HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 155 / 2004 vom 24.10.2004

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

dl0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL

(hfs) Inhalte, die den eigentlichen Amateurfunk betreffen, werden heute nahezu nicht mehr diskutiert, sondern es werden Beschimpfungen an der Vereinszugehörigkeit der Autoren oder an deren Liberalität festgemacht.

Kritiker der als "Non-Platinista" ausgemachten Funkamateure bedienen sich selbst anstatt einer elitären Ausdrucksweise vielmehr einer Ekel erregenden Fäkalsprache und schrecken in ihren öffentlich zugänglichen Kommunikationsmedien auch nicht vor der zeitnahen Beschreibung der Verwendung des Insektenvernichtungsmittels Lindan zurück – zur Bekämpfung der Meinungsgegner, versteht sich. Besonders befremdlich sind die Ansätze dieser radikalfundamentalistischen Funkamateure, Andersdenkenden grundsätzlich auf der beruflichen Ebene Schaden zufügen zu wollen.

Der Ruf nach einer schärferen Amateurfunkverordnung und der Wunsch nach der Rückkehr zum restriktiven Amateurfunkgesetz aus dem Jahr 1949 – oder sogar nach den diktatorischen Regeln des DASD der 30er Jahre – stellt allerdings keine Lösung dar: Es wäre lediglich ein Verstecken und Verlagern der primär sozialen Problematik und nicht etwa ihr Ende.

Das Abwürgen nicht genehmer Meinungen existierte nämlich schon unter dem alten Amateurfunkgesetz in Reinstkultur – speziell während der späten 80er und Anfang der 90er Jahre, vergleiche z.B. DL6IM im Internet zum Thema Fritz Kirchner, DJ2NL, und der Abschaltung der VFDB-Sprachumsetzer. Selbst in der Festschrift des DARC zum 50-Jährigen bekam ein früher Querdenker aus dem Süddeutschen – er ist leider bereits verstorben – noch nachträglich sein Fett ab.

Lassen wir den Amateurfunkproleten doch einfach ihre diversen Spielwiesen und freuen wir uns darüber, dass gerade sie sich liberal austoben dürfen, denn viele von ihnen konnten diese Freiheit bis 1989 nicht ausleben.

Hermann, DL1EEC


IN EIGENER SACHE

(red) Seit Freitag bis einschließlich heute ist der Betreiber unserer Rundspruchstation in Wermelskirchen in Paris. Einige Aussendungen fallen deshalb aus. Sollten Sie HamRadio 2day an gewohnter Stelle vermissen, so hören Sie bitte morgen – am Montag – auf Ihrer Frequenz. Die AGZ sendet dann mit zwölf Stunden Versatz zu den üblichen Zeiten. Das heißt z.B. statt Sonntags um 08:30 Uhr dann am Montag um 20:30 Uhr. Vielen Dank für Ihr Verständnis.


VOM APFEL DER ERKENNTNIS

(hfs) In seinem Newsgroup-Monolog vom 17. Oktober in de.comm.ham schildert VFDB-Insider Günter Schupp, DL6IM, haarklein, wie die Infrastruktur der VFDB-Amateurfunkrepeater dazu benutzt wurde – und auch weiter wird –, um eine Vereinskommunikation exklusiv und ohne Duldung Andersdenkender zu verbreiten. Schupp bekennt sich dazu, durch organisierte flächendeckende Relaisabschaltungen unbequeme Meinungen rigoros zu unterbinden.

Wider besseres Wissen verstößt diese Verhaltensstruktur gegen die allgemeine Widmung exklusiver Frequenzen für automatische Stationen zum uneingeschränkten Gebrauch durch alle Funkamateure – gleich welcher Couleur und gleich welcher Vereinszugehörigkeit. In die Szene passt auch die als so genannte "Koordination" getarnte Frequenzbesetzungstechnik von DARC und VFDB, wie man am Beispiel der digitalen Repeater mit dem APCO25-Verfahren sehr deutlich erkennen kann: Die Frequenzen waren nämlich schon vergeben, bevor sie als frei kommuniziert wurden.

DARC und VFDB sichern sich durch ihre vorgeschobene so genannte "Koordinierungs-Kompetenz" Ressourcen und Infrastrukturen, die ihnen – daraus folgend – Mitglieder zuschanzt. Die Behörde muss endlich erkennen, dass sie das Kamel ist, auf dem zwei Vereine durch die Amateurfunkwüste reiten. Sie muss deswegen die Koordination endlich zu sich ins Haus zurückführen und auf eine neutrale und vor allem unparteiische Basis stellen.

Solange im Amateurfunkreferat der RegTP in Mainz keine vom so genannten Vereinsfunk unbefleckte Mitarbeiter sitzen, wird sich dieser Teil der Behörde den Vorwurf gefallen lassen müssen, das Amateurfunkgesetz an der Stelle der gewerblich-wirtschaftlichen Nutzung zugunsten zweier Vereine wissentlich zu unterlaufen – und damit den Außenstellen zu kurze Handlungsarme zu verpassen.


FREQUENZZUWEISUNG BEI 500 KHZ?

(rps) Großbritannien scheint ein Amateurfunkparadies zu sein: Nach der nun kurz bevorstehenden 40-Meterband-Erweiterung hat der britische Verband RSGB seiner Behörde auch vorgeschlagen, den Amateurfunkdienst zwischen 501 und 504 kHz oder zwischen 508 und 515 kHz – also auf der unteren Mittelwelle – mit einer Leistung von 10 Watt EIRP zuzulassen.

Dies sei ohne weiteres möglich, weil der Bereich in der westlichen Hemisphäre bereits seit einiger Zeit nicht mehr für den morsetelegrafischen Seefunk genutzt werde; auch Navigationsbaken für den Flugfunk – so genannte NDBs – würden diese Frequenzen verlassen. Zudem seien keine anderen Funkdienste bekannt, die statt dessen einen Anspruch erhöben.

In der Sache selbst argumentiert die RSGB, Mittelwellenfrequenzen um 500 kHz eigneten sich in besonderer Weise, um mittels stabiler Bodenwellenausbreitung unabhängig von solaren oder witterungsbedingten Einflüssen einige hundert Kilometer sicher und jederzeit zu überbrücken. Der Einsatz robuster schmalbandiger digitaler Übertragungsverfahren lässt bei einer Bandbreite von einem Hertz ein 10-Watt-EIRP-Signal etwa 300 km weit reichen – mit einem Signal-zu-Rauschabstand von 20 dB.

Sogar eine Nuklearexplosion in der oberen Atmosphäre – ein so genannter NEMP – soll 500 kHz kalt lassen – im Gegensatz zur Kurzwelle, die danach einige Tage lang unbrauchbar wäre. 500 kHz ist demnach also geradezu prädestiniert für den nationalen Katastrophenschutzfunk. Da können wir der RSGB nur viel Glück und viele interessante Experimente wünschen! Mehr finden Sie auf der Website des Vereins unter http://www.rsgb-spectrumforum.org.uk/mf.htm.

Quelle: RSGB


FUNKAMATEURE VOR GERICHT

(red) In diesem Monat brachte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post insgesamt sechs lizenzierte Funkamateure aus Marl und dem Münsterland vor das Amtsgericht Bonn.

Nachdem die Behörde Anfang des Jahres im Rahmen einer Groß-Razzia zeitgleich bei zwölf Funkamateuren Hausdurchsuchungen durchführte und dabei zahlreiche Amateurfunkgeräte beschlagnahmte, wurde den OMs nun vorgeworfen, mit Amateurfunkgeräten und mit mehr als 500 mW effektiver Strahlungsleistung im FreeNet-Bereich bei 149 MHz Funkbetrieb durchgeführt zu haben.

Alle Funkamateure gaben an, dass sie zwar mit Amateurfunkgeräten gesendet, jedoch genau darauf geachtet haben, dass sie die erlaubte Strahlungsleistung einhalten. Die Regulierungsbehörde berief sich darauf, dass sie vor Ort einen zu großen Hub und sehr hohe Feldstärken gemessen habe. Dies lasse aus langjähriger Berufserfahrung heraus den Schluss zu, dass mit einem angeblich unzulässigen Funkgerät und mit zu hoher Senderleistung gearbeitet worden sei. Wie hoch die Leistung genau war, das konnten die Behördenvertreter jedoch nicht vortragen.

Dem Amtsgericht Bonn genügten diese Ausführungen in fünf Fällen nicht und es stellte die Verfahren ein. Die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Die notwendigen Auslagen tragen die Betroffenen selbst, wobei in zwei Fällen Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, als Pflichtverteidiger beigeordnet wurde. Seine Kosten trägt ebenfalls die Landeskasse.

Bemerkenswert sind die Hintergründe und die Art und Weise, wie die Beamten die Hausdurchsuchungen durchführten, insbesondere welche Amateurfunkgeräte bei den Betroffenen als angebliches Tatmittel sichergestellt wurden. DO1NWB, Andreas aus Marl, erklärte gegenüber seinem Verteidiger, dass sich die Funkfreunde auf den FreeNet-Frequenzen trafen, um sich auf die Amateurfunkprüfung vorzubereiten. Sie führten freundschaftliche und sachliche Gespräche. Sehr bald beteiligte sich eine Vielzahl von Funkfreunden an der Runde.

Andreas berichtete weiter, dass die Beamten bei der Hausdurchsuchung u.a. das Kinderzimmer seiner elfjährigen Tochter betraten und dort ein CB-Funkgerät durchmaßen, während das Kind völlig verstört und verängstigt im Bett liegen blieb. Bei ihm und seinen Funkfreunden wurden u.a. auch 70-cm-Geräte und Kurzwellentransceiver sichergestellt, obwohl sich die Anordnung der Hausdurchsuchung auf das Auffinden von FreeNet-tauglichen Geräten beschränkte.

In einzelnen Fällen wurden taugliche oder alte Geräte nicht mitgenommen, statt dessen allerdings Neugeräte, die gerade erst angeschafft wurden und die am angeblichen Tattag gar nicht benutzt worden sein konnten.

Ferner wusste DO1NWB zu berichten, dass ein betroffenes DARC-Mitglied Rat bei der juristischen Verbandsbetreuung einholte und dort die Antwort erhielt, dass man die Tat zugeben und bei der RegTP um eine milde Strafe bitten solle. In schwerwiegende Fällen, so hieß es dort weiter, sollte ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden. Da sich alle Betroffenen – sie sind mittlerweile Inhaber der Amateurfunklizenz – unschuldig fühlten, suchten sie sich woanders Hilfe und nahmen Abstand von einer DARC-Mitgliedschaft.

Mitgeteilt von Rechtsanwalt Michael Riedel, Köln, und DO1NWB.

Vy 73
Ralph, DC5JQ