HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 112 / 2003 vom 21.12.2003

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL

(hfs) Geht das Jahr 2003 als Jahr der Reformen in die Annalen ein? Was die Agenda 2010 betrifft bestimmt nicht, denn sie hat mehr mit dem Flickwerk des IARU-Vertreters in Deutschland zu tun als mit einer wirklichen Reform. Der 15. August 2003 aber wird als DER Richtungswechsel im Amateurfunkdienst Deutschlands seinen unauslöschbaren Platz finden.

Wenn wir als Funkamateure unser Überleben im Kommunikations-Zeitalter richtig organisieren wollen, dann müssen wir mit unserer Abgrenzung durch sakrale Privilegien aufhören. Es passt nicht mehr in den Zeitgeist, wenn eine Behörde automatische Stationen hier duldet und dort mit Lizenzentzug droht. Wie gut der Einspruch von HamRadio 2day funktioniert, zeigt das Beispiel DB0UA.

Wir müssen mehr individuelle Kenntnis unseres Amateurfunkgesetzes erlangen und vor allem mehr Mut haben, dieses Gesetz in seiner täglichen Anwendung zu vertreten ? auch gegen die Willkürlichkeit einer Behörde und besonders gegen die falsch verstandene Regulierungswut des IARU-Vertreters in Deutschland.

Ich bedanke mich bei Ihnen allen für die Akzeptanz von HamRadio 2day und wünsche Ihnen und Ihren Familien ruhige Weihnachtsfeiertage; natürlich auch nette QSOs und GD DX.

Hermann, DL1EEC


LETZTE TELEGRAFIE-PRÜFUNG IN DEN NIEDERLANDEN

(rps) Es war schon eine Meldung wert ? und was für eine: top-positioniert in den 20-Uhr-Nachrichten des öffentlich-rechtlichen niederländischen Fernsehens NOS. Am letzten Dienstag, den 16. Dezember fand in Utrecht die definitiv letzte Prüfung in Morsetelegrafie in den Niederlanden statt. Der Beitrag, der von Schwarzweiß-Filmen aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts untermalt wurde, betonte die enorme Bedeutung von CW für die Luft- und Schifffahrt in der Vergangenheit ? und stellte auch klar, dass Morsetelegrafie heute nur noch von den Funkamateuren benutzt wird. Deshalb habe der niederländische Staat auf die Prüfung nunmehr endgültig verzichtet. In einem Interview bekannte sich Din Hoogma, PA0DIN, zur Telegrafie und betonte, dass auch in Zukunft viele Funkamateure in CW eine effiziente Art und Weise der Kommunikation sehen werden.

Leider wurden wir auch diesmal wieder in den Medien als eigentümliche Sonderlinge präsentiert, die einen historischen "Spleen" pflegen ? aber immerhin mit der Hoffnung, sich dem Neuen zu öffnen. Im aktuellen Teil des Filmbeitrags waren dann auch wieder einmal im wesentlichen Männer zu sehen, die deutlich älter als 50 Jahre waren. In den Niederlanden diskutiert man nun, CW-Prüfungen künftig durch Vereine für diejenigen anzubieten, die so etwas z.B. für Gastlizenzen im Ausland benötigen.


SIEMENS VERNETZT HAUSGERÄTE MIT POWERLINE


(red) Es wird langsam eng für den Kurzwellenamateur und den Rundfunk-DXer: Siemens hat ein neues System namens "serve@Home" zur Vernetzung von Hausgeräten mittels Powerline vorgestellt. Waschmaschine, Geschirrspüler, Kühlschrank und Herd sollen zukünftig über die Steckdose mit einer Leitzentrale in Haus oder Wohnung kommunizieren. Mit einem Windows-Tablet-PC greift man per WLAN auf die Zentrale zu, um die Geräte fernzusteuern und den Status abzufragen. Die Einwahl per Handy ermöglicht auch das Ein- und Ausschalten von unterwegs, beispielsweise um den Herd auszustellen. Die Waschmaschine muss man bislang aber noch vor Ort beladen.

Durch den Einsatz der Powerline-Technik kann man auf die bereits vorhandene Elektroinstallation zurückgreifen. Bauliche Eingriffe ? wie etwa das Aufstemmen von Wänden zum nachträglichen Verlegen von Datenkabeln und dergleichen ? entfallen somit. Der Mehrpreis für serve@Home-fähige Hausgeräte liegt bei 50 Euro. Ein Einschubschacht dient zur späteren Aufnahme eines Powerline-Modems. Das Bediensystem veranschlagt Siemens mit 3999 Euro, wovon allein 2500 auf den Tablet-PC entfallen.

Quelle: Heise-Newsticker


LOFAR: EIN REKORDVERDÄCHTIGES NEUES RADIOTELESKOP

(rps) LOFAR steht für " Low Frequency Array" ? und ist ein revolutionäres Radioteleskop der nächsten Generation, das ab 2004 im Norden der Niederlande gebaut wird und das bis nach Deutschland reichen soll. Es besteht aus 25.000 einfachen Antennenanlagen nebst Empfängern, einem ultraschnellen Terabit-Datennetzwerk und einem zentralen Supercomputer. Damit wird es das größte Radioteleskop der Welt. Das Teleskop kann in mehrere Richtungen gleichzeitig schauen und in Sekundenbruchteilen die Sehrichtung beliebig ändern. Es arbeitet im Frequenzbereich von 10 bis 200 MHz und ist auf der Suche nach der ersten Generation von Sternen und schwarzen Löchern im frühen Universum direkt nach dem Urknall. Mit seinem schnellen Netzwerk kann LOFAR auch als heutige Versuchsplattform für das Internet der Zukunft dienen. Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn ist zusammen mit weiteren deutschen Partnern an der Prototypenentwicklung beteiligt.

350 Kilometer im Durchmesser ? das ist die geplante räumliche Ausdehnung des LOFAR-Teleskops, das mit seinem Zentrum in Borger-Odoorn, 20 Kilometer westlich der deutsch-niederländischen Grenze in der Nähe von Meppen entsteht und das sich auch auf das Gebiet von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erstrecken wird.

Die relativ einfachen und preiswerten Antennen bestehen aus zwei senkrecht zueinander angeordneten Dipolen in Inverted-V-Anordnung, die auf einem metallischen Gitternetz mit vier Meter Kantenlänge stehen, das als Groundplane bzw. als Reflektor arbeitet. Mit diesem pyramidenförmigen Aufbau und geeigneten rauscharmen Elektroniken, wie sie auch bei Aktivantennen Verwendung finden, lassen sich breitbandig linear und zirkular polarisierte Wellen mittels DSP detektieren. Der effektive Gesamtdurchmesser von LOFAR von 11.000 bis zu 230.000 Wellenlängen erlaubt dabei eine exzellente räumliche Auflösung: wir meinen, eine sehr interessante Technik auch für Funkamateure, die man sich anschauen sollte. Viel mehr Information über LOFAR findet sich im Internet unter www.lofar.org.

Quelle: LOFAR-Projekt


FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT FUNK MIT NEUEM NEWSLETTER

(rps) Am 17. Dezember erschien der Newsletter Nummer 4/2003 der FGF. Es finden sich dort unter anderem folgende Themen, die für Funkamateure interessant sind:

  • Das Standortbescheinigungsverfahren in der Bundesrepublik Deutschland
  • EMF-Messreihen ? eine Ergänzung zum Standortbescheinigungsverfahren der RegTP
  • Berechnung der Feldstärken von Mobilfunk-Basisstationen
  • Erster Jahresbericht des Russischen Komitees zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung
  • AFSSE ? Die neue Behörde für Umwelt und Gesundheit in Frankreich
  • "Zeitung in der Schule": Ein Schulprojekt zum Thema "Elektrosmog"

Sie können den Newsletter der FGF als PDF-Dokument im Internet laden unter

www.fgf.de/fup/publikat/newsletter.html

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk


AUSTRALIEN FEIERT

(rps) den Wegfall der Telegrafieprüfung. Am 1. Januar um Mitternacht Ortszeit öffnet sich in VK auch denjenigen Funkamateuren die Kurzwelle, die keine CW-Prüfung abgelegt haben. Das "Wireless Institute of Australia" ? der dortige Amateurfunkclub ? lädt alle Funkamateure weltweit ein, dies gebührend auf den Bändern zu feiern: Die "Welcome to HF QSO Party" beginnt am 31. Dezember um 13 Uhr UTC und dauert bis 24 Uhr UTC am Neujahrstag, also insgesamt 35 Stunden lang. Bisherige UKW-Stationen in Australien erkennt man am dreistelligen Suffix, der mit den Buchstaben H, T, U, X, Y und Z beginnt. Spezielle Clubstationen des "Wireless Institute of Australia" sind ebenfalls in der Luft ? zu erkennen am Suffix WI.

Mehr Informationen zur "Welcome to HF QSO Party" gibt's im Internet unter http://www.wia.org.au/

Quelle: Wireless Institute of Australia


PROJEKT "GOODWILL ALBANIA"

(rps) verdoppelt schlagartig die Anzahl der Funkamateure in Albanien über Nacht. Aus dem Projekt, das von Martti Laine, OH2BH, organisiert wurde, gingen kürzlich 39 neue Lizenzen hervor. Martti dankte allen Beteiligten für die fünfwöchige erfolgreiche Arbeit. Ihm wurde für sein Engagement der Titel eines "Senior Fellow of the Polytechnical University of Tirana" verliehen.

Die Polytechnische Universität Tirana, an der die Ausbildung stattfand, hat nun auch eine eigene Clubstation: ZA1UT. Sie bekam als Geschenk einen FT-1000MP-Field-Transceiver mit Endstufe überreicht. Der erfolgreichste Student erhielt von Ausbildungsleiter Ulrich Weiss, DJ2YA, einen FT-847. DJ2YA bezeichnete den gerade in Tirana zuende gegangenen Ausbildungskurs als Highlight seiner beruflichen Karriere.

Am Rande wurde mit der Regierung über die Integration Albaniens in die CEPT-Systematik geredet ? vor zehn Jahren ein absolut undenkbares Szenario, als Albanien noch an der Spitze der "most wanted countries" stand ...

Quelle: RSGB


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Die Frage heute ist, wie man die Menschheit überreden kann, in ihr eigenes Überleben einzuwilligen.

Quelle: Betrand Russell


FROHE WEIHNACHTEN

(red) wünschen Ihnen die Mitglieder der AGZ, die Redaktion von HamRadio 2day und die Autoren dieses Rundspruchs. Am kommenden Sonntag ? dem letzten Sonntag in diesem Jahr ? hören Sie wie immer an diesem Tag unseren traditionellen Jahresrückblick.

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Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.