HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 149 / 2004 vom 12.09.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

dl0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL: NEUES SPIEL – NEUES GLÜCK ?

(rps) Ein echter Klassiker, genau wie die Überschrift: Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte vergangenes Jahr wieder einmal einem Funkamateur – diesmal aus dem Münsterland – vorgeworfen, mit einem Amateurfunkgerät die FreeNet-Frequenz 149,05 MHz genutzt zu haben. Die RegTP meint, der Amateurfunktransceiver sei dazu nicht zugelassen und es handele sich deswegen um eine Frequenznutzung ohne Zuteilung, und zwar unabhängig von Leistung, Bandbreite und verwendeter Antenne. Der Funkamateur bestritt die Tat, wehrte sich gegen den Bußgeldbescheid und zog vor das Amtsgericht Bonn.

Dem Gericht reichten die vorgelegten Beweise aber ganz offensichtlich nicht. Es stellte im Frühjahr das Verfahren ein: Dem Funkamateur konnte die durch die RegTP behauptete Ordnungswidrigkeit nicht nachgewiesen werden. Unschuldig – sollte man nun meinen, schließlich gilt auch für diesen OM die Unschuldsvermutung des Grundgesetzes: keine Verurteilung, keine Tat und natürlich auch kein Vorwurf mehr.

Offenbar gilt dieser rechtsstaatliche Grundsatz aber nicht für die RegTP: Diese Woche teilte sie dem Rechtsanwalt des Betroffenen mit, dass die Behörde sowohl die Anordnung der Außerbetriebnahme für sein Funkgerät, als auch den Gebührenbescheid für den beamtischen Messeinsatz aufrecht erhält – wohlgemerkt unter genau demselben Tatvorwurf, den das Amtsgericht Bonn bereits als nicht erwiesen wertete und deshalb das Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den OM einstellte.

Ich meine, das ist ein schlichter Skandal. In Zeiten schwieriger öffentlicher Haushalte sollte eine Bundesbehörde sowohl mit ihren finanziellen, als auch mit ihren personellen Ressourcen nicht derart verschwenderisch umgehen. Wir dürfen uns also wieder einmal auf eine spannende und unterhaltsame Gerichtsverhandlung freuen – diesmal vor dem Verwaltungsgericht Köln.

Aber – es gibt Hoffnung: Eines hat die RegTP inzwischen in einem anderen Gerichtsverfahren gelernt: Den Empfang von FreeNet und Amateurfunk kann sie nicht untersagen – dem neuen TKG sei Dank.

Ralph, DC5JQ


IN DIE NÄCHSTE RUNDE

(red) geht Roland Neumann, DL8DAV. Der aus dem DARC und aus seinem Amt als Vorsitzender des Ortsverbands Essen gefeuerte OM ist diese Woche vor dem Landgericht Kassel gegen den DARC e.V. in die Berufung gegangen. Die Rechtmäßigkeit des vom Distrikt Ruhrgebiet initiierten Vereinsausschlussverfahrens steht also erneut auf dem Prüfstand.


IN SACHEN KNALLERBSENSTRAUCH

(hfs) versucht es Norbert Kühn, DL8NAD, jetzt auf eigene Faust. Es geht bekanntlich um die Gemeinde Dittelbrunn in Bayern, wo die FDP-Politikerin Marianne Blank einen privaten Feldzug gegen Funkanwender im Allgemeinen und gegen Funkamateure im Besonderen letztinstanzlich gewann. Norbert Kühn schrieb sowohl an die

Freie Demokratische Partei
Frau Landesvorsitzende persönlich
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Agnesstrasse 47/IV
80798 München,

als auch an

Dr. Max Stadler, MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik
11011 Berlin.

Die Briefe liegen der Redaktion vor. Wir sollten als Gemeinschaft der Funkamateure Norbert nicht alleine lassen und ihn unterstützen.


27 MHZ EINMAL ANDERS

(rps) Ein interessantes Experiment führt die britische Regulierungsbehörde OFCOM zurzeit durch. Weil die Nutzung des CB-Funks dort seit 1995 dramatisch von 56.000 auf heute nur noch 20.000 Genehmigungen gesunken ist, werden die 40 Kanäle bei 27 MHz ab sofort zusätzlich anderen Anwendungen testweise zur Verfügung gestellt: "Community Audio Distribution System" – oder kurz CADS – heißt das Ganze. Kirchengemeinden können damit z.B. nun ihre Gottesdienste lokal übertragen und soziale Vereinigungen und Gruppierungen können sich in ihrer Stadt im Äther präsentieren.

Rundfunkfrequenzen will OFCOM bewusst nicht zur Verfügung stellen, und zwar zum einen aus Frequenzmangel und zum anderen, weil deren unflexible feste Vergabe dem nur sporadischen Sendebetrieb der CADS-Interessenten nicht gerecht wird. Die Parameter des Frequenzmanagements sind dieselben wie beim CB-Funk: 4 Watt FM und 10 kHz Bandbreite. Nur die Höhe der Antenne über Grund ist auf 10 Meter beschränkt. Handelsübliche CB-Funkgeräte sind natürlich erlaubt. Nach der momentan laufenden regional begrenzten Testphase soll das System nächstes Jahr auf das gesamte Vereinigte Königreich ausgedehnt werden.

Wäre das nichts für Amateurfunkclubs, um sich zu präsentieren?

Quelle: OFCOM


TROJANISCHES PFERD AUF 27 MHZ

(hfs) spielt Franz Ahne, DL6NY, als Funkamateur bei einem CB-Funk-Interessenverband. Das Funkmagazin berichtete diese Woche:

In einer "Pressemitteilung" vom 8. September 2004 erklärte die Deutsche Funk-Allianz (DFA), sie habe Nachricht davon, dass sich Franz Ahne "bei seinen Konsultationen mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) im Namen des DAKfCBNF e.V. gegen die Einführung der Betriebsarten AM und SSB auf den vorhandenen 40 europaweit harmonisierten Kanälen in Deutschland ausgesprochen" habe. Er soll dies – so die DFA weiter – mit dem "Traditionsgedanken" im CB-Funk begründet haben.

Auf Anfrage des FUNKMAGAZINS hat ein Vorstandsmitglied der DFA diese Aussage bestätigt. Sie stammt nach dessen Angaben von einem für den CB-Funk zuständigen RegTP-Mitarbeiter (der Name ist der Redaktion bekannt) und ist im Rahmen eines Gespräches über eine mögliche Erweiterung der Modulationsarten AM und SSB auf die Kanäle 1 bis 40 gefallen.

Die DFA wirft Franz Ahne aufgrund seines Verhaltens "Interessenverrat" vor. Er habe selbstständig Fakten geschaffen, ohne dazu von den Delegierten des DAKfCBNF beauftragt worden zu sein.

So etwas nennt man wohl landauf landab Interessenkollision oder auch Funkamateurs Futterneid.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) oder des Kaisers neue Kleider. In der Internet-Newsgroup der Funkamateure Deutschlands de.comm.ham erschien unter der Identität "Alexander W. Eisele" ein Beitrag, der sich mit den Zuständen innerhalb des DARC auseinander setzt und auf der Suche nach den Schuldigen der verschiedenen DARC-Desaster ist. Wenig später erschien dann ein als Feedback aufgemachter Beitrag unter der Identität "Petra Schwierz" – allerdings mit der so genannten "Unterschrift" des Alexander W. Eisele.

Positive Resonanz erfuhren diese Schummelbeiträge vom Sysop-DL-Fürsprecher DK2GO und vom neuen Distriktsvorsitzenden Baden, Rainer Pruggmayer – DL7RP, vormals DG1IZ – aus Ludwigshafen. Offensichtlich fiel aber Günter Schupp, DL6IM, als einem der wenigen Durchblicker auf, welche Dreistigkeit eines Identitätsmissbrauchs hier von DK2GO und DL7RP öffentlich beklatscht wurde.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist aber, dass dieser Alexander W. Eisele ein Internetradio namens "rpa-radio" betreibt und nach eigenen Angaben hauptverantwortlich für die Abwahl des Vorgängers von Rainer Pruggmayer als Distriktsvorsitzender Baden im DARC e.V. war. Ist das nun ein spätes Dankeschön für den Steigbügelhalter Eisele? Wie sagt man im Badischen?

ES HAT E GESCHMÄCKLE !


Vy 73
Hermann, DL1EEC