HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 157 / 2004 vom 07.11.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

dl0agz@agz-ev.de


RÜCKBLENDE

(hfs) Vorgestern vor zehn Jahren – am 5. November 1994 – hat die Distriktsversammlung des DARC-Distriktes Nordrhein in Düsseldorf-Wersten die Wurzeln der AGZ e.V. gelegt.

Damals versuchte Ralph Schorn, DC5JQ, als Distriktsvorsitzender die Weichen für einen modernen Amateurfunkdienst zu stellen. Da die Ortsverbandsvorsitzenden aber nicht in der Lage waren, Entscheidungen zur Zukunft des Amateurfunks in Deutschland eigenverantwortlich zu treffen, setzten sie unter der Federführung von OM Klaus, DF2JP, die eigentlich ganz vorne angesetzte Diskussion auf den letzten Punkt der Tagesordnung, um diesen dann in die Verantwortung einer Arbeitsgruppe – der heutigen AGZ – abzuschieben.

Wichtiger als die Zukunft erschien der Versammlung vor zehn Jahren die langfristige Zementierung von 1200-Baud-Packet-Radio-Einstiegen: eine vergangenheitsorientierte Innovationsbremse erster Güte, nur weil der geneigte Kurzwellen-DXer keine neuen Geräte kaufen bzw. bauen wollte. Wortführer war DL1EK. Weitere Tagesordnungspunkte: der Bericht von DL5EDA zur Politdiskussion in Solingen unter der Federführung von DL1EEC und ein Vortrag von DJ8OT über die Struktur einer neu zu gestaltenden Lizenzprüfung unter Nutzung des Multiple-Choice-Verfahrens.

Nachdem sich einige Ortsverbandsvorsitzende vor dem Aufruf des Zukunftstagesordnungspunktes bereits davon machten, kamen schließlich die Themen Stagnation der Mitgliederzahlen, sozialer Status der Funkamateure, Einsteigerlizenz, Einheitslizenz, Konkurrent Internet und neues Amateurfunkgesetz dran. Die Distriktsversammlung erteilte der Einheitslizenz eine eindeutige Abfuhr, sie sprach sich allerdings auch eindeutig für eine Einsteigerlizenz aus.

Der nächste Punkt – die CW-Frage – leitete die spätere Abwahl des Distriktvorsitzenden Schorn ein. Die Versammlung war nicht in der Lage, emotionsfrei über den Stellenwert einer Morsetelegrafieprüfung zu diskutieren und suchte ihre Flucht neuerlich in der Arbeitsgruppe, die später zur AGZ wurde. Die Arbeitsgruppe trat dann am 24. Januar 1995 erstmals zusammen und zählte die folgenden Rufzeichen:

DC5JQ
DL1EEC
DL5EDA
DL2ECK
DK3ML
DL9EJ
DJ5JE
DK5EO
DL9JT
DJ8OT
DG8EF
 

Zielsetzung der Gruppe war die Novellierung des Amateurfunkgesetzes zusammen mit der notwendigen Durchführungsverordnung sowie die Abschaffung des Fernmeldeanlagengesetzes und das Unterlaufen der Behördenabsicht, Funkamateure unter dem neu zu schaffenden Telekommunikationsgesetz anzusiedeln. Ebenso sollte der Frequenzbereich oberhalb von 150 MHz erobert werden, um ihn dem Zugriff kommerzieller Nutzer zu entziehen.

Hier ein Zitat aus dem Protokoll der ersten Sitzung:

"Die Mitglieder der AGZ kamen zu dem mehrheitlichen Entschluss, dass es unter den heutigen Gesichtspunkten keinen Sinn mehr ergibt, die alten Amateurfunkideale in der bisherigen Form ausschließlich und alleine weiter hochzuhalten. Jetzt ist die Amateurfunkgemeinschaft als Ganzes gefordert, den politischen Absichten Grenzen aufzuerlegen, wobei jeder Funkamateur durch sein persönliches Verhalten und Handeln indirekt selbst mitbestimmt, wo die neuen juristischen Grenzen zu ziehen sind!

Hierzu erscheint es dringend erforderlich, den Amateurfunk unter Einbeziehung der heutigen gesellschaftlich relevanten Werte neu zu definieren."

Ich fröstele bei der Wahrnehmung, wie weit die Funkamateure der heutigen AGZ im Jahre 1995 bereits ihrer Zeit voraus waren. Was wir heute als E-Klasse der IARU sehen, ist eine Eins-zu-Eins-Kopie der damaligen AGZ-Ausarbeitungen. Nicht nur das: Die Morsetelegrafie verlor tatsächlich ihren Stellenwert als Prüfungselement und ein neues Amateurfunkgesetz schützt heute einen liberalen Amateurfunkdienst.

Danke sagen möchte ich allen alten und neuen AGZ-Mitstreitern der letzten zehn Jahre. Und ich hoffe, dass die "Eierköpfe" der AGZ weiterhin ihren Dienst als Kamele im Amateurfunkdienst vollziehen werden. Interessante Dokumente aus der Zeit des Jahreswechsels 1994/95 finden Sie in Kürze im Internetangebot der AGZ e.V.

Hermann, DL1EEC


40-METER AUCH IN DER SCHWEIZ BALD VERDOPPELT

(rps) Dank der Bemühungen des schweizerischen Amateurfunkverbands USKA und des großzügigen Entgegenkommens der Regulierungsbehörde BAKOM steht auch den Amateuren in HB9 mit CEPT-Lizenz ab dem 1. Januar 2005 zusätzlich der Bereich von 7100 bis 7200 kHz zur Verfügung. Die effektive Strahlungsleistung ist dabei auf 100 Watt beschränkt. Bis zum Jahr 2009 ist diese Zuweisung nicht exklusiv für den Amateurfunkdienst, sondern sie hat vielmehr Sekundärstatus. Danach wird der Primärstatus dann vom Rundfunk auf den Amateurfunk überwechseln.

Quelle: HB9DTE, Vorstandsmitglied der USKA


FREQUENZ-KOORDINATION – ODER MAFIA?

(hfs) Auf den Punkt gebracht: Es wäre wohl Ruhe, wenn DB0AGZ das Rufzeichen DB0DARC oder so ähnlich besäße. Wir berichteten, dass die Distriktversammlung Nordrhein kürzlich einen Antrag der Funkamateure DC1JAO und DL2GP ablehnte. Dem Antrag entsprechend sollte das Echolink-Gateway DB0AGZ von 145,450 MHz entfernt werden, weil ein Ortsverband dort auf "seine" Frequenz pocht.

Erstaunt waren wir dann allerdings, als wir in einem nach der Versammlung geschriebenen Text des Distriktsvorsitzenden Peter Kern, DL1EIP, die folgenden – gar nicht zum Versammlungsbeschluss passenden – Passagen fanden. Der Verteiler ist der AGZ bekannt.

Zitat:

"Liebe Freunde,

habe heute in betreffender Sache recherchiert: Vor einigen Minuten habe ich mit Hellmuth, DF7VX, recht ausführlich telefoniert. (für DJ8OT: Brief ist angekommen)

Hellmuth ist stinksauer, dass die RegTP die entsprechende QRG für den AGZ-Gateway genehmigt hat. Dies hätte nach seiner Aussage, nach den Gesprächen zwischen DARC und RegTP im Frühjahr '04 so nicht geschehen dürfen. Er empfiehlt massiven Protest einzulegen und die Umlegung des Gateways auf eine empfohlene QRG zu verlangen. Er will herausfinden, wann die Empfehlung seitens DARC-Vertretung und die Genehmigung für DL0AGZ (?) datiert sind.

Weiterhin ist er der Ansicht, dass die RegTP Mühlheim (auf Grund zu 'kurzer Arme') nicht der richtige Ansprechpartner ist, und will mir deshalb eine Adresse in Mainz mitteilen, an welche die Schreiben (keine Sammelklagen, sondern viele einzelne, damit die Situation bekräftigt wird, dass viele OM betroffen sind) gerichtet werden sollen.

Vy 73 de Peter, DL1EIP"

Wir hatten für die Zeit des Aufenthaltes unseres Sysops in Frankreich die Aufzeichnung wieder eingeschaltet und können somit dokumentieren, dass die vorige Woche berichtete Verhaltensstruktur nicht nur der Rufzeicheninhaber DH2ML und DH2RTW in das oben beschriebene Aufforderungsprofil passt. Außerdem endeten die mittels anonymer Aussendung von DTMF-Tönen provozierten Auftastungen von DB0AGZ – und damit die kurzzeitigen Störungen des Distriktsrundspruchs – schlagartig mit der Abmeldung von DJ8OT von der Rundspruchfrequenz 145,450 MHz.

Noch Fragen, DARC?


ZUM SCHLUSS: LESERBRIEF

(red) Norbert Kühn, DL8NAD, aus Dittelbrunn schreibt uns:

"Hallo Hermann,

so langsam aber sicher bewegt sich etwas in der Führungsetage der Bayerischen FDP. Ich habe am 17. Oktober nochmals an Dr. Max Stadler geschrieben, siehe Anhang. Die erwähnten beiliegenden Schriftstücke bestanden aus einschlägigen Auszügen von 'HamRadio 2day' und dem Internet (www.izgmf.de). Schon am 22. Oktober erhielt ich per Fax eine Antwort mit folgendem Wortlaut:

'Sehr geehrter Herr Kühn, vielen Dank für Ihr Schreiben vom 17.10.2004 und die beigefügten Informationen. Aufgrund Ihres Schreibens habe ich das Thema zur Behandlung im FDP-Landesvorstand angemeldet.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Stadler'"

Vy 73
Hermann, DL1EEC