HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 168 / 2005 vom 30.01.2005

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

dl0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL: VERGESSEN – ODER SELEKTIV INFORMIERT?

(rps) Deutschlands größter Amateurfunkverein informierte diese Woche seine Mitglieder über seine Gedankengänge zu einer neuen Einsteigerklasse auf harmonisierter CEPT-Ebene: Der englische Verband RSGB habe federführend einige Anregungen zu deren Gestaltung zusammen getragen. Der DARC-Vorstand werde die Entwicklung begleiten – wie es heißt. Eine feste Position werde er jedoch nicht einnehmen, weil das einen Kompromiss erschweren könnte. Das war es dann. Ach ja, und die Inhalte? Gleich Null – bleibt nur die bange Frage, wie denn überhaupt ein Kompromiss zustande kommt, wenn niemand eine Position einnimmt. Aber das ist halt die bekannte DARC-Rhetorik.

Den Funkamateuren wird nicht gesagt, dass RSGB und IARU ohne Wenn und Aber für die Nutzung der Kurzwelle durch Einsteigerlizenzen eintreten, dass sie als wichtigstes Differenzierungsmerkmal allein die Senderleistung ansehen, dass sie eine Betriebs- und Praxis-orientierte Prüfung wollen und dass sie notfalls auch bereit sind, auf den Selbstbau zu verzichten – sollten das einige EU-Länder zur unverhandelbaren Bedingung machen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als die AGZ-Linie.

Ganz und gar nicht auf DARC-Linie dagegen sind Länder wie Großbritannien, Spanien, Portugal und Schweden, wo die Einsteiger seit Jahren ganz selbstverständlich die Kurzwelle nutzen dürfen. In meiner Sicht ist die Öffnung von Frequenzen unterhalb von 30 MHz die einzige Chance, die Einsteigerklasse als wirkliche Alternative zum CB-Funk zu etablieren: 10 Watt EIRP auf UKW und demnächst – nach der BEMFV-Novellierung – permanent mit einem Bein in der Ordnungswidrigkeit, das ist schlicht unattraktiv. Und das kann bald teuer werden, denn diese Strahlungsleistung ist mit gängigem Equipment nämlich Ruck-Zuck ehe man sich versieht überschritten – und legal machen kann man damit im Normal-QTH in bebautem Stadtgebiet sowieso kaum etwas – außer Relaisbetrieb mit diversen Pöbeleinlagen.

Kurzwelle für die kommende Klasse E wäre also eine wichtige Aufwertung – und eine Abgrenzung zum reinen Hobbyfunk. Warum sagt das Deutschlands größter Verein seinen Mitgliedern nicht? Einfach nur vergessen – oder gezielt selektiv informiert? Das ist hier die Frage.

Ralph, DC5JQ


ES IST WIEDER EA8-TIME

(red) Unser Redakteur Hermann, DL1EEC, ist wie jedes Jahr um diese Zeit wieder im wohl verdienten Urlaub in EA8. Wie immer, wird HamRadio 2day über Kurzwelle von dort abgestrahlt – auch schon heute. Hier die Frequenzen und Zeiten:

11:00 UTC – 21400 kHz und
11:15 UTC – 28400 kHz

alles in SSB. Gute Erholung und viel Kraft für die nächsten Ausgaben von HamRadio 2day!


DIE AMATEURFUNKVERORDNUNG STEHT

(rps) Es scheint tatsächlich soweit zu sein: Seit kurzem liegt eine Version der neuen Amateurfunkverordnung vor, die die Zustimmung des Justiz- und des Finanzministeriums gefunden hat. Sie ist allerdings nicht öffentlich und den Amateurfunkverbänden angeblich nicht bekannt gegeben worden.

Es bedarf nach uns vorliegenden Informationen nur noch einer allerletzten Korrekturlesung und der Unterschrift von Wirtschaftsminister Clement, dann erscheint die neue AFuV im Bundesgesetzblatt. Damit ist nach Aussage des Ministeriums bereits schon Mitte Februar zu rechnen.

Quelle: BMWA


DARC STELLT RELAIS-KOORDINIERUNG EIN

(red) Unter dem Rufzeichen DL0DL informierte der DARC e.V. am vergangenen Donnerstag im Packet-Radio-Netz über die vorläufige Beendigung seiner so genannten Vorkoordination von automatischen und fernbedient arbeitenden Amateurfunkstellen. Vorstandsmitglied Heinz-Günter Böttcher teilte der Regulierungsbehörde in einem Schreiben mit, dass der Verein in der nun endgültig festgezurrten Amateurfunkverordnung keine Rechtsgrundlage sieht, die bisher vom DARC vorgenommene Planung und Fortschreibung des Relais- und Digipeaternetzes fortzusetzen.

Eigentlicher Hintergrund ist, dass die Regulierungsbehörde ab sofort in jedem Fall nur noch anonymisierte Datensätze von Antragstellern an den privaten Club weiterleiten will. Damit kann dieser angeblich aber nicht arbeiten – und verweigert nun als Reaktion darauf gänzlich seine Mitarbeit.

Wie geht es nun weiter? Was geschieht mit Ihrem Relaisantrag? HamRadio 2day recherchierte diese Woche für Sie. Das Bundeswirtschaftsministerium ist der Auffassung, dass hier selbst von einer "Vorkoordination" nicht gesprochen werden darf. Auch dies sei nämlich schon eine rein hoheitliche Angelegenheit, die ohne Gesetzesgrundlage nicht an Private verliehen werden dürfe. Mit dem heutigen AFuG seien diesbezügliche vom DARC bzw. vom RTA gewünschte Regelungen in der AFuV nicht erlaubt. Wenn überhaupt, dann dürfe nur reines Knowhow extern auf Dienstleistungsebene quasi eingekauft werden. Unter keinen Umständen dürften dabei jedoch persönliche Daten gleich welcher Art übermittelt werden: eine ziemlich späte Erkenntnis.

Man tritt in Berlin dafür ein, dass der gesamte Aufgabenbereich der Koordinierung künftig allein von der zuständigen Fachbehörde, also von der RegTP, wahrzunehmen ist. In Sicht der AGZ e.V. ist dies ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung, denn allein eine staatliche Behörde ist in der Lage, unparteiisch und ohne Konflikt mit Vereinsinteressen vorzugehen. Erste Reaktionen aus der zuständigen RegTP-Außenstelle lassen vernehmen, dass man dies auch professionell und gerecht leisten könne. Da bleibt uns nur, viel Erfolg auf diesem richtigen Weg zu wünschen!


NEUE PRÜFUNGSFRAGEN IM VEREINIGTEN KÖNIGREICH

(rps) Ofcom, Großbritanniens Regulierungsbehörde, wird ab dem 1. März einen neuen Fragenkatalog und neue Prüfungsmodalitäten für die Advanced Licence, die zwischen der Einsteiger- und der CEPT-fähigen höchsten Klasse angesiedelt ist, verwenden. Die Anzahl der Fragen wird von 68 auf 62 reduziert, es wird ein Multiple-Choice-Verfahren eingesetzt – und der Schwerpunkt wird von Technik und Theorie hin zur Betriebspraxis verlagert. Auch gibt es erstmals eine Formelsammlung, die bei der Prüfung verwendet werden darf.

Die Details sind im Internet zu laden unter http://www.rsgb.org/full/advancedsyllabus.pdf.

Quelle: RSGB


ÖSTERREICHISCHE BEHÖRDE: POWERLINE STÖRT KURZWELLENFUNK

(red) Die Powerline-Technik (oder kurz PLC) für den Internet-Breitbandzugang per Stromnetz steht in Österreich vor neuen Schwierigkeiten. Da die zur Übertragung genutzten Stromkabel ungeschirmt sind, wirken sie wie sehr lange Antennen, was andere Telekommunikationsdienste stören kann. Dies haben mehrere im Dreimonatsabstand durchgeführte Messungen im Auftrag des Fernmeldebüros Oberösterreich in Linz an der Donau ergeben. Hier betreibt die Linz Strom AG Österreichs einzigen kommerziellen PLC-Dienst Speedweb und versorgt damit zirka 4000 Kunden. Die Behörde hat dem Betreiber nun aufgetragen, mittels technischer Maßnahmen die PLC-Anlagen so zu betreiben, dass Telekommunikationsanlagen nicht gestört werden. Die Linz Strom AG spricht allerdings nur von "einzelnen defekten Geräten" und hat gegen den Bescheid Berufung eingelegt. Nun muss Österreichs Vizekanzler Hubert Gorbach von der FPÖ entscheiden, bevor es eventuell vor die Gerichte geht.

Insbesondere Funkamateure beschweren sich schon lange über Störungen, die sie auf den Powerline-Dienst zurückführen. Die Auseinandersetzungen haben dem Österreichischen Versuchssenderverband auch schon gerichtliche Klagen des Netzbetreibers eingebracht. Die Fernmeldebehörde gibt, gestützt auf Gutachten eines Amtssachverständigen, den Funkamateuren nun indirekt Recht. Die gemeldeten Störungen seien zweifelsfrei auf die PLC-Anwendung der Linz Strom AG zurückzuführen. Aus funktechnischen Gesichtspunkten entspräche das Aufbringen hochfrequenter elektromagnetischer Wellen auf eine ungeschirmte Leitung mit Leistungen, wie sie für PLC erforderlich sind, nicht dem Stand der Technik.

Dipl.-Ing. Dr. Josef Heizinger, Vorstandsdirektor der Linz Strom AG, betont indes, Powerline sei "nicht von einer Abschaltung bedroht. Powerline bewegt sich auf gesicherter Rechtsbasis und funktioniert technisch hervorragend. Der gleichzeitige Betrieb von Powerline und Amateurfunkeinrichtungen ist problemlos möglich." Weiter heißt es in der Mitteilung des Unternehmens: "Eine kleine Gruppe nicht konsensbereiter Amateurfunker versucht, diese innovative und kostengünstige Technologie zu diskreditieren."

Linz Strom ist also nicht bereit aufzugeben – und die Sache geht den Instanzenweg. Es ist und bleibt spannend in der Alpenrepublik.

Quelle: Heise online


Vy 73
Ralph, DC5JQ