungskoalition daraufhin festgelegt, eine Absenkung der EMVU-Grenzwerte solange nicht vorzunehmen, bis seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse dies notwendig machten. Dies sei aber nicht in Sicht.

Die Betreiber von Mobilfunknetzen haben sich im Gegenzug verpflichtet, freiwillig Vorsorge zu betreiben und nur soviel Strahlungsleistung zu benutzen, wie zur flächendeckenden Versorgung nötig sei. In mehr als 90 Prozent der Fälle würden dabei nicht einmal 10 Prozent des Grenzwerts ausgenutzt. Außerdem haben sich die Netzbetreiber verpflichtet, eine offene Informationspolitik zu betreiben, an der Standortdatenbank der Regulierungsbehörde mitzuwirken und den Städten und Gemeinden ein Mitspracherecht bei der Planung von Standorten einzuräumen. Auch all dies mache eine Grenzwert-Absenkung unnötig. Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit sei im übrigen bewusst, dass eine Absenkung der Grenzwerte - etwa um den Faktor 10 - den Amateurfunk in ernsthafte und existenzielle Schwierigkeiten bringen würde. Und dies sei nicht beabsichtigt.

Ein Anruf bei der RegTP schließlich ließ zumindest erahnen, was hinter dem "Worst-Case-Sicherheitsabstand" stecken könnte: Wenn man Sicherheitsabstände nicht durch Berechnungen exakt ermittelt, sondern lediglich Messungen macht, dann könne man einen Sicherheitsabstand ja gar nicht einzeichnen, weil dieser sich genau auf den Grenzwert beziehe, den man aber nicht gemessen hat - meinte jedenfalls der RTA gegenüber der RegTP und sah darin ein großes Problem, über das man unbedingt verhandeln müsse.

Wir können dieser merkwürdigen Logik allerdings nicht folgen: Wenn Sie durch Messungen nachweisen, dass die Grenzwerte am Rande Ihres kontrollierbaren Bereiches unterschritten werden, na dann setzen Sie doch einfach den Sicherheitsbereich gleich dem kontrollierbaren Bereich und malen in einer anderen Farbe noch ein paar Striche parallel dazu: Denn sicherer als sicher ist immer noch sicher!

Also vergessen Sie's einfach - Sie müssen nichts zusätzliches einzeichnen; und es gibt auch kein wirkliches Problem. Da hat wohl jemand Gespenster gesehen ...


DB0UR BALD MIT NEUER DIGITAL-TECHNIK - ODER WAS IST APCO25?

(red) Die Digitalisierung schreitet voran: DL1YDL, der Betreiber des 70cm-Relais Hohe Mark, DB0UR, präsentiert im Internet einige Features eines neuartigen digitalen Sprachrelais. Er hatte im Frühjahr bereits den Prototyp eines umgebauten Modacom-Senders vom Typ Motorola Astro 25 auf der Packet-Radio-Tagung in Darmstadt der Öffentlichkeit vorgeführt. Man konnte dort mit modifizierten so genannten APCO25-Handfunkgeräten im Mixed Mode analog und digital darüber kommunizieren.

Die Bedenken einiger OMs, mit einem Störsignal könnte die Eingabe dieser Umsetzer negativ beeinflusst werden, konnte DL1YDL ausräumen. Das Konzept sei derart gestaltet, dass die beiden Empfänger der Stationen im 6,25 kHz-Raster jeweils 8 Kanäle abtasten. Dabei wird DSP-Demodulation und Spread-Spectrum-Technologie im Frequency-Hopping-Verfahren verwendet. Zum effektiven Stören müsste der Störsender ein Breitbandspektrum aussenden, oder aber gleichzeitig mehrere Sender auf verschiedenen Frequenzen in die Luft bringen.

Folgt man DL1YDL's Vortrag in Darmstadt zur Digitalisierung von Amateurfunk-Sprachumsetzern, dann werden wohl in Zukunft Probleme mit anonymen Störern nicht mehr auftreten. Er kündigt an, dass noch in diesem Jahr die VFDB-Repeater auf 70cm, die sich auf exponierten Standorten innerhalb des Ruhrgebietes befinden, entsprechend umgebaut werden sollen. Das bedeutet konkret: Diese FM-Relaisfunkstellen werden in ihrer bisherigen Form keinen Bestand mehr haben, auch was die Reichweite anbelangt. Vorschläge an die Relaisverantwortlichen der 2-Meter-Relais DB0WE und DB0WW sind von DL1YDL ebenfalls erarbeitet worden und könnten kurzfristig umgesetzt werden. Benutzer dieser bisher analogen Relaisfunkstellen werden dann allerdings ihre Geräte umrüsten bzw. sich neue Geräte anschaffen müssen, die es auf dem Amateurfunkmarkt allerdings zur Zeit gar nicht gibt.

Was heißt übrigens APCO25? Es steht für "Association of Public Safety Communications Officials" und kommt aus den USA - und dort konkret von der nach dem 11. September 2001 zur Terrorabwehr gegründeten Homeland Security Task Force. Das Zugangsverfahren zu dieser Art von digitalen und sicheren Relaisfunkstellen verwendet ein so genanntes "DES Rolling Key-System". Damit ist klar, dass der Betreiber des Relais es allein in der Hand hat, wem er den Betrieb über seine Anlage erlauben will - und wem nicht. Ein jeder Einzelner müsste digital zertifiziert zugelassen werden und würde sich anhand seines nicht fälsch- oder kopierbaren digitalen Schlüssels eindeutig identifizieren.

So schön diese Maßnahme gegen mutwillige Störer auch einzusetzen ist, es gibt zwei riesige Nachteile: Erstens - damit ließe sich endgültig der handverlesene und exklusive Vereins- und Grüppchenfunk technisch realisieren sowie unliebsame Funkamateure vor die Tür setzen - z.B. ihrer Meinung wegen oder "einfach so". Und zweitens: Diese Technik ist ohne Selbstbau zur Zeit nicht machbar: Kommerzielle Geräte gibt es für den Amateurfunk fertig aufgebaut nicht.

Beides zusammen wirft erneut und in ziemlich verschärfter Form die Frage auf, ob die von der Regulierungsbehörde und ihren Vorgängern seit Jahrzehnten praktizierte Koordination automatischer und fernbedienter Amateurfunkstellen und die restriktive Vergabe entsprechender Rufzeichen wirklich rechtskonform ist. Ist APCO25 mit seinem individuellen Zugangscode der endgültige Killer der Koordination von Relaisfunkstellen?

Wir meinen: Wenn APCO25, dann nur bei einer Rechtsgrundlage, die einem jeden Funkamateur den Zugang und die Erteilung eines digitalen Schlüssels ohne jeden Zweifel garantiert. Dann allerdings hätten die anonymen Shack-Toreros ausgespielt ...

Eine Frage aber bleibt: Um dem Gebot der offenen Sprache Genüge zu leisten, müssten zumindest der Regulierungsbehörde gegenüber alle persönlichen Schlüssel offen gelegt werden - und es müsste sicher gestellt werden, dass jedermann die verschlüsselten Aussendungen empfangen kann. Hier sehen wir prinzipbedingt keine Lösung.

Quelle: www.db0ur.de


AGZ e.V. AUF HAMRADIO PRÄSENT

(wvg) Die AGZ e.V. wird mit voller Standbesatzung auf der Hamradio 2003 in Friedrichshafen vertreten sein. Treffpunkt ist für Mitglieder, Freunde und Kritiker der AGZ e.V. der Stand

A2-120

in der Halle A2. Wir freuen uns auf Ihren Besuch !


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Es ist soweit: Morgen am 9. Juni beginnt die WRC-03 in Genf. Diese internationale Tagung wird das Gesicht des Amateurfunks nachhaltig verändern und den Zugang zur Kurzwelle modernen Anfordernissen anpassen. Wir werden aktuell berichten.

Und schließlich: Ein frohes Pfingstfest wünschen wir allen Zuhörern und Lesern!

Vy 73
Hermann, DL1EEC

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