HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 139 / 2004 vom 04.07.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


MESSEBERICHT 1

(tu) Die HAM RADIO 2004 schloss ihre Tore mit einer durchweg positiven Bilanz. Die Besucherzahl stieg gegenüber 2003 um 1000 auf etwa 18000 Besucher. Die Zusammenlegung von gewerblichen Ausstellern und Verbänden in der größten Halle des neuen Messegeländes brachte eine für den Besucher interessante größere Vielfalt. Die Verbände freuten sich über deutlich mehr Zuspruch.

Nichtsdestotrotz wünschen sich einer Umfrage der AGZ e.V. zufolge die meisten Gewerblichen – und insbesondere die Hersteller von Amateurfunkgeräten – eine qualitativ höherwertige Ausstattung der Messestände, speziell bei den Verbänden. Auch eine HAM RADIO ganz ohne die Beteiligung der Amateurfunkclubs können sich einige Aussteller sogar vorstellen.

Den in den letzten Jahren typischen HAM RADIO-Besucher mit Shorts und Rucksack haben wir in diesem Jahr bereits seltener gesehen. Die Nachfrage nach den Top-Transceivern im 10.000 Euro-Preissegment war nach Angaben der Hersteller sehr groß. Geht damit ein sozialer Aufschwung im Amateurfunkdienst einher?

Wir freuen uns schon auf die HAM RADIO 2005! Till, DL9JT.


MESSEBERICHT 2

(wfg) Vorstand, Amateurrat, Referenten und Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e.V. stellten sich dem Gespräch mit ihren Mitgliedern. So viel DARC auf einmal stand der Öffentlichkeit wohl schon lange nicht mehr zur Verfügung: 24 Distriktsvorsitzende und der Vorsitzende des VFDB, 13 Referenten und der komplette Vorstand. Hier kommen die Highlights:

Lobbyarbeit

ist für den DARC-Vorstand ein untergeordnetes Thema, da es nicht auf ihn, sondern auf den Einsatz der Ortsverbände vor Ort ankäme. Dort seien die entscheidenden Kontakte zu pflegen. Nachdem dies aus dem Auditorium nicht hingenommen wurde, kam der "geniale" Hinweis auf den RTA. Er sei das allseits anerkannte Gremium. Vor allem nach innen aber sei die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Kommentar von DL5EDA: Es geht also nicht um die Öffnung und die Stärkung des Amateurfunkdienstes nach außen, sondern um das Innenleben des DARC: keine schöne Aussicht für den Amateurfunk in Deutschland.

Der Entwurf der AFuV 2004

und die Aussage aus dem Vorstand, es werde keine besonderen Regelungen zur Ahndung von Inhalten von Aussendungen im Amateurfunk geben, wurde mit Unverständnis quittiert. Kommentar von DL5EDA: Es ist bedauerlich, dass der Vorstand des DARC sich entschloss, mit diesem Ansinnen an das BMWA überhaupt heranzutreten.

"Da sitzen 1800 Jahre Amateurrat zusammen" –

diese Feststellung fand als einzige auf der Veranstaltung Beifall. Mit diesen Worten wurde wieder einmal eine altbekannte Änderung der Satzung ins Gespräch gebracht. Ziel sollte sein, den Amateurrat durch eine Delegiertenversammlung zu ersetzen, die den Namen "Mitgliederversammlung" wirklich verdient. Hierzu die sarkastische Feststellung des Gesprächsleiters und Sprechers dieses Gremiums: Dazu müsse die Satzung geändert werden, und seit zehn Jahren gäbe es dafür im Amateurrat keine Mehrheit. Kommentar von DL5EDA: Wer erwartet schon, dass ein Parlament sich selbst auflöst.

Der Fall Häfner

war dem Publikum keine einzige Frage wert; er findet offensichtlich einfach nicht statt.

Wolfgang, DL5EDA
Vorsitzender der AGZ e.V.


MESSEBERICHT 3

hfs) Ein akkreditierter Pressevertreter des Studio Berlin kam zum Stand der AGZ und erkundigte sich nach Echolink. Die AGZ konnte spontan mit einem Vorführ-QSO aufwarten und erläuterte dem Interessenten mittels Blockschaltbildern die Technik, die dahinter steht. Er meinte, dass das für seine Situation als Funkamateur ein neuer Aspekt sei und dass man bei einer Weltreise dann ja nur noch ein Handfunkgerät mitnehmen müsse. Seine Frage, warum der 50.000-Mann-Verein eine solche Information nicht leisten könne – er käme gerade von dort –, konnte die AGZ nur lächelnd beantworten: Wir sind eben die bessere Konkurrenz.

Ansonsten kamen bei der AGZ fast alle vorbei, die beim "Großen" etwas zu sagen hatten oder noch haben. Hauptthema war immer wieder die Aufnahme in den RTA und die Reintegration der AGZ in den DARC. Die Haltung der AGZ dazu ist schlicht die, dass RTA und/oder DARC nach dreimaliger Ablehnung der Mitarbeit sich jetzt zuerst bewegen müssen, wenn man es denn will. Die AGZ ist jederzeit zu Gesprächen bereit, verstehe sich aber bestimmt nicht als fünftes Rad am Wagen.

Hermann, DL1EEC


VEREINSFUNK ALS INQUISITOR

(hfs) Da macht ein Funkamateur 16 Jahre lang seine gute Arbeit als Ortsverbandsvorsitzender, und dann kommt ein Amateurratssprecher daher und verlangt von ihm, auf seiner automatischen und fernbedienten Amateurfunkstelle einen Funkamateur von der Nutzung auszuschließen. Als der OVV sich weigert, wird er ausgespäht: Es wird ein Dossier angelegt und danach ein Vereinsausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Gerichtsverhandlung dazu findet dieser Tage in Kassel statt.

Als Sahnehäubchen kommt obendrauf, dass der Verein beim Vermieter des Standortes für die vom OVV betriebene automatische und fernbediente Funkstation erwirkte, dass der Mietvertrag gekündigt wird. Man legte Dokumente vor, die eine angeblich obszöne Nutzung der Funkstelle beweisen sollten. Da die Vermieterin Teil der Öffentlichen Hand ist, bekam sie kalte Füße und kündigte ohne Anhörung der Betroffenen den Standort. Diese Geschichte lehrt, automatische Stationen ausschließlich nur noch an privaten Standorten zu betreiben, wenn man einen liberalen Amateurfunkdienst anbieten will.

Die handelnden Personen sind der Redaktion bekannt.


NEUES TELEKOMMUNIKATIONSGESETZ GILT

(rps) Das neue TKG ist am vergangenen Samstag, den 26. Juni nach langem Streit zwischen Regierung und Opposition endlich in Kraft getreten. Damit kommt die Bundesrepublik mit großer Verspätung ihrer Pflicht nach, europäische Richtlinien zur weiteren Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes in deutsches Recht umzusetzen. Für den Funkamateur ändert sich allerdings wenig. So wird z.B. mit wesentlich deutlicheren Worten als bisher klargestellt, dass auch im Amateurfunk Frequenznutzungsbeiträge zu zahlen sind.

Wichtig ist allerdings die auf Initiative der AGZ e.V. aufgenommene Klarstellung, dass das Hören des Amateurfunks nicht unter das Abhörverbot des neuen Paragrafen 89 TKG fällt. Mit einer Funkanlage dürfen ab sofort nur Nachrichten abgehört werden, die für den Betreiber der Anlage, Funkamateure im Sinne des Amateurfunkgesetzes, die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind. Die gerätebezogene Regelung des alten TKG-Paragrafen 86 endet damit. Allerdings ist – bis auf den Amateurfunk – auch der neue Abhörparagraf alles andere als eindeutig und rechtssicher formuliert.


STRAFVERFAHREN GEGEN FEUERWEHRMANN ENDGÜLTIG EINGESTELLT

(red) Dem beschuldigten Funkfreund und Ausbilder bei der freiwilligen Feuerwehr in Bremen wurde vorgeworfen, er habe im Mai 2002 mittels eines selbst gebauten Senders und dazugehöriger Software eine Fünftonfolge ausgelöst und dadurch andere Feuerwehrleute veranlasst, sich zum Gerätehaus zu begeben. Dort wurde ein Fehlalarm festgestellt.

Auf die Beschwerde des Betroffenen hin hat das Landgericht Bremen durch Beschluss vom 22. Juli 2003 die Rechtswidrigkeit einer durch das Amtsgericht Bremen angeordneten Beschlagnahme- und Durchsuchungsanordnung wegen des Verdachts des Missbrauches von Notrufen gemäß Paragraf 145 StGB und des Abhörens von Nachrichten gemäß Paragraf 86 TKG festgestellt.

Das Gericht folgte in seinen Entscheidungsgründen den Ausführungen des Verteidigers, Rechtsanwalt Michael Riedel aus Köln. Er hielt Paragraf 145 StGB nicht für anwendbar, weil das Allgemeininteresse an wirksamer Hilfe in Notsituationen zu keiner Zeit beeinträchtigt war. Das Gericht folgte der Verteidigung auch insoweit, dass die zuvor vom Beschuldigten auf der Internetseite "www.funkmeldesytem.de" veröffentlichte Bauanleitung eines Senders und seine Zugehörigkeit zur freiwilligen Feuerwehr alleine keinen hinreichenden Verdacht begründen können.

Ein bei der Hausdurchsuchung aufgefundener Sender wurde von der Regulierungsbehörde überprüft. Er hatte lediglich eine Ausgangsleistung von weniger als 10 Milliwatt und war damit nicht geeignet, die vorgeworfene Tat zu realisieren. Die Behauptung der RegTP, es liege der Verdacht einer Straftat gemäß Paragraf 86 TKG vor, wurde vom Gericht mit dem Hinweis verneint, dass diese Norm nur das Abhören von Nachrichten betrifft. Hier ginge es aber darum, dass die Fehlalarme durch die Versendung eines Signales entstanden sind.

Da der Beschuldigte sich zum Tatzeitpunkt nicht in Reichweite des betroffenen Empfängers befunden hat, führte die Staatsanwaltschaft Bremen die Ermittlungen fort und holte ein Gutachten zu der Frage ein, ob der Sender unter Zuhilfenahme eines PCs und einer Zeitschaltuhr in Betrieb genommen worden sein könnte. Da diese Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht begründen konnten, wurde das Verfahren nun nach über zwei Jahren endgültig eingestellt.

Quelle: Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, Köln


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat? Die Hundehütte ist für den Hund und der Aufsichtsrat ist für die Katz!

Quelle: Franz Jürgen Säcker


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Hermann, DL1EEC

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