HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 90 / 2003 vom 20.07.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL: ZU NEUEN UFERN

(mk) "Wenn ihr doch so aktiv seid, wenn eure amateurfunkpolitische Arbeit doch so erfolgreich ist, warum habt ihr dann nicht mehr Mitglieder?"

Diese oder ähnliche Argumente werden oft gegen die AGZ ins Feld geführt und zeigen, dass der Sinn unserer Arbeit manchmal missverstanden wird. Die AGZ ist eine Arbeitsgemeinschaft - sie verstand sich nie als Dienstleister - und lebte stets vom Arbeitseinsatz ihrer Mitglieder.

Nach unserem Selbstverständnis arbeiten wir für den Amateurfunk in Deutschland und stehen somit im Dienste aller Funkamateure. Wir brauchen also keine Mitglieder, um diese vertreten zu können - willkommen aber war stets der Aktivist, der bei dieser Arbeit zu helfen bereit war.

Die Tätigkeiten der AGZ sind vielfältiger geworden und umfassen nicht mehr allein amateurfunkpolitische Aspekte. Aus der Arbeitsgemeinschaft wird zunehmend ein Verein, der mit seinen Aufgaben wächst und dessen Bekanntheitsgrad und Akzeptanz auch außerhalb Nordrhein-Westfalens ständig zunimmt. Dies haben die Reaktionen vieler Hamradio-Besucher in Friedrichshafen dieses Jahr deutlich gezeigt. Bemängelt wurde die Nichtverfügbarkeit von HamRadio 2day und das Fehlen von Ansprechpartnern vor Ort. Kein Kommunikationsweg kann die Gesprächsrunde vor Ort ersetzen. Und ein Rundspruch dient nur der kurzen und knappen Information - mehr nicht.

Kritik, die angekommen ist und die wir uns zu Herzen nehmen. Vielleicht hat die Definition als "Arbeitsgruppe" tatsächlich etwas abgrenzendes, vielleicht ist die eingangs erwähnte Frage gar nicht so abwegig? Immerhin werden Stimmen nicht nur gewogen - letztendlich werden sie auch gezählt.

In diesem Sinne arbeiten wir daran und freuen uns über jede ideelle Unterstützung. Und wenn Sie diesen Rundspruch nicht nur lesen sondern auch senden wollen, machen Sie doch einfach mit - wir würden uns freuen und Sie sind herzlich dazu eingeladen.

Michael, DO4EK


ENTSCHEIDUNGSSCHWÄCHE

(rps) zeigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Sachen Morsetelegrafieprüfung. Obwohl jedermann klar ist, dass die Prüfungsanforderungen der deutschen Genehmigungsklassen 1 und 2 sich nicht in einem einzigen Punkt oder Komma mehr unterscheiden, nachdem am 5. Juli die CW-Pflicht international gefallen ist, und obwohl es offensichtlich ist, dass weder das deutsche Amateurfunkgesetz, noch internationale Verträge eine Frequenzbarriere bei 30 MHz mehr begründen können, konnte sich die deutsche Ministerialbürokratie diese Woche auch nach einer dreitägigen Arbeitssitzung nicht dazu durchringen, den Beispielen der Schweiz und Großbritanniens zu folgen und Klasse 2 mit Klasse 1 ohne wenn und aber gleich zu stellen.

Obwohl es in der Sache keine offenen Fragen gibt, will man eine Sitzung der CEPT-Arbeitsgruppe RR6 in der kommenden Woche auf europäischer Ebene abwarten, um auch wirklich keinen "Fehler" zu machen. Sind angesehene und integere Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft, wie die Schweiz und Großbritannien, demnach voreilige Heißsporne? Immerhin - es gibt nach den der AGZ vorliegenden Informationen Gegenwehr aus den eigenen Reihen, wo einige offenbar auf eine Verzögerung der Freigabe aus sind. Gleichzeitig stellte das BMWA der AGZ gegenüber am 18. Juli noch einmal unmissverständlich klar, dass die CW-Prüfung auf jeden Fall irgendwann auch in Deutschland nicht mehr zur Kurzwellennutzung notwendig sein wird. Immerhin - ein Trost.

In der Schweiz haben am Donnerstag oder am Freitag alle Funkamateure der CEPT-Klasse 2 von der dortigen Regulierungsbehörde BAKOM einen Brief bekommen. Inhalt: bis zum Inkrafttreten endgültiger Verordnungsänderungen erteilt das BAKOM allen Inhabern einer Amateurfunkkonzession der Klasse 2 die Bewilligung, schon ab sofort alle Amateurfunkfrequenzen benutzen zu dürfen. Die Schweizer UKW-Amateure sind also bereits seit wenigen Tagen auf der Kurzwelle - auf allen Bändern und mit denselben Senderleistungen wie Klasse 1. Herzlich Willkommen und alles Gute!

Na also - geht doch. Warum nicht in Deutschland? Der oft beklagte Entscheidungs- und Reformstau feiert offenbar tatsächlich in deutschen Ministerien fröhliche Urständ: Ist die CW-Frage nur ein Beispiel unter vielen anderen für die deutschen Positionierungsprobleme in Europa?

Satire beiseite: Die AGZ e.V. bittet das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit mit allem Nachdruck, die WRC-03-Entscheidung schnellst möglichst in Deutschland umzusetzen - z.B. analog zur Schweiz auf der Basis einer vorläufigen Allgemeinverfügung im Amtsblatt der RegTP. Ansonsten hat der deutsche Bürger als Funkamateur im europäischen Konzert - wieder einmal - einen neuen Standortnachteil: diesmal einen wissenschaftlich-technischen. Wir bleiben dran.


NEUE AFUV STEHT IN DEN STERNEN

(rps) Wesentlicher Inhalt der gerade schon erwähnten dreitägigen gemeinsamen Arbeitssitzung von Mitarbeitern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und der Regulierungsbehörde war vergangene Woche die Zukunft des im Februar veröffentlichten Entwurfs zu einer neuen Amateurfunkverordnung. Auch hier gibt es ein Nicht-Ergebnis zu vermelden: Die drei Tage haben bei weitem nicht zur Beratung ausgereicht. Trotz Hinzuziehung eines versierten Verwaltungsjuristen gibt es nach der Auswertung der teilweise sehr umfangreichen Stellungnahmen der Verbände erheblichen rechtlichen und inhaltlichen Klärungsbedarf. Weitere Sitzungen sind nötig. Ein Termin für das Inkrafttreten einer neuen AFuV ist daher nicht vor dem Frühjahr 2004 zu erwarten.


GROSSBRITANNIEN MACHT DER CEPT-2 BEINE

(red) Der britische Amateurradio-Club RSGB will erfahren haben, dass die dortige Regulierungsbehörde RA in einem Newsletter das Ende der CW-Prüfung für die Kurzwelle bereits nächste Woche verkünden wird. Sobald die Notiz in deren Amtsblatt erscheint, sind die CEPT-2-Lizenzen in Großbritannien privilegiert, die HF-Bänder mit ihrem bisherigen Rufzeichen allumfassend zu nutzen.

Quelle: www.rsgb.org


WOLKENLÖCHER

(red) Optische Kommunikation über längere freie Strecken wird durch atmosphärische Bedingungen stark begrenzt. Französische Wissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass sich diese Begrenzungen, die besonders durch Luftfeuchtigkeit entstehen, mit Hilfe extrem starker ultrakurzer Laserpulse von 120 Femtosekunden Dauer umgehen lassen. Eine Femtosekunde ist der 10 hoch 15. Teil einer Sekunde - also ein Millionstel einer Milliardstel Sekunde.

Francois Courvoisier und Kollegen berichten in der Fachzeitschrift Applied Physics Letters von Experimenten, bei denen sie in künstlichen Wolken mit Wassertropfen von bis zu 95 Mikrometer Grösse so genannte Filamente erzeugt haben. Diese mehrere hundert Meter langen und etwa 160 Mikrometer durchmessenden Kanäle "umschließen" quasi den Laserpuls und breiten sich in der Wolke ohne großen Energieverlust aus. Die Wissenschaftler wollen die Technik jetzt auch unter kontrollierten natürlichen Bedingungen erproben.

Literatur: Courvoisier et al., APL Vol 83, No. 2, 14 July 2003, S. 213

Quelle: Heise-Newsticker


AGZ SCHREIBT AN FRIEDRICH MERZ, MDB, DK7DQ

(hfs) Sehr geehrter Herr Merz,

die AGZ e.V. ist ein bundesweit tätiger Verein für die Sicherung des Amateurfunkdienstes in Deutschland. Die ITU hat jetzt in Genf mit Gültigkeit zum 5. Juli 2003 die Betriebsart Morse-Telegrafie als Prüfungsvoraussetzung zur Kurzwelle aufgehoben. Zwischenzeitlich hat die Schweizer Verwaltung ihre CEPT-2-Lizenzen schriftlich aufgefordert, die Kurzwelle uneingeschränkt zu nutzen; Großbritannien und Belgien folgen nächste Woche.

Deutschland geht allerdings wieder einen Sonderweg und verzögert die Öffnung vehement. Das Problem sind offensichtlich die vielen Funkamateure in der RegTP, die sich für die Strategie des DARC e.V. stark machen. Der verantwortliche Mitarbeiter im BMWA musste sogar mit einem Juristen die Sitzungsteilnehmer in die "juristisch richtige" Richtung bringen.

Pikant für mich ist, dass der RTA für den 11.8.2003 bei Herrn Ehrnsperger einen Termin hat und ihm vormacht, dass der RTA alle Funkamateure vertrete. Richtig aber ist, dass der RTA von 83.000 Funkamateuren in Deutschland mal gerade 47.000 vertritt.

Das Amateurfunkgesetz ist nicht irgendein Gesetz, sondern ein Teil des demokratischen Auftrages in der Bundesrepublik Deutschland. Im AFuG-97 ist die gewerblich-wirtschaftliche Nutzung explizit unterbunden. Wir verstehen daher nicht, dass aus Gründen einer Vereins-Raison sich Deutschland wieder als Schlusslicht - heute im Amateurunkdienst - präsentiert. Bitte helfen Sie uns.

Mit freundlichem Gruß

Hermann Schulze, DL1EEC

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.