HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 131 / 2004 vom 02.05.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


LEITARTIKEL

(hfs) Mit dem jetzt vorliegenden Ministerentwurf einer AFuV-2004 hat das BMWA den Funkamateuren erstmals eine Rechtsverordnung an die Hand gegeben, die auf dem Amateurfunkgesetz von 1997 aufbaut wie keine zuvor. Ebenso ist das "Nürnberger Urteil" eingeflossen und die Ergebnisse der WRC-03 wurden berücksichtigt. Bei Relais, Digipeatern und Mailboxen hat es laut ministerialer Begründung in den letzten Jahren die größten Probleme gegeben; dies sei der wesentliche Grund für die Novellierung der AFuV. Hier rächt sich nun das Back-Stage-Theater von Sysop-DL. Natürlich weht noch etwas wilhelminischer Mief aus mancher Syntax, aber damit kann man leben. Bei Bedarf steht der Weg zum Verwaltungsgericht offen, um kritische Punkte auf Vereinbarkeit mit übergeordnetem Recht prüfen zu lassen.

Insgesamt möchte ich den Mitgliedern der AGZ danken, die durch ihre finanziellen und ehrenamtlichen Beiträge diesen Erfolg für den Amateurfunkdienst in Deutschland möglich gemacht haben.

Hermann
DL1EEC


DIE NEUE AFUV – KOMMT SIE NUN WIRKLICH ?

(rps) Wir haben fast nicht mehr daran glauben wollen: Der AGZ wurde am Donnerstag ein neuer ministerieller Entwurf der Amateurfunkverordnung zugestellt. Der Text stellt einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung dar: Heftiger Protest der deutschen Amateurfunkverbände hat unter anderem dazu geführt, dass die im Dezember noch inszenierte Entrechtung der Einsteigerklasse nun doch nicht stattfindet. Die neue Klasse E soll weiterhin Clubstationen, Relais, Digipeater und Ausbildungsstationen betreiben dürfen – ganz wie das Amateurfunkgesetz dies auch vorsieht.

Die AGZ konnte einen weiteren wesentlichen Punkt für sich verbuchen: Die Pflicht, automatische und fernbediente Amateurfunkstellen samt ihrer Zusatzeinrichtungen allen Funkamateuren zur Verfügung stellen zu müssen, wird in der neuen Amateurfunkverordnung enthalten sein. Der betreffende Abschnitt wurde nicht aus dem Entwurf entfernt. Auch die Möglichkeit, Funkamateure von der Nutzung auszuschließen, wird wesentlich enger gefasst: Zukünftig soll dies nur noch zur Sicherstellung eines störungsfreien Betriebs erlaubt sein – inhaltliche Aspekte bleiben endgültig außen vor.

In der Störfall-Problematik hat sich ebenfalls etwas bewegt, nachdem die AGZ die im Dezember noch vorgesehene Regelung als Verletzung des Gleichheitsgebots unserer Verfassung gewertet hat: Über einen Verweis in das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten (EMVG) wird der Nachbar nun zur Mitwirkung verpflichtet. Erst wenn die gestörten Geräte den betreffenden EMV-Normen tatsächlich und nachprüfbar genüge leisten und wenn vertretbare Maßnahmen zur darüber hinaus gehenden Erhöhung der Einstrahlfestigkeit keinen Erfolg zeigen, erst dann muss der Funkamateur seinen Betrieb modifizieren. Positiv ist schließlich auch, dass Ausbildungsrufzeichen künftig unbefristet zugeteilt werden sollen.

Es gibt aber auch negative Dinge zu berichten. So sollen die Gebühren teilweise drastisch angehoben werden. Heute beträgt laut Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit der Kostendeckungsgrad im Amateurfunk gerade einmal 15 Prozent – bei einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Euro, das wir der Regulierungsbehörde angeblich jährlich kosten. Bis zum Jahre 2008 wird eine Verdoppelung des Kostendeckungsgrades angestrebt. In der AFuV sollen in Konsequenz so genannte Staffelgebühren eingeführt werden, die sich jedes Jahr erhöhen. In vier Jahren soll die Prüfung für die neue Klasse A 110 Euro kosten, während 80 Euro für die Einsteigerklasse zu bezahlen sind. Die Zuteilung eines persönlichen Rufzeichens und eines Ausbildungscalls soll mit 70 Euro, die Zuteilung eines Clubrufzeichens mit 110 Euro und die Zuteilung eines Rufzeichens für automatische Amateurfunkstellen sogar mit 200 Euro zu Buche schlagen.

Ach ja, und Kurzwelle für die Einsteiger soll es immer noch nicht geben, obwohl dies rechtlich problemlos möglich wäre. Soweit für heute – weitere Details erfahren Sie nächste Woche. Freuen wir uns erst einmal über die Verbesserungen.


UKW-TAGUNG KONKURRIERT IM DOPPLELPACK

(hfs) Wir wollten einmal aus berufenem Munde wissen, was in Weinheim bzw. in Bensheim Sache ist und wie die beteiligten "Matadore" selbst die Situation sehen. In einem Gespräch mit Wolfgang Mahlke, DF1GW, – er ist Pressesprecher der am 11. September stattfindenden UKW-Tagung – erhielt die Redaktion von HamRadio 2day ein paar Impressionen zur UKW-Tagung im Doppelpack.

Wolfgang sagt, dass die historisch originäre "UKW-Tagung" unter der Regie des DARC-Ortsverbandes A20 jetzt nicht mehr in Weinheim, sondern in Bensheim stattfindet. Der Schwerpunkt der Fachvorträge liege auf technisch-wissenschaftlichen Themen im Amateurfunk und ziele primär nicht auf eine kommerzielle Plattform. DF1GW hat das Ziel, in Bensheim die Qualität der Vorträge allein am eigentlichen Amateurfunk zu orientieren. Die technische Innovation solle dabei klar im Vordergrund stehen.

Vom 28. bis zum 29. August findet die von Gerhard Ries, DJ3UY, und Mitstreitern ins Leben gerufene UKW-Tagung statt. Sie bietet ihr Programm in Weinheim an. Im Gespräch mit OM Ries erkennt man, dass er im Jahre 2001 offensichtlich im Ortsverband A20 wenig Unterstützung fand und sich deswegen aus den umliegenden Ortsverbänden Hilfe holte. Ries schiebt die heutige Situation auf die Lethargie der Verantwortlichen im DARC-OV A20. Im Gespräch klang auch durch, dass der Stabwechsel eine "Ordre de Mufti" des DARC-Managements war, das mit der steuerlichen Situation der A20-Veranstaltung ein Ende machen wollte – Stichwort "Gemeinnützigkeit".

Wir von HamRadio 2day hoffen, dass die UKW-Tagung – gleich unter welcher Schirmherrschaft – dem Amateurfunkdienst in Deutschland erhalten bleibt. Den Gedanken, den Fokus auf Technik und Innovation zu legen, finden wir geradezu unverzichtbar. Gerhard Ries bekräftigte, dass er an einer Integration aller Protagonisten sehr interessiert sei.

Welche der beiden Veranstaltungen das Rennen machen wird, wird wohl Wimo entscheiden. Es war bis vorgestern noch nicht klar, bei welcher Veranstaltung die Firma als Besucherstrom-Management fungieren wird.


VERFAHREN GEGEN ZWEI FREENET-NUTZER EINGESTELLT

(red) Das Amtsgericht Bonn hat am 29. April zwei von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gegen Funkfreunde aus Gütersloh eingeleitete Bußgeldverfahren auf Kosten der Staatskasse eingestellt.

Den Funkern wurde vorgeworfen, mit Amateurfunkgeräten und mit zu hoher effektiver Strahlungsleistung auf der FreeNet-Frequenz 149,050 MHz gesendet zu haben. Bei den Hausdurchsuchungen im vergangenen Jahr wurden Amateurfunkgeräte sicher gestellt; die Beschuldigten bestritten jedoch beide die Tat. In der mündlichen Verhandlung rügte der Verteidiger der Betroffenen, Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln, dass der von der Behörde verwendete Messaufbau nicht geeignet sei, elektromagnetische Feldstärken zu messen. Riedel war ferner der Ansicht, dass für die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten nur amtlich geeichte Messaufbauten verwendet werden dürfen.

Der gerichtlich bestellte Sachverständige, Dr. Ralph Schorn, erläuterte dem Gericht die technischen und physikalischen Zusammenhänge. Er kam zu dem Schluss, dass der von der Behörde vor Ort verwendete Messempfänger lediglich absolute Spannungswerte an seinem Antenneneingang bestimmen kann. Die so ermittelten und im Verfahren vorgelegten Daten ließen keine Schlüsse auf die absolute Intensität des am Messort vorhandenen elektromagnetischen Feldes – und somit auf die tatsächlich abgestrahlte effektive Leistung – zu. Der Vertreter der Regulierungsbehörde erklärte, dass die verwendeten Geräte in Sicht seiner Behörde nicht der Eichpflicht im Sinne des Eichgesetzes unterlägen.

Das Gericht schließlich ließ die Frage offen, ob das Eichgesetz tatsächlich Anwendung findet. Es gab aber zu bedenken, dass für den hinreichend sicheren Nachweis einer Tat – ähnlich wie bei Radarfallen und Laserpistolen im Straßenverkehr – amtlich geeichte Geräte und ein sorgfältig dokumentiertes und standardisiertes Messverfahren erforderlich seien. Die Verfahren wurden auf Kosten der Landeskasse eingestellt. Die Aktenzeichen lauten 71 OWi 483/03 und 72 OWi 353/03.

Mitgeteilt von Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, Köln.


FUSION IM HAM-BLÄTTERWALD

(red) Der zur WAZ-Gruppe gehörende Verlag für Technik und Handwerk (vth) hat den Siebel-Verlag übernommen. Das gesamte Verlagsprogramm wird ab sofort von vth vertrieben. Der bisher in Meckenheim ansässige Siebel-Verlag hat sich in Fachkreisen durch Spezialliteratur zum Funk-Empfang einen guten Namen gemacht. Bekanntestes Siebel-Werk ist das seit 1984 erscheinende Jahrbuch "Sender und Frequenzen".

Quelle: FM – Das Funkmagazin


ZUM GUTEN SCHLUSS: HAMRADIO 2004

(hfs) Die Hamradio 2004 öffnet dieses Jahr vom 25. bis zum 27. Juni wie immer in Friedrichshafen ihre Tore – nun schon im zweiten Jahr in der neuen Ausstellungsanlage. Sie ist für Funkamateure die Nummer 1 unter den Ham-Messen in Europa. Auf mehr als 25.000 Quadratmetern zeigen rund 300 Firmen aus 35 Ländern das komplette Weltmarktangebot des Amateurfunks. Auch dieses Jahr erwartet die Messegesellschaft in Friedrichshafen etwa 20.000 Besucher beim Treffpunkt der Funkamateure in Europa.

Die AGZ e.V. ist wie schon in den letzten Jahren wieder mit von der Partie.

Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.