HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 105 / 2003 vom 02.11.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


GEHT´S DER KLASSE 3 ANS LEDER ?

(rps) Aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit sind diese Woche brisante Pläne durchgesickert, wie im nächsten Jahr unsere Lizenzklassen-Landschaft neu gestaltet werden soll. Sicher ist, dass die heutigen Zeugnisklassen 1 und 2 in eine gemeinsame CEPT-konforme Klasse namens "A" überführt werden sollen, die überall in den Unterzeichnerstaaten Gültigkeit haben wird - und zwar auf allen Frequenzen des jeweiligen Landes und auf Grundlage des heutigen Fragen- und Antwortenkatalogs für die Klassen 1 und 2. Morsetelegrafie wird nicht mehr Bestandteil der Prüfung für Klasse A sein. Die CW-Prüfung soll auf Verlangen aber weiterhin abgelegt werden können, etwa für Gastlizenzen in Ländern, die das noch weiterhin verlangen. Soweit die gute Nachricht.

Spekulativ - aber mit realem Hintergrund - sind Überlegungen des Ministeriums, zukünftigen - d.h. neuen - Inhabern der Einsteigerlizenzklasse die Möglichkeit zu verweigern, Clubstationen und Relaisfunkstellen zu betreiben. Auch der Ausbildungsfunkbetrieb soll diesen Personen nicht mehr erlaubt werden. Inhaber von DO-Rufzeichen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Amateurfunkbestimmungen erteilt wurden bzw. noch erteilt werden, sollen jedoch auch zukünftig Bestandsschutz genießen. Einen Grund für diese Pläne wollte uns der zuständige Mitarbeiter allerdings auch nach hartnäckigem Bohren nicht nennen, auch eine Diskussion lehnte er ab - Grund für uns, die Sache zu veröffentlichen.

Das Amateurfunkgesetz enthält allerdings in Sicht der AGZ keine Grundlage, die Zuteilung der verschiedenen Arten von Rufzeichen - z.B. für Klubstationen, den Ausbildungsfunkbetrieb und fernbediente Funkstellen - von der Zeugnisklasse des Antragstellers abhängig zu machen. Der Anspruch auf die Zuteilung eines Rufzeichens ist nämlich keine "technische oder betriebliche Rahmenbedingung", sondern ein uneingeschränkter gesetzlicher Rechtsanspruch, den eine Verordnung nicht zurücknehmen kann. Klasse 3-OMs und YLs können nicht willkürlich von Experiment und Ausbildung fern gehalten werden.

Die AGZ e.V. wertet daher diese Pläne des BMWA als klaren Rechtsbruch und wird im Falle ihrer Verwirklichung juristische Schritte gegen die Bundesregierung empfehlen und auch unterstützen - ganz abgesehen von zahlreichen Protestaktionen, die es dann von Seiten der Funkamateure sicher geben wird. Bezeichnenderweise soll die neue Klasse, deren CEPT-Harmonisierung noch in den Sternen steht, den Buchstaben "E" als Namen bekommen, was laut BMWA überhaupt nichts mit dem Begriff "Einsteiger" zu tun haben soll ...


MOBBING GEGEN FUNKAMATEURE DURCH DAS BMWA ?

(rps) In einem Telefongespräch, in dem es um kontroverse Standpunkte zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und der AGZ e.V. ging, drohte diese Woche der zuständige ministeriale Mitarbeiter in Berlin am Ende, "man brauche nur einmal an geeigneter Stelle politisch durchblicken zu lassen, dass die Funkamateure 750 Watt in Wohngebieten machen dürfen, dann sei der Amateurfunk weg vom Fenster".

Wenn dies der neue Stil ist, mit dem ein Bundesministerium mit seinen Bürgern umgeht, dann wundert einen die Konzeptlosigkeit der gegenwärtigen Regierung wirklich nicht mehr. Soll das BMWA diese Drohung doch ruhig in die Tat umsetzen - dem können wir in der AGZ gelassen entgegen sehen. Schließlich - und das hat der Mitarbeiter wohl übersehen - haben wir klare Rechtsvorschriften, die jeden Funkamateur verpflichten, den Schutz von Personen zu gewährleisten und die gesetzlichen Feldstärkegrenzwerte einzuhalten. Die "750 Watt-Keule" ist letztendlich ein Bumerang, weil diese Leistung eben nicht uneingeschränkt erlaubt ist, sondern lediglich eine Obergrenze darstellt, die nur an sehr wenigen Standorten tatsächlich genutzt werden kann - der BEMFV sei Dank. Auch müsste sich das Ministerium von der "geeigneten Stelle" die peinliche Frage gefallen lassen, warum es denn höchst selbst die fraglichen 750 Watt genehmigt hat ...

Wir in der AGZ haben uns seit fast einem Jahrzehnt für den Schutz unserer Nachbarn und für entsprechende Berechnungen und Messungen ausgesprochen. Die ministerielle Drohgebärde zielt dabei wohl kaum auf die Mitglieder der AGZ e.V.


KLARSTELLUNG

(tu) Was ist das schmalste Amateurfunkband? Gemeint ist die Breite des Bandes geteilt durch die Frequenz am Bandanfang, also der relative Anteil im Vergleich zu anderen Funkdiensten im selben Segment. Nein, nicht 40 m und auch nicht 30 m, sondern es ist das 12-Meterband. Das breiteste Band ist 80 m! Durchschnittlich sind dem Amateurfunkdienst 3,18 Prozent der gesamten Bandbreite zugeteilt.


DIE GESCHICHTE DES "JAMBOREE ON THE AIR"

(cg) "Jamboree" - ein Wort, das Baden-Powell als Namen für ein Ereignis gewählt haben soll, das Pfadfinder aus aller Welt zusammenbringt. Gegenseitiges kennenlernen, Freundschaften schließen und Gemeinsamkeiten entdecken - das gab es beim ersten Weltpfadfindertreffen genauso wie heute, wo Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der ganzen Welt alle vier Jahre ein gemeinsames Lager unter dem gleichem Namen abhalten. Im Jahr 1957 auf dem Jamboree in Sutton Coldfield nahe Birmingham in Großbritannien mit 35.000 Teilnehmern aus 62 Ländern betrieben etwa 60 Pfadfinder zum ersten Mal auf einem Weltpfadfindertreffen eine Amateurfunkstation. Unter dem verwendeten Rufzeichen GB3SP konnten sie damals 1712 Kontakte in 72 verschiedene Länder herstellen. Viele Lagerteilnehmer besuchten diese Station, darunter eine Vielzahl, deren Hobby ebenfalls das Funken war.

Ein junger Leiter, Les Mitchell, selbst Amateurfunker mit dem Rufzeichen G3BHK, war erstaunt über die große Anzahl von Gleichgesinnten und beschloss, ein Zusammenkommen aller am Jamboree teilnehmenden Funker zu organisieren. Auf seine Anzeige in der Campzeitung hin entstand in einer Snack-Bar nahe dem Zeltplatz ein allmorgendlich stattfindendes Treffen von Interessierten. Auf einer dieser Frühstücksveranstaltungen wurde beschlossen, jedes Jahr ein Wochenende lang im Äther "zusammen zu kommen". Mitchell beschloss jedoch, auch Pfadfinder an dieser Zusammenkunft teilhaben zu lassen, die damals nicht in Sutton Coldfield dabei waren. Bei einem zwoelfstündigen Test im Oktober 1957 war das Interesse so groß, dass das erste weltweite Amateurfunk-Jamboree, das "Jamboree On The Air" oder kurz JOTA genannt, vom 10. bis zum 11. Mai 1958 abgehalten wurde. Seitdem findet dieses Ereignis jährlich, nunmehr immer am dritten vollständigen Wochenende im Oktober, statt.

Vy 73, Carsten, DM1CG


JETZT AUCH KANADA OHNE CW AUF KURZWELLE

(red) Kanadas Funkamateure sollen jetzt endlich auch von der Morseprüfung befreit werden. Der Preis für den CW-freien Kurzwellen-Zugang ist allerdings eine 80-Prozent-Huerde bei der Prüfung und die Nachprüfung für diejenigen Funkamateure, die bislang keine 80 Prozent nachgewiesen haben.

Quelle: www.rac.ca


EINEN IDEOLOGISCHEN SPAGAT

(hfs) versucht die Clubzeitschrift CQ DL im Editorial ihrer Ausgabe 11/2003. Vermittelt die Überschrift noch den Eindruck der reinen Lehre "Pro CW", so reibt man sich beim Lesen des eigentlichen Editorials verwundert die Augen. Der Autor, DG2DAA, vermittelt dort nämlich den Segen des Telegrafie-freien Zugangs zur Kurzwelle und preist dessen positive Auswirkungen auf das Betriebsverhalten der Funkamateure - speziell im 40- und 80-Meterband.

Im Gespräch mit dem Autor OM Grützner am vergangenen Freitag bestätigte er der Redaktion von HamRadio 2day, dass die Überschrift "NUR IN CW LIEGT DER UNTERSCHIED" nachgeschoben wurde und nicht aus seiner eigenen Feder stamme.

Lapsus oder Absicht; das ist hier die Frage!

Kein Wunder, dass bei diesem geistigen Spagat der RTA der Behörde ernsthaft vorgeschlagen hat, dass auch nach der Zusammenlegung von Klasse 1 und 2 die bestandene CW-Prüfung am Rufzeichen erkennbar sein soll. Daher sollte es keinen Rufzeichenwechsel in die Kontingente DA, DF, DH, DJ, DK, DL und DM ohne eine bestandene Telegrafie-Prüfung geben. Dies wäre in der RTA-Welt ein kleines Zugeständnis an die CW-Verfechter ...


Vy 73
Hermann, DL1EEC

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