HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 163 / 2004 vom 19.12.2004

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

dl0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL: WEM GEHÖRT WANN EINE FREQUENZ?

(hfs) Ist doch klar, werden Sie sagen: natürlich dem, der sie zuerst belegt. Und auch die Rundspruchsprecher der Nordrhein-Ruhrgebiet-News mit dem Call DF0EN haben keine höheren Rechte, eine laufende Aussendung zu unterbrechen und einfach darüber hinwegzufunken.

Am vergangenen Sonntag war für die Rundspruchstation der AGZ in Wermelskirchen nach der Frage "ist diese Frequenz besetzt?" nicht eindeutig erkennbar, ob auf 145,450 Megahertz Amateurfunkverkehr lief oder ob die lang anhaltenden Ruftöne hoher Feldstärke als gezielte Störung zu betrachten waren. Jedenfalls war die Frequenz belegt – und die Rundspruchstation wartete. Um 10:57 Lokalzeit war die Frequenz dann frei. Also begann HamRadio 2day mit 27 Minuten Verspätung.

Und was passierte danach? Die Rundspruchstation des DARC mit dem Call DF0EN schaltete ohne Beachtung der Konventionen den Sender um punkt 11:00 Uhr ein und legte los. Da können die Beschwerden von DH2RTW noch so scheinheilig vorgebracht werden, die Fakten sprechen keinesfalls für die Betreiber von DF0EN.

Hermann, DL1EEC


KONING KEIZER ADMIRAAL

(rps) ist der – in seiner Bedeutung offensichtlich zutreffende – Name eines niederländischen UKW-Rundfunkpiratensenders. Es klingt unglaublich: Auf einem Maisfeld in der Nähe von Gildehaus bei Bad Bentheim in Niedersachsen haben am vergangenen Wochenende vier Piratenteams aus der Provinz Twente gemeinsam den wohl höchsten Sendemast installiert, der je von Schwarzfunkern aufgebaut worden ist: An dem genau 101 Meter hohen Antennenturm waren acht gestockte vertikale Halbwellendipole montiert und – mit dem Mast als Reflektor – auf die Niederlande ausgerichtet.

Am dritten Adventswochenende lief ab dem 9. Dezember auf 97,0 Megahertz ein Marathonprogramm unter besagtem Namen "Koning Keizer Admiraal" – oder kurz KKA. Die Piraten hatten sich eine ganz schön verzwickte juristische Situation ausgedacht: Während Sender und Mast auf deutschem Boden standen, kam das Programm live aus einem Festzelt in unmittelbarer Nähe, das allerdings auf niederländischem Staatsgebiet aufgebaut war, wo sich auch der oder die Senderbetreiber befanden.

Am Samstag, den 11. Dezember musste die Station schließlich gegen 14:50 Uhr aufgrund einer gemeinsamen Aktion der niederländischen und der deutschen Funküberwachung, unterstützt von einem Großaufgebot der Polizei, die Sendung vorzeitig abbrechen – immerhin nach gut zwei Tagen Dauerbetrieb. Teile des 12 Kilowatt starken professionellen FM-Rundfunksenders von Rohde & Schwarz wurden konfisziert. Mit nicht viel weniger als 100 Kilowatt effektiver Strahlungsleistung und der enormen Antennenhöhe über Grund erreichte "Koning Keizer Admiraal" die Qualität der stärksten ARD-Grundnetzsender. Empfangsberichte von Flensburg bis Rotterdam und Aachen bestätigten das eindrucksvoll: KKA war in weiten Teilen der Niederlande sowie in Nord- und Westdeutschland außerordentlich gut zu empfangen.

Angeblich soll seitens der deutschen Regulierungsbehörde die Verhängung eines Bußgeldes in Höhe von 40.000 Euro in Aussicht gestellt worden sein. Bislang ist unklar, warum der rund 100 Meter hohe Mast überhaupt errichtet werden konnte, ohne dass es zu einem Einschreiten der örtlichen Behörden kam. Ebenso ist nicht bekannt, aus welchen Quellen diese umfangreichen Aktivitäten finanziert wurden – und warum die deutsche Funküberwachung zwei Tage bis zur Stilllegung dieses wirklich nicht zu überhörenden Senders benötigte.

Den Piraten hat es jedenfalls Spaß gemacht: Mehrere hundert begeisterte Partygäste feierten vor Ort ausgelassen "ihren" Sender mit allem, was dazu gehört. Völlig unverständlich und erklärungsbedürftig ist in diesem Zusammenhang das riesige Aufgebot an Sicherheitskräften: Die Messbeamten der RegTP trauten sich offenbar nur in Begleitung von mehr als 50 Polizisten aufs Gelände. Spektakuläre Fotos und Berichte vom Piratensender und von der Behördenaktion finden Sie im Internet – sogar die Messbeamten live in Action. Die Links dazu finden Sie in der Internet- und Packet-Radio-Ausgabe von HamRadio 2day.

Links und Quellen zu Koning Keizer Admiraal:

http://www.vogelfreiesradio.de/
http://www.etherpiraten.com/bestanden/KKA/KKA.asp
http://home.tiscali.nl/klompenboer/Piraten/Klompenboer/KKA/KKA%20Index.htm
http://www.klompenboer.nl/
http://medianetwork.blogspot.com/2004_12_05_medianetwork_archive.html


LORD HELMCHEN KEHRT ZURÜCK

(hfs) könnte man meinen, wenn man die aktuellen Aktivitäten von Rupert Mohr, DL3NO, und Peter Lemken, DF5JT, in der Newsgroup de.comm.ham anschaut. Vordergründig beantragt Peter Lemken, die Newsgroup zu löschen, weil sie zu viele Diskussionen zulasse und der technische Aspekt zu kurz komme. Die Gruppe solle "lesbarer" werden. Ersatzweise soll es eine neue – nach Möglichkeit moderierte – Gruppe geben, die aber dann offensichtlich für Befürworter der AGZ nicht mehr zugänglich sein soll. Es stellt sich die Frage, warum DL3NO und DF5JT diesen Frondienst machen und – für wen?

Primär sieht es doch so aus, dass HamRadio 2day offensichtlich mehr Leser hat, als es der Konkurrenz Deutschlandrundspruch lieb ist, keine Eintagsfliege ist und auch keine Pausen einlegt. Sekundär erkennt man, dass die Diskussionsforen einzelner Funkamateure – selbst wenn sie wie im Fall Rupert Mohr die DIG unterstützen – keinen nennenswerten Traffic mehr haben: Es konzentriert sich fast alles auf die Newsgroup de.comm.ham, was besonders die Packet-Radio-Rubrik "Meinung" zu spüren bekommt.

Wenn man das ändern will, dann muss man Infrastrukturen ändern – will heißen zerstören. Und das ist offensichtlich das momentane Ziel. Hoffen wir, dass die verantwortlichen Leute im Usenet erkennen, dass sie nur vor irgendwessen Karren gespannt werden sollen.


HINTERGRUND – ODER BACKSTAGE

(hfs) Werfen wir noch einen Blick auf Peter Lemken. Er ist einer von zwei Funkamateuren, die im Jahre 2002 die Rufzeichen anderer Funkamateure missbrauchten, indem sie mit deren Calls bei Denic jeweils eine .de-Domain im Internet auf sich registrieren ließen und auch betrieben. Der Missbrauch von Amateurfunkrufzeichen ist auf den Luftschnittstellen zwar "Volkssport", weil er nur extrem schwer wirklich nachzuweisen ist. Bei Denic aber – im Internet – ist der Verantwortliche für einen derart gestrickten Identitätsmissbrauch sehr schnell auszumachen.

Beide Funkamateure wurden von den Inhabern der Amateurfunkrufzeichen aufgefordert, den "Unsinn" rückgängig zu machen. Beide sind dem nicht nachgekommen und mussten unter Zahlung von hohen Rechtskosten dann – wie man so schön sagt – einknicken. Ich zweifele daher an der Aufrichtigkeit, im Usenet eine neue "saubere" Newsgroup zu etablieren. Ich bin mir vielmehr sicher, dass es ausschließlich um den Versuch eines Plattformentzugs geht.

Hermann, DL1EEC


EXPERIMENT GESCHEITERT

(hfs) Im Ballungsraum westliches Nordrhein-Westfalen hat die Regulierungsbehörde weitere automatische Stationen für Echolink auf 144,975 Megahertz genehmigt. Augenscheinlich siedeln sich als Reaktion darauf jetzt verstärkt Packet-Radio-Aktivitäten aus Belgien und den Niederlanden auf dieser Frequenz an, um die deutschen Echolink-Stationen in die Schranken zu weisen. Auch die Feldstärken erreichen derzeit einen Zuwachs von mindestens 6 dB. In diesem Fall sind die Niederländer und Belgier konform zu den IARU-Empfehlungen und dürfen ohne rot zu werden auf die deutschen Funkamateure zeigen.

Die AGZ wird daher die von der RegTP empfohlenen Echolink-Frequenzen 144,975 und 144,9625 Megahertz meiden. Zudem erachten wir es als einen Affront gegenüber den europäischen Nachbarländern, auf deren FM-Relaisausgabefrequenzen im 70-cm-Band – auf 430,025 und 430,050 Megahertz – Echolinkbetrieb zu genehmigen.

Auch das chaotische Zusammenpferchen vieler gleichzeitig erreichbarer Echolinkstationen auf derselben Simplex-Frequenz zeugt von der Unkenntnis der dafür Verantwortlichen, ob sie nun in der RegTP oder im DARC bzw. VFDB sitzen: Das Wesen von Echolink ist nicht der Umsetzer, sondern der transparente Modus auf einer Simplex-Frequenz. Dabei sollte eine Vielzahl von Simplexfrequenzen die Kommunikationsvielfalt erleichtern und gegenseitige Störungen vermeiden – und Echolink nicht ins Getto zwängen. Aber das haben die Funkamateure bei der RegTP ja auch schon bei der Vergabe der DA5U-Rufzeichen – als es um den automatischen Pactor-Betrieb ging – nicht verstanden. Es war ihnen keineswegs bewusst, dass nicht das DA5-Call auf Kurzwelle auftaucht, sondern das einsteigende Call, z.B. damals mit Klasse 2.

Das ganze Dilemma entsteht durch die Patchwork-Denke des DARC, die nach dem Motto "ONE MODE ONE FREQUENCY" gestrickt ist, und die von der RegTP kritiklos übernommen wird. Sie hält heute allerdings mit der Inflation der Betriebsarten nicht mehr Schritt.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) unsere besten Wünsche für die Weihnachtsfeiertage und gd dx für die vielen Weihnachtsconteste. Sie hören uns wieder am 26. Dezember – und am 2. Januar natürlich mit dem Jahresrückblick 2004.

Auf vielfachen Wunsch senden wir HamRadio 2day ab Januar 2005 um 10:45 Ortszeit auf 144,325 Megahertz in USB mit einer Big-Wheel-Antenne vom Standort Wermelskirchen aus mit dem Locator JO31OD. Es findet – wie bei allen Sendungen von diesem Standort – kein Bestätigungsverkehr statt.


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Hermann, DL1EEC