HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 162 / 2004 vom 12.12.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

dl0agz@agz-ev.de


NACH DER WRC IST VOR DER WRC

(rps) In knapp drei Jahren findet die nächste World Radio Conference der Internationalen Fernmeldeunion ITU statt: und zwar in Genf vom 8. Oktober bis zum 2. November 2007. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat – genau wie bei der für den Amateurfunkdienst Weichen stellenden WRC-03 – wieder eine so genannte Nationale Gruppe zur Vorbereitung der Tagung ins Leben gerufen und auch die AGZ e.V. zur Teilnahme eingeladen. Mitglieder sind Interessengruppen, Firmen, Rundfunkanstalten, das Militär und viele andere: insgesamt also Organisationen und Behörden, die sich in Deutschland mit der Nutzung von Frequenzen beschäftigen. Am vergangenen Freitag fand nun die erste Sitzung der neuen Nationalen Gruppe in Bonn statt, an der auch Vertreter der AGZ teilnahmen.

Der Amateurfunkdienst wird auf der WRC-2007 im Wesentlichen durch zwei Tagesordnungspunkte betroffen sein. Erstens: Das Langwellensegment 135,7 bis 137,8 kHz soll weltweit als Sekundärzuweisung in die VO-Funk eingetragen werden – bisher gibt es hier nur nationale Lösungen. Und zweitens: Die Frequenzzuweisungen aller Funkdienste zwischen 4 und 10 MHz stehen – mit wenigen Ausnahmen – auf dem Prüfstand. Eine Ausnahme ist unser erweitertes 40-Meterband: 7000 bis 7200 kHz stehen ausdrücklich nicht zur Disposition. Aber – es wird nach wie vor eine weltweit harmonisierte – d.h. einheitliche – Amateurfunkzuweisung bis 7300 kHz angestrebt, wie es auf dem amerikanischen Kontinent schon immer der Fall ist. Die europäischen Länder innerhalb der CEPT werden sich auf der WRC-2007 dafür einsetzen.

Die Weltfunkkonferenz 2007 wird – nach heutigem Kenntnisstand – Gutes für uns Funkamateure bringen. Die AGZ wird innerhalb der Nationalen Gruppe an der Umsetzung und Verwirklichung mitarbeiten.


DER "FUNKAMATEUR" SCHREIBT

(hfs) in seiner Ausgabe 11/2004 auf Seite 1177 zum geplanten europäischen Navigationssystem Galileo:

"Ab 2008 werden das amerikanische GPS (Global Positioning System) und sein geplantes europäisches Gegenüber Galileo zueinander kompatibel funktionieren. Galileo wird also ungeachtet der vielen Proteste kommen. Was dies auf unseren Amateurfunkdienst im 23-cm-Band für Auswirkungen haben wird, wird sich noch zeigen. Jedenfalls keine positiven. Daher sollten jetzt alle Amateurfunk-Vereine miteinander arbeiten und nicht, wie in Deutschland geschehen, gegeneinander intrigieren."

Redakteur Ingo Meyer von der Zeitschrift "Funkamateur" auf die genannte Intrige angesprochen behauptete gegenüber HamRadio 2day, dass der Autor Thomas Frey, HB9SKA, damit die AGZ e.V. meinte. Die AGZ intrigiere ja ständig gegen den DARC. Herr Meyer wusste allerdings nicht, dass die Lobbyliste des Deutschen Bundestags neben der AGZ lediglich den RTA und nicht etwa den DARC als Ansprechpartner führt.

Um so erstaunter war ich, im anschließenden Gespräch mit Thomas Frey zu erfahren, dass er in seinem Galileo-Artikel nicht die AGZ meinte, sondern die Streithähne AMSAT-DL und AGAF, die sowohl untereinander, als auch mit dem DARC ständig im Streit lägen.

Liebe Funkamateur-Redaktion, wie wäre es mit etwas mehr Sachkenntnis zur Amateurfunk-Infrastruktur in Deutschland, mit etwas mehr journalistischer Professionalität in der Recherche und dafür mit einem Schuss weniger Intrige?

Hermann, DL1EEC


DEMOKRATIE IN VEREINEN

(hfs) – ist das überhaupt ein Thema? Wenn es sich um einen reinen Dienstleistungsverein handelt, kann man die Frage nach einer demokratischen Struktur ja vielleicht gerade noch verneinen. Ein anderer Schuh wird aber daraus, wenn Vereine eine Interessenvertretung im Angebot haben. Dann nämlich muss die Satzung es dem individuellen Mitglied ermöglichen, seine ganz persönlichen Interessen vertikal nach oben vertreten zu können. Es muss gewährleistet sein, dass eine demokratische Willensbildung ausnahmslos aller Mitglieder unveränderlich in den höchsten Entscheidungsgremien wirklich ankommt.

TIP 1 – Sollte gegen Sie ein Ausschlussverfahren erwirkt werden, achten Sie bitte darauf, dass Ihnen bereits im Vorfeld die Ausschlussgründe vorgetragen werden und beachten Sie, dass nach dem Ausschließungsbeschluss keine weiteren Ausschlussgründe mehr nachgeschoben werden können.

TIP 2 – Wenn Sie einem Verein beitreten wollen, dessen Ausschlussverfahren Sie sofort nach dem entsprechenden Antrag von allen Ihren Vereinsämtern entbindet, dann sollten Sie diesem Verein grundsätzlich nicht beitreten. Sie unterliegen im Ausschlussfall ansonsten der Gefahr einer nachträglichen Manipulation Ihrer persönlichen Interessen.

TIP 3 – Sollte in Ihrem Verein Ihre persönliche Willensbildung durch verschiedene Entscheidungsebenen gefiltert werden und sollten die Vertretungsebenen überdies nicht weisungsgebunden sein, dann wird dieser Verein nicht demokratisch legitimiert sein und nicht dem Vereinsrecht entsprechen. Achten Sie auf solche Konstrukte, bevor sie beitreten.

TIP 4 – Sollte Ihr Verein Sie zu einer Mitgliederversammlung einladen und setzt er diese an einem Samstag oder Sonntagmorgen um 9 Uhr an, so verwirkt er seinen demokratischen Anspruch und die Gültigkeit der Versammlung. In solchen Fällen waren Richter der Auffasung, dass bei einem bundesweit tätigen Verein die Anreise jedem Mitglied möglich zu machen ist: Das bedeutet keine Anfangszeit vor 11 Uhr. Weiter muss die Mitgliederversammlung ausnahmslos allen Mitgliedern rechtzeitig vorangekündigt werden, wobei die Tagungslokalität auch genügend Platz anbieten muss, um alle Mitglieder aufnehmen zu können – so die Gerichte.

Resümee: Die gerade genannten Empfehlungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind nur als Anregung zu verstehen, die Satzung des eigenen Vereins einmal abzuklopfen, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Wie empfindlich Vereine auf solche Klarstellungen reagieren, das entnehme ich einer mir vorliegenden Klageschrift aus einem Prozess, der sang- und klanglos wegen unheilbarer Terminüberschreitungen trotz Aussicht auf Erfolg in der Sache unterging. Daraus noch ein Hinweis: Wenn Ihre Rechtsvertretung einen Termin vermasselt, dann sieht das Gericht es so, als hätten Sie selbst den Termin verpennt.

Hermann, DL1EEC


WIE MAN SICH ERFOLGREICH GEHÖR VERSCHAFFT

(red) Im Anschluss an die Korrespondenz zwischen Norbert Kühn, DL8NAD, und der FDP Bayern hinsichtlich der Aktivitäten von Marianne Blank in Sachen "Antennenverbot für Funkamateure in Dittelbrunn" ergab sich zwischen der Redaktion von HamRadio 2day und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Max Stadler ein Gespräch. Er empfahl Funkamateuren, ihre grundsätzlichen Anliegen in die Agenda der jeweiligen Landesparteitage einzubringen. Das wäre im Fall der FDP in Bayern die

Landesgeschäftsstelle der FDP
Agnesstrasse 47
80798 München

Wir empfehlen jedoch, solche Aktionen sachlich und politisch ordentlich aufzubauen und dieses Instrument nur in wirklich gewichtigen Fällen einzusetzen. Gleiches gilt natürlich auch für die Kommunikation mit den anderen Parteien.


KNALLERBSENSTRAUCH IV

(hfs) Norbert Kühn, DL8NAD, berichtete uns am 3. Dezember vom Landesparteitag der bayerischen FDP. Das Ergebnis sieht so aus, dass diese Partei sich in Sachen Umweltschutz mehr in Richtung Pragmatismus bewegte und die Hardliner auf die hinteren Bänke setzte. Offensichtlich haben die Aktivitäten Norbert Kühns und die Pressearbeit verschiedener unabhängiger Publikationen dazu beigetragen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Trotzdem hat die Dittelbrunner Entscheidung dem Amateurfunkdienst schweren Schaden zugefügt, der aber Norbert Kühn nicht zuzuschreiben ist. Die Story hat uns gelehrt, dass kompetente Lobbyvertreter bereits im Vorfeld möglichst früh um Rat gebeten werden sollten.


EINEN BÄRENDIENST

(hfs) erweist die neue RegTP-Broschüre "Funk und Umwelt" den Funkamateuren. Auf Seite 19 vermittelt der Redakteur dieser Bürgerinformation – das ist Rudolf Boll – den Eindruck, dass Funkamateure ohne, dass die Regulierungsbehörde die Richtigkeit der erforderlichen BEMFV-Anzeige prüft – also völlig unkontrolliert –, hohe Strahlungsleistungen produzieren können. Eine behördliche Prüfung fände nur in "begründeten Fällen" statt.

Unterschwellig schiebt der Autor auf derselben Seite das Bild einer ausgedehnten Amateurfunkantennenanlage ein – es handelt sich um ein 4-mal-4-EME-Array von 70-Zentimeter-Langyagis, die sich knappstens über den Dächern einer Reihenhaussiedlung befinden. Das Ganze ist sicher nicht geeignet, Spannungen mit Nachbarn abzubauen, ja mehr noch: Auf einen unbedarften Laien mit Herzschrittmacher übt der Artikel eine bedrohliche Wirkung aus. Bleibt noch die Frage: Zufall oder Absicht?


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) … lieber mit seinem Verhältnis wohnen, als über seine Verhältnisse leben.


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Hermann, DL1EEC