HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 135 / 2004 vom 30.05.2004

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ


LEITARTIKEL: AUS FÜR DIE INNOVATION IM DEUTSCHEN AMATEURFUNK ?

(rps) "Lichtsprechen" – die Kommunikation mittels sichtbarem Licht oder Infrarotstrahlung – ist eines der wenigen Highlights, mit denen der Amateurfunk seinen technisch-wissenschaftlichen Anspruch heute unter Beweis stellt. Modulierbare Lasersysteme, optische Interferenzfilter und lichtstarke Linsensysteme, empfindliche Detektoren, der Wettbewerb um Reichweiten in einem unbekannten Spektralbereich: Eine innovative Spielwiese ohne gleichen für den Funkamateur – etwas wirklich Neues.

Um so unverständlicher ist die Haltung der Regulierungsbehörde, die dieser Innovation nur noch Steine in den Weg legt. Es begann letztes Jahr damit, dass bereits erteilte und sehr erfolgreiche Genehmigungen nach Paragraf 16 AFuV zu "besonderen experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien" nicht verlängert wurden.

Weiter gings im Februar – mit einem Schreiben des Wirtschaftsministeriums. Dort erklärte man einem betroffenen Funkamateur, dass Frequenzen oberhalb von 275 GHz in der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung nicht zugewiesen seien und dass es sich in Folge bei Lichtsprechen keinesfalls um Amateurfunk handeln könne. Eine Regelung in der neuen AFuV sei unmöglich. Es bedürfe aber dennoch einer Genehmigung – und diese "Sonderzuteilung" könne man sich gegen entsprechendes Geld bei der RegTP holen. Amateurfunk sei das aber immer noch nicht. Es gelten daher das FTEG und das EMVG in vollem Umfang, was den Selbstbau praktisch ausschließt.

Der Paukenschlag kam dann diese Woche: Ging man bisher davon aus, dass laut Amtsblatt-Verfügung die Nutzung des Frequenzbereichs von 300 GHz bis 500 THz allgemein für jedermann genehmigt ist, so erklärte die Regulierungsbehörde dies in ihrem aktuellen Amtsblatt vom 19. Mai schlicht für einen Druckfehler und korrigierte die Obergrenze auf 3 THz. Durften bisher Wellenlängen herunter bis zu 600 Nanometer verwendet werden – das entspricht in etwa dem Gelb-Orange der dominanten Spektrallinie des neutralen Natrium-Atoms, die man abends als Straßenbeleuchtung sieht –, so lautet die neue Grenze nun 100 Mikrometer. Das liegt im fernsten Infrarot – und damit sind alle bisher von Funkamateuren verwendeten Strahlungsquellen nicht mehr verwendbar: Sie arbeiten zwischen 0,6 und 10 Mikrometer.

Da bleibt uns nur zu sagen: Vielen vielen Dank, liebe Regulierungsbehörde – und dem DARC bleibt nur, seinen für die Ham Radio in Friedrichshafen geplanten Vortrag namens "Lichtsprechen für Funkamateure und jedermann" ersatzlos zu streichen – oder in eine Protestversammlung umzufunktionieren.

Was meint die AGZ dazu?

Ganz einfach: "Lichtsprechen" ist zurzeit rechtlich gesehen kein Amateurfunkdienst. Frequenznutzungen und -zuteilungen außerhalb des Amateurfunks erfolgen nach Maßgabe des Frequenznutzungsplans. Die betroffenen Frequenzen von 30 bis 500 THz sind dort aber nicht aufgeführt. Dies bedeutet weder ein automatisches Nutzungsverbot, noch das Erfordernis einer Sonderzuteilung. Die besagten Frequenzen entziehen sich der hoheitlichen Regulierung durch die Behörde. Die Nutzung von Frequenzen, die nicht im Frequenznutzungsplan genannt sind, stellt schließlich auch keine Abweichung von den Regelungsinhalten dieses Plans dar, da er die Frequenzen gar nicht kennt.

Zusammen mit unsinnigen und innovationsfeindlichen Einschränkungen der Betriebsrechte im aktuellen Entwurf der Amateurfunkverordnung ist das schon abenteuerlich und es wirft ein schlechtes Licht auf den Technologiestandort Deutschland, wenn mit derart wilhelminischen Methoden die Verwaltung ausgerechnet im "Jahr der Technik" versucht, wissenschaftliche Experimente im Amateurfunk zu unterbinden.

Die AGZ wird den Wirtschaftsminister dazu aufrufen, hier umgehend regulierend tätig zu werden!

Ralph, DC5JQ


FUNKAMATEUR SIEGT IM NACHBARSCHAFTSSTREIT

(rps) Eine Situation, die jeden treffen kann: Nachbar verklagt Funkamateur auf Unterlassung von Fernsehstörungen. So geschehen auch Anfang des Jahres in Unna. Mitte Mai kam es nun zur Verhandlung vor dem Amtsgericht und zum Ortstermin bei den Kontrahenten. Im Ergebnis wurde die Klage vollständig abgewiesen und dem Nachbarn die Prozesskosten auferlegt.

Die zivilrechtliche Urteilsbegründung: Grundsätzlich muss der Funkamateur zwar gemäß Paragraf 1004 BGB eine nicht nur unwesentliche Störung des Fernsehempfangs unterlassen. Für ihn spricht aber Paragraf 906 BGB, wonach erst einmal von einer nur unwesentlichen Beeinträchtigung auszugehen ist, wenn sich der Funkamateur innerhalb der Auflagen seiner eigenen Sendegenehmigung bewegt, die er Kraft eines Bundesgesetzes und einer Rechtsverordnung erhalten hat. Konkret bedeutet das in diesem Fall, dass er die gestattete Leistung von 750 Watt nicht überschreitet.

Dennoch kann es nicht nur zu wesentlichen, sondern sogar zu erheblichen Störungen kommen: Im verhandelten Fall waren Streifen im Bild zu sehen, jedoch nur auf 80 Meter in SSB und nur bei mehr als 250 Watt Senderleistung. Bemerkenswert ist der Standpunkt des Gerichts, dass der Funkamateur in dieser Situation nicht zwingend die Leistung absenken muss; genauso möglich ist die Durchführung von Entstörungsmaßnahmen beim Nachbarn – allerdings auf Kosten des Funkamateurs.

Während des Ortstermins wurde das für die Störungen verantwortliche Scartkabel zwischen Satellitenempfänger und Fernsehgerät vonseiten des Beklagten mit mehreren Ferritringkernen versehen. Danach waren auf allen Kurzwellenbändern selbst bei über 600 Watt Leistung keine Störungen mehr wahrzunehmen. Der Funkamateur ist so seiner Verpflichtung zur Beseitigung nachgekommen. Der Nachbar hat die Klage schließlich verloren, weil sie nun durch Wegfall des eigentlichen Klagegrundes nicht mehr begründet war.

Vor Ort waren beteiligt: Dipl.-Ing. Ulfried Überschar, DJ6AN, und Dr. Ralph Schorn, DC5JQ, als Berater des Prozessbevollmächtigten des Funkamateurs, sowie Dipl.-Ing. Ralf Bürger, DL1DC, für die Regulierungsbehörde. Er bestätigte dem Gericht als sachverständiger Zeuge, dass die gewählte Entstörmaßnahme die übliche technische Vorgehensweise sei. Der betroffene Funkamateur wurde vertreten von Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, Köln. Der Beklagte teilte in diesem Zusammenhang mit, dass ihm der DARC e.V., dem er als Mitglied angehört, eine finanzielle Unterstützung verweigert hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und hat das Aktenzeichen 16 C 31/04 Amtsgericht Unna.

Als Quintessenz aus diesem richtungsweisenden Urteil empfiehlt die AGZ e.V. Funkamateuren, dem gestörten Nachbarn schriftlich und dokumentiert die Kooperation in der Form anzubieten, dass man die Entstörung seiner Geräte vornimmt.


AGZ IN FRIEDRICHSHAFEN

(red) Wie jedes Jahr, so ist auch diesmal wieder Gelegenheit, mit den Aktiven der AGZ auf der Ham Radio am Bodensee heiß zu diskutieren. Sie finden uns vom 25. bis zum 27. Juni in Halle A1 am Stand 615 der Messe Friedrichshafen.


OZ1RDP SEIT ZEHN JAHREN NUR EINMAL IM JAHR QRV

(cg) Nur einmal im Jahr – nämlich zu Pfingsten – ist die Station OZ1RDP von der dänischen Insel Rømø QRV – das ist EU-125 bzw. NS-001 in JO45GC. OZ1RDP ist die Clubstation der Teilnehmer des Pfadfinder-Fielddays einiger funkender Pfadfinder aus Deutschland. In diesem Jahr wird die Station zum zehnten Mal in Folge aktiviert.

Geplant ist, ab Pfingstsamstag bis einschließlich Dienstagabend QRV zu sein. Die Teilnehmer kommen in diesem Jahr aus Nordrhein-Westfalen und Bremen. Sie werden versuchen, so viele Bänder wie möglich von 160 bis 2 Meter zu aktivieren. Beobachten Sie vor allem die IOTA-Frequenzen 50,175 und 144,325 MHz. QSL-Karten schicken Sie bitte via DL9BCP.

Vy 73, gd DX es Gut Pfad, Carsten, DM1CG


ZUM GUTEN SCHLUSS: URTEIL ZUGESTELLT

(hfs) Bernd Häfner hat am 17. Mai das Urteil des Arbeitsgerichts Kassel zugestellt bekommen, das seine Kündigung als Geschäftsführer des DARC e.V. für unwirksam erklärt. Der Streitwert beträgt 40.800 Euro – und sein Arbeitgeber hat nun einen Monat Zeit, die nächste Instanz anzurufen.


Vy 73 und ein frohes Pfingstfest,
Ralph, DC5JQ

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.