HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 171 / 2005 vom 20.02.2005

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:

Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)

 
 
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

DIE NEUE AMATEURFUNKVERORDNUNG IST IN KRAFT

(rps) Die Never-Ending-Story ist zu Ende: Bereits seit gestern um Mitternacht gilt die novellierte AFuV in Deutschland. Sie ersetzt sowohl die alte AFuV aus 1998, als auch die bis dato noch gültigen Fragmente der DV-AFuG aus 1985. Auf unserer Website finden Sie die leider nicht druck- und editierbare Originalversion aus dem Bundesgesetzblatt und zusätzlich unsere eigene PDF-Variante, die man drucken kann und die in Zukunft bei Änderungen immer auf dem aktuellen Stand gehalten wird.

Was gibt es nun konkret an Neuerungen für die Funkamateure? Zunächst einmal wird die bisherige Einsteigerklasse 3 in Klasse E umbenannt. Sie behält ihre Frequenzzuweisungen bei 144 und 430 MHz – und bekommt lediglich den Bereich 10 bis 10,5 GHz als Sekundärzuweisung hinzu. Leider bleibt es überall bei 10 Watt EIRP. Hier hätten wir gerne mehr erreicht, vor allem den Kurzwellenzugang. Die alten Klassen 1 und 2 wurden zur neuen Klasse A gleichberechtigt zusammen gelegt. Sie allein entspricht der harmonisierten CEPT-Prüfungsbescheinigung HAREC und erlaubt den Sendebetrieb in vielen ausländischen Staaten.

Dies bedeutet unter anderem, dass alle ehemaligen Zweit- und C-Klässler nun uneingeschränkt über die CEPT-Rechte verfügen und in allen Staaten, die das CEPT-Abkommen anerkennen, auf der Kurzwelle senden dürfen – also auch in denjenigen Ländern, wo die CW-Prüfung noch fortbesteht, wie z.B. in Italien. Im übrigen wird die Regulierungsbehörde auch in Zukunft auf Wunsch eine freiwillige CW-Prüfung anbieten und ihr Bestehen bescheinigen, sollte dies im Ausland für eine Genehmigung außerhalb des CEPT-Rahmens noch verlangt werden.

Kommen wir zu den Betriebsrechten. Hier hat es einige wichtige Änderungen gegeben – sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten. Auf Langwelle 135,7 bis 137,8 kHz ist nun ein Watt effektive Strahlungsleistung zulässig. Die Betriebsstandorte sind der RegTP anzuzeigen.

Auf 160 Meter, und zwar nur von 1810 bis 1850 kHz, sind ab sofort 750 Watt erlaubt, von 1850 bis 1890 kHz sind es wie bisher 75 Watt und ganz neu zugeteilt – jedenfalls in den alten Bundesländern – ist der Frequenzbereich 1890 bis 2000 kHz, allerdings nur mit 10 Watt PEP und Sekundärstatus. Contestverbot herrscht seit gestern von 1850 bis 2000 kHz. Damit sind in Deutschland 160-Meter-Wettbewerbe nur noch auf den ersten 40 kHz legal. Allerdings bleibt uns das Ministerium eine Definition schuldig, was denn Contestbetrieb überhaupt ist. Auch im übergeordneten Amateurfunkgesetz findet man diesen Begriff nicht. Das kennt nur den Verkehr von Amateurfunkstellen untereinander.

Contestverbot soll darüber hinaus auch im 30-Meterband herrschen. Leider gilt nun für den Bereich 10,1 bis 10,15 MHz bundesweit eine Leistungsbegrenzung von 150 Watt PEP. Die Anhebung auf 300 Watt – wie bisher in den neuen Bundesländern – konnten wir nicht durchsetzen.

Auf den Kurzwellenbändern unterhalb von 28 MHz ist ab sofort der Betrieb in Amplitudenmodulation – also in A3E – untersagt, weil die Bandbreite der Aussendungen dort auf 2,7 kHz beschränkt wurde. Im 28-MHz-Band beträgt die maximale Bandbreite nun 7 kHz. Ob damit der FM-Betrieb mit im Markt erhältlichen Transceivern noch erlaubt ist, das ist mehr als fraglich. Allerdings ist auch die Rechtmäßigkeit dieser Einschränkungen in einem Experimentalfunkdienst genauso fraglich. Übrigens gibt es jetzt keine Vorgaben zu den Sendearten mehr – nur die maximale Bandbreite ist vorgeschrieben. Z.B. ist auf 160 Meter nun Pactor, PSK31 und SSTV erlaubt.

Bei 50 MHz bleibt es auf Drängen des Militärs beim Erfordernis einer Sondergenehmigung. Im Teilbereich 1247 bis 1263 MHz des 23-Zentimeterbandes gilt nun tatsächlich – trotz massiver Proteste vor allem der Satellitennutzer – ein Grenzwert von nur 5 Watt EIRP zum Schutz von Radarinstallationen. Außerdem dürfen dort ab sofort keine automatischen oder fernbedienten Amateurfunkstellen mehr arbeiten.

Kommunikationsexperimente mittels Licht sind nun auch offiziell Amateurfunk. Oberhalb von 275 GHz sind etliche Segmente im extrem kurzwelligen Mikrowellenbereich und im fernen Infrarot zugewiesen, genauso wie der gesamte Spektralbereich oberhalb von 956 GHz, dem eine Wellenlänge von 314 Mikrometer entspricht. Übliche Laserdioden und Lasersysteme im Sichtbaren und nahen Infrarot können jetzt freizügig verwendet werden.

Zur Störfallregelung. Das Bundeswirtschaftsministerium hat – wie erwartet – keine wirklich eigenständige Regelung für den Amateurfunk erlassen und verweist statt dessen auf die entsprechenden Bestimmungen des Gesetzes über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten. Dieses Gesetz beschränkt sich in diesem Zusammenhang auf die behördliche Feststellung, ob die an einem Störfall beteiligten Geräte ihren jeweiligen verwaltungsrechtlichen Vorschriften bzw. Normen entsprechen. Wenn nein, dann werden die notwendigen Auflagen und Anordnungen sowohl gegenüber dem Nachbarn, als auch gegenüber dem Funkamateur erteilt, und wenn ja, dann wird sich die Behörde schlicht zurück ziehen und den Fall dem Zivilrecht überlassen müssen.

Lediglich bis zur Aufklärung oder Beseitigung der Ursache der Störung kann die Regulierungsbehörde künftig gegenüber dem Funkamateur die Sperrung bestimmter Frequenzbereiche, die Absenkung der Senderleistung oder weitere Maßnahmen anordnen. Diese Bestimmung ist in unserer Sicht allerdings nur solange mit übergeordnetem Recht vereinbar, wie das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Hier ist die RegTP in der Pflicht, Augenmaß, Verantwortung und Objektivität zu praktizieren. Nicht mit übergeordnetem Recht vereinbar ist dagegen die in der neuen AFuV enthaltene Verpflichtung, sich durch angeordnete Testaussendungen eventuell selbst zu belasten und damit Nachteile herbeizuführen, meinen jedenfalls wir in der AGZ.

Insgesamt ist die neue Störfallregelung dennoch ein Fortschritt: Sie stempelt den Funkamateur nicht mehr von vorne herein zum Verlierer und sie reduziert die Rolle der Behörde auf das, was unsere Rechtsordnung vorsieht: nämlich auf die Beziehung zwischen Staat und Bürger. In den nachbarlichen Beziehungen zwischen einzelnen Bürgern hat eine Behörde nämlich nichts zu suchen. Dafür sind die Zivilgerichte da.

Auch die zum Teil sehr hohen Gebührensätze konnten wir nicht verhindern: Ab 2008 kostet eine Prüfung zur Klasse A 110 Euro, die Zuteilung des persönlichen Rufzeichens 70 Euro und die freiwillige Morseprüfung 80 Euro. Das Ausbildungsrufzeichen schlägt mit 70 Euro zu Buche, die Clubstation mit 110 Euro und ein Relaisrufzeichen gar mit 200 Euro. Die Anordnung der Einschränkung des Betriebs soll 160 Euro kosten.

Nächste Woche gehts weiter – und anderem mit den Bestimmungen zu automatischen und fernbedienten Amateurfunkstellen.


ES GEHT ABWÄRTS

(rps) Interessante statistische Aspekte offenbart der am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Jahresbericht 2004 der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post: Die Zahl der Funkamateure in Deutschland ging innerhalb nur eines Jahres um 925 zurück; am Stichtag 31. Dezember 2004 gab es genau 77382 OMs und YLs. Das sind immerhin 1,2 Prozent weniger. Und nicht nur das – diese Rate hat sich gegenüber dem Mittelwert der Jahre 2001 bis 2003 mehr als verdoppelt – ein bisher nie da gewesener Schwund, der sich offenbar beschleunigt.

Den stärksten Einbruch musste Zeugnisklasse 1 hinnehmen: Sie verlor 2,3 Prozent und liegt nun bei 41061 Genehmigungsinhabern. Klasse 2 verlor dagegen nur 1,3 Prozent mit jetzt 30499 Personen. Einsteigerklasse 3 riss einiges wieder raus: Sie legte mit plus 7,6 Prozent kräftig zu und steht bei 5822 persönlichen Rufzeichen – das sind immerhin bereits 7,5 Prozent aller Funkamateure.

Einen ziemlich überdurchschnittlichen Einbruch verzeichnete die Anzahl der insgesamt schon erschreckend wenig zugeteilten Ausbildungsrufzeichen: Sie ging um 112 Stück auf 759 zurück – ein Verlust von 12,9 Prozent. Die Zahl von 2536 Clubrufzeichen und 1069 Relais- und Digipeatercalls stimmt in etwa mit dem Vorjahr überein. Gewaltig innerhalb nur eines Jahres angestiegen ist dagegen die Anzahl der mit dem militärischen Primärnutzer durchgeführten Abstimmungsprozesse bei automatischen und fernbedienten Amateurfunkstellen: Sie stieg von 175 auf 275 – ein Plus von 57 Prozent.

Sie können den Jahresbericht der Regulierungsbehörde im Internet laden unter

http://www.regtp.de/imperia/md/content/aktuelles/jb2004.pdf

Quelle: RegTP


AMATEURFUNK AUF DER NÄCHSTEN WELTFUNKKONFERENZ

(rps) Am vergangenen Mittwoch tagte bei der RegTP in Mainz erstmals der neu eingerichtete Arbeitskreis 2 der Nationalen Gruppe zur Vorbereitung der WRC-07. Die AGZ e.V. war vor Ort für den Amateurfunk vertreten. Es gibt dieses Mal nur zwei für unseren Funkdienst wichtige Tagesordnungspunkte: eine beabsichtigte weltweite Sekundärzuweisung des Frequenzbereichs 135,7 bis 137,8 kHz Langwelle und die Überprüfung aller Zuweisungen im Bereich von 4 bis 10 MHz Kurzwelle.

Während die Langwellenpläne allgemeine Unterstützung fanden, könnte die andere Sache schwierig werden. Ziel ist nämlich weiterhin, eine 300 kHz breite und weltweit einheitliche Zuweisung im 40-Meterband zu bekommen. Das wurde bekanntlich auf der WRC-03 seinerzeit nicht in vollem Umfang erreicht. Die CEPT unterstützt diesen Wunsch auf Ebene der europäischen Verwaltungen, während es aus den Reihen des Rundfunks und der Militärs naturgemäß keinen Beifall gibt. Die AGZ regte zusätzlich an, dem Amateurfunk Frequenzen bei 5 MHz auf sekundärer Basis zumindest in Form einer nationalen Fußnote zuzuweisen, wie dies bereits seit längerem in einigen Staaten Europas der Fall ist.

Die nächste Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion ITU soll vom 8. Oktober bis zum 2. November 2007 in Genf stattfinden.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ