HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 133 / 2004 vom 16.05.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


WAS IST EIN AUSBREITUNGSMEDIUM ?

(hfs) Meist versteifen sich Funkamateure fast aller Altersklassen darauf, dass nur die Verbindung auf Kurzwelle die allein selig machende Amateurfunk-Kommunikation sei. Hakt man bei diesem Personenkreis einmal nach und fragt, was denn passiere, wenn Lufthülle und Ionosphäre der Erde nicht mehr existent wären, dann kommen die drolligsten Antworten. Offensichtlich sind sich Funkamateure dieser Besonderheit unseres Blauen Planeten nicht ausreichend bewusst.

Die wenigsten erkennen nämlich, dass eine Kommunikation zwischen DL und ZL per Kurzwelle ohne Ionisationsschicht gar nicht möglich ist. Für die elektromagnetischen Wellen sind die diese Schichten – und auch die fluktuierenden Dichteunterschiede in der Lufthülle bei der UKW-Ausbreitung – nichts anderes als ein Ausbreitungsmedium. Andere Ausbreitungsmedien sind z.B. mineralisches Glas, der Weltraum oder auch Plasmen.

Es gibt aber noch ganz andere Ausbreitungsmedien. Denken Sie einmal an Wasser, das sich hervorragend als Verkürzungsfaktor eignet, oder auch an einen Transponder, dessen "Innereien" ebenfalls – natürlich abstrahiert – ein Ausbreitungsmedium darstellen.

Abstrahieren wir noch eine Ebene weiter: Wir erkennen aus dieser Perspektive das Internet als ein gigantisches Ausbreitungsmedium, das ja nicht für alle Zeiten auf unseren Planeten und unser Sonnensystem beschränkt bleiben muss. Insoweit sollten wir Funkamateure uns einmal wagen, über den Rand unserer Richtantennen hinaus zu schauen: Im Zeitalter des globalen Netzes spielen Entfernungen keine Rolle mehr. Wir sind bereits näher zusammengerückt; viele haben es bloß noch nicht gemerkt.

Hermann, DL1EEC


DB0AGZ ON AIR

(hfs) Seit dem 1. Mai ist am Standort Wermelskirchen DB0AGZ als automatische und fernbediente Echolink-Station auf 145,450 MHz aktiv. Wir haben uns entschlossen, die Software in der Originalkonfiguration mit Ansage der Connects zu belassen. Es gibt nämlich gute Gründe, den OM oder die YL auf der lokalen Frequenz wissen zu lassen, dass er oder sie über das Netz "beobachtet" wird. Der Besucherandrang ist sehr groß, aber man traut sich offensichtlich noch nicht so recht, das neue Medium auch aktiv in Form eines QSOs zu nutzen.

Alle QSOs – auch die zwecks Störung des Gateways geführten – werden automatisch als MP3-Datei bei DB0AGZ aufgezeichnet und wunschgemäß zusammen mit dem Log als Dokumentation der RegTP Ende Oktober 2004 zur Verfügung gestellt.


NEUES TELEKOMMUNIKATIONSGESETZ BESCHLOSSEN

(rps) Bundestag und Bundesrat haben am Freitag dieser Woche dem neuen Telekommunikationsgesetz zugestimmt, nachdem sich der Vermittlungsausschuss überraschend schnell auf einen Kompromiss geeinigt hatte, wir berichteten. Damit steht dem Inkrafttreten im Sommer nichts mehr im Weg. Der Amateurfunk ist an zwei entscheidenden Stellen betroffen.

Erstens: Die Pflicht zur Entrichtung von Frequenznutzungsbeiträgen wird im neuen TKG klarer und rechtlich eindeutiger als zuvor auf die Funkamateure ausgedehnt. Diese Gebühren sind nun auch zu zahlen, wenn Frequenzen aufgrund so genannter "sonstiger Verwaltungsakte" – hierunter fällt das Amateurfunkgesetz – oder dauerhaft ohne Zuteilung genutzt werden. Müssen langjährige Schwarzfunker nun nachträglich auch noch diese Gelder zahlen? Allerdings schreibt das Gesetz vor, innerhalb der Nutzergruppen – also auch im Amateurfunk – eine Aufteilung entsprechend der Frequenznutzung vorzunehmen. Der maßgeblich geringere Frequenzraum und die erheblich geringere Kommunikationsreichweite der Einsteiger-Zeugnisklasse müssen somit zu spürbar niedrigeren Beiträgen führen als für die Inhaber der kommenden Klasse A.

Zweitens: Im Abhörparagrafen, der nun die Nummer 87 trägt, ist der Amateurfunk vom Abhörverbot ausdrücklich ausgenommen. Jedermann darf nun Nachrichten abhören, die direkt für ihn selbst als Person, für die Allgemeinheit, für einen unbestimmten Personenkreis oder eben für Funkamateure im Sinne des Amateurfunkgesetzes bestimmt sind. Neben der Beseitigung von rechtlichen Unklarheiten bekommt der Amateurfunkdienst damit im wichtigen und allseits bekannten Telekommunikationsgesetz eine ganz neue Sichtbarkeit, indem auf das AFuG als lex specialis verwiesen wird.

Dieser Teil der Gesetzesänderung wurde auf alleinige Initiative der AGZ e.V. beschlossen, die dem Gesetzgeber den neuen Text im diese Woche übernommenen Wortlaut vorschlug.


LESERBRIEF

P. Sohn – DO9EP – schreibt uns:

Sehr geehrter Herr Schulze,
liebe AGZ e.V.,

nach einigen Recherchen im Internet ist es mir gelungen, den aktuellen Antrag zur Erteilung einer Gastlizenz der niederländischen Behörden aufzufinden. Er kann aktuell unter

http://www.agentschap-telecom.nl/ep/verg_info_eng.html

heruntergeladen werden.

Die Gastlizenz für DO-Rufzeichen in den Niederlanden ist eigentlich ein alter Hund – schon fast ein Klassiker. Trotzdem war es nicht ganz einfach, den aktuellen Antrag im Web zu finden. Ich hatte vorher auf der Webseite des DARC und Ihrer Webseite nachgeschaut – leider Fehlanzeige. Im Internet ist die Seite http://www.delta-oscar.de/gast3.htm#Niederlande verfügbar. Wie ich aber feststellen musste, sind die Informationen dort schon sehr veraltet.

Wenn man in Spanien Urlaub machen möchte, dann sind die Informationen noch schlechter zu verstehen – ein Antragsformular ist gar nicht zu finden. Dabei ist Spanien doch das Wunderland für alle DO-Lizenzinhaber, weil von dort aus Betrieb auf der Kurzwelle erlaubt wird. Das ist doch schon ein Grund für jeden DOler, in Spanien Urlaub zu machen.

Und warum schreibe ich Euch das alles? Ist doch klar. Ihr informiert intelligent und umfassend über alle Themen rund um den Amateurfunk. Ihr würdet zu einer echten Stütze aller DO-Lizenzinhaber, wenn ihr nach und nach aktuelle Informationen zu Gastlizenzen in der EU veröffentlichen würdet.

Mit freundlichen Grüßen,

P. Sohn (DO9EP)

(hfs) Gute Idee – wir denken darüber nach. Für Spanien ist es ganz einfach: Schreiben Sie an

Ministerio de Obras Publicas Y Transpores
Direcci Telecommunication General
Castellan, 118
E-28046 Madrid
Telefon 0034-91-4116015 oder Fax 0034-91-7333684


DIE FELDSIMULATION FÜR JEDERMANN

(hfs) kann Ihnen demnächst ganz schön Probleme machen, wenn Sie sich als Funkamateur nicht weiterbilden. Auf der Website

http://www.izmf.de/html/de/35024.html

finden Sie ein Feldberechnungsprogramm, das besser ist als das der Regulierungsbehörde. Die Autoren schreiben dort:

"Anwendung zur Darstellung elektromagnetischer Felder von Mobilfunkantennen: Die öffentliche Diskussion über die gesundheitliche Verträglichkeit der Immissionen von Mobilfunksendeanlagen zeigt, dass es weiteren Informationsbedarf gibt.

Unsere Online-Simulation soll bei diesem Thema zu mehr Transparenz beitragen. Interessierte können sich anhand dieser leicht zu bedienenden Anwendung sehr einfach ein Bild verschaffen, wie stark die elektromagnetischen Felder in der Nachbarschaft von Mobilfunkanlagen typischerweise sind. Dargestellt wird jeweils der erreichte Bruchteil des Grenzwertes, der gemäß der 26. Bundes-Immissionschutzverordnung maximal zulässig ist."

Na, dann viel Spaß mit Ihrem "aufgeklärten" Nachbarn, der feststellt, dass Sie die Grenzwerte ganz schön ausreizen ...


ZUM SCHLUSS: ZIMBABWE ERSTES EQSL-OPFER ?

(hfs/red) Der Verwaltungsrat der ZARS entschied am 3. Mai, das dortige QSL-Büro zu schließen. Hauptgrund sind die inflationären Distributions-Kosten für den weltweiten körperlichen Versand der QSL-Karten – dies zudem vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen.

Quelle: IARU

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Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.