HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 89 / 2003 vom 13.07.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


ALEA IACTA EST

(hfs) Die WRC-03 ist vorüber und die ersten Regulierungsbehörden der Länder um Deutschland herum schicken ihre CEPT-2-Lizenzen auf die Kurzwelle: ohne wenn und aber - allen voran die Schweizer bereits jetzt und Großbritannien noch im Juli. Die ARRL setzt das Thema sogar nicht mehr auf Platz 1, sondern hinter die 40-m-Band-Erweiterung und sinniert, dass CW ja nach dem neuen Text gar nicht wirklich im reinen Wortsinne geprüft, sondern nur vorgeführt bzw. "demonstrated" werden muss, wie es im neuen VO-Funk-Artikel 25.5 auf Betreiben von Kanada nun heißt.

In Deutschland wird das Wirtschaftsministerium am kommenden Freitag, dem 18. Juli sein beabsichtigtes Procedere zur Zukunft der Zeugnisklasse 2 mitteilen, nachdem man die drei Tage davor in Berlin ein Arbeitstreffen zur Zukunft der Amateurfunk-Verordnung AFuV hinter sich gebracht hat - mit respektabler und zahlreicher personeller Beteiligung aus BMWA und RegTP. Vorab sagte uns am Donnerstag ein Behördenvertreter, dass das Ministerium sich streng an die Genfer Entscheidung der ITU halten wird: Die Morsetelegrafieprüfung wird in Deutschland definitiv keine Voraussetzung zum Senden auf Kurzwelle mehr sein. Die AGZ hatte dem BMWA bereits im April einen Vorschlag unterbreitet, die AFuV zunächst nur an einer einzigen Stelle zu ändern, damit es schnell geht: Klasse 2 sollte danach bis zu einer europäisch harmonisierten Lösung erhalten bleiben, nur die 30 MHz-Einschränkung wird aufgehoben. Eine generelle Rufzeichen-Umstellung ist nicht vorgesehen und auch nicht sinnvoll: Jeder Funkamateur kann sich bei Bedarf für die Gebühr von etwa 25 Euro individuell ein neues Rufzeichen kaufen.

Allerdings wird die Regulierungsbehörde die Möglichkeit einer CW-Prüfung auch in Zukunft anbieten, wenn z.B. eine Gastlizenz für ein Land, das CW kompromisslos weiterhin fordert, beantragt werden soll - allerdings nicht mehr bei allen Außenstellen und auch nicht mehr so oft.

Die AGZ e.V. hat in Sachen CW-Prüfung ihr Klassenziel erreicht und wir hoffen, dass der IARU-Vertreter in Deutschland nun langsam in eine - dem Amateurfunkdienst in Deutschland gerecht werdende - positive Richtung kommt. Der DARC hatte bekanntlich das Votum seiner Mitglieder bei der Vorabstimmung in der Nationalen Gruppe, die in Deutschland die WRC-03 vorbereitet hatte, nicht durchsetzen können.

Allen Mitarbeitern der AGZ, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, gilt unser herzlicher Dank. Besonders aber hervorheben möchte ich Ralph, DC5JQ, dessen Fachwissen und moderater Verhandlungsstil dem Europäischen Amateurfunkdienst eine neue Chance gab.


TERMIN

(hfs) Am 21. Juli um 13:00 Uhr trifft sich Bernd Häfner mit dem DARC e.V. vor dem Arbeitsgericht Kassel unter dem Aktenzeichen 1 Ca 358/03. Die Sitzung im Saal 505 ist öffentlich. Die Adresse:

Arbeitsgericht Kassel
Ständeplatz 19
34117 Kassel

Quelle: RA Michael Riedel, DG2KAR, im Internet


LAUSCHANGRIFF AUF BREMER CDU

(red) Ein 14-jähriger Hobbyfunker hat einen Abhörskandal in der Parteizentrale der Bremer CDU aufgedeckt. Der Junge war mit seinem Empfänger "versehentlich" auf eine Frequenz gestoßen, auf der Stimmen zu hören waren, die offensichtlich aus einem Büro der Bremer CDU-Parteizentrale zu kommen schienen. Der Funker informierte sofort den Bremer CDU-Landesvorsitzenden Bernd Neumann. Dieser schenkte ihm zunächst keinen Glauben, ließ aber vorsichtshalber sein Büro von einem Sicherheitsunternehmen überprüfen. Dabei entdeckten die Fachleute in einer Steckdose eine professionell installierte Abhöranlage.

Vier Tage später erschien der 14-jährige in Begleitung seiner Mutter erneut in der Parteizentrale. Diesmal gab er an, Gespräche aus dem Büro des CDU-Fraktionschefs Jens Eckhoff empfangen zu haben. Eine Überprüfung des Büros von Eckhoff ergab, dass auch dort eine Abhöranlage installiert war.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes handelt es sich bei den gefundenen Abhöranlagen um "hochprofessionelle" Geräte. Sie hatten eine Reichweite von ca. 800 Metern und sendeten in einem schmalen Frequenzbereich zwischen Amateurfunk- und Rundfunkband. Das Justizministerium erklärte, dass "die Abhöranlage nicht auf Veranlassung der bremischen Staatsanwaltschaft" installiert worden sei. Der Bremer Innensenator ließ verlauten, er lege "seine Hand dafür ins Feuer, dass unsere Sicherheitsbehörden nichts damit zu tun haben."

Dem hilfsbereiten Hobbyfunker, der die Affäre aufgedeckt hat, droht jetzt möglicherweise ein Strafverfahren. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL prüft die Staatsanwaltschaft, ob gegen den 14-jährigen ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz eingeleitet werden soll.

Quelle: FM - Das Funkmagazin


INTEL GEHT ALLIANZ GEGEN DEN AMATEURFUNK EIN

(red) Die Firma Intel hat eine Partnerschaft mit dem israelischen Spezialisten für drahtlose Datenübertragung Alvarion geschlossen. Gemeinsam wollen sie Chips und andere Produkte nach dem Standard IEEE 802.16a entwickeln. Der gleichnamige Industrieverband, dem auch Intel und Alvarion angehören, nennt seinen Standard "Worldwide Interoperability for Microwave Access" oder kurz "WiMax".

Intel sieht diesen Standard als Erfolg versprechende Alternative zur verkabelten "letzten Meile" an. Eine Intention der WiMax-Mitglieder ist es, Breitband-Internetzugänge in dünn besiedelte Gebiete zu bringen, in denen es zu kostspielig wäre, Kabel zu verlegen oder DSL anzubieten.

Der neue Standard wurde vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) Ende 2001 verabschiedet. Er definiert die Technik, um Funk anstelle von Kabeln als Übertragungsmedium in Metropolitan Area Networks (MAN) zwischen Provider und Kunden einzusetzen. Im Januar 2003 hat das IEEE diesen Standard erweitert: 802.16a schafft den technischen Rahmen für den Betrieb im Frequenzbereich von 2 bis 11 GHz, der auch lizenzfreie Bänder einschließt. Er soll jedoch nicht nur die letzte Meile drahtlos überbrücken, sondern auch mobile Anwender mit dem Internetzugang versorgen.

Damit ist das Schicksal des 13 cm- und des 6 cm-Amateurfunkbandes wohl endgültig besiegelt - und der Alptraum der AGZ-Argumentation bei den DSI-Hearings des ERO wird bittere Wahrheit: Die Primärnutzer nehmen uns de facto die Mikrowellenbänder durch massive Belegung Stück für Stück weg.

Quelle: Heise-Newsticker


WRC-03 WERTET NOTFUNK DER FUNKAMATEURE AUF

(red) Der neue Artikel 25 der VO-Funk umfasst mehr Änderungen als nur den Wegfall der Telegrafieprüfung. So wird den Funkamateuren unter anderem auch eine deutlich bessere Position beim Not- und Katastrophenfunk gegeben, als dies bisher der Fall war. Artikel 25.3 lautet in der neuen Fassung in deutscher Übersetzung:

"Amateurfunkstellen dürfen für den internationalen Nachrichtenaustausch für und an Dritte ausschließlich im Zusammenhang mit einem Not- oder Katastrophenfall benutzt werden. Verwaltungen können die Anwendung dieser Bestimmung auf Amateurfunkstellen im Rahmen ihrer jeweiligen Rechtsordnung festlegen."

Das ist eine drastische Aufwertung im Vergleich zum alten Text. Der lautete:

"Es ist streng verboten, Amateurfunkstellen für den internationalen Nachrichtenaustausch für und an Dritte zu benutzen."

Auch der völlig neue Artikel 25.9A ist bezeichnend. Er lautet:

"Die Verwaltungen werden ermutigt, notwendige Schritte zu ergreifen, die es Amateurfunkstellen erlauben, sich auf die Anfordernisse zur Unterstützung von Not- und Katastrophenfunkverkehr vorzubereiten und ihnen gerecht zu werden."

Insgesamt ist dies ein eindeutiger Auftrag der ITU an die Behörden zu handeln und geeignete Voraussetzungen in ihren Ländern zu schaffen, damit der Notfunkverkehr auch wirklich funktioniert, wenn es ernst wird. So etwas will geübt werden - und dazu passt keinesfalls die im AFuV-Entwurf vom Februar dieses Jahres enthaltene Pflicht, sich diese Übungen von der RegTP genehmigen zu lassen.


DENK´ MAL

(hfs) Die Anregung der letzten Woche, einmal über die sozialpolitischen Strukturen nachzudenken und sich vor der Wiederholung von Fehlern der Vergangenheit zu schützen, kam bei einigen Lesern von HamRadio 2day als Kritik am Vorstand des DARC an. Das hatte ich als Leser dieses Leitartikels von DL5EDA allerdings so nicht verstanden. Ein anderer Autor hätte in dieser Sache vielleicht die "Agenda 2010" genommen, die von der Funktion des Opportunismus her gesehen ebenso die Verhältnisse der Weimarer Republik wiederholt.


KORREKTUR

(hfs) In HamRadio 2day Nummer 85 berichtete ich über die Umgestaltung von Repeatern nach dem Vorbild von DB0UR. Als verantwortlichen Promoter nannte ich DL1YBL; geschrieben hatte ich aber DL1YDL. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Frank entschuldigen, dass er durch meinen Tippfehler litt; er schrieb uns:

"Hallo Hermann,

eigentlich wollte ich ja gar nicht auf euren Missprint reagieren, aber jetzt zieht es Kreise, die ich doch recht ärgerlich finde. In HamRadio 2day 85/2003 äußert Ihr Euch über die digitale Relaisfunktechnik und nennt eure Bedenken. Das ist euer gutes Recht. Soweit so gut, leider nennt Ihr als relaisverantwortlich für DB0UR und Verantwortlicher für die Digitaltechnik mich, DL1YDL. Dazu halte ich fest:

1. Ich bin nicht der Relaisverantwortliche von DB0UR oder irgendeinem anderen Relais!

2. Ich habe von Digitaltechnik keine Ahnung und bin schon gar nicht in der Lage, ein digitales Relais im Ruhrgebiet aufzubauen oder gar zu betreiben.

Aufgrund eurer Veröffentlichung werde ich nun immer häufiger angesprochen und auch angegriffen. Ich bitte euch öffentlich klarzustellen, dass ihr euch irgendwie beim Rufzeichen vertan habt und ich nicht der Ansprech- oder Angriffspartner für die digitale Relaisfunktechnik bin.

Vielen Dank
Frank Schmitte
DL Eins Yankee Delta Lima"

Sorry, Frank und Danke für den Hinweis.

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.