HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 164 / 2004 vom 26.12.2004

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

dl0agz@agz-ev.de


WEIHNACHTSWUNSCH

(hfs) Der neue Duden als umfassendes Standardwerk der deutschen Rechtschreibung ist in der Version "August 2005" auf dem Markt – auf der Grundlage neuer amtlicher Regeln mit 125.000 Stichwörtern.

Ich wünsche mir wie jedes Jahr auch diesmal, dass in der nächsten Ausgabe des Duden das Hauptwort AMATEURFUNK vorkommt. Der auf die Öffentlichkeitsarbeit so bedachte IARU-Vertreter in Deutschland hatte wohl die letzten Jahrzehnte keinen Duden mehr in der Hand gehabt. An die Adresse der Dudenredaktion sei die Anmerkung gerichtet, dass man einen Begriff, für den es sogar ein eigenständiges Gesetz gibt, nicht unter den Tisch fallen lassen kann.

Hermann, DL1EEC


WIR LEBEN

(hfs) bereits im vierten Jahrgang eines Rundspruchs für Funkamateure mit dem Markennamen HamRadio 2day. Dieses Magazin – es wird von der AGZ herausgegeben – hat zwischenzeitlich einen erheblichen Marktanteil und eine sehr gute Distribution, vor allem, wenn man die Reaktionen der Betroffenen auf investigative Beiträge analysiert.

Auch wenn das Highlight "ohne CW-Prüfung auf die Kurzwelle" mittlerweile Geschichte ist, hat dieser Umbruch – dank der AGZ – den Amateurfunkdienst in Deutschland wesentlich verändert. HamRadio 2day hat in den vergangenen drei Jahren dafür gesorgt, dass nichts unter den Tisch gekehrt wurde, niemand mehr sich der Verantwortung seines Handelns entziehen konnte und selbst die Behörde sich öfters unter dem verwaltungsrechtlichen Vergrößerungsglas wiederfand.

Vergleicht man die Mitgliederzahl der AGZ, die Hand voll Redakteure und die technische Ausstattung mit der Manpower und dem Potenzial anderer Vereine, so können wir nur allen Mitgliedern der AGZ für die Arbeit der letzten zehn Jahre ein SUMMA CUM LAUDE aussprechen.

Für 2005 haben wir uns nur das Machbare vorgenommen. Wir werden z.B. die effektive Strahlungsleistung in Wermelskirchen erhöhen, auf dem 2-Meterband HamRadio 2day in J3E senden und – wir arbeiten an einer technisch orientierten Version des AGZ-Rundspruchs: an
HamTech 2day.

Der Lobbyarbeit werden wir wie immer eng verbunden sein und wir werden Sie auch weiterhin über Wichtiges und weniger Wichtiges in lockerer Form unterrichten. Wir zeigen Ihnen, wo es im Amateurfunkdienst langgeht. Und bleiben Sie bitte weiterhin ein kritischer Zuhörer. Wir wünschen Ihnen und unseren Mitgliedern zusammen mit ihren Familien einen beschaulichen zweiten Weihnachtsfeiertag und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Geschäftsführung und Vorstand der AGZ e.V.


GASTKOMMENTAR: DER KLASSENKAMPF

(bh) zwischen den Amateurfunkzeugnisklassen 1, 2 und 3 wird langsam unerträglich. Neid und Missgunst nehmen zu und die Äußerungen zu diesem Thema nehmen für mich beängstigende Formen an.

Schön war doch die Zeit vor 1997, in der die Funkamateure der Klasse B alleine auf allen Bändern der Kurzwelle funken durften und sich durch "Bandeindringlinge" der Klasse A, außer auf 10 Meter und eingeschränkt auf 80 Meter, nicht stören lassen mussten. Davon scheinen viele heute noch zu träumen. Als "deutsche Hilfsfunker" wurden die Menschen, die sich hinter einem Delta-Hotel-Rufzeichen befanden, beschimpft – und das wegen "nur" 150 Watt Senderleistung, "nur" Tempo 30 und beschränkten Bändern und Frequenzen. Ekelhaft war und ist für viele heute noch, wie "einfach" Klasse A damals zu erreichen war. Und dass diese Hilfsfunker heute die Klasse 1 haben, ist schlicht eine Unverschämtheit.

Ganz arm dran waren OMs mit Klasse-C-Rufzeichen. Da fand die Fantasie in Bezug auf deren Verunglimpfung und der Menschen dahinter keine Grenzen. Heute gipfelt sie in Äußerungen wie: "Dass die Funker der Klasse 2, das ist ja die alte Klasse C, jetzt auf Kurzwelle dürfen, das ist das Gleiche, als ob man einem Hauptschüler das Abitur schenkt".

Es hat sich bis heute nichts, aber auch gar nichts geändert. Genau wie noch vor einigen Jahren bleiben die "alten Hasen" lieber unter sich. Beliebt sind Klasse-2-Rufzeichen nur in Bezug auf ihre QSL-Karte, die viele für das Erreichen eines Diploms noch dringend benötigen. Kontakt danach – Fehlanzeige!

Und nun der Hammer: Klasse 3, die so genannte Doofenlizenz, soll auf die Kurzwelle! Anstatt froh zu sein, dass die zukünftige Klasse E – immerhin lizenzierte FUNKAMATEURE – die Kurzwellenbänder richtig belebt, wenn auch nur mit 10 Watt Strahlungsleistung, und Deutschland aus dem Amateurfunktal der Tränen herausholt, stänkern die so genannten Hüter der Kurzwellenfrequenzen schon rum, bevor überhaupt irgendetwas feststeht.

Die Angst, der Amateurfunk könnte aussterben, kann man mit der Einrichtung einer Klasse E mit Kurzwellenberechtigung schnell bekämpfen: Denn angehende Funkamateure sind mit Kurzwellenzugang viel leichter zu begeistern, als mit den heutigen Bestimmungen, die das Experimentieren erschweren, ja fast unmöglich machen. Warum muss man 900 Fragen im Schlaf herunter beten können, um auf die Kurzwelle zu dürfen? Wegen 740 Watt mehr Senderleistung bestimmt nicht! Es geht auch mit weniger.

Die Interessen sind in unserem Funkdienst breit gefächert. Wer sich welchem Betätigungsfeld zuwendet, das steht jedem frei. Es handelt sich um Vertiefungen, die sich erst im Laufe der Zeit entwickeln. Wer sich für ganz spezielle Dinge interessiert, muss sowieso zur Fachlektüre greifen. Die fehlende Qualifikation ist also nur ein vorgeschobener Grund. Und egal, wie man seine Prüfung zum Erreichen einer Amateurfunkzeugnisklasse besteht, es muss jedem endlich deutlich werden, dass sich auch hinter einem Amateurfunkrufzeichen der Klassen 2 und 3 Menschen befinden.

Solange die größte deutsche Interessenvertretung ihre Mitglieder nicht zur Ordnung ruft und klar stellt, dass es keinen menschlichen Unterschied macht, ob jemand die Sendeart A1A beherrscht oder nicht, dass es für den Wert eines Menschen egal ist, welcher Schwierigkeitsgrad bei der Prüfung angewendet wurde, solange ist nach meiner Ansicht mit einer Verbesserung der Zustände nicht zu rechnen.

Viele haben wegen des starken Mobbings, nur weil sie das "falsche Rufzeichen" haben, das Handtuch geschmissen. Das soll fair und liberal sein? Für mich ist so etwas verachtend! Auch ich musste mich überzeugen lassen, dass nur ein liberaler Amateurfunk in Deutschland zukunftsfähig ist. Schauen wir doch einmal über unsere Landesgrenzen hinweg, z.B. in die Niederlande. Warum klappt es dort? Sind wir Deutsche so blöd, oder können wir nicht anders?

Bastian, DH1KBH


ZUM SCHLUSS: LESERBRIEF

(red) Frank, DF2EAN, schreibt uns zu unserem Beitrag über Echolinkfrequenzen auf 2-Meter:

"Hallo AGZ,

ich möchte erwähnen, dass die Zuteilung von Echolink nach meinem Kenntnisstand nur eine DL-weite Bedeutung hat. Laut IARU-Bandplan sind Frequenzen von 144,800 bis 144,990 Megahertz für digitale Aussendungen vorgesehen. Dass es zu Komplikationen kommen kann, war dem DARC bei seiner Frequenzfindung bekannt. Einige alteingesessene Packet-Radio-Stationen aus Deutschland und den Niederlanden belegen schon seit vielen Jahren diese Frequenzen. Plötzlich werden sie durch DTMF-Träger ohne Rufzeichennennung, durch Trägerdrücker und Tonrufe in ihrem Hobby gestört. Vernünftiger Packet-Radio-Betrieb ist teilweise nicht mehr ohne erhöhte Leistung möglich.

Des lieben Friedens willen wurden Versuche unternommen, die besagte Packet-Radio-QRG für den Echolinkbetrieb freizugeben. Aber auf jeder QRG unterhalb von 144,975 Megahertz befinden sich OV-Frequenzen und OV-Zweitfrequenzen, die von den OMs rigoros durch Betrieb verteidigt werden. Zahlreiche Streitereien waren die Folge. Deshalb wurde zurückgewechselt auf 144,975 Megahertz.

Wenn es der DARC schafft, seine Mitglieder von den digitalen Frequenzen fern zu halten, sind die Packet-Radio-Stationen sicher bereit, die so genannte Echolinkfrequenz freizugeben. Ich selber habe auf der Echolinkfrequenz noch kein 'richtiges' QSO via Internet-Kabel gehört."

Anmerkung der Redaktion: Nur weil am anderen Ende der Luftschnittstelle ein PC arbeitet und mittels TCPIP ins Internet geht, ist Echolink noch lange keine digitale Sendeart. Echolink ist und bleibt auf HF-Ebene schlicht analoges F3E.

Nächste Woche – im neuen Jahr – hören wir uns wieder: mit dem Jahresrückblick 2004.


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Ralph, DC5JQ