HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 94 / 2003 vom 17.08.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

LEITARTIKEL

(hfs) An "Maria Himmelfahrt" hat die AGZ e.V. ihr Klassenziel erreicht: Die Freigabe der Kurzwelle für CEPT-2-Lizenzen. Ich möchte an dieser Stelle allen AGZ-Mitgliedern DANKE sagen, dass sie uns diesen Erfolg ermöglicht haben. Zusätzlich möchte ich heute ein paar Wegbereiter ausserhalb der AGZ erwähnen, die ebenso wesentlich am Ergebnis mitgearbeitet haben:

Michael Riedel, Karl-Erhard Vögele, Franz Masson, Eberhard George für das BMWA und Bernd-Dieter Wolko stellvertetend für den AK2 der RegTP.

Allen Funkamateuren in Deutschland wünsche ich den technischen Fortschritt, den das AfuG 1997 ihnen ermöglicht.

Hermann, DL1EEC


GAST-KOMMENTAR

EIN GRUND ZUM FEIERN:

(ns) Die Morseprüfung, die den etwa 35.000 Funkamateuren der ehemaligen "Klasse 2" den Zugang zur Kurzwelle versperrte, ist weggefallen. Damit wurde ein Hemmschuh abgestreift, den die Behörden schon vor fast zehn Jahren ausziehen wollten, was damals vom DARC erfolgreich verhindert wurde. In diesen zehn Jahren hat es allerhand Diskussionen über den Sinn der Betriebsart CW gegeben. Unterscheiden muss man dabei zwei Positionen:

1. Für manche Oldtimer begann der Funkamateur erst jenseits der bestandenen CW-Prüfung.

2. Die jenigen hingegen, denen eine Zukunftssicherung unseres Hobbys am Herzen lag und die als aktive Funkamateure sich mit modernen Betriebsarten beschäftigten, deren Effizienz die der Telegrafie deutlich übersteigt, sahen zwischen Funkamateuren nur einen künstlich aufrechterhaltenen Klassenunterschied.

Über viele Jahre hinweg sahen sich die Oldtimer jeder Altersklasse am längeren Hebel. Sie kämpften um ihre Positionen mit mehr oder weniger fairen Mitteln. Letztlich jedoch mussten auch sie sich der Kraft der Argumente beugen und forderten vor wenigen Wochen die Behörden sogar ausdrücklich auf, die CW- Prüfung abzuschaffen.

Die Verteidiger der CW-Prüfung haben in ihren Kampf gegen Andersdenkende so viel Zeit und Energie investiert, dass für eine Förderung der Betriebsart Telegrafie kaum etwas übrig blieb. Sie drängten jene aus ihren Positionen, die in der Öffentlichkeit noch am meisten für CW warben - nur, weil diese zugleich für eine Abschaffung der CW-Prüfung eintraten. Während die Anzahl der Funkamateure trotz dieser Politik in fast allen Jahren stieg, wurde das Vertrauen zu den Behörden, den Mitgliedern und zur demokratischen Institution "Runder Tisch Amateurfunk" verspielt. Der Amateurfunk hat somit zehn weitgehend verlorene Jahre hinter sich, die wegen des Tempos der technischen Entwicklung doppelt zählen.

Nicht umsonst gilt die Kunst des geordneten Rückzuges als die schwierigste aller militärischen Operationen. Nun, wo die ehemals erbitterten Schranken beseitigt sind, steht die Frage nach dem ?Was tun?" an. Wenn diese Krise des Amateurfunk überhaupt einen Sinn gehabt hat, dann jenen: daraus für die Zukunft zu lernen. Die Liste dessen wäre lang, sie umfasst aber zwei zentrale Punkte:

1. Die Zukunft unseres Hobby ist nur dann erfolgreich zu sichern, wenn der Amateurfunk wächst. Hierfür ist ein Bild des zeitgemässen Amateurfunks zu entwickeln und dieses öffentlichkeitswirksam zu vertreten.

2. Zum zweiten dürfen sich die Funkamateure nicht nochmals durch divergierende Positionen auseinanderdividieren. Ein für alle Hobbyfreunde offener, fairer Meinungsbildungsprozess innerhalb des Amateurfunks ist ebenso notwendig, wie die starke Vertretung zukunftssichernder Positionen gegenüber Behörden, Politik und Gesellschaft. Die Entwicklung hat gezeigt, welche Positionen zukunftsfähig sind. Lasst uns zusammen daran arbeiten!

Zunächst aber wollen wir alle darauf anstossen, dass wir mit dem Wegfall der CW-Prüfung allein in Deutschland etwa 35.000 Funkamateure neu auf Kurzwelle begrüssen dürfen. Jeder von ihnen ist herzlich willkommen.

Nils Schiffhauer, DK8OK


WELTWEITER FUNKVERKEHR JETZT FÜR WEITERE 33.000 DEUTSCHE FUNKAMATEURE MÖGLICH

(red) (BMWA) - Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit setzt die Ergebnisse der Weltfunkkonferenz 2003 (Genf, 9. Juni bis 4. Juli 2003) im Bereich des Amateurfunkdienstes sofort um. Demnach werden in der Bundesrepublik Deutschland Morsetelegrafiekenntnisse als Zugangsvoraussetzung für die Nutzung von Kurzwellen-Frequenzbändern nicht mehr gefordert.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) wird bis zur Anpassung der deutschen Amateurfunkbestimmungen dulden, dass zusätzlich etwa 33 000 deutsche Funkamateure Kurzwellen-Frequenzbänder nutzen und somit weltweiten Funkverkehr durchführen können.

Betriebsrechte der Amateurfunkzeugnisklasse 2 werden denen der Klasse 1 gleichgestellt. Somit dürfen auch Inhaber der Klasse 2 die für den Amateurfunkdienst in der Bundesrepublik Deutschland ausgewiesenen Frequenzbereiche unterhalb 30 MHz unter Beachtung der dafür geltenden Bestimmungen nutzen. Diese Regelung gilt ausserdem für ausländische Amateurfunkzeugnisinhaber mit vergleichbaren Zulassungen zur Teilnahme am Amateurfunkdienst bei Besuchen in Deutschland.

Da die von dieser Regelung Begünstigten bisher nicht auf Kurzwellen-Frequenzbändern arbeiten konnten, wird darauf hingewiesen und darum gebeten, die neuen Möglichkeiten verantwortungsbewusst und unter Berücksichtigung der entsprechenden internationalen Empfehlungen über Amateurfunk- Frequenzbandpläne zu nutzen. Aus diesem Grund ist dafür zunächst nur das personengebundene Rufzeichen zu verwenden. Sonderzuteilungen für den 50 MHz-Bereich und Betriebsrechte der Klasse 3 bleiben unberührt.

Diese Regelung gilt ab 15. August 2003. Sie trägt dem Ziel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit Rechnung, Regulierungshemmnisse auch im internationalen Vergleich abzubauen.

Quelle: BMWA


BEI ALLER EUPHORIE EMV/U NICHT VERGESSEN

(hp) Bitte denkt bei aller Euphorie daran, dass nach der BEMFV erst gerechnet werden muss. Erst wenn die Erklärung im Briefkasten ist, kann es erst richtig auf der Kurzwelle losgehen. Ansonsten bleibt bitte bei 10 Watt EIRP. Wer dazu offene Fragen hat, wendet sich bitte an mich, DL2DAP. Ich beantworte gerne Fragen zu dem Themenkomplex EMV/U und BEMFV unter

dl2dap@vfdb.net


PRESSESCHAU

FUNKAMATEURE GEHEN JETZT IN DIE OFFENSIVE:

(red) (groe) Der Weinheimer Ortsverband der Funkamateure ist wütend und dies seit vier Monaten schon. Auch auf der ausserordentlichen Hauptversammlung, die am Freitagabend in Lützelsachsen unter grosser Mitgliederbeteiligung stattfand, war der Unmut unvermindert zu spüren.

Anlass ist die UKW-Tagung. 47 Jahre lag ihre Ausrichtung fest in den Händen des Ortsverbands. Unter seiner Regie hat sie sich zu einer international bekannten Fachmesse für Amateurfunk entwickelt, die jährlich bis zu 10000 Besucher zählt und mit ihrer Mischung aus Fachvorträgen und Flohmarkt erfolgreich dasteht. An diesen Erfolg möchte der jüngst gegründete Verein "Amateurfunktreffen Weinheim e.V." (ATW) anknüpfen, der sich die Ausrichtung der Tagung unter fragwürdigen Umständen einverleibt haben soll. Klammheimlich soll der "Wechsel" vonstatten gegangen sein, sprich ohne Wissen und Einverständnis der Funkamateure. Dass sich der ATW-Vorstand aus ehemaligen Vorstandsmitgliedern des Ortsverbands zusammensetzt, die erst Mitte Juli von ihren bisherigen Ämtern zurückgetreten sind, lässt die Angelegenheit kaum weniger brisant erscheinen. Obendrein machten verschwundene Ausgabenbelege die Handlungsunfähigkeit des übrig gebliebenen Vorstands und schliesslich die bislang grösste Krise des Vereins perfekt.

Damit nicht genug: Die nächste UKW-Tagung steht mit dem 30. August unmittelbar bevor. Es blieb also während der Hauptversammlung kaum Zeit, sich allzu intensiv mit den Ärgernissen der Vergangenheit zu beschäftigen. Stattdessen wurde ein neuer, funktionstüchtiger Vorstand mit Silke Mahlke an der Spitze gewählt. Ihr zur Seite stehen Tanja Riedel als stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende, Johann Friedrich als Kassenwart, Jörg Fuchs und Stefanie Winterscheid als Kassenprüfer sowie Daniel Klähn in der Funktion des Schriftführers. Die Entlastung wurde gar nicht erst durchgeführt, da die Kasse, so Mahlke, bislang noch nicht geprüft werden konnte. Das werde jetzt schleunigst nachgeholt. Unabhängig davon waren sich die meisten Mitglieder einig: Der alte Vorstand soll explizit nicht entlastet werden.

Lief die Wahl selbst einmütig ab, entwickelte sich die anschliessende Suche nach einer "hieb- und stichfesten Strategie", wie Mahlke sie für den Umgang mit dem ATW und der diesjährigen UKW-Tagung forderte, zu einer lebhaften Diskussion. Einig waren sich die meisten Mitglieder zwar in dem Wunsch, den verlorenen Einfluss schnellstmöglich zurückzugewinnen und im nächsten Jahr wieder die Geschicke der Tagung zu lenken. Die Meinungen gingen indes spätestens bei der Frage auseinander, wie sich der Ortsverband bei der diesjährigen Tagung verhalten sollte. Manche machten sich für eine einstweilige Verfügung stark, um die Veranstaltung unter ATW-Leitung um jeden Preis noch zu verhindern.

Andere Stimmen wollten "Flurschaden" vermeiden und riefen, wenngleich zähneknirschend, zu einer Zusammenarbeit mit dem ATW auf, um das Image der Veranstaltung nicht zu beschädigen. Der rege Meinungsaustausch, der sich über Stunden hinzog, diente zugleich als Botschaft: Die Funkamateure gehen in die Offensive. So kündigte Silke Mahlke bereits bedeutungsschwanger an: Der Ortsverband "pennt meistens so vor sich hin, aber wehe wenn man ihn weckt". Bis zum 30. August dauert es nicht mehr lange.

Soweit die Weinheimer Nachrichten.


DIE AGCW SCHREIBT IN IHREM MEMORANDUM VOM 14. AUGUST 2003

(red) (agcw) Die Arbeitsgemeinschaft Telegrafie (AGCW) e.V. als grösster Verband deutscher CW-Freunde bedauert die Abschaffung des Prüfungselementes Telegrafie in der Amateurfunkprüfung. CW ist immer noch, insbesondere auf Kurzwelle, neben SSB eine der beiden Hauptbetriebsarten, so dass ein sachlicher Grund für die Abschaffung dieses Prüfungselementes nicht zu erkennen ist und die Ergebnisse der WRC 2003 ein Fortbestehen einer wie auch immer gearteten Telegrafieprüfung durchaus ermöglicht hätten, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen.

Die Mitglieder sowohl der AGCW als auch des DARC haben sich deutlich für den Erhalt der CW-Prüfung eingesetzt. Zu diesem Thema hat die AGCW nach Bekanntwerden der Ergebnisse der WRC 2003 dem Runden Tisch Amateurfunk (RTA), dem AGCW und DARC angehören, ein deutliches Positionspapier übermittelt. Trotzdem hat der Runde Tisch Amateurfunk, vertreten durch seinen 1. Vorsitzenden Hans Jörg Unglaub, DL4EBK, es versäumt, diese Position auch der Behörde gegenüber deutlich zu machen. Noch in einer Information an die RTA-Mitgliedsverbände vom 16. Juli 2003 heisst es wörtlich: "Für die Position des DARC bzw. RTA sei auf das Votum der Deutschen Funkamateure aufgrund der Mitgliederbefragung des DARC hingewiesen. Der RTA/DARC wird im Rahmen der nunmehr erfolgten aktuellen WRC-Beschlüsse die Ergebnisse der Mitgliederbefragung in Gesprächen mit den deutschen Behörden vertreten." Schon wenige Tage später hatte diese Aussage offensichtlich ihre Gültigkeit verloren, und der RTA hat die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber der Behörde ungenutzt verstreichen lassen. Hier muss ein Versagen der Institution "Runder Tisch Amateurfunk" festgestellt werden, das die Funktionsfähigkeit dieses Verbandes als Interessenvertretung des organisierten Teils der deutschen Funkamateure insgesamt in Frage stellt.

Deutschland gehört zu den ersten Ländern, in denen die Freigabe der Kurzwelle für Funkamateure ohne nachgewiesene CW-Kenntnisse erfolgt ist. Viele Staaten der Welt, nicht zuletzt die USA, verlangen weiterhin eine Telegrafieprüfung für den Zugang zu allen Amateurfunkbändern. Im Interesse derjenigen Funkamateure, die auch in Zukunft in solchen Staaten eine Gastlizenz erlangen wollen, muss es weiterhin möglich sein, auf freiwilliger Basis eine CW-Prüfung abzulegen und darüber ein behördliches Zeugnis zu erhalten. Bei der Umsetzung eines solchen freiwilligen Prüfungssystems bietet die Arbeitsgemeinschaft Telegrafie e.V. ihre Unterstützung an.

Den Funkamateuren, die jetzt ohne zusätzliche Prüfung in den Genuss der Amateurfunkbänder auf Kurzwelle kommen, wünscht die AGCW viel Spass und Erfolg auf den neuen Frequenzen. Diejenigen, die die Vorteile der Betriebsart Telegrafie, besonders bei DX, QRP und Contest, kennenlernen wollen, sind herzlich eingeladen, es auszuprobieren. Als Starthilfe kann das "Morsefreund"-Programm der AGCW dienen. Informationen dazu sind auf der Webseite

http://www.agcw.de/

zu finden.

Die AGCW erwartet vom RTA/DARC, sich auf nationaler und internationaler Ebene auch langfristig für den Erhalt der exklusiven CW-Bandsegmente einzusetzen. Dazu heisst es im Deutschland-Rundspruch 28/2003 vom 17. Juli 2003 unmissverständlich: "Auch künftig wird der DARC für die Erhaltung der CW-Bereiche auf den Kurzwellenbändern eintreten." Es bleibt zu hoffen, dass dieser Einsatz in dieser Sache mit grösserer Konsequenz erfolgt als bei der von den DARC-Mitgliedern legitimierten und dennoch rasch aufgegebenen Position zur CW- Prüfung.

Soweit der Kommentar der AGCW zum 15. August 2003.


REGTP STELLT VERFAHREN GEGEN FUNKAMATEUR EIN

(mr) Die Aussenstelle Bremen der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat am 01.08.2003 ein Ermittlungsverfahren gegen einen Funkamateur aus Ahrensburg ohne weitere Folgen eingestellt. Der Funkamateur hatte im März 2003 mit einem Amateurfunkgerät auf der Frequenz 27,555 MHz Sendebetrieb durchgeführt. Daraufhin hat die Regulierungsbehörde im Mai des Jahres mit einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Ahrensburg in den Händen die Wohnung des Betroffenen durchsucht.

Der Funkamateur, der am Vortag die Lizenzprüfung abgelegt hatte, gab die Tat zu und versicherte, nicht mehr mit Amateurfunkgeräten im CB-Band zu senden. Freiwillig gab er das Amateurfunkgerät für die Sicherstellung heraus. Der Betroffene wurde von Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln vertreten. Riedel begrüsste die Entscheidung und betonte, dass die Regulierungsbehörde in diesem Fall eine bemerkenswerte und sehr gerechte Entscheidung getroffen habe.

Quelle: Michael Riedel, Rechtsanwalt


Vy 73 Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.