HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 97 / 2003 vom 07.09.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


WAHRNEHMUNGSVERSCHIEBUNG

(rps) ist vielleicht der richtige Begriff. Einige Verlage meinen zur Zeit, in Anbetracht der "CEPT 2-Schwemme" auf Kurzwelle den Neulingen publizistisch unter die Arme greifen zu müssen: So der DARC-Verlag mit seiner 82-seitigen CQ DL-Sonderausgabe namens "Auf die Kurzwelle!" und der Theuberger-Verlag mit der September-Ausgabe seiner Fachzeitschrift "Funkamateur", die in der Heftmitte ein Faltblatt mit dem aktuellen IARU-Bandplan enthält.

Dort findet sich zum 160-Meterband die folgende Fußnote: "Diejenigen Verbände, die SSB-Zuweisungen unter 1840 kHz haben, dürfen diese weiterhin verwenden". Ja, sie haben richtig gehört: Nicht Funkamateure oder Staaten haben laut "Funkamateur" Frequenzzuweisungen, sondern Verbände - Senden also nur mit Clubmitgliedschaft erlaubt? Wahrnehmungsverschiebung ist da wohl wirklich der richtige Begriff, der ebenfalls auf die an sich gut gemachte CQ DL-Sonderausgabe zutrifft.

Hier schreibt Dr.-Ing. Hartmut Büttig, DL1VDL, auf Seite 9: "Die Beachtung des nationalen Bandplans ist in Deutschland für alle Funkamateure verbindlich, ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zum DARC" - Amateurfunkgesetz und Amateurfunkverordnung als Erfüllungsgehilfen privater Organisationen? Wohl kaum. Auch hier ist eine Wahrnehmungsverschiebung die einzige Erklärung - es bleibt mir nur, Gute Besserung zu wünschen.


PRESSESCHAU

(red) Wir machen weiter mit einigen Pressezitaten. Der "Radio-Kurier" der ADDX e.V. warnt in seiner Ausgabe 17/2003 vor dem 16. Oktober. Dann nämlich soll die EU-Kommission über die zukünftigen Frequenz-Zuteilungen in Europa unterhalb von 30 MHz beraten. Da mittlerweile fest steht, dass Power Line Communication - PLC - mit anderen Funkdiensten unverträglich ist, wollen die EU-Strategen ernsthaft darüber nachdenken, ob sie PLC als Primärnutzer europaweit ausweisen lassen wollen. Soweit der Radio-Kurier.

Der Remscheider General-Anzeiger - rga - schreibt zur Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin in seiner Ausgabe vom 4. September: "IFA funkt positive Signale" und meint damit konkret, dass die drahtlose Vernetzung aller Kommunikationsgeräte vor dem Durchbruch stehe, auch und vor allem im Heimbereich. Soweit der rga.

Die CQ DL, das Mitglieder-Magazin des DARC e.V., schreibt in ihrer September-Ausgabe zur Klasse 2 und zur Kurzwelle, dass das Ringen des DARC für die Klasse 2 nun ein Ende fand. Er (der DARC) berichtet dort auch, dass er sich schon immer den Zwängen der internationalen Gremien untergeordnet hätte. Die CQ DL gipfelt darin, dass sie die neuen Kurzwellen-Nutzer bei ihren ersten Schritten unterstützen möchte. Soweit die CQ DL zu Klasse 2 und Kurzwelle und auch unsere Presseschau.


IDENTITÄTSMISSBRAUCH

(hfs/rps) Diese Woche erreichte DL1EEC eine Email, die angeblich von ihm selbst stammen soll, an einen Mitarbeiter der RegTP adressiert ist, und die wegen Virenbefall mit dem Sobig-Wurm vom Mailserver der Regulierungsbehörde zurück gewiesen wurde. Fest steht aber, dass Hermanns Rechner virenfrei sind, dass er die Mail nicht verschickt hat, dass er die vorgefundene Adresse dl1eec@agz-ev.de niemals als Absender- oder ReplyTo-Adresse benutzt, und schließlich, dass die besagte Email nicht über Hermanns einzigen Provider verschickt wurde.

Zum tatsächlichen Absender dieser Mail kann man nur Vermutungen anstellen und spekulieren, dass es sich um einen engagierten Vertreter traditioneller Amateurfunkkreise handelt, der ein wenig Spaß veranstalten und die AGZ bei der RegTP in Misskredit bringen möchte. Ein teures Vergnügen: Wie Sie bei Interesse unter den Aktenzeichen 16 O 103/02 und 5 W 218/02 des Landgerichts und des Kammergerichts Berlin nachlesen können, können solche "Späßchen" bis zu mehreren tausend Euro teuer werden, da das Amateurfunkrufzeichen die rechtliche Qualität eines persönlichen Namens besitzt, und es sich somit um die Vortäuschung einer falschen Identität handelt.


OEVSV UND VFDB SCHLAFEN - NICHT MEHR ?

(red) Wir berichteten, dass auf den Webseiten des OEVSV und des VFDB bezüglich der Kurzwellen-Zugänge noch Tiefschlaf herrscht. Offensichtlich hat diese Meldung von HamRadio 2day den VFDB dazu bewegt, mindestens in seinem letzten Rundbrief auf die geänderte Situation aufmerksam zu machen. Congrats!


BEI ALLER EUPHORIE EMVU NICHT VERGESSEN !

(hp) Noch einmal unsere Information: Bitte denkt bei aller Euphorie daran, dass nach der BEMFV erst gerechnet oder gemessen werden muss, wenn sich die Sendeanlage verändert hat, indem z.B. neue Frequenzen dazu gekommen sind. Erst wenn die Anzeige der eigenen Funkstation mit Kurzwellenerweiterung im Briefkasten ist, kann es richtig auf der Kurzwelle losgehen. Ansonsten bleibt bitte bei 10 Watt EIRP.

Wer dazu offene Fragen hat, wendet sich bitte an mich, DL2DAP. Ich beantworte gerne Fragen zu dem Themenkomplex EMV/U und BEMFV unter der Emailadresse dl2dap@vfdb.net.

Heinz, DL2DAP


KNOPPIX JETZT MIT HOBBYFUNK-SOFTWARE

(red) Die Linux-Schnupper-Distribution "Knoppix" ist seit einiger Zeit auch mit Hobbyfunk-Software erhältlich. "Knoppix" ist eine Zusammenstellung von Linux-Software, die direkt von einer CD läuft, ohne auf dem Rechner installiert werden zu müssen. Knoppix verändert auf dem betreffenden Computer keine Daten und ist damit bestens für Anwender geeignet, die in das Betriebssystem Linux nur mal "hineinschnuppern" wollen, ohne an ihrem vorhandenen System etwas ändern zu müssen.

Der Funkamateur Hubert Fink, DG7MGY, hat die Knoppix-CD um zahlreiche Amateurfunk-Programme ergänzt. Die erweiterte "Afu-Knoppix-CD" enthält neben Packet-Radio-Programmen auch Software für die Betriebsarten CW, RTTY, Fax, SSTV und PSK31 sowie Programme zur Antennenberechnung, Logbuchführung, Satellitentracking und Locatorberechnung.

Die Afu-Knoppix-CD kann gegen Einsendung eines leeren CD-Rohlings und eines passend frankierten und selbstadressierten Rückumschlags direkt bei DG7MGY bezogen werden. Interessenten setzen sich bitte mit DG7MGY unter der Emailadresse fink-hubert@gmx.de in Verbindung. Umfassende Informationen zum "normalen" Knoppix-Projekt (ohne Hobbyfunk-Software) sind im Internet unter

www.knoppix.de

zu finden.

Quelle: FM - Das Funkmagazin


SPANIEN - EIN ANTENNENPARADIES ?

(red) Während deutsche Funkamateure häufig mit Vermietern und Eigentümergemeinschaften um die Installation einer Dachantenne streiten müssen, haben es die Kollegen in Spanien leichter: Dort gibt es ein Antennengesetz namens "Ley de Antenas" aus dem Jahre 1983, das den Funkern weitgehende Rechte beim Aufbau einer Funkantenne einräumt. Der Kölner Rechtsanwalt Michael Riedel hat sich mit dem Inhalt dieses spanischen Antennengesetzes befasst. Hier seine Analyse:

"Gemäss Artikel 1 des Gesetzes kann der Inhaber der vorgeschriebenen Genehmigung zur Installation einer Amateurfunkstation auf eigene Rechnung im Außenbereich einer Immobilie Antennen für Sendung und Empfang von Funkübertragungen installieren, wenn er befugt ist, die gesamte Immobilie oder Teile davon zu nutzen.

Gemäss der Artikel 2 und 3 des Gesetzes haftet der "aficionado" - das ist der Funkamateur - für alle Schäden, die im Zusammenhang mit der Errichtung der Antenne entstehen. Er ist daher zum Abschluss einer ausreichenden Haftpflichtversicherung verpflichtet. Das Recht des Eigentümers oder der Eigentümerversammlung, für notwendige Arbeiten an der Immobilie die Beseitigung der Antennenanlage vorübergehend vorzunehmen, mündet in dessen Verpflichtung, die Antenne danach wieder in einem ähnlichen Zustand zu errichten.

Die Bestimmungen über die technischen und mechanischen Anforderungen an die Antennenanlage, sowie über das Genehmigungsverfahren beim "Ministerio de Ciencia y Tecnologia" ergeben sich aus dem königlichen Dekret vom 21. November 1986, dem Reglement über die Installation von Antennen, im Originaltitel "Regulacion de la Instalacion de Antenas". Gemäss Artikel 3 des Dekrets genehmigt das Ministerium zunächst die Beschreibung der Antennenanlage und hört danach den oder die Eigentümer der Immobilie an, wobei für deren Einwendungen allein das königliche Dekret und seine Regelungen maßgebend sind. Gemäss Artikel 4 des Dekrets wird danach die Antennenanlage samt Installation ggf. mit den erforderlichen Auflagen genehmigt.

Nach einem Urteil des obersten Gerichts von Katalonien unter dem Aktenzeichen B14/913 sind nicht die Städte und Gemeinden in Spanien, sondern allein das Ministerium für Wissenschaft und Technologie für die Genehmigung von Amateurfunkantennenanlagen zuständig."

Der Originaltext des "Ley de Antenas" kann im Internet unter

www.cq-radio.com/pdf/Ley_Antenas.pdf

abgerufen werden.

Quelle: Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, Köln


ZUM SCHLUSS: KLARSTELLUNG

(tu) Unsere monatliche Rubrik. Heute:

Die Zusätze "portabel", "mobil", "aeronautical mobile" und "maritime mobile" können in Deutschland dem Rufzeichen beigefügt werden, sie müssen es aber nicht.

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Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.