HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 99 / 2003 vom 21.09.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL

(hfs) Der Amateurfunkdienst in Europa steht vor dem AUS, wenn die Volksvertreter der Europäer in Brüssel so weitermachen wie bisher. So nett die Bemühungen des Herrn Gaston Bertels als Interessenvertreter der in der IARU organisierten Funkamateure auch sind, so wirken sie doch vor dem Biss der Europa-Politiker Helmut Kuhne (SPD) und Dr. Peter Liese (CDU) eher hausbacken.

Die Funkamateure müssen sich aus SPD-Sicht öffentlich fragen lassen, warum sie auf "alten" Gesetzen von 1989 herumreiten und nicht moderner denken. Gemeint ist der ITU-Vertrag und dessen nationale Umsetzung im "Gesetz zu der Konstitution und der Konvention der Internationalen Fernmeldeunion". Die CDU kritisiert die allzu schmale Öffentlichkeit der Funkamateure und empfiehlt politische Veranstaltungen auf BREITER, d.h. bundesweiter Basis.

Die Botschaft, die dieser Tage von Brüssel ausgeht, ist die, dass der Amateurfunkdienst in Europa sich den breitbandigen drahtlosen Vernetzungstechniken und den Nutzungsinteressen der Stromgiganten unterzuordnen hat. In Zeiten des Internets, der Satelliten und von PLC braucht man anscheinend keinen Amateurfunk und keine Lang-, Mittel- und Kurzwellenrundfunksender mehr.

Wir Funkamateure haben es mal wieder versiebt. Bei S6 war es noch lediglich EIN EINZIGER KANAL, den wir verloren haben. Jetzt - so scheint es - verlieren wir die gesamte Kurzwelle!

Hermann,
DL1EEC


FREISPRUCH: REGTP KONNTE LEISTUNGSÜBERSCHREITUNG NICHT BEWEISEN

(rps) Wie weist man eine zu hohe und nicht erlaubte Senderleistung nach, ohne das Grundstück oder gar das Shack zu betreten? Dieses wissenschaftlich und auch rechtlich schwierige Thema war am letzten Montag Gegenstand einer öffentlichen Fortsetzungsverhandlung vor dem Amtsgericht Bonn und endete mit einem Freispruch. HamRadio 2day war für Sie vor Ort.

Was war geschehen? Die Regulierungsbehörde hatte einem Düsseldorfer CB-Funker vorgeworfen, sowohl ein angeblich unzulässiges Gerät - einen Amateurfunk-Transceiver vom Typ Yaesu FT-847 - als auch die nicht erlaubte Senderleistung von 30 Watt auf 27 MHz verwendet zu haben. Sie schickte daraufhin einen Bußgeldbescheid über 200 Euro ins Haus. Der Funker bestritt die Tat.

In der mündlichen Verhandlung stellte sich mit Bezug auf die neue CB-Funk-Allgemeingenehmigung heraus, dass der Richter es als unerheblich betrachtete, welches Gerät Verwendung fand. Vielmehr käme es allein darauf an, ob mit weniger oder mit mehr als 4 Watt gesendet wurde. Die RegTP hatte vor dem Haus des Beschuldigten lediglich die Hochfrequenz-Spannung am Eingang eines Messempfängers bestimmt - nicht jedoch eine absolute elektrische oder magnetische Feldstärke. Daraus schloss man in einer "Ferndiagnose" auf eine unzulässige Senderausgangsleistung im Shack. Die Behörde legte im Bußgeldbescheid und vor Gericht nicht dar, welches Verfahren dabei zugrunde lag und berief sich lediglich auf "Erfahrungswerte". Dies akzeptierte der Beschuldigte nicht.

Auf Antrag der Verteidigung wurde durch das Gericht ein nachrichtentechnisches Fachgutachten eingeholt. Es kam zu dem Ergebnis, dass mit Hilfe des "Fernfeldmodells" grundsätzlich von einer Feldstärkemessung auf eine Leistung am Senderausgang geschlossen werden kann, dass dazu aber eine Vielzahl von Systemparametern mit hoher Genauigkeit bekannt sein muss. Dies war hier jedoch nicht so. Die Werte mussten vom Gutachter über ein Jahr nach der Tat plausibel geschätzt oder sogar experimentell - ohne Mitwirkung des Beschuldigten - bestimmt werden. Dabei sind vor Gericht die Fehlertoleranzen aller Daten natürlich zugunsten des Funkers in maximal vertretbarer Höhe anzunehmen.

Zur Bestimmung des Abstands zwischen Sende- und Messantenne, der quadratisch in die Leistungsberechnung eingeht, wurde der ausführende Messbeamte als Zeuge vernommen. Er gab an, den Abstand nicht genau bestimmt und ihn auch nicht im Messprotokoll vermerkt zu haben. Er schätzte ihn auf etwa 10 bis 15 Meter. Bei diesem Abstand kam der Gutachter im Ergebnis auf eine legale Senderausgangsleistung von nur etwa 3 bis 4 Watt: Der CB-Funker war daher freizusprechen.

Der zuständige Richter am Bonner Amtsgericht bemerkte, dass er verpflichtet sei, bei einer Verurteilung sowohl den Inhalt als auch das Verfahren der benutzten physikalischen Methode zur Leistungsbestimmung detailliert niederzuschreiben. Da die Materie ziemlich komplex und nur sehr schwer justitiabel sei, bat er den Vertreter der RegTP, "sich in Zukunft bei ähnlich gelagerten Fällen etwas anderes zu überlegen".

Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR aus Köln, der den CB-Funker verteidigte und ihm als Pflichtverteidiger beigeordnet war, rügte die Ungenauigkeit der behördlichen Beweisermittlung und die unzureichende Präzision der von der RegTP eingesetzten Messegeräte. Die gesamten Kosten des Verfahrens in Höhe von etwa 7.000 Euro wurden der Landeskasse auferlegt.


WERL 2003: HAMRADIO 2DAY WAR FÜR SIE DABEI

(hfs) Vor etwas mehr als 60 Funkamateuren präsentierte der DARC-Distrikt Westfalen-Süd am letzten Freitag in vierter Folge seinen nun schon traditionellen Polittreff in Werl. Europavertreter von vier Parteien hörten sich die Position der Funkamateure im Angesicht der drohenden PLC-Katastrophe an und begriffen dann wohl, dass die in Brüssel geplante massive Anhebung der Grenzwerte bei PLC das Aus für die Kurzwellennutzer unter den Funkamateuren bedeutet.

Den ersten Dämpfer bekamen die Funkamateure seitens der Politik, die feststellte, dass auch die Rundfunkanstalten sich um das Thema nicht kümmerten, dass es also nicht so dramatisch sein könne; offenbar sei dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland die Lang- und Mittelwelle nicht wichtig genug. Der CDU-Vertreter legte den Finger in eine offene Wunde und empfahl dem DARC, solche Veranstaltungen wie in Werl auf eine breitere Basis zu stellen und bundesweit durchzuführen, weil sonst keine Außenwirkung erzielt würde: Flächendeckend müssten die deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments von der Problematik erfahren.

Dem Klagen der DARC-Vertreter zu PLC traten die Politiker eindeutig entgegen, indem sie - zwar durch die Blume - der Brüsseler IARU-Interessenvertretung der Funkamateure vorhielten, viel zu spät Lobbyarbeit gemacht zu machen:

"... wenn Direktiven erst auf dem Tisch liegen, dann ist es schon zu spät."

Wie wenig es den deutschen IARU-Vertreter kümmert, was in Werl abging, das erkannte man an der schlechten Promotion, die diese im Ansatz wertvolle Veranstaltung durch den DARC selbst erfuhr. Nach einer einzigen Information in CQ DL 6/2003 musste der Veranstalter Kurt, DL8DMA, während der letzten drei Wochen in Packet Radio selbst trommeln; noch nicht mal in den Rundsprüchen seines eigenen und der benachbarten Distrikte wurde die Veranstaltung am Sonntag davor erwähnt - und in der DARCINFO-Rubrik der Mailbox DB0SIF wurde die Meldung schlicht gelöscht.

So wenig Unterstützung durch die eigene Klientel hat diese qualitativ hochwertige Veranstaltung nun wirklich NICHT verdient.

Werler Polittreff 2003. Foto (c) AGZ e.V.


FLÜSTER-MIKE ENTWICKELT

(red) Spezialisten der Universität Pohang in Südkorea haben ein Mikrofon entwickelt, das auch bei starken Umgebungsgeräuschen noch geflüsterte Sprache aufnehmen kann. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in seiner Online-Ausgabe. Das Spezialmike besteht aus vier Mikrofonkapseln, die das Sprachsignal - abhängig von Winkel und Entfernung des Sprechers - erfassen. Mit Hilfe einer speziellen Signalverarbeitung wird die Sprache von den störenden Umgebungsgeräuschen getrennt. Das neue Mikrofon soll in erster Linie in Handys Verwendung finden.

Quelle: FM - Das Funkmagazin


ZUM SCHLUSS: IN EIGENER SACHE

(red) Sie haben es sicher schon gemerkt: HamRadio 2day kommt nächste Woche mit seiner 100. Ausgabe. Das werden wir gebührend feiern. Wir bringen anlässlich dieses Jubiläums Zeitzeugen aus den Jahren 1993 und 1994, also aus denjenigen Jahren, in denen die Weichen für den heutigen Amateurfunkdienst gestellt wurden und in denen die Grundlagen für das Selbstverständnis der AGZ gelegt wurden. Die Beiträge der 100. Ausgabe werden von den Autoren selbst gesprochen!

Sie sollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen.

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.