HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 148 / 2004 vom 05.09.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC


DIE FRAGE ALLER FRAGEN

(hfs) Ist Echolink Amateurfunk? Sie ist schlicht mit JA zu beantworten, denn nur im deutschen Sprachraum wird fälschlicherweise die Wortwurzel "FUNK" eingesetzt, in allen anderen Sprachen spricht man von "RADIO", wenn es um drahtlose Kommunikation geht. Dort hebt man auf Inhalte ab, in Deutschland auf die Tätigkeit des Funkens als solches.

Unter dieser Prämisse ist Echolink auf jeden Fall dann Amateurfunk, wenn mindestens eine Luftschnittstelle genutzt wird. Die reine Internet-Kommunikation innerhalb des Echolink-Netzwerks bezeichne ich persönlich nicht als Amateurfunkdienst, sondern lediglich als Kontakt zwischen Funkamateuren wie am Telefon, zu dem es keiner Genehmigung bedarf.

Lächerlich finde ich allerdings Hinweise einzelner Echolinkbetreiber. Sie möchten die Kommunikation aus dem Echolinknetz heraus auf ihren Gateways nicht sehen.

Die nächste Frage ist: Wo siedelt man Echolink-Gateways sinnvoll an? Um sie zu beantworten, ist die Analyse der Echolink-Stationen in Deutschland nützlich. Offensichtlich ist die Anbindung an existierende Repeater für die Betreiber attraktiv. Für die Nutzer ist diese Art der Echolink-Anbindung besonders bei hohen Reichweiten und hohem Pöbelpotenzial dagegen unattraktiv. Echolink-Anbindungen auf Simplexfrequenzen haben sich als gute Alternative entwickelt. Dort finden sich mehr an der Nutzung interessierte Funkamateure, das Störpotenzial ist wesentlich niedriger und repräsentiert einen lokalen Einzugsbereich.

Als Sackgasse entwickelt sich die Verfrachtung der Echolink-Stationen auf 144,975, 430,025 und 430,050 MHz. Zum derzeitigen Zentrum der Aktivität entwickelt sich die Frequenz 144,975 MHz. Will man bei einer Frequenz bleiben, dann müssen sich diese Stationen allerdings in Ballungsräumen wie in Nordrhein-Westfalen zwingend dazu entschließen, unterschiedliche Subaudiotöne zumindest empfängerseitig einzusetzen. Sonst öffnen stärkere Individualstationen Verbindungen zum gewünschten Partner auf allen ausbreitungstechnisch erreichbaren Gateways gleichzeitig – und finden sich auf der anderen Seite als Konferenz mit sich selbst wieder.

Die AGZ möchte die Link-Anbindung auf Simplexfrequenzen fördern, weil diese Betriebsart dem natürlichen Empfinden des "Reinhörens" und "CQ-Rufens" entspricht und weniger störanfällig ist – es sei denn, "Altnutzer" mit "OV-Frequenz-Denke" verteidigen ihre Ortsrunde; aber da heilt eben die Zeit die Wunden.

Hermann, DL1EEC


DL8DAV BLEIBT EXKOMMUNIZIERT

(hfs) Das Amtsgericht Kassel bescheinigte im August dem Funkamateur Roland Neumann – DL8DAV – unter dem nicht rechtskräftigen Aktenzeichen 434 C 4473/03 eindeutig, dass die Mitgliedschaft im DARC keinen Rechtsanspruch genießt. Er bleibt also zunächst ausgeschlossen. Die Entscheidungsgründe entsprechen in der Rechtsauffassung denen, die beim selben Gericht auch für den Prozess Nils Schiffhauer gegen DARC e.V. gültig waren.

Allerdings enthält die Urteilsbegründung einen Passus, der sich auf einem ganz anderen Gebiet zum Bumerang entwickeln kann. Dort heißt es:

"… Bei dem Ortsverband handelt es sich jedoch um eine regionale Untergliederung des Beklagten (Anmerkung der Redaktion: das ist der DARC), die zwar vereinsmäßig ausgestaltet ist, jedoch nicht selbst ein rechtsfähiger Verein ist. ... Eine vollständige Autonomie des Ortsverbandes entsprechend einem eigenständigen Verein wäre mit der Satzung nicht zu vereinbaren."

Das bedeutet unter anderem, dass anlässlich der Jahresrechnungslegung das Anlagevermögen der einzelnen Ortsverbände inklusive der nicht ausgegebenen Ortsverbandsanteile, die auf Sparbüchern schlummern, zwingend nach Baunatal zurückgemeldet werden müssen und vor allem dort in der Jahresbilanz wieder konsolidiert aktiviert werden müssen; ähnliches gilt für die Ausgabeposten wie Büromaterial und Reisekosten.

Ansonsten lesen sich die Urteilsbegründung und die Einlassungen der Beteiligten eher wie eine Posse, denn wie eine ernsthafte Einlassung zum Amateurfunkdienst: Schmutzige Wäsche dominierte den öffentlichen Prozess: kein gutes Aushängeschild für den Amateurfunk in Deutschland.


ALLES GEHT VOM KOPF AUS

(red) Nicht der "Elektrosmog" selbst macht Menschen krank, sondern die Angst davor, dass er krank machen könnte. Diese Auffassung vertritt der Wissenschaftler Dr. Rainer Wolf in einem Interview mit dem "Volksblatt Würzburg".

"Wäre Elektrosmog gesundheitsschädlich", so Dr. Wolf, dann "könnte man dies auch objektiv nachweisen". Bisher gäbe es aber keine "harten Daten" für einen solchen Nachweis.

Dr. Wolf nimmt die Beschwerden von Menschen, die angeben, durch Elektrosmog erkrankt zu sein, durchaus ernst. Dr. Wolf: "Ich möchte nicht sagen, dass die Befindlichkeitsstörungen eingebildet sind. Sie sind da. (...) Aber die Frage ist: Wo kommt es her? Die Antwort ist: Autosuggestion, das heißt Selbstbeeinflussung. Der Schadensdruck ist selbst gemacht. Angst kann der Auslöser dafür sein, dass das Immunsystem geschwächt wird. Und in diesem Fall können Krankheiten durchbrechen (...). Das macht die Sache gefährlich." Deshalb hält es Dr. Wolf "für ethisch höchst unverantwortlich, wenn man den Leuten Angst macht vor etwas, dessen Schadenswirkung nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist."

Quelle: FM – Das Funkmagazin


SÜDAFRIKA IN HAM-DRM AKTIV

(red) Zwei Funkamateure in Südafrika hatten auf Kurzwelle einen Kontakt in digitaler Sprachübertragung unter Nutzung der HamDream-Softwarelösung. Die Software wurde von HB9TLK modifiziert und auf die Bedürfnisse der Funkamateure ausgerichtet. Die Verbindung stand zwischen Andrew, ZS1AN, und Dennis, ZS1AU, am 10. August im 15-Meter-Band.

Quelle: RSGB


EU WILL BIS 2015 ANALOGE FERNSEH- UND RUNDFUNKFREQUENZEN

(red) liberalisieren. In Brüssel ist man der Ansicht, dass das durch die Digitalisierung frei werdende bisher analog genutzte Spektrum am besten durch die Marktteilnehmer selbst neu verteilt werden sollte.

"Die bestehenden Verfahren zur Frequenzvergabe sind nicht zufrieden stellend, wir brauchen einen effizienteren Ansatz", erklärte Peter Scott, Abteilungsleiter im Direktorat Informationsgesellschaft der Europäischen Kommission, auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg.

Bislang wird das Spektrum für den Rund- und Mobilfunk allein von den nationalen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden nach den Vorgaben Brüssels vergeben. "Doch wir selbst wissen nicht, welche Nutzung optimal ist", stellte Scott klar. "Wir brauchen daher einen marktbasierten Ansatz." Der sei zwar nicht für alle Frequenzarten geeignet; zudem gebe es internationale Verpflichtungen für die Verteilung zu beachten. Aber prinzipiell müssten die Weichen neu gestellt werden. Scott rechnet damit, dass im Laufe der nächsten Jahre angesichts der Abschaltung analoger Radio- und Fernsehsender und der Umstellung auf digitale Angebote wie DAB und DVB-T 50 bis 70 Prozent des bisher genutzten Frequenzspektrums für neue Nutzungsarten zur Verfügung stehen.

Quelle: Heise online


EINE REINKARNATION

(hfs) der besonderen Art erlebt derzeit die Internet-Newsgroup "de.comm.ham" der Funkamateure. Unter einer anonymen Identität spielt ein Funkamateur mit dem Vornamen Michael alle Ausgaben von HamRadio 2day noch einmal ein; derzeit ist er bei Nummer 5. Erschreckend ist die Sicherheit, mit der die Autoren vor knapp drei Jahren die heutige Situation in Deutschlands Amateurfunkdienst vorhersahen. Insgesamt sehr lesenswert.


ZUM GUTEN SCHLUSS

hfs) Da votiert ein Funkamateur innerhalb der Echolink-Sysop-DL-Gang gegen DB0AGZ und gegen die Aufnahme dieses Gateways in deren Reihen – und fragt im gleichen Atemzug, ob wir für seine eigene Echolinkstation in HamRadio 2day der guten Plattform wegen Werbung machen könnten.

Die Antwort heißt NEIN, solange das Gros der in Echolink-Sysop-DL organisierten Betreiber DB0AGZ gesperrt hält.


Vy 73
Hermann, DL1EEC

Dieser Rundspruch ist zur persönlichen Nutzung und zur Nutzung durch Amateurfunk-Medien bestimmt. Vervielfältigungen und Zitate mit Quellenangabe sind in diesem Rahmen grundsätzlich gestattet und erwünscht. Rückfragen und Anregungen adressieren Sie bitte an dl0agz@agz-ev.de im Internet oder an dl1eec@db0zka in Packet Radio.