HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 100 / 2003 vom 28.09.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


(hfs) An die 100. Ausgabe von HamRadio 2day hätte ich vor fast zwei Jahren - am 22. Oktober 2001 - nicht gedacht. Die so genannte "GLOSSE" galt damals nur als Antwort auf den Dielenbrett-Papagei Walter P. aus Leipzig, der jetzt nach einhundert Ausgaben ernsthaft als der eigentliche Vater von HamRadio 2day zu gelten hat.

HamRadio 2day wurde zwischenzeitlich zu einem wichtigen Magazin in der Amateurfunk-Landschaft, hat einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent und wird von nahezu allen Redaktionen, Funktionären und Amtsträgern in Deutschlands Amateurfunkmedien gelesen oder gehört.

Ich wünsche HamRadio 2day für die nächsten 100 Ausgaben Erfolg, Spürsinn und die Kraft, den demokratischen Amateurfunkdienst in Deutschland und zunehmend auch in Europa gegen Behörden, kommerzielle Vereinsinteressen und den Frequenzhunger der Industrie abzusichern.

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Hermann, DL1EEC


(rps) Liebe Zuhörer,

die AGZ feiert heute die 100. Ausgabe von HamRadio 2day. Dazu haben wir uns etwas besonderes ausgedacht: Wir lassen Zeitzeugen sprechen, die die Jahre 1993 bis 1995 aktiv im Amateurfunk mitgestaltet und den Geist des 1997er Amateurfunkgesetzes nachhaltig geprägt haben. Den Anfang macht Dipl.-Ing. Franz Masson, seinerzeit Unterabteilungsleiter und Ministerialdirigent im Bundesministerium für Post und Telekommunikation und dort in leitender Funktion zuständig für den Amateurfunk in Deutschland.


Franz Masson

Sehr geehrte Damen und Herren.

Zunächst möchte ich der AGZ zur einhundertsten Ausgabe von HamRadio 2day freundlich gratulieren und ihr noch viele zukünftige Rundsprüche wünschen.

Seit ich die AGZ und ihre Rundsprüche kenne, habe ich das Feuerwerk an guten Ideen bewundert, die Energie und Ausdauer der Feuerwerker im Vorstand bestaunt und hie und da auch ein wenig über die gelegentlichen Knallbonbons und Rohrkrepierer gelacht. Besonders heftige Böllerschüsse waren oft gewürzt mit einer Prise weltverändernder Philosophie, mindestens aber mit einer gewaltigen Klage über die jeweiligen Kontrahenten und deren abscheuliche Verfassungsbrüche und Verletzungen des Grundgesetzes. Wenn man diesen Gefechtslärm vom eigentlichen wesentlichen Kern trennt, dann hat die AGZ in ihrer Wächterfunktion die Rechte der Funkamateure aber immer im Auge behalten, ohne dadurch ihre in die Zukunft gerichteten Visionen und Aktionen zu vergessen.

Ich erinnere mich gerne an den Beginn der neunziger Jahre, als einiges von dem, was heute Wirklichkeit zu werden beginnt, erdacht, diskutiert und erstritten wurde. Bei diesen Diskussionen marschierte die AGZ an der Spitze des Fortschrittes.

Ministerium und AGZ standen oft in der politischen Landschaft - eingeklemmt zwischen dem noch nicht ausgeprägten Verständnis unserer europäischen Nachbarn und dem Beharrungsvermögen inländischer Bewahrer vermeintlicher Privilegien.

Nun ist der Durchbruch erfolgt! Die erreichte Lösung beeinträchtigt bei genauer Betrachtung in der Praxis niemanden, sie öffnet statt dessen über 30.000 Funkamateuren neue Möglichkeiten. Deshalb ist diese Lösung eine gute Lösung - und es wäre noch eine bessere Lösung, wenn sie durch Bündelung der Kräfte schneller erreicht worden wäre. Für die noch vor Ihnen liegenden Gestaltungsprozesse erlaube ich mir, im Sinne Ihrer guten Sache deshalb eine an den drängenden Problemen der Zukunft und an den gewaltigen Schubkräften der Märkte orientierte Zusammenarbeit aller Amateurfunk-Gruppierungen zu empfehlen. Der RTA bietet allen Gutwilligen dazu die besten Möglichkeiten.

Auch wenn es dem kleinen David mit seiner Rundspruch-Schleuder in Gegenwart des großen Goliath gelegentlich mulmig wird, scheint es mir doch von großem Vorteil zu sein, bei einer sich ständig beschleunigenden Fahrt in eine komplexe Zukunft am Steuerrad zu stehen und den Kurs mitzubestimmen.

Mit freundlichen Erinnerungen an die Zeit unserer Zusammenarbeit und mit guten Wünschen für eine weiter erfolgreiche Arbeit der AGZ verbleibe ich

Ihr
Franz Masson


Soweit Franz Masson. Er ist mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand und im Internet zu erreichen unter

Franz.Masson@t-online.de
und unter
www.logonline.de


Der nächste Redner ist Dr. Horst Ellgering, DL9MH, Vorsitzender des DARC e.V. von 1992 bis 1997.


Dr. Horst Ellgering, DL9MH

Liebe Zuhörer, hier ist DL9MH.

Zur 100sten Ausgabe von HamRadio 2day nehme ich gern die Gelegenheit wahr, ein paar Gedanken zur gegenwärtigen Situation im Amateurfunk zu äußern.

Mit der Zusammenlegung der Genehmigungsklassen 2 und 1 im Amateurfunk haben wir nun de facto die "Einheitsgenehmigung" im Amateurfunk. Ein Wunsch vieler Funkamateure ist in Erfüllung gegangen, gleichzeitig ist die Verwaltung für die Behörde vereinfacht. Kein Wunder, dass viel Zustimmung zu hören ist. Doch alles hat seinen Preis.

Es ist unbestritten, dass ein optimales Genehmigungssystem im Amateurfunk abgestuft sein sollte. Das ermöglicht einen nicht allzu schwierigen Einstieg in die Materie, regt zur Weiterbildung an und ist so gleichermaßen geeignet für die Gewinnung von Nachwuchs wie zur Erhaltung des Qualifikationsniveaus im Amateurfunk.

Dem widerspricht die neue Regelung. Die technischen Anforderungen an die Genehmigungsklasse 1 sind so hoch, dass der Einstieg in diese Klasse in vielen Fällen unterbleiben wird. Eine Absenkung der Anforderungen verbietet sich, denn sie wäre gleichbedeutend mit der Senkung des anerkannten, technischen Niveaus im Amateurfunk, das die Überlassung unserer Frequenzbänder an den Amateurfunk und weitere Privilegien wie den Selbstbau von Sendegeräten oder die Selbsterklärung an Stelle einer teueren Standortbescheinigung durch die RegTP rechtfertigt.

Die Vertretung der Funkamateure hat sich deshalb in den 90er Jahren bei der Überarbeitung des AFuG gegen solche Entwicklungen zur Wehr gesetzt. So auch gegen die bei den Behörden vorhandene Tendenz, die personenbezogene Amateurfunkgenehmigung nach und nach durch eine gerätebezogene Genehmigung zu ersetzen. Das hat sie mittlerweile für den Amateurfunk im KFZ praktisch erreicht, und zwar über die elektromagnetische Verträglichkeit. Die Verwendung nicht entsprechend gekennzeichneter Geräte führt zum Verlust der allgemeinen Betriebserlaubnis des KFZ. Amateurfunk im KFZ ist somit mit Eigenbaugeräten oder modifizierten Geräten so gut wie unmöglich, technisch-experimenteller Funk also nicht mehr durchführbar. Diese Strategie der Behörde, über gerätebezogene Definitionen den Charakter von Genehmigungen im Amateurfunk zu beeinflussen, wurde in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Anlässen erkennbar, im Amateurfunk aber wohl nur von wenigen als solche erkannt.

Amateurfunk ist nur möglich, wenn hierfür Frequenzen zur Verfügung stehen. Die sind ein zunehmend knappes und teilweise horrend teueres Gut. Wenn eine Gesellschaft ein solches Gut zur Verfügung stellt, erwartet sie dafür eine Gegenleistung. Der Amateurfunk leistet etwas für die Gesellschaft, das heben wir immer wieder hervor. Wenn jedoch Einheitsgenehmigung und gerätebezogene Komponenten dieser Genehmigung das technisch-experimentelle im Amateurfunk ausbremsen, ist auch weniger Qualifikation erforderlich und unsere Argumente wie Verringerung der Technikfeindlichkeit, kostenlose Aus- und Weiterbildung etc. werden schwächer. Am Ende bleibt dann als Leistung der Funkamateure für die Gesellschaft vielleicht nur noch Notfunk übrig, und dafür reichen eine gerätebezogene Einsteigergenehmigung und einige wenige Frequenzen aus.

Es ist die Aufgabe derer, die den Amateurfunk vertreten, solche Entwicklungen zu erkennen, zu beobachten und in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarverbänden sachgerecht zu agieren. Damit über der Freude an der Einheitsgenehmigung heute nicht die Zukunft des Amateurfunks morgen verschlafen wird.

Horst, DL9MH


Soweit Dr. Horst Ellgering, DL9MH. Nun spricht zu Ihnen Karl-Erhard Vögele, DK9HU. Er war in den 90er Jahren Referent für Gesetze und Normen sowie Vorsitzender des DARC e.V. von 1997 bis 2001.


Karl-Erhard Vögele, DK9HU

Liebe Freunde, hier spricht DK9HU !

Die AGZ hat mich um einen Gastkommentar zu ihrem 100. Rundspruch gebeten. Ich nehme dies zum Anlass für Gedanken zur Rolle der AGZ und des Runden Tisches Amateurfunk, RTA, in der Gemeinschaft der Funkamateure.

Die AGZ, für Viele ein rotes Tuch, für Andere die Verkünderin der reinen Lehre. Fakt ist, die AGZ gehört seit Jahren zum Geschehen des Amateurfunks in Deutschland. Die Diskussion über das Phänomen AGZ, oft nur Fortsetzung von Stammtischritualen auf den Frequenzen des Amateurfunks oder sporadischer Anlass für Ausflüge in die Welt journalistischer Fingerübungen Einzelner; dies hat allenfalls Unterhaltungswert.

Wesentlich ist doch vielmehr, auf ein gemeinsames Anliegen aller Funkamateure hinzuarbeiten, dass wir so effektiv wie möglich unsere Interessen beim Gesetzes- und Verordnungsgeber vertreten. Hierzu brauchen wir innovative, fachlich nach Inhalt und Form hochqualifizierte und politisch durchsetzbare Vorschläge. Unabdingbar ist, dass wir Funkamateure koordiniert handeln und mit einer Stimme sprechen.

Es ist ein Fehler des RTA gewesen, die AGZ nicht als Mitglied aufzunehmen. Ich bedauere, dass bis heute im RTA und DARC keine neuen Einsichten gewachsen sind und auch, dass die AGZ von ihrem früheren Wunsch, Mitglied im RTA zu werden, schon seit einiger Zeit abgerückt ist.

In den Anfängen der AGZ, das war zu Beginn der neunziger Jahre, gab es gute Phasen der Zusammenarbeit. So beim Mitwirken um das Zustandekommen des Amateurfunkgesetzes. Aber später wurde es zur immer größeren Belastung der Vertrauenswürdigkeit der AGZ, nichts Entscheidendes getan zu haben, bei vielen Funkamateuren den Eindruck der Arroganz und des Missbrauchs der Plattform Amateurfunk für eigene Profilierungszwecke zu vermeiden.

So kam es, dass sich die AGZ zunehmend selbst den Weg versperrte und ihre oft hervorragenden Denkansätze bei den Funkamateuren nicht immer die notwendige Beachtung fanden. Es gab auch weniger Erfreuliches, doch die AGZ stand hier nicht alleine da.

Die Fronten sind weiter verhärtet. Es ist bei Leibe nicht so, dass wir schon alles hinter uns hätten, was die Änderung von Gesetzen und Verordnungen betrifft, und auch, was unter uns auszumachen wäre, Stichwort Selbstregulierung, IARU usw. Wirtschaftliche Globalisierung und die Techniken der Kommunikation bahnen sich ohne Rücksicht ihren Weg.

Ich wünsche mir, dass die AGZ die Aufnahme in den RTA wieder anstrebt und ich wünsche mir, dass der RTA seine Position ändert, die Mauern in den Köpfen abbaut und auch die Mühen schwieriger Entscheidungsfindungen auf sich nimmt, auch mit komplizierten und vermeintlichen Außenseitern. Es lohnt sich Freunde ! Gemeinsam können wir mehr bewegen.

Danke fürs Zuhören. Hier sprach DK9HU.


Soweit Karl-Erhard Vögele, DK9HU. Das Schlusswort hat nun der Vorsitzende der AGZ e.V., Wolfgang van Gels, DL5EDA.


Wolfgang van Gels, DL5EDA

Natürlich möchte ich nicht schließen, ohne den Aktiven für ihren wöchentlichen Einsatz ein herzliches "Dankeschön" zu sagen. Bitte, macht weiter so. Der Amateurfunkdienst und die AGZ e.V. brauchen Euch!

Dass ich mit dem Schluss meiner Ausführungen zur 50sten Ausgabe heute beginne, hat seinen Sinn. Ich darf nämlich feststellen, dass alle noch bei der Stange sind. Ich finde, das zeichnet uns aus!

Und noch etwas buchen wir auf der Habenseite, die Hörerschar, die allwöchentlich darauf wartet, unsere Informationen aufzusaugen und zu diskutieren. Einmal mehr und einmal weniger, je nach dem Inhalt der Nachrichten.

Dass wir vor wenigen Wochen auch die faktische Gleichstellung der Lizenzklassen eins und zwei vermelden durften, macht und besonders stolz. Ist dies doch einer der Eckpunkte unserer Arbeit in den letzten zehn Jahren gewesen. Leider ist die rechtliche Grundlage dafür vom Gesetzgeber bis heute nicht gelegt worden. Der Amateurfunkdienst ist so belanglos, dass man ihn ohne rechtliche Grundlage reglementieren kann. Niemand hält es für nötig, etwa die Amateurfunkverordnung zu ändern. Nein, es reicht die Presseerklärung des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit, man habe die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post angewiesen, zu dulden, dass die Inhaber der Prüfungszeugnisse der Klasse zwei auch unterhalb von 30 MHz Funkbetrieb machen dürfen.

Ein eklatanter Rechtsbruch, der nicht dadurch besser wird, dass er ja allen nutzt. Das ist Opportunismus, der sich leider allenthalben breit macht. Wohin das führt, können Sie im Leitartikel der Ausgabe vom 06.07.2003 von HamRadio 2day nachlesen.

Herr Minister, schaffen Sie einwandfreie Rechtsgrundlagen für Ihr Handeln. Dafür sind Sie da! Auf weitere 100 Ausgaben von HamRadio 2day!!

Wolfgang, DL5EDA
Vorsitzender der AGZ e.V.


Das, liebe Zuhörer, war die 100. Ausgabe - die Jubiläumsausgabe - von HamRadio 2day.

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.