HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 104 / 2003 vom 26.10.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL

(hfs) Wenn der DARC Schnupfen hat, dann ist der Amateurfunkdienst in Deutschland bereits an Lungenentzündung erkrankt. Nicht anders stellt sich gegenwärtig die Situation des Vorstands und des Amateurrats beim IARU-Vertreter in Deutschland dar. Ich sprach am vergangenen Dienstag mit Hans-Jörg Unglaub und bekam den Eindruck, dass die Aktionsplanung über die Köpfe derer hinweg wasserdicht gemacht wurde, die danach das Schiff verließen.

Auf meine Frage, ob man Ingo Dittrich, DK9MD, jetzt mit Wolfgang Clement als Superminister vergleichen könne, erntete ich ein erfrischendes Lachen. Ich wünsche Ingo Dittrich in Anbetracht seiner schweren Verantwortung für den Amateurfunkdienst in Deutschland die notwendige Fortune, die ihm allerdings nicht in den Schoss fallen wird.

Hermann, DL1EEC


POWERLINE: BRÜSSEL HAT GETAGT

(rps) Es gibt zwar noch kein offizielles Ergebnispapier - das PLC-Meeting der Europäischen Kommission vom 16. Oktober lässt sich aber dennoch zusammenfassen. Allein 21 von 48 externen Stellungnahmen kamen von einzelnen Funkamateuren und von unseren Interessenvertretungen - das ist fast die Hälfte! Wir sind also nicht zu übersehen, und das ist gut so. Dagegen sahen ganze fünf Papers von Rundfunkanstalten und vier von PLC-anbietenden Konzernen und Pro-PLC-Lobbygruppen ziemlich dünn aus. Es ist selbstredend, dass sich alle Funkamateure und Clubs vehement gegen Powerline Communication ausgesprochen haben - mit den uns sattsam bekannten Argumenten.

Viel interessanter ist: Was denken die anderen? Zuerst die Rundfunkanstalten. Sie sehen ihre immensen Investitionen in DRM - also in die Digitalisierung von Lang-, Mittel- und Kurzwelle - gefährdet und verlangen die deutschen Schutzwerte der so genannten NB30 als äußerstes Minimum mit der zusätzlichen Möglichkeit, die Rundfunkbereiche ganz auszublenden.

Staatliche Funkanwender - wie etwa die Sicherheitsdienste und das Militär - sagen klipp und klar, dass PLC und Funkanwendungen grundsätzlich physikalisch nicht miteinander kompatibel sind. Sie sehen die Gefahr von flächendeckenden kumulativen Effekten mittels Ionosphärenausbreitung, und auch sie sehen die NB30-Werte als äußerstes hinnehmbares Limit und warnen vor einer zu schnellen und überstürzten Markteinführung.

Vertreter der Normungsgremien geben offen zu, dass es in ihren Reihen keinen Konsens für eine PLC-Störstrahlungsnorm in absehbarer Zeit geben wird. Damit PLC zuverlässig funktioniert, müsse der Grenzwert weit höher liegen als in der deutschen NB30. In innenstädtischer und industrieller Umgebung gingen PLC-Störungen sowieso im schon jetzt dort vorhandenen Störnebel unter. Da es bislang in den Testgebieten praktisch keine Störungsmeldungen von Funknutzern gäbe, und da anscheinend die betroffenen Frequenzen kaum mehr gehört würden, sei die Angelegenheit doch wohl eher entspannt zu sehen.

Die PLC-Industrie führt an, dass ihre Produkte mittlerweile zur technischen Perfektion und zur Marktreife gebracht seien. PLC sei eine seriöse und stabile Alternative für die letzte Meile. Man sieht langfristig ein hohes finanzielles Gewinnpotenzial und verlangt von der Politik die Schaffung von belastbaren Rechtsgrundlagen, d.h. von deutlich höheren Grenzwerten, denn schließlich habe man bereits viel Geld in die Entwicklung gesteckt - und das wolle man wieder herein holen. Funknutzer sollen zurück stecken.

Prof. Dr.-Ing. Holger Hirsch von der Universität Duisburg-Essen kommt schließlich - wie bereits andere vor ihm - in einer wissenschaftlichen Studie zusammen mit der Open University of Manchester zum Ergebnis, dass die großflächige Einführung von PLC zu ganz erheblichen EMV-Problemen führen wird.

Zur Politik. Die Positionen der anwesenden Vertreter von EU-Mitgliedsstaaten reichen von extrem restriktiv gegen PLC bis hin zur vehementen Unterstützung. Also auch hier Uneinigkeit auf der ganzen Linie.

Die Europäische Kommission erkennt zusammenfassend, dass das "Problem Powerline Communication" technisch und normativ definitiv nicht zu lösen ist. Die Vorstellungen von Befürwortern und Gegnern liegen etwa 60 dB auseinander. Es ist also eine politische Entscheidung und vielleicht auch eine europäische Richtungsweisung gefordert. Wie die aussehen wird, ist heute noch völlig unabsehbar. Denn einerseits betont die Kommission bei jeder Gelegenheit, wie wichtig Breitbandzugänge zum Internet für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft seien, und anderseits stellt sie fest, dass die PLC-Betreiber unter die EMV-Richtlinie fallen, wonach sie den bestimmungsgemäßen Betrieb anderer Geräte und Systeme nicht stören dürfen. Wir haben die Quadratur des Kreises vor uns.

Warten wir es also ab - es ist nach dem 16. Oktober 2003 immerhin noch alles offen, und Brüssel hat begriffen, dass PLC den Amateurfunk töten wird. Dafür haben wir gesorgt.


CEPT BESCHLIESST EINHEITSLIZENZ

(rps) Am 16. Oktober hat die CEPT die neue Version der Empfehlung T/R 61-01 beschlossen. Es gibt ab sofort nur noch eine einzige harmonisierte Lizenz, die "CEPT Radio Amateur Licence", in der die bisherigen Klassen 1 und 2 gemeinsam aufgehen. Morsetelegrafie-Kenntnisse sind genauso weggefallen wie die Beschränkung auf mobilen und portablen Betrieb. Neue harmonisierte Prüfungsbestimmungen (Stichwort HAREC, T/R 61-02) werden in Kürze folgen.


JOTA-REPORT AUS GREVENBROICH

(cg) Am letzten Wochenende fand das 46. JOTA statt. JOTA steht für das "Jamboree on the Air" der funkenden Pfadfinder. Für das Grevenbroicher Scout-Net - oder kurz GSN -, das sich zum 36. JOTA gegründet hatte, war dies natürlich ein Grund zum feiern des zehnjährigen Bestehens. Was das für seine Mitglieder bedeutete, das konnte man sich in der Nähe von Gustorf bei Grevenbroich anschauen. Wie schon vor zehn Jahren wurden Zelte, Masten und Antennen aufgebaut. Und gefunkt wurde natürlich aus den Zelten heraus. Das GSN hatte Freunde und interessierte Pfadfinder und Pfadfinderinnen aus der ganzen Republik eingeladen. Der Einladung sind 60 Personen von Stuttgart über Pforzheim bis nach Hannover, Höxter, Dortmund und Düsseldorf gefolgt.

Gemeinsam wurde das JOTA/I zelebriert, wobei die Gäste einen tiefen Einblick in das gesamte Spektrum des Amateurfunks erhielten. Von "normalem" Sprechfunk auf allen Bändern bis zu APRS, ATV, Echolink, SSTV und Packet Radio wurde so ziemlich alles aktiv vorgeführt. Nach zehn Jahren ist das Grevenbroicher Scout-Net nun nicht mehr auf "fremde" Funkamateure angewiesen, sondern hat die Funker in den eigenen Reihen. Was viele Funkamateure nicht schaffen, das ist uns gelungen: nämlich die Jugend in den Reihen der Pfadfinder zu motivieren und als Nachwuchs für den Amateurfunk zu gewinnen.

In der vergangenen Woche - also direkt nach dem JOTA - wurde ein Lizenzkurs gestartet, der hoffentlich zum Jahresende in einigen neuen Lizenzen mündet. Die Faszination, die die Besucher zu uns trieb, kann man schlecht in Worte fassen. Es ist eben eine gelungene Kombination von Pfadfinderlager und moderner Kommunikationstechnik. Der Kälte und dem eiskalten Wind zum Trotz wurde gefunkt und gechattet bis tief in die Nacht. Die ersten, die wieder aufstanden, haben die Nachtschwärmer abgelöst. Abschließend sei gesagt, dass es das Lager mit dem größten technischen Aufwand seit jeher war. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt, wenn man Feedback bekommt wie diesen: "Sagt Bescheid, wir kommen gerne beim nächsten Mal wieder, auch wenn's 300 km sind".

Wenn der Funke erst einmal übergesprungen ist, dann muss er genährt werden, um zu einem richtigen Feuer zu werden. Lässt man ihn nur vor sich hin glimmen, dann verlischt er zu schnell wieder. Geht auf die Pfadfinder zu und macht was draus!

Vy 73 es Gut Pfad,
Carsten, DM1CG


ALCATEL ZEICHNET MOBILFUNKFORSCHER AUS

(red) Professor Holger Boche erhält vom Kuratorium der Alcatel-SEL-Stiftung den Forschungspreis für technische Kommunikation. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung erhält der Inhaber des Lehrstuhls für Mobilkommunikation an der Technischen Universität Berlin für seine richtungsweisenden Forschungen zur Weiterentwicklung von Mobilfunknetzen.

Boche erarbeitete mathematische Modelle, um die Übertragungsqualität und Frequenzauslastung in der Mobilkommunikation zu optimieren. Seine Arbeiten haben direkte Auswirkungen auf die Kapazität von Mobilfunknetzen und können für Netzbetreiber zu höheren Umsätzen und schnellerer Amortisation hoher Investitionen wie im Fall der UMTS-Netze führen.

Quelle: Heise Newsticker


LESERBRIEF

"Hallo, ich möchte darauf aufmerksam machen, dass der Begriff 'Einsteiger-Lizenzklasse' abwertend und diskriminierend ist. Klasse 3-Amateure sind lizenzierte Funkamateure und keine Einsteiger mehr.

Viele Grüße
Ralf, DG1KRJ"


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Die besten Reformer, die die Welt je gesehen hat, sind die, die bei sich selbst angefangen haben.

Quelle: George Bernard Shaw


Vy 73
Hermann, DL1EEC

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