HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 146 / 2004 vom 22.08.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


NEUE AMATEURFUNKVERORDNUNG: EIN ZWISCHENERGEBNIS

(rps) Die bisher gelaufene Ressortabstimmung – vor allem mit dem Justizministerium – hat zusammen mit den Eingaben der AGZ e.V. einiges zum Positiven bewirkt. Der AFuV-Entwurf sieht mittlerweile deutlich anders aus als noch im April dieses Jahres. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit teilte diese Woche den aktuellen Zwischenstand des Bemühens um diese neue Verordnung mit.

Stichwort "Störfallregelung": Das Damoklesschwert, wonach der Funkamateur jede Störung zu unterlassen hat und er bei Zuwiderhandlung grundsätzlich den Kürzeren ziehen soll, diese Keule ist vom Tisch. Statt dessen ist jetzt eine ausgewogene Regulierung vorgesehen, die sowohl den Funkamateur, als auch die gestörte Partei gleichberechtigt heranzieht und zur Mitwirkung verpflichtet. Konkret heißt das: Wenn beide Seiten ihre Auflagen einhalten – der Funkamateur die maximal erlaubte Senderleistung sowie die Bestimmungen über Nebenaussendungen und der Nachbar die europäisch harmonisierten EMV-Normen seiner Geräte –, dann müssen beide etwas tun. Die RegTP ist in der Pflicht, im konkreten Fall ausgewogene Maßnahmen anzuordnen, die mit minimalen Einschnitten für alle Beteiligten zum gewünschten Ergebnis führen.

Die Regulierungsbehörde soll zu diesem Zweck den Funkamateur zur Mitwirkung bei der Untersuchung vor Ort verpflichten können, indem er z.B. Testaussendungen durchführt sowie Aufzeichnungen über den Sendebetrieb anfertigt und vorhält. Lediglich bis zur Aufklärung oder Beseitigung der Störung können die Sperrung von Frequenzbereichen, die Absenkung der Senderleistung oder weitere geeignete Auflagen angeordnet werden. Zur eigentlichen Störungsbeseitigung kann die RegTP dann die erforderlichen technischen und betrieblichen Maßnahmen anordnen – und zwar wie gesagt gegenüber allen beteiligten Parteien und nicht nur gegenüber dem Funkamateur. Mehr soll in der AFuV künftig nicht mehr reguliert werden.

In Folge finden die ausgewogenen Bestimmungen des Gesetzes über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten nun erstmals auch im Geltungsbereich des Amateurfunkgesetzes uneingeschränkte Anwendung: Der Funkamateur wird wie jeder andere Senderbetreiber behandelt. Die eigenständige Störfallregelung, die nur zu unserem Nachteil war, ist also tot – und eine alte Forderung der AGZ e.V. aus dem Jahre 1995 wird endlich Wirklichkeit.

Nächste Woche geht's weiter – mit dem Stichwort "Relais und Digipeater". Auch hier hat sich einiges getan.


ZWISCHENRUF

(hfs) Die größte Interessenvertretung der Funkamateure in Deutschland holt sich mit dem jetzt auf dem Tisch liegenden Entwurf einer AFuV zum AFuG-1997 in allen Punkten eine blutige Nase. Die Situation erinnert frappierend an die Schlappe des Sieben-Punkte-Statements vor mehr als zehn Jahren.

Auch die langfristige Planungssicherheit für Netzinstallationen auf sekundär zugewiesenen Frequenzen ist verloren. Die RegTP hat hierbei ihrem Partner DARC übel mitgespielt, denn der Primärnutzer hat sich den Lizenzentzug des Sekundärnutzers im Bedarfsfall bereits im Voraus ausbedungen.

Wie gut allerdings die rechtliche Position der Funkamateure in der Realität ist, das zeigen die vielen – für private Funkanwender positiven – Beispiele gerichtlicher Auseinandersetzungen zwischen Funkfreunden aller Art und der Regulierungsbehörde. Den Funkamateuren in Deutschland wäre dringend anzuraten, sich auf ihren Funkdienststatus zurückzubesinnen, das Wort "Hobby" aus ihrem Vokabular zu streichen und sich knallhart auf das Amateurfunkgesetz zurückzuziehen.

Die derzeit uns vorliegende Fassung einer neuen Verordnung zum AFuG-1997 ist – bis auf zwei Ausnahmen – keine wirkliche Ausgestaltung des Gesetzes, sondern statt dessen in erster Linie die Bereitstellung der Infrastruktur für das Vereinsleben im DARC. Und genau dafür sind Steuergelder nicht da!

Hermann, DL1EEC


23 CM: DAS ENDGÜLTIGE AUS?

(rps) Funkamateure, die eine Relaisfunkstelle, einen Digipeater, einen Interlink oder ein ATV-Relais auf dem 23-cm-Band neu beantragen oder verlängern lassen, finden immer öfter neben der üblichen Befristung ein zusätzliches Datum auf ihrer Urkunde. Demnach kann die Frequenzzuteilung längstens bis zum Jahr 2010 verlängert werden.

Die betroffenen OMs – und auch wir – haben uns natürlich gefragt, was dahinter steckt: Was ist denn im Jahre 2010 so wichtig, dass es quasi das Ende für das sekundär zugewiesene 23-cm-Band bedeutet und jetzt schon seine Schatten voraus wirft? Was liegt näher, als die zuständige Behörde zu fragen – denn schließlich investieren Funkamateure sehr viel Geld, Zeit und nicht zuletzt auch Nerven in ihre automatischen Stationen. Herr Lemke von der RegTP in Mainz hat der AGZ e.V. diese Woche geantwortet.

Laut Herrn Lemke steckt nicht etwa die Regulierungsbehörde selbst dahinter, sondern der Primärnutzer, auf 23 cm also das Militär, der – so wörtlich – "Fristforderungen" erhebt. Die RegTP ihrerseits übernimmt diese Fristen dann offenbar ungeprüft und ohne Nachhaken in ihre Zuteilungsbescheide. Was es nun mit 2010 inhaltlich tatsächlich auf sich hat, das wissen wir – und wohl auch die RegTP – allerdings immer noch nicht, denn die Beantwortung unserer Frage sucht man im Schreiben von Herrn Lemke leider vergebens. Da müssen wir wohl die Fernmeldeabteilung der Bundeswehr fragen. Den Schlusssatz des Briefs aus Mainz möchten wir Ihnen schließlich nicht vorenthalten. Hier ist er:

"Eine Planungssicherheit für einen langfristigen Zeitraum kann in sekundär zugewiesenen Amateurfunkfrequenzbereichen nicht erwartet werden".

Na denn, das sollte sich jeder, der in eine automatisch arbeitende oder fernbediente Amateurfunkstelle auf dem 23-cm-Band investieren will, auf der Zunge zergehen lassen.


50 JAHRE FREILAND-GROSSVERSUCH ZUM ELEKTROSMOG

(rps) oder: Angst vor steilen Flanken? In der Auseinandersetzung um die Gefährlichkeit von Funkwellen wird immer wieder herausgestellt, dass die impulsförmig modulierte Hochfrequenz der GSM-Mobilfunknetze biologisch ganz besonders wirksam sei. Gefährlich sei nicht die Feldstärke an sich, sondern die Steilheit der Impulsflanken. Die Felder von Rundfunk und Fernsehen seien dagegen gar nicht so relevant. Ein weiteres beliebtes Argument der Mobilfunkgegner ist, dass wir bisher angeblich keine Erkenntnisse über die Langzeitwirkungen gepulster Hochfrequenzfelder besitzen. Mit beiden Schlüsselargumenten räumt nun Professor Bernhard Liesenkötter von der Fachhochschule Augsburg entschieden auf.

Liesenkötter hat das Hochfrequenzspektrum eines GSM-Signals verglichen mit dem eines herkömmlichen Fernsehsignals nach CCIR-Standard. Obwohl dessen Bildinhalt mittels analoger Amplitudenmodulation übertragen wird, gibt es hier trotzdem jede Menge Pulse – nämlich zur Bildsynchronisation. Sie werden sogar mit deutlich höherer Leistung gesendet als der so genannte Schwarzpegel. Das althergebrachte Fernsehen ist also ein gepulst arbeitendes System – mehr noch: Liesenkötter kommt zu dem Ergebnis, dass GSM und analoges Fernsehen ähnliche spektrale Charakteristiken aufweisen, nur die Pulsfrequenzen sind leicht unterschiedlich.

Bereits seit mehr als 50 Jahren wird ein maßgeblicher Teil der Weltbevölkerung flächendeckend mit Fernsehsignalen beaufschlagt. Diverse Studien – unter anderem die so genannte bayerische "Rinderstudie" und erst kürzlich die Miniwatt-Studie von Professor Wiesbeck an der Universität Karlsruhe – haben zudem gezeigt, dass die Feldstärken von Rundfunk und Fernsehen sowohl in Wohngebieten als auch im freien Gelände im Mittel deutlich höher sind als die der Mobilfunkbasisstationen.

Nach zwei Generationen der Menschheit und nach noch mehr Generationen der Nutztiere hätten schädliche Einflüsse von steilen Impulsflanken längst festgestellt werden müssen, was aber nicht der Fall ist. Diesen Feldern kann seit Anfang der 50er Jahre zumindest in Europa und den USA nämlich niemand entrinnen.

Der bereits ein halbes Jahrhundert andauernde Freiland-Grossversuch zum Elektrosmog hat damit nicht nur die Ungefährlichkeit gepulster Hochfrequenzstrahlung ergeben, es gibt zudem auch nachweislich keine Langzeitwirkungen: Entwarnung für die Mobilfunk-Front.

Interessante Details können Sie nachlesen im aktuellen Newsletter Nr. 2/2004 der Forschungsgemeinschaft Funk, den Sie im Internet laden können unter der URL

http://www.fgf.de/


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) "... ich habe den ersten Prozess gewonnen, warum sollte ich den zweiten verlieren?" So Bernd Häfner, freigestellter Geschäftsführer des DARC e.V., am 19. August im Gespräch mit der Redaktion von HamRadio 2day.

(hfs) D ie Urteilsbegründung zur ersten Prozessniederlage gegen Bernd Häfner zeugt von einer unglaublichen Blauäugigkeit, die nur mit sehr viel Glück am Ende nicht ins Auge gehen wird. Zumindest geht aus dem erstinstanzlichen Urteil das Jahresgehalt von Herrn Häfner hervor: Rund 91.000 Euro dürfte es brutto betragen haben. Die Kosten bis zur endgültigen Trennung werden sich dann auf etwa 265.000 Euro für den DARC belaufen, wenn er denn erneut verliert – zuzüglich der Anwaltskosten beider Parteien, der Gerichtskosten und – wenn es dick kommt – auch noch einer Abfindung.


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Hermann, DL1EEC

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