HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 150 / 2004 vom 19.09.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

dl0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL

(rps) 150 Ausgaben – wer hätte das im Oktober 2001 gedacht? HamRadio 2day feiert heute Jubiläum, allerdings nur ein kleines. Bei solchen Gelegenheiten macht man sich gerne Gedanken um den Zustand des Amateurfunks im Allgemeinen und um seine Zukunft im Besondern, schließlich steht das ja in unserem Vereinsnamen.

Wie immer gibt es hier Gutes und Schlechtes zu berichten. Fangen wir mit dem Guten an: Eine neue Amateurfunkverordnung steht kurz vor dem In-Kraft-Treten. Viele unserer Forderungen sind berücksichtigt: die Zusammenlegung der Zeugnisklassen 1 und 2 ohne Prüfung in Morsetelegrafie, eine Störfallregelung, die uns mit dem Nachbarn auf Augenhöhe gleichberechtigt reden lässt, und die Stärkung des Individuums auf Kosten der Einflussnahme von Vereinen bei den automatischen und fernbedienten Amateurfunkstellen.

Ein neues Telekommunikationsgesetz stellt es – unmissverständlich nun auch für die Regulierungsbehörde – klar: Amateurfunk, CB-Funk, FreeNet und PMR446 dürfen endlich von jedermann ohne rechtliche Fragezeichen empfangen werden – mit Geräten jeglicher Art. Diesbezügliche Untersagungs- und Außerbetriebnahmeverfügungen gehören der Vergangenheit an. Auch das ist positiv.

Ferner auf der Habenseite steht diejenige Form von neuer Basisdemokratie, wie sie im Südwesten Deutschlands um die Weinheimer UKW-Tagung herum dieses Jahr entstanden ist: Man will sich nicht mehr von einem in weiter Ferne liegenden Bundesverbands-Molloch und seinen Helfershelfern majorisieren lassen. Recht so und Glückwunsch zum Erfolg der Tagung!

Auf der Verliererseite steht dagegen gleich eine ganze Latte: Das Ansehen des Amateurfunks sinkt mehr und mehr. Geradezu plastisch greifbar merkt man das in diversen Gerichtsverhandlungen, wo unser Funkdienst zusammen mit anderen Hobbyanwendern völlig undifferenziert an der Grenze zur Spinnerei und zum Pöbelantentum angesiedelt wird, dies zudem im reinen Hobbybereich. Unser Beitrag für die Gesellschaft? Unser wissenschaftlicher Anspruch? Dort jedenfalls absolute Fehlanzeige. Man kann ihn schlicht nicht mehr vermitteln.

Viel tragen wir durch unser Verhalten selbst dazu bei. Nur ein Beispiel: In der Internet-Newsgroup de.comm.ham trat kürzlich ein Funkamateur unter fremder Identität auf – wir berichteten. Eine 90-Prozent-Mehrheit der Diskutanten verteidigte diesen Funkamateur, weil er sich ja "entschuldigt" habe. Sowas könne halt passieren und das Benutzen eines anderen Namens sei ja etwas völlig Normales. Dass es das eben nicht ist, und dass das Handeln für einen Anderen grundsätzlich als solches kenntlich zu machen ist, das ist – jedenfalls unter aufrichtigen Menschen – ein Kriterium, welches in diesen Kreisen nicht präsent zu sein scheint.

Eine falsche Identität also als Kavaliersdelikt? Gut möglich, schließlich hat der Amateurfunk ja eine lange Tradition in dieser Sache: vom Callmissbrauch in Packet-Radio und Morsetelegrafie über das so genannte 45-Meterband bis hin zu anonymen Briefen, die körperliche Gewalt und berufliche Konsequenzen androhen, falls man seine Meinung weiterhin öffentlich macht. Der Funkamateur als "Under-Cover-Agent" mit Schlapphut-Mentalität und Psycho-Training? All das kann "da draußen" im wirklichen Leben einfach kein gutes Image erzeugen.

Von den diversen Fiasken in Deutschlands größtem Amateurfunkclub, der unser aller Geschicke maßgeblich mitbestimmt, ob ihm und uns das nun gefällt oder nicht, davon wollen wir erst gar nicht reden. Sei es der Fall Häfner, die Entfernung eines missliebigen Ortsverbandsvorsitzenden, die Gutsherrenart bei der Befürwortung oder Ablehnung von Relaisfunkstellen und die dabei offen ausgetragenen Querelen, oder auch das PLC-Debakel, all das ist nicht geeignet, unseren Ruf in einer transparenten und offenen Gesellschaft zu verbessern oder gar unsere Zukunft zu festigen.

Dennoch – oder trotzdem: Ich bin und bleibe optimistisch – wenn auch in bescheidenem Umfang: An dieser Stelle wünsche ich mir nur, dass es noch mindestens 150 weitere Ausgaben von HamRadio 2day gibt.

Ralph, DC5JQ


GROSSBRITANNIEN SENKT EMVU-GRENZWERTE

(rps) Die britische Strahlenschutzbehörde "National Radiological Protection Board" – kurz NRPB – hat schon Ende Juli dieses Jahres die zulässigen Feldstärkegrenzwerte im Personenschutz auch für Amateurfunkstellen herabgesetzt. Nun gilt auch im Vereinigten Königreich die in Deutschland schon lange angewandte Empfehlung des Europäischen Rates, dem die Grenzwerte der " International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection" – kurz ICNIRP – zugrunde liegen. Bisher galt z.B. zwischen 10 und 400 MHz statt den international üblichen 28 V/m ein Wert von 50 V/m.

Quelle: RSGB und NRPB


STRAFANZEIGE

(rps) erstattete diese Woche ein Mitglied der CB-Funkvereinigung "Regio-Net-DL" gegen eine Bonner Amtsrichterin und gegen mehrere Beamte der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Konkret wirft der Funkfreund der Richterin Rechtsbeugung vor, weil sie in seinem Fall ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gemäß Paragraf 47 des Ordnungswidrigkeitengesetzes eingestellt hatte.

Der Sysop macht geltend, dass er in dem betreffenden Verfahren einen Entlastungszeugen präsentiert hatte. Angesichts dieses Umstands hätte die Richterin seiner Auffassung nach den Zeugen anhören und ein Urteil mit entsprechender Kostenentscheidung fällen müssen. Dies unterblieb jedoch. Die Einstellung erfolgte unter anderem deshalb, weil die RegTP ihre Anschuldigungen gegen den Sysop vor Gericht nicht beweisen konnte.

Ein weiterer Strafantrag wurde gegen denjenigen RegTP-Beamten gestellt, der an diesem Prozess mitgewirkt hatte. Weitere Behörden-Mitarbeiter wurden wegen Verleumdung, falscher Verdächtigung und Verfolgung Unschuldiger angezeigt. Außerdem wurden dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen eingeleitet und es ist beabsichtigt, den Vorgang dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zuzuleiten.

In drei ähnlich gelagerten Fällen behalten sich die betroffenen Sysops vor, ebenfalls Strafantrag stellen.

Quelle: Email von J. Walter vom 16.9.2004 und Regio-Net-DL


TELEFONIEREN IM FLUGZEUG

(red) ist ab 2006 im Airbus 320 möglich; das meldet Heise Online. Offensichtlich funktioniert das System ähnlich wie die Umsetzer in Messehallen und kann alle Dienste der Handy-Provider verarbeiten. Es ist schon erstaunlich, wie lange Flugzeughersteller brauchen, bis sie das EMVG umsetzen können. Das ist gewiss kein Kompliment an das Ingenieurwesen.


EIN NEUER TRANSPONDER

(red) ist auf der Internationalen Raumstation ISS in Betrieb gegangen. Der Uplink ist auf 437,880 MHz, der Downlink auf 145,800 MHz. Der Transponder ist trägergesteuert. Sie benötigen also keinen Rufton oder CTCSS. Als Regulativ benutzen Sie einfach den Downlink.

Quelle: RSGB


SMALL TALK

(hfs) mit Rocco, DL1XM, und Jochen, DL1YBL, hatte ich unlängst via DB0FT auf 145,600 MHz. Rocco bat die AGZ, in ihrem Rundspruch HamRadio 2day die RegTP nicht so oft wegen deren Rechtsstreitigkeiten "vorzuführen".

Sollten unsere Beiträge zur RegTP dies ausstrahlen, so ist das nicht gewollt. Wir möchten einfach nur über juristische Auseinandersetzungen im Amateurfunkdienst und im Hobbyfunkbereich berichten, damit andere Funkfreunde für den eigenen Streitfall das Lehrgeld sparen können, das andere schon bezahlt haben. Gleiches gilt natürlich für die RegTP.

Hermann, DL1EEC


NORBERT KÜHN AUS DITTELBRUNN

(red) schreibt uns:

"… soeben habe ich die News in der neuesten Ausgabe gelesen! Schön wäre es, wenn von möglichst vielen Seiten – natürlich sachlich gehaltene – Post an die beiden genannten Spitzenpolitiker gerichtet würde. Falls dies per Email erfolgt, wären auch Kopien an die Gemeinde Dittelbrunn unter info@dittelbrunn.de und an deren Aufsichtsbehörde, das Landratsamt Schweinfurt, unter info@lrasw.de recht wirkungsvoll, sodass die Verantwortlichen (Bürgermeister und Landrat) dort endlich einmal wachgerüttelt werden.

Das Problem, obwohl angedacht, lässt sich kaum mehr juristisch lösen. In Bayern gäbe es noch die Möglichkeit der Popularklage nach Artikel 55 der Bayerischen Verfassung. Hier kann nur noch mit politischem Druck gearbeitet werden – eben mit Post an die Genannten.

Mit 73, Norbert, DL8NAD"

Anmerkung der Redaktion: Die Anschriften der beiden Volksvertreter finden Sie in HamRadio 2day 149.


DAS WORT ZUM SONNTAG

(hfs) … wer den Identitätsmissbrauch schönredet, schadet dem Amateurfunkdienst in Deutschland.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Der Chef der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth, wehrt sich gegen den Verdacht der Amtsmüdigkeit. "Ich werde mein Amt auf jeden Fall bis 2006 ausüben, möglicherweise auch darüber hinaus", sagte Kurth dem Handelsblatt. Er reagierte damit auf das Bekanntwerden seiner Bewerbung für den Chefposten bei der Internationalen Fernmeldeunion ITU. Diese Personalentscheidung steht im Herbst 2006 an.

Quelle: Heise Online


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Hermann, DL1EEC