HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 140 / 2004 vom 11.07.2004

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ


LEITARTIKEL: LÖSCHEN, VERSCHIEBEN, SPERREN UND BEHINDERN

(hfs) – oder: die Reinkarnation von Sysop-DL in Form von "ECHOLINK-SYSOP-DL". Pünktlich zum 1. Mai trat in Wermelskirchen DB0AGZ seinen Service für alle an und prompt haben sich von den 108 Mitgliedern dieser Gruppe einige Stationen im deutschen Echolink-Netz zusammengerottet und ihren Nutzern den Kontakt zu DB0AGZ via Internet unter dem scheinheiligen Vorwand gesperrt, dass wir während der ersten Testphase aufzeichnen. Wo ist das Problem? Schließlich gehörten die seit Inbetriebnahme stattfindenden mutwilligen Frequenz-Okkupationen – unter anderem durch die ATV-Truppe um DL1EBQ – dokumentiert und schließlich ist Amateurfunk seit In-Kraft-Treten des neuen Telekommunikationsgesetzes genauso öffentlich wie Rundfunk und Fernsehen. Seltsam ist, dass sich aus anderen Aktivitäten zur Störerverfolgung – wir berichten weiter unten – keine kollektive Sperrung organisiert.

Es handelt sich bei den Sperrenden hauptsächlich um an Echolink angebundene FM-Relaisfunkstellen bzw. um deren verantwortliche Funkamateure. Hier sind die Rufzeichen, damit Sie wissen, woran Sie sind:

DB0ANT, DB0CP, DB0DS, DB0FIG, DB0GV, DB0LE, DB0UA, DB0VA, DB0XE, DB1JAW, DC8YM, DF0HHH, DF0WFB, DF5FF, DL0FHO, DL1OBH, DL6NDU, DM0ZBB, DO0ZB, DO1GUM und DO1HEN.

DB0AGZ soll unattraktiv gemacht und der AGZ Schaden zugefügt werden. "Echolink-Sysop-DL" will verhindern, dass Funkamateure mit DB0AGZ in Kontakt kommen. Das können sie allerdings nur, wenn man über Funk einsteigt, nicht aber, wenn der Funkamateur mit dem PC direkt ins Internet geht und sich mit DB0AGZ verbindet. Schaut man sich einmal den roten Faden an, dann findet man schnell den Namen Thomas Beiderwieden und das alte Rufzeichen DL3FDU – heute DL3EL.

Mitte der 90er Jahre war es Beiderwiedens Spezialität, unliebsamen Nutzern seiner Mailbox DB0AIS beim Login den Befehl "read ibm 1-" automatisch zuzuordnen. Man wurde beim Connect sofort zugemüllt und konnte nur noch disconnecten: eine besonders perfide Form des Spammings.

Am 10. Dezember 2000 organisierte SYSOP-DL mittels des Initiators DL3EL – neuerlich Thomas Beiderwieden – einen bundesweiten Streik der Mailboxanbieter im Packetnetz, indem sie die Digipeater flächendeckend abschalteten. Das vordergründige Ziel war die neue AFuV zum Amateurfunkgesetz 1997 und ein klarstellender Amtsblattentwurf der Regulierungsbehörde. Beides gefiel der Gruppe nicht, weil die Mailbox als Teil der Digipeater-Genehmigung mit allen Rechten und Pflichten angesehen wurde, genauso wie es die kommende AFuV 2004 sehen wird.

Der böse Bube war allerdings nicht etwa die RegTP, nein – es war die AGZ, die auch heute die Auffassung vertritt, dass alles was am Digipeater hängt, auch Digipeater ist. DK9HU sagte später, dass die damalige Aktion von SYSOP-DL dem DARC langfristig geschadet habe.

Im Juli 2003 gründete DL3EL als stellvertretender Distriktsvorsitzender des DARC-Distriktes Hessen "Echolink-Sysop-DL". Ausgerechnet derselbe DARC, der vorher gegen Echolink wetterte? Das Ziel dieser neuen "Verhinderungstruppe" um DL3EL ist sonnenklar: die Abschottung ihrer Relaisfunkstellen gegenüber Echolink-Anbindungen zu liberalen und vom DARC unabhängigen Organisationen und die Kontrolle über ein Netz, das man nicht verhindern kann: Die Fälle DB0AGZ und DB0GOS zeigen diese Struktur in einer bis heute nicht da gewesenen und seltenen Klarheit.

Jetzt wird auch der Beitrag des DARC-Repräsentanten Dittrich verständlich, der von der Behörde im Auftrag seiner Mitglieder – wann und wo bekam er den eigentlich? – einen Maulkorberlass im Amateurfunkdienst forderte – und zusätzlich den großen Sperrauftrag, wenn sich Funkamateure nicht stromlinienförmig dem DARC anpassen. In dieses Bild passt auch der Auftritt des Amateurratssprechers DF1QM während der Ham Radio 2004 am Messestand eines kleineren Amateurfunkvereins. Dort forderte er lautstark, dass bestimmten Organisationen im Amateurfunk auf DARC- und VFDB-Relaisfunkstellen keine Plattform zu gewähren sei.

Ich sprach die vergangene Woche mit einem OM, der bestimmt kein Fan der AGZ ist. Er meinte, dass wir den DARC nicht auf das einzelne Mitglied verallgemeinern sollen. DL3EL allerdings ist als stellvertretender Distriktsvorsitzender wirklich kein Noname; er vertritt den DARC auf oberster Ebene und somit die Meinung und die Grundposition dieses Vereins im Allgemeinen. Und Dittrich und Reichel sind auch keine kleinen Lichter: Vom "einfachen Mitglied", das angeblich so nicht denkt, liest und hört man in der Öffentlichkeit dagegen nichts.

Ich kann Ihnen als User nur empfehlen, Betreibern automatischer Stationen die rote Karte zu zeigen, wenn Sie derartige Strukturen erkennen. Sie wissen schließlich nie, was passieren wird, wenn Sie selbst missliebig werden. Schauen Sie dazu einmal auf DB0GOS, auf DL8DAV oder auf A20 in Weinheim und Bensheim – oder vielleicht auch einmal auf OM Häfner.

Hermann, DL1EEC


KOMMUNIKATION ÜBER STAHL

(red) Dem Kurzwellen-Amateurfunk droht neues Ungemach: Das japanische Startup-Unternehmen "Cocomo Mb Communications Inc." hat gemeinsam mit der Oki-Tochter "Oki Communication" eine neue Technologie für die Datenübertragung innerhalb von Gebäuden entwickelt. Laut Nikkei Business Daily wollen die Firmen das System, bei dem die Daten beispielsweise über Stahlgerüste im Beton oder über Wasserleitungen mit einer Rate von bis zu 50 MBit/s übertragen werden, ab September vermarkten.

Technische Details liegen derzeit noch nicht vor, aber es scheint sich um eine Technologie zu handeln, die von einem Konsortium bereits für den vergangenen Herbst angekündigt worden ist. Dabei werden so genannte evaneszente Wellen im Frequenzbereich von 20 bis 40 MHz verwendet. Die Signale sollen bis zu zwei Kilometer weit übertragen werden können.

Quelle: Heise online


TREIBJAGD

(rps) Die Überschriften klingen harmlos: "www.funkpeilen.de" im Internet und der Leitbegriff "Peilen im Ruhrgebiet". Was tatsächlich dahinter steckt, ist hingegen hoch bedenklich und erinnert an die Selbstjustiz längst vergangener unrühmlicher Zeiten. Man will Relaisstörer identifizieren und vor allem auch zur Rechenschaft ziehen – als Privatleute wohlgemerkt. Eine Gruppe von Funkamateuren als Hilfstruppe der Regulierungsbehörde?

Obwohl die Sache technisch durchaus reizvoll ist, hat man – wie sehr oft im deutschen Amateurfunk – wieder einmal nicht zu Ende gedacht: Was geschieht eigentlich, wenn man glaubt, einen vermeintlichen "Störer" identifiziert zu haben? Darf eine Behörde nur aufgrund einer privaten Behauptung gegen einen Bürger tätig werden? Wohl kaum – sie muss eigenständig ermitteln, denn nur das hat rechtlichen Bestand. Wer definiert eigentlich, wann eine Person ein "Störer" ist und wo ist die Grenze zur Denunziation und zur freien Meinungsäußerung? Wer verantwortet die Kosten der Behörde, wenn eine Ermittlungstätigkeit auf der Grundlage "privater Tipps" im Sande verläuft und wer kommt dafür finanziell auf? Drohen schließlich Zivilklagen und Strafverfahren gegen die Privatpeiler, wenn der Störer meint, gar kein Störer zu sein und sich übler Nachrede ausgesetzt sieht? Fragen über Fragen, die ein mehr als zweifelhaftes Licht auf das Unterfangen werfen.

Nicht dass die AGZ wirkliche Störer im Sinne von Recht und Gesetz schützen will – im Gegenteil, gerade wir haben leidvolle Erfahrung mit solchen Leuten. Wir sind allerdings der Meinung, dass wir eine private Frequenzpolizei nicht brauchen und dass man die Verfolgung und Ahndung von Genehmigungsverstößen der zuständigen Regulierungsbehörde überlassen sollte. Denn die ist dafür da – jedenfalls laut Amateurfunkgesetz, auch wenn sie das manchmal gar nicht weiß – speziell, wenn AGZ-Mitglieder gestört werden ...

Ralph, DC5JQ


DIE KONKURRENZ SCHLÄFT NICHT

(red) Die Unterrichtsmaterialien des "Informationszentrums Mobilfunk" bringen das aktuelle Thema Mobilkommunikation an die Schulen und stärken damit die Kompetenz von Schülerinnen und Schülern im Umgang mit modernen Kommunikationstechnologien. Auf je 40 Seiten bieten die ersten drei veröffentlichten Unterrichtshefte Lehrerinnen und Lehrern umfassende Sachinformationen und vielfältige Hinweise für die Unterrichtsgestaltung der Klassen 5 bis 8, insbesondere in den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Wirtschaftslehre.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk und Informationszentrum Mobilfunk


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Wer heute den Kopf in den Sand steckt, wird morgen mit den Zähnen knirschen.

Quelle: Franz Fischer


Vy 73
Ralph, DC5JQ

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.