HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 141 / 2004 vom 18.07.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


FULL DISCLOSURE

(rps) Im Internet ist das Thema längst durch: Die Antwort auf die Frage, ob man Sicherheitslücken in Software und Betriebssystem aus Angst vor Nachahmern verheimlichen, oder ob man sie im Sinne einer schnellen Korrektur schonungslos veröffentlichen soll, heißt "full disclosure" – auf deutsch "vollständige Offenlegung". Die Softwarehersteller werden damit am effektivsten unter Druck gesetzt, schnell zu reagieren – mit dem Ziel, dem scheinheiligen und subversiven Tun einer kleinen Minderheit von "Eingeweihten" ein Ende zu machen.

Der Amateurfunkbezug? Nun, letzte Woche es war wieder einmal soweit: Im mittlerweile versudelten Packet-Radio-Netz wurde die Mailbox von DC5JQ nach TA verfrachtet, der Name war auf "Arschloch" gesetzt, und beim Login wurde automatisch die gesamte Rubrik "Software" abgespult. Wie konnte das geschehen? Hatte DC5JQ doch brav ein Passwort gesetzt und ging nur via Internet in die betreffende Box.

War es etwa der Sysop selbst? Nein – diesmal ergaben die Recherchen noch weit Erschreckenderes: Es gibt im Internet so genannte offene Telnet-Gateways, in die sich jedermann auf dieser Erde "einfach so" unter Benutzung eines beliebig ausgesuchten Rufzeichens und ohne Passwort einloggen kann. Unter diesem Call kann man sich dann völlig ungeprüft in das Packet-Radio-Netz verbinden lassen kann – über Funkstrecken wohlgemerkt: Im Klartext ist das Amateurfunk ohne Rufzeichenzuteilung für jedermann.

Hier kommt nun das versprochene full disclosure: Nehmen Sie unter Windows einen kostenlosen Telnet-Client wie z.B. Putty, Hyperterminal oder SSH Secure Shell, eine Software wie WRQ Reflection X oder Hummingbird Exceed – oder gleich Linux – und verbinden Sie sich mit

pi4cc.nl

Als Login benutzen Sie Ihr Rufzeichen und geben anschließend das Kommando

Packet

und schon sind Sie "drin" und können unter dem gewählten Call wirklich alles veranstalten. PI4CC ist die Conteststation einer ziemlich bekannten Gruppe niederländischer Funkamateure. Dasselbe geht auch mit einer Telnetverbindung zu

ir5pit.cnuce.cnr.it

und dem Kommando

flex.

"cnr" steht dabei für "Consiglio Nazionale delle Ricerche" – also für den nationalen und öffentlich-rechtlichen Forschungsrat Italiens. Er betreibt eine ganze Reihe von Forschungsinstituten. Es ist bemerkenswert, dass eine staatliche Organisation den Rufzeichenmissbrauch – also die Vorspiegelung einer falschen Identität – und die Nutzung von Amateurfunkfrequenzen im Ausland ohne die Zuteilung eines Rufzeichens mit ihrer Infrastruktur technisch ermöglicht: Das ist nicht mehr und nicht weniger als die eklatante Verletzung der VO-Funk, die auch Italien und die Niederlande unterzeichnet haben.

Wir fordern sowohl PI4CC, als auch den italienischen nationalen Forschungsrat auf, ihre schwarzen Gateways umgehend zu schließen. Die folgenden deutschen Stationen sind ebenfalls via Internet und Telnet zu erreichen:

DB0FHO, DB0HY, DB0FHN, DD0ARN, DB0FHF, DB0RES und DG2SBV,

wie man bei http://www.ampr-gates.net/ nachlesen kann. Allerdings ist hier ein Passwort notwendig, das nur der Sysop setzen kann, der damit die Verantwortung trägt.


DER ZUKUNFT VORAUS

(hfs) war die AGZ schon immer und steckte dafür auch regelmäßig Prügel seitens der Fundamentalisten im deutschen Amateurfunkdienst ein – zuletzt unter der Verantwortung von DK6XH und DL3EL in Gestalt von Echolink-Sysop-DL. Getriggert wurde der neue "Rohrkrepierer" von DK6XH, der DB0AGZ mit dem scheinheiligen Argument "... die zeichnen alles auf" bei DB0UA sperrte. Damit das ihm viele nachtun, plärrte er diese Marschrichtung dann auch werbewirksam in die für den Amateurfunk relevanten Medien hinaus.

Rufen Sie doch einfach einmal die Hotline von E-Plus an – unter 0177-1000 – und achten Sie auf den Ansagetext. Dort wird der Kunde darauf aufmerksam gemacht, dass zu seiner eigenen Sicherheit das folgende Gespräch aufgezeichnet wird. Ich frage mich selbst und auch Sie, was in aller Welt haben Funkamateure zu verbergen, dass man es nicht dokumentieren sollte? Telnet und Packet-Radio sind der Beweis dafür, welch dubiose Elemente sich im Amateurfunkdienst tummeln. Und denen gilt es, Einhalt zu gebieten. Oder fürchten Funkamateure die positive Stimmerkennung, wenn sie mal wieder vermeintlich anonym ihr Unwesen treiben?

Mit der mit "Aufzeichnung" begründeten Aussperrung von DB0AGZ vornehmlich auf Echolink-Repeatern machen sich die 105 Mitglieder von "Echolink-Sysop-DL" höchst verdächtig; DENEN sollten Sie als User kritisch auf die Finger schauen. Die Mitglieder von "Echolink-Sysop-DL" müssen sich bewusst werden, dass sie dem Ansehen und der Bonität des Amateurfunks in Deutschland neuerlich schaden.


ANDORRA

(red) können Sie jetzt auch auf 50 MHz arbeiten. Das berichtet Johan, ON4IQ. C31JI und C31HK seien bereits in der Luft.

Quelle: RSGB


YAESU GOES VOICE OVER IP

(red) und vermarktet sein System WIRES II. Dran kommt man allerdings nur, wenn man die Hardware und die Software kauft – und dafür relativ kräftig zahlt. Solange Echolink als derzeitiger Marktführer "Hamware" bleibt und somit kostenfrei, wird WIRES II sicher nicht zum "Volkssport" werden.


IM FALSCHEN FILM ?

(rps) Man glaubt es kaum: Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post erteilte kürzlich dem Veranstalter einer Architekturmesse in Augsburg die Genehmigung, kurzzeitig einen UKW-Rundfunksender auf der Frequenz 94,8 MHz mit maximal 50 Watt Strahlungsleistung zu betreiben – und verwies aus Kostengründen auf Funkamateure, die so etwas sicher gerne und preiswert hinkriegen würden – gegen eine Spende in die OV-Kasse, versteht sich. Das normale Prozedere mit zugelassenem und CE-geprüftem Equipment war dem Veranstalter zu teuer.   Der Ortsverband Augsburg des DARC e.V. springt natürlich prompt darauf an. Er erstellt im Eigenbau einen passenden FM-Breitbandsender und sendet am 13. Juli zehn Stunden lang vom Messegelände aus "Stadt im Klangfluss" mit einem Halbwellendipol 70 Meter über Grund. An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet waren Rundfunkempfänger aufgestellt, aus denen nicht Musik, sondern alle möglichen Geräusche aus dem Alltag zu hören waren: Haushalt, Straße, Verkehr, Natur, usw. – Geräusche, die unser Leben begleiten, die wir aber oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Wieso im falschen Film, werden Sie fragen – ist das nicht eine gute Gelegenheit zur bitter notwendigen Profilierung des Amateurfunks in der Öffentlichkeit? Schon – nur leider überwiegen die Nachteile. Die Regulierungsbehörde hat hier nämlich einen Präzedenzfall gleich in mehrfacher Hinsicht geschaffen: So verzichtete sie auf das im FTEG verbindlich für den Betrieb von Rundfunksendern vorgeschriebene CE-Zeichen und auf das Konformitätsbewertungsverfahren – und erlaubte so den Betrieb eines selbst gebauten Rundfunksenders durch Funkamateure. Ob die Sender herstellende Industrie damit wohl glücklich ist? Sie muss schließlich sehr viel Geld für die Einschaltung einer so genannten "benannten Stelle" – also eines akkreditierten EMV-Labors – für die Zertifizierung ihrer Produkte aufwenden, obwohl sie Profis und keine Amateure in ihren eigenen Reihen beschäftigt. Wir könnten uns vorstellen, dass die Industrie nun auch für sich die teilweise Aufhebung des FTEG einfordert – von wegen Gleichbehandlung. Darf eine Behörde das überhaupt?

Die Rundfunkpiratenszene wird der RegTP ebenfalls dankbar sein: Hat die Behörde doch gezeigt, dass es nicht nur möglich ist, in diesem Metier selbst gebaute und nicht zertifizierte Sender zu betreiben – sie hat auch bewiesen, dass man für kurzzeitige "Events" Frequenzen problemlos und schnell bekommen kann. Was "Rundfunkpiraten" am Wochenende auf UKW und auf Kurzwelle bei 6,2 MHz so treiben, das scheint also grundsätzlich genehmigungsfähig zu sein. Wie wäre es also mit einem AGZ-Eventradio bei der nächsten Grillparty? Natürlich auf UKW in Stereo oder auf der weithin freien, der Bundesrepublik zugeteilten und nicht genutzten Mittelwelle 1593 kHz!

Ach ja, und noch eines hat die RegTP gezeigt: Es geht auch anders – jedenfalls im Umgang mit den Funkamateuren – zumindest in Bayern.

Quelle: DK6XH


ZUM GUTEN SCHLUSS: LPDS IM UKW-RUNDFUNKBAND ?

(hfs) In der letzten Zeit häufen sich bei der schweizerischen Fernmeldeverwaltung OFCOM Anfragen bezüglich Handel und Betrieb von Minisendern, die den UKW-Rundfunkfrequenzbereich nutzen. Eine solche Anlage sendet ein Signal aus, das im Umkreis von einigen Metern mit einem UKW-Radioempfänger empfangen werden soll. In den USA ist das bereits lange legal möglich. Als Audio-Quellen dienen z.B. MP3-Abspielgeräte, Freisprecheinrichtungen für zellulare Telefone, Minispione, Mikrofone usw. Häufig werden solche Anlagen in Fahrzeugen verwendet.

Nach den Erkenntnissen des "Augsburger Experiments" könnten Funkamateure entsprechend ihrer Ausbildung per Definition dort mit 10 mW senden. Das wäre doch mal was: AFU-LPDs als Einsteigerklasse S – für "Superlight"!

Quelle: OFCOM


Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@aol.com im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.