HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 101 / 2003 vom 05.10.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


DANKE

(hfs) für die Glückwünsche zur hundertsten Ausgabe von HamRadio 2day. Soviel Zuspruch hatte ich nicht erwartet. An dieser Stelle gilt mein herzlicher Dank nochmals den Gastautoren Franz Masson, Karl Erhard Vögele und Dr. Horst Ellgering.


AGZ NIMMT STELLUNG ZU EU-PLÄNEN FÜR PLC

(rps) Am 16. Oktober findet in Brüssel ein gemeinsamer PLC-Workshop der EU-Kommission, der nationalen Regulierungsbehörden und der Industrie statt; wir berichteten.

Sein Ziel ist die europaweite Ankurbelung des Marktes für PLC-Breitband-Internetanschlüsse. Dazu bedarf es in Sicht der Industrie und der Europäischen Kommission in der gesamten EU weit liberalerer Störstrahlungsgrenzwerte, als dies heute der Fall ist. Der Amateurfunk ist nach neuesten Informationen nicht zu dieser Sitzung zugelassen. Die AGZ hat der Europäischen Kommission daher vergangene Woche schriftlich ihre Position zu den in Brüssel bestehenden Plänen übermittelt, die Störstrahlungsgrenzwerte für Powerline Communication (PLC) um etwa 25 dB gegenüber den schon katastrophalen deutschen NB 30-Werten europäisch harmonisiert anzuheben. Würde dieser Grenzwert tatsächlich von der Industrie ausgenutzt, wovon mit dem Ziel der Senkung von Produktionskosten auszugehen ist, dann wäre dies in unserer Sicht das Ende des Amateurfunks auf Kurzwelle - jedenfalls dort, wo es PLC gibt. Der Amateurfunkdienst würde auf dem Altar des Kommerzes geopfert.

Für eine Koexistenz von Amateurfunk und PLC fordert die AGZ die Absenkung der diskutierten Grenzwerte um mindestens 40 dB. Unsere Stellungnahme in englischer Sprache finden Sie im Internet unter www.agz-ev.de und dort unter dem Menüpunkt "Statements".


BITTERER HERBST

(hfs) Ich berichtete über den Polittreff in Werl und über die mal wieder verfahrene Situation im Amateurfunkdienst, dass unsere Interessenvertretung vor Ort - in diesem Fall in Brüssel - nicht funktioniert. Die AGZ kann das auch nicht ändern, weil die IARU noch immer nach dem Alleinvertretungs-Anspruch handelt und bei Politik und Behörden entsprechend auftritt.

Mich interessiert als Berichterstatter zunächst, wie viele Besucher im Saal waren und nicht, wie viele Organisatoren, Podiumsteilnehmer und Presseleute sich noch tummelten. Deswegen empfinde ich die Nennung von 100 Teilnehmern als unseriös, wenn tatsächlich lediglich knapp über 60 wirkliche Besucher vor Ort waren. Die Botschaft der EU-Politiker in Werl war eindeutig:

"Stellen Sie Ihre Interessen auf eine bundesweite breite Basis (CDU) und
modernisieren Sie Ihre Gesetzesgrundlagen (SPD)."

Eindeutiger kann man es sich nicht vorsagen lassen. Daraus einen Kleinkrieg in den Amateurfunk-Medien zu machen und unter der Gürtellinie gegen AGZ-Mitglieder zu treten, das zeigt einmal wieder mehr, wie kleinkariert der IARU-Vertreter in Deutschland agiert.


IARU BERICHTET ÜBER POLITTREFF WERL

(red) In englischer Sprache berichtet die IARU über Werl:

"The DARC section of Werl, near Dortmund, had invited candidates to the European elections of June 2004 to a meeting, September 19, 2003. IARU Region 1 EUROCOM WG Chairman Gaston Bertels, ON4WF was also invited. Four MEP's participated to the meeting. Ingo Dittrich, DK9MD, EMC manager of the German radio broadcast union (presently retired) presented the views of the broadcasters on the menace of PLC for their service.

Ulfried Überschar, DJ6AN, DARC EMC WG, further discussed PLC aspects and commented the draft EMC Directive. Gaston Bertels, ON4WF, commented the amendments submitted to ITRE. Among the four participating MEP's two were substitute members of the ITRE committee:

- Dr Peter Liese, CDU (ITRE)
- Helmut Kuhne, SPD (ITRE)
- Udo Müllers, ecologist
- Dietmar Brockes

The MEP's asked for the text of other amendments to the EMC Directive we had prepared. They would examine them for possible submission."

Soweit die IARU. Übrigens, ITRE ist der Ausschuss für Industrie, Außenhandel, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments.

Quelle: www.iaru.org


NOCH EIN SCANNER-PROZESS EINGESTELLT

(rps) Am vergangenen Mittwoch stellte das Landgericht Dortmund als Berufungsinstanz in öffentlicher Sitzung ein Strafverfahren gegen einen Funkamateur ein, der angeblich mit einem Scanner-Empfänger den Polizeifunk abgehört haben soll. Grundlage war Paragraf 153a der Strafprozessordnung. In erster Instanz war der Funkamateur noch zu einer Geldstrafe verurteilt worden; das Urteil wurde jedoch wegen mehrerer Rechtsfehler verworfen. Wegen der sehr geringen Schuld des Angeklagten und der unübersichtlichen Beweislage stimmten alle Prozessbeteiligten diesem Vorschlag der vorsitzenden Richterin zu.

Während der mündlichen Verhandlung gab das Gericht zu erkennen, dass das bloße Vorfinden von eingespeicherten Polizeifunkfrequenzen nicht ausreicht, um den Tatbestand des Abhörens gemäss Paragraf 86 TKG zu verwirklichen; vielmehr muss die eigentliche Tat konkret nachgewiesen werden. Auch reicht nach Auffassung des Gerichts das zufällige und unbeabsichtigte Auffinden eines ausgeschalteten Scanner-Empfängers z.B. durch Beamte der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post nicht aus, um daraus einen Anfangsverdacht und eine Beschlagnahme des Geräts herzuleiten. Scanner seien schließlich marktübliche Empfänger, die legal und in großer Vielfalt europaweit im Handel angeboten werden.

Das Funkmagazin berichtet in Sachen Scanner, dass eine 37-jährige Hausfrau aus Itzehoe in Schleswig-Holstein zu einer Geldstrafe von 75 Euro verurteilt worden ist, weil sie den örtlichen Polizeifunk abgehört hatte. Die Frau hatte in der Nachbarschaft Details aus Polizeifunkmeldungen erzählt und war daraufhin bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Weitere Informationen zu diesem Fall liegen leider nicht vor.


AGZ-FEEDBACK

(red) Die Auswertung der Nutzung unserer AGZ-Internetpräsenz zeigt bis Juni 2003 eine konstante Zugriffsquote von etwa 95.000 Hits pro Monat. In den Monaten Juli und August schnellte diese Zahl auf bis zu 155.000 hoch, um im September dann wieder auf das normale Niveau von 95.000 Hits zu sinken.

Das zeigt deutlich, welche Bedeutung die WRC-03, der Wegfall der CW-Hürde und unsere Berichterstattung darüber für den Amateurfunkdienst in Deutschland hatten und wie richtig die Entscheidung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gegen den Widerstand der Fundamentalisten im RTA war. Ein "Summa cum laude" sprechen wir heute der Betriebstechnik der CEPT-2-Lizenzen aus, soweit wir sie auf der Kurzwelle hören konnten: CONGRATS!


RUNDSPRUCHPLAN DER AGZ

(hfs) Nachdem wir unlängst unseren Rundspruchplan veröffentlicht hatten, kam es zu massiven Störungen auf den Repeatern und auch auf den Direktfrequenzen der Kurzwelle. Da wir auf Kurzwelle nur mit 100 Watt senden, unsere "Freunde" aber mit mindestens 750 Watt, haben wir recht schlechte Karten. Ausgezeichnet im negativen Sinne haben sich auch die Sysops des FM-Relais Mayen auf 438,675 MHz und von Wuppertal auf 438,975 MHz, die ihre Repeater jeden Sonntag schlicht komplett abschalten.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Rundspruchzeiten dort unangekündigt zu variieren, wo Sysops in irgendeiner Form Zensur betreiben. Sie können damit rechnen, dass wir jetzt auch werktags die Aussendungen - auch auf der Kurzwelle - jederzeit wiederholen. Ebenso empfehlen wir Ihnen, die Umsetzer auf 145,600 MHz, 438,625 MHz, 438,725 MHz und 438,750 MHz sonntags vormittags abzuhören. Träger-, rülps- und ruftonfrei können Sie HamRadio 2day auch bei ECHOLINK im Conference-Server "AGZ" hören - und natürlich auf der Homepage der AGZ im Internet im MP3-Format.


ZUM SCHLUSS WIE AN JEDEM ERSTEN SONNTAG IM MONAT:

KLARSTELLUNG

(tu) Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten sind unterschiedliche Funkdienste mit separaten und nicht deckungsgleichen Frequenzzuweisungen.

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.