HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 170 / 2005 vom 13.02.2005

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autoren:

Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Michael Riedel, DG2KAR (mr)

 
 
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: GESCHICHTEN AUS DEM PACKET-RADIO-WALD

(hfs) sind alt. Bereits 1989 wurde das Betreiben einer Packet-Radio-Mailbox im Distrikt Nordrhein des DARC e.V. unter die Kuratel des Distriktsvorsitzenden gestellt und im darauf folgenden Jahr wurden im Ortsverband Remscheid (R13) die Schreibrechte in der OV-Box ausschließlich nur dem OVV gewährt. Vielleicht hat mich das alles nachhaltig geprägt und aus heutiger Sicht die Wurzel allen Übels gelegt.

Hat sich eigentlich seit dieser Zeit irgend etwas grundsätzlich geändert? Ich meine, die jüngsten Vorgänge um die Packet-Radio-Mailbox DB0SIF des Ortsverbands Schiffenberg bei Giesen zeigen klar und deutlich: Es hat sich nichts geändert. Der DARC beansprucht mittels seiner nur im Innenverhältnis existenten Untergliederungen – vor allem mittels deren Selbstverständnis – einen Alleinvertretungsanspruch für das Packet-Radio-Netz – quasi als sein privat-wirtschaftliches Eigentum.

Dabei verkennt der DARC gerade in Anbetracht des so genannten "Nürnberger Urteils", dass die dazu notwendigen Frequenzen ihm als Verein trotz seiner immensen wirtschaftlichen Leistung grundsätzlich nicht zugeteilt werden können. Sie sind alleine natürlichen Personen – ob organisiert oder nicht – zuerkannt worden, und zwar stellvertretend für die Allgemeinheit der Funkamateure, und ganz bewusst nicht einer Vereinsideologie. Auch die viel beschworene These des Gaststatus berechtigt nicht dazu, dieses Netz zum Beispiel für die gewerblich-wirtschaftliche Einsparung von Portokosten herzunehmen oder den Funkamateuren eine alleinige Vollmacht der Interessenvertretung vorzugaukeln.

Wenn dieses Kommunikationsnetz dann auch noch dazu herhalten soll, um berufliche Existenzen zu beeinträchtigen – geradezu beispielhaft ist hier der offene Brief von DL9MH zum Clubausschluss von DK8OK –, dann hört nicht nur bei mir der Spaß endgültig auf. Dann müssen Mechanismen greifen, die unter Umständen nicht auf das Amateurfunkgesetz beschränkt sind. Dazu zählen Gesetze aus dem IT-Bereich, dem Wirtschaftsrecht und auch aus dem Umfeld von steuerlichen Aspekten des Vereinsrechts. Es könnte dabei auch der Begriff der "offenen Sprache" auf den Prüfstand kommen. Darunter fallen z.B. Themen wie "JPEG-Bilder mit Steganografie", "WinLink-Vernetzung" und ganz allgemein die Internet-weite Emailvermittlung unter Nutzung von Pactor.

In einem innovativen Kommunikationsmarkt muss es möglich sein, Neues auszuprobieren und die Grenzen des AFuG-1997 voll auszuschöpfen. Nur – das muss dann für alle Funkamateure gleichermaßen gelten – und eine Zäsur kann nicht an der Mitgliedschaft im DARC, im VFDB oder bei der AGZ e.V. festgemacht sein.

Hermann, EA8/DL1EEC


DAS HANDY GEHT MIT INS GRAB

(red) Oder: Telefonieren mit den Toten. Die Geschäftsidee klingt absurd, doch der Erfinder Jürgen Bröther aus Osnabrück hat bereits drei Exemplare seiner Erfindung verkauft – zum Preis von je 1500 Euro. Bröther vertreibt Handys mit extrem langlebigen Batterien und einem kleinen Lautsprecher. Die Geräte stecken in einem Paket, das im Grab untergebracht wird. Das Angebot richtet sich an Hinterbliebene, die sich so Hilfe bei der Bewältigung ihrer Trauer versprechen.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk


KANADA LÄSST MORSETELEGRAFIE FALLEN

(rps) Industry Canada, die dortige Regulierungsbehörde, hat das Ergebnis einer öffentlichen Befragung der Funkamateure des Landes zur Abschaffung oder Beibehaltung der Prüfung in Morsetelegrafie bekannt gegeben: Eine überwältigende Mehrheit spricht sich für den CW-prüfungsfreien Kurzwellenzugang aus – nämlich mit genau 123 zu 19 Stimmen.

Industry Canada wird nun in den nächsten Wochen neue Amateurfunkbestimmungen formulieren, die neben anderen Veränderungen auch den vollständigen Wegfall der Telegrafieprüfung vorsehen. Den detaillierten Bericht können Sie im Internet laden unter

http://strategis.ic.gc.ca/epic/internet/insmt-gst.nsf/en/sf08280e.html

Quelle: Industry Canada


SÜDAFRIKA GEHT GANZ NEUE WEGE

(rps) Auch Südafrika lässt die Morseprüfung nun fallen. Allerdings hat man sich etwas besonderes einfallen lassen: Mit der Prüfung ohne CW bekommt man zunächst nur die Entry-Level-Licence mit dem Präfix ZR. Sie hat Einschränkungen bei der Nutzung des 20-, 15- und 10-Meterbandes, erlaubt ansonsten aber fast alles auf Kurzwelle. Die höchste Lizenzklasse mit dem Präfix ZS kann man erreichen, indem man entweder nachweist, 100 Funkkontakte durchgeführt zu haben, oder indem man mindestens 50 Stunden lang zur Kommunikation bei öffentlichen Veranstaltungen oder im Katastrophenschutz beigetragen hat, oder auch, indem man freiwillig eine Morseprüfung im alten Stil ablegt.


RECHTLICHER ASCHERMITTWOCH

(mr) Das Amtsgericht Bonn hat am 9. Februar erneut ein von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gegen einen CB-Funker aus Brühl im Rheinland eingeleitetes Bußgeldverfahren auf Kosten der Staatskasse eingestellt.

Dem Funker wurde vorgeworfen, im August 2004 ein im Frequenzbereich erweitertes CB-Funkgerät, dessen Senderleistung 5 Watt betrug, auf Kanal 1 über einen Zeitraum von etwa 30 Minuten unter Aussendung eines mit Musik modulierten Trägers betrieben zu haben. Dabei sei seine Funkstation nicht besetzt gewesen. Das Gericht beschränkte allerdings die Beweisaufnahme allein auf die Frage, ob der Betroffene tatsächlich über diesen Zeitraum hinweg Musik ausgesendet hat, und kam zu folgendem Ergebnis:

Gemeinsam mit seiner ebenfalls funkbegeisterten Ehefrau wollte er die Reichweite einer gerade neu gekauften Antenne testen. Die Antenne wurde provisorisch an der Garagenwand angebracht. Danach wurde ein CB-Funkgerät mit einem Musikträger in Betrieb genommen, weil zu dieser Tageszeit auf keinem der Kanäle andere Funkfreunde für einen Test erreichbar waren. Gemeinsam fuhren die beiden dann mit dem PKW in Richtung Vorgebirge, um die Reichweite der eigenen Testaussendung festzustellen.

Wieder daheim angekommen, beendeten sie die Aussendung. Zeitgleich klingelten zwei Beamte der Regulierungsbehörde an der Haustür und begehrten Einlass. Sie hatten den Sendebetrieb während einer Dienstfahrt festgestellt und das Signal angepeilt. Nach Vorzeigen der Dienstausweise wurde den Beamten der Zutritt gewährt. Der Hausherr übergab den Beamten ein CB-Funkgerät. Dieses wurde wieder angeschlossen, die Ausgangsleistung gemessen und danach sichergestellt.

Nach dem Plädoyer des Verteidigers stellte das Gericht das Verfahren aus Rechtsgründen ein. Nach Auffassung des Gerichts finden die Nebenbestimmungen aus Paragraf 3 Absatz 1 der allgemeinen Frequenzzuteilung für den CB-Funk – das ist die bekannte RegTP-Amtsblattverfügung 41/2003 – keine Anwendung, weil sie dem verfassungsrechtlichen Zitiergebot nicht genügen und ohne Ermächtigungsgrundlage ergangen seien. Die Allgemeinzuteilung wurde nämlich bereits im September 2003, und zwar auf Grundlage des alten Telekommunikationsgesetzes erlassen. Mit Verkündung des neuen TKG im Sommer 2004 ist diese Rechtsgrundlage weggefallen und wurde durch eine neue ersetzt. Das Aktenzeichen beim Amtsgericht Bonn lautet 75 OWi 740/04.

(red) Anmerkung der Redaktion: Bedeutet diese Position des Bonner Amtsgerichts nun, dass es zur Zeit gar keine Frequenzzuweisungen für den CB-Funk mehr gibt? Und keine mehr für FreeNet und PMR446 – und für vieles andere mehr? Bedeutet es, dass lediglich in einer Amtsblattverfügung niedergelegte Auflagen und Nebenbestimmungen bei ihrer Verletzung gar nicht zu einer Ordnungswidrigkeit führen können? Sind es statt dessen nur einfache Verwaltungsverstöße, die gar nicht vor ein Amtsgericht gehören? Schließlich ist die Frequenz an sich doch jedermann zugeteilt.

Fragen über Fragen – und einfach nur schade, dass das Gericht wieder einmal das Verfahren auf Kosten der Staatskasse und aller Rechtsschutzversicherten einstellte, anstatt den Beschuldigten mit sauberer Begründung frei zu sprechen – zumal bei dieser wirklich "ungeheuerlichen" Schwere des Delikts ...


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Wie viel Fingerspitzengefühl entwickelt eine Interessenvertretung, wenn sie Funkamateure infrastrukturell unterstützt, die ohne Scham Mobbing und berufliche Rufschädigung propagieren?


Vy 73,
Ralph, DC5JQ