HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 107 / 2003 vom 16.11.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


NEUNMALKLUGE 10-WATT-FUNKER

(hfs) Die aktuellen Einlassungen des DARC-Mitarbeiters DM2BLE in Paket-Radio anlässlich der Überprüfung eines Funkamateurs durch die RegTP sprechen eine deutliche Sprache und zeigen Gefahren auf, vor denen ich schon mehrmals gewarnt hatte.

Offensichtlich hat ein Funkamateur - motiviert durch markige Sprüche neunmalkluger "Verführer" - unbedarft Amateurfunk betrieben und beim Nachbarn für Interferenzen gesorgt. Da der Funkamateur aber keine BEMFV-Anzeige abgegeben hatte und mit seinen legalen 10 Watt EIRP nicht allzu viel "umwerfen" kann, wurde die Behörde misstrauisch und hat wohl nachgemessen. Das Ergebnis kann man sich an fünf Fingern abzählen.

Da das Terrain juristisch für beide Seiten voller Fallstricke - also auch für die RegTP nicht ohne Risiko ist, könnte der Fall zum Weichensteller für die zukünftige Behandlung des eigenverantwortlichen Anzeigeverfahrens werden - und wir könnten deswegen allesamt unsere experimentelle Liberalität im Amateurfunkdienst verlieren: Die Novellierung der BEMFV steht sowieso nächstes Jahr ins Haus. Um so erstaunlicher ist die Entscheidung der DARC-Führung, mit der Materie vertraute Anwälte und Gutachter wegen ihrer Nähe zur AGZ e.V. nicht in die Hilfsmassnahmen einzubinden. Ein vergeigter Präzedenzfall könnte ungeahnte Auswirkungen haben.

Ich kann Funkamateuren nur empfehlen, entweder ihre BEMFV-Anzeige umgehend und vor allem wahrheitsgemäß abzugeben oder sich tatsächlich auf echte 10 Watt EIRP zu beschränken.

Mit den heute sich auf dem Markt befindlichen Analyseprogrammen der Amateurfunkvereine und mit der Anleitung der Regulierungsbehörde kann man ohne Mühe seine maximal machbaren Senderleistungen berechnen und zusammen mit der Anzeige abgeben. Bei dieser Gelegenheit werden mindestens 80 Prozent der Funkamateure feststellen, dass sie mit ihrer Anlage keine Erklärungsprobleme haben werden. Der Vorteil der Anzeige nach BEMFV in Eigenverantwortung ist die klare und nicht angreifbare rechtliche Position des Funkamateurs im Kollisionsfall im speziellen und die Glaubwürdigkeit der Funkamateure im allgemeinen.


SCHLAGLICHTER AUS ÖSTERREICH ZU PLC

(red) In Linz an der Donau soll es zur 10.000-fachen Überschreitung der zulässigen PLC-Grenzwerte gekommen sein; eine Katastrophenschutzübung wurde dadurch funktechnisch gestört. Experten fürchten, dass ganz Linz zu einer Flächenantenne wird und Störungen bis in den Pazifischen Ozean hinein zu erwarten sind.

Bei PLC soll es eine neue Modulationsart geben, die auf den Kurzwellen-Bändern nur eine allgemeine Rauscherhöhung verursacht. Wenn dabei die Grenzwerte der NB 30 nicht eingehalten werden, sind die Störungen nicht mehr beherrschbar. Fast alle Fernmeldeverwaltungen haben in Brüssel bei der EU-Kommission den Schutz der Funkdienste verlangt. Der OEVSV hat ein 30-seitiges Memorandum übergeben, der DARC nichts.

Der Brüsseler PLC-Workshop wurde vertagt; es gab keine Einigung. Und wenn schon, dann verlangen wir eine europäische Norm auf Basis der NB 30. Der OEVSV wehrt sich schließlich öffentlich gegen Verleumdungen seitens der Linzer PLC-Betreiber.

Quelle: Packet-Radio-Rubrik OEVSV


REGTP BLEIBT UNPARTEIISCH BEI SOFTWAREHILFEN

(rps) Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post informiert die Öffentlichkeit seit einigen Tagen zum Thema Softwareprodukte zur Erstellung der Anzeige gemäss BEMFV. Im Internet-Angebot der RegTP findet sich nun - aus gegebenem Anlass - dieser Text:

"Es werden verschiedene Softwareprodukte zur Erstellung der Anzeige nach BEMFV angeboten. Die RegTP begrüßt solche Hilfsmittel. Eine qualitative Bewertung bzw. Empfehlung solcher Hilfsmittel nimmt die RegTP aber nicht vor. Die Anwendung nicht von der RegTP veröffentlichter Hilfsmittel liegt in der Verantwortung des Anzeigepflichtigen."

Damit stellt die Behörde noch einmal klar, dass es von staatlicher Seite weder Absprachen, noch Bewertungen, noch gar Empfehlungen von Softwareprodukten im Amateurfunk gibt. Gegenteilige Behauptungen seitens einiger Softwareautoren oder Vereinen entsprechen somit nicht der Wahrheit.


PLC-MODEM STÖRT KURZWELLENEMPFANG

(red) Inhouse-Powerline-Modems können erhebliche Störungen des Kurzwellenempfangs verursachen. Das ist das Ergebnis eines Tests, den die Zeitschrift Linux-Magazin zusammen mit dem Funkamateur Thilo Kootz, DL9KCE, durchgeführt hat. Getestet wurden vier Powerline-Modems für die Datenübertragung auf dem Stromnetz sowie ein so genanntes "Cable-LAN-Modem" für den Anschluss an das Breitband-Kabelnetz.

Während das Cable-LAN-Modem erwartungsgemäß die wenigsten Störungen verursachte, hinterließen die Powerline-Modems einen zwiespältigen Eindruck. Zwar entsprachen die Modelle dem "Homeplug-Standard", der die Amateurfunk-Kurzwellenbereiche von der Powerline-Nutzung ausspart. So waren auch kaum Störungen auf den Amateurfunk-Bändern zu vernehmen. Dafür gab es erhebliche Beeinträchtigungen des Kurzwellen-Rundfunkempfangs. Selbst starke Kurzwellensender mit einer Signalstärke von 1,6 mV am Empfängereingang - das sind immerhin 30 dB über S9 - wurden erheblich gestört. Nach Meinung der Tester reicht bereits der Betrieb weniger Inhouse-Powerline-Modems aus, um in einem ganzen Straßenzug den Kurzwellen-Rundfunkempfang zu stören.

Das Ausmaß der Störungen ist weitgehend abhängig von der Elektroinstallation, an die das Modem angeschlossen wird. Insbesondere Stromleitungen, die nur einpolig abgeschaltet werden, können wie Antennen wirken; das ist allerdings der Normalfall in Deutschland. Um dies zu demonstrieren, trennten die Tester eine Stromleitung auf einigen Metern auf, um eine einzelne Phase zu simulieren. Die Störstrahlung im 13-MHz-Bereich stieg daraufhin um das 45-fache an.

Angesichts dieser Ergebnisse zieht das Linux-Magazin das Fazit, dass Powerline zwar eine interessante Technik für die nachträgliche Vernetzung von Gebäuden sei. Wegen der beträchtlichen Störungen auf den Radiofrequenzen seien Powerline-Modems jedoch in solchen Umgebungen ungeeignet, in denen viel Kurzwellenradio gehört werde.

Quelle: FM - Das Funkmagazin


HEFTIGE KRITIK AN PRÄVENTIVER ÜBERWACHUNG

(red) Datenschützer und Rechtsanwälte haben vergangene Woche bei einer Anhörung im Mainzer Landtag prinzipielle Einwände gegen den Entwurf für die umstrittene Novelle des Polizeigesetzes in Rheinland-Pfalz erhoben.

Im Mittelpunkt der Kritik stand neben dem von den Ermittlern gewünschten Zutrittsrecht zu Wohnungen bei schweren Straftaten vor allem die geplante Einführung der "präventiven" Telefonüberwachung. Der Landesdatenschutzbeauftragte in Rheinland-Pfalz, Walter Rudolf, sah dieses Begehren der Strafverfolger als unbegründet an. Bei derartigen Einschnitten in die Grundrechte, wie sie Eingriffe ins Fernmeldegeheimnis darstellen, dürfe man nicht mit schwammigen Begriffen wie "Tatverdacht" kommen. Zudem müssten Betroffene von Abhörmaßnahmen nach Ablauf der Spitzeltätigkeiten auch dann über diese informiert werden, wenn verdeckte Ermittler beteiligt waren.

Die Mainzer Landesregierung war für ihren Vorstoß hin zum Überwachungsstaat, den beispielsweise die Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD) in dem Gesetzesentwurf sieht, erst kürzlich mit dem Big Brother Award ausgezeichnet worden.

Quelle: Heise Newsticker


ANGST VOR HANDYANTENNEN IST SCHÄDLICHER ALS STRAHLUNG

(red) Die Angst vor Mobilfunkantennen ist nach Expertenansicht gesundheitsschädlicher als die tatsächliche Strahlung selbst. "Als eine Antenne auf dem Dach aufgestellt wurde, hatten Bewohner plötzlich Kopfschmerzen und konnten nicht schlafen. Aber da war die Antenne noch gar nicht angeschaltet", berichtete der Leiter des Forschungszentrums für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (FEMU) der Universitätsklinik Aachen, Professor Jiri Silny, in einem dpa-Gespräch anlässlich eines Fachkongresses über die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung in Jena.

Aus Unkenntnis werden nach Meinung des Forschers die Risiken des Mobilfunks aufgeblasen. "Das macht den Leuten Angst und sie werden krank", sagte Silny. In den mehr als 7000 wissenschaftlichen Publikationen zum Thema, die das FEMU gesammelt hat, ließen sich bislang keine eindeutigen Belege zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Handy-Strahlung finden.

Quelle: Heise Newsticker


ZUM SCHLUSS: KORREKTUR

(red) Offenbar hat es keiner gemerkt: In der gesprochenen Version von HamRadio 2day war letzte Woche ein Fehler. La Palma, eine der kleinen Kanarischen Inseln, liegt natürlich in EA8 - und nicht in EA6.


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Hermann, DL1EEC

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