HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 174 / 2005 vom 13.03.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:

Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)

  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
 
 
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: PROFESSIONELL

(hfs) auftreten sollten Funkamateure schon – vor allem, wenn sie als Mitglieder des größten Amateurfunkverbandes den besten Mitgliederschutz genießen und dennoch wegen falsch verstandenem Umweltbewusstsein nahezu kriminalisiert werden: Ich spreche vom Fall Dittelbrunn.

Professionell sollten auch öffentliche Arbeitsgerichtsprozesse gegen Sozialpartner geführt werden, wenn sie denn überhaupt nötig sind und wenn sie eine flächendeckende Ausstrahlung auf die gesamte Branche der Funkamateure in Deutschland haben. Ich spreche von einer halben Million Abfindung für einen einzigen Mitarbeiter unter dem Dach eines gemeinnützigen Vereins: vom Fall Häfner, der auch Tagesordnungspunkt während der gestrigen Distriktsversammlung Nordrhein war.

Professionell sollten auch Anwälte auftreten, die ihre Mandanten vertreten und dennoch leider im Ergebnis zum Vorteil der Gegenseite ihren Terminkalender verlegen oder den für den Mandanten zielorientierten Vortrag vergessen. Ich spreche vom Fall Roland Neumann.

Professionell sollten auch Funkamateure mit ihrer Amateurfunkstation umgehen – vor allem, wenn sie durch Nichtabgabe verbindlich behaupten, weniger als 10 Watt effektive isotrope Strahlungsleistung zu machen. Die sollten sie dann auch tunlichst nicht überschreiten und nicht derart exzessiv übers Ziel hinausschießen, dass Nachbar's Elektronik unfreundlich reagiert und die RegTP bei allem Good Will zum Nachteil des Funkamateurs handeln muss.

Professionalität, Offenheit und Ehrlichkeit sind offensichtlich Tugenden, die in unserer Gesellschaft im Allgemeinen und beim Funkamateur im Besonderen nachgeschult werden müssen.

Hermann, DL1EEC


FREENET WIRD VERLÄNGERT

(rps) Die Funkanwendung für Sprachkommunikation mit Handsprechfunkgeräten über kurze Entfernungen – kurz "FreeNet" genannt – lebt länger als ursprünglich geplant. Diese rein deutsche und nicht europäisch harmonisierte Frequenznutzung bei 149 MHz sollte ursprünglich Ende dieses Jahres auslaufen. Da die Frequenzbedarfsabfrage vom Sommer letzten Jahres keine anderen interessanten Nutzungswünsche hervorbrachte, verfügte die Regulierungsbehörde in ihrem aktuellen Amtsblatt nun die Verlängerung bis zum 31. Dezember 2015. Die Verfügung hat die Nummer 5/2005.

Hier die wesentlichen Parameter von FreeNet: Die Frequenzen sind 149,025, 149,0375 und 149,050 MHz bei einer maximalen Bandbreite von 12,5 kHz und einer Leistung von höchstens 500 mW ERP. Unter diesen Auflagen können die FreeNet-Frequenzen von jedermann freizügig genutzt werden.


SPRENGSTOFF

(hfs) gab es gestern während der Distriktsversammlung Nordrhein des DARC e.V. in Velbert. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Willich (R17), Johannes Heep, DJ5DM, forderte den nicht anwesenden Vorsitzenden des DARC auf, sein Amt niederzulegen.

Grund dafür sei die ethisch bedenkliche Behandlung des ehemaligen Geschäftsführers Bernd Häfner, die Schädigung des Ansehens deutscher Amateurfunkverbände und die Höhe der eingesetzten Geldmittel von mehr als einer halben Million Euro.

Entgegen der Meinung des ehemaligen Distriktsvorsitzenden Rolf Kühn und des derzeitigen Vorsitzenden Peter Kern gelang es dem OVV von R17, im Protokoll der Sitzung die Rücktrittsforderung dokumentieren zu lassen. Auffällig war für ihn auch, dass die Versammlung sich lieber mit dem Thema der Nutzung der Frequenz 145,450 MHz beschäftigte, als mit den in seinen Augen wichtigen Dingen des Amateurfunkansehens in der Öffentlichkeit.

Johannes Heep sieht eine nicht erklärbare Diskrepanz zwischen einem Zwischenzeugnis, das der DARC seinerzeit Bernd Häfner ausstellte, und den aktuellen Erklärungen des DARC-Vorsitzenden. Johannes Heep bietet an, Ihnen eine Kopie des Zeugnisses zuzusenden, wenn Sie ihm eine Email unter DJ5DM@aol.com schreiben. Das Interview mit DJ5DM wurde von DL1EEC am 12. März 2005 um 20:30 MEZ geführt.


ELEKTROSENSIBEL

(hfs) Die RegTP bearbeitet in NRW einen so genannten Störfall – nämlich eine ganz spezielle Art von Kollision zwischen einem Funkamateur und dessen Nachbarn. Der Nachbar klagte über eine angebliche negative gesundheitliche Beeinflussung durch die Aussendungen des Funkamateurs – eine Elektrosensibilität – und die RegTP musste zwangsweise ausrücken, um beim Funkamateur zu messen.

Dabei ergab sich, dass der Funkamateur zwar eine Anzeige nach BEMFV abgegeben hatte, diese allerdings inhaltlich während seines Funkbetriebs nicht einhielt. Die RegTP machte ihm zur Auflage, seine Anzeige zu vervollständigen. Sie rechnete dabei positiv an, dass er die geltenden Feldstärkegrenzwerte trotz abweichender BEMFV-Anzeige dennoch eingehalten hatte.

Der Fall hat zwei interessante Aspekte:

1. Offenbar sieht die RegTP derzeit nach eigenem Verständnis keine Rechtsgrundlage, in einem solchen Fall dem Funkamateur Kosten aufzuerlegen.

2. Im Kollisionsfall prüft die RegTP auch die Herzschrittmachergrenzwerte und deren Einhaltung, selbst wenn der Funkamateur andere Angaben gemacht hatte. Solange er unter den Grenzwerten bleibt, legt die Behörde zu niedrige Leistungsangaben und Unvollständigkeiten als "Fehler bei der Anzeige" aus. Bei Überschreitung der Grenzwerte auf nicht kontrollierbarem Gebiet allerdings würde sie das als Täuschung interpretieren.

Insgesamt zeigt dieser Fall ein sehr kundenfreundliches Muster. Vielleicht haben aber auch die häufig verlorenen Gerichtsverfahren der letzten Jahre der Führungsebene der RegTP gezeigt, dass der Einsatz gesunden Menschenverstandes zielorientierter ist. Allerdings müssen Funkamateure damit rechnen, dass die Behörde bei vorschriftswidrigem Betrieb einer Amateurfunkstelle jetzt sehr schnell mit der ihr in der Anlage zur BEMFV eingeräumten Gebührenerhebung von 100 bis 2000 Euro auf eine vollstreckbare Basis kommen wird.


WIRTSCHAFTSMINISTERIUM NEU STRUKTURIERT

(rps) Neue Etiketten machen sich immer gut. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit letzte Woche seine Abteilung VII neu benannt: Sie heißt nun "Informations- und Kommunikationstechnologie, Medien und Post" – anstatt schlicht "Telekommunikation und Post" wie bisher. Der Amateurfunkfunk bleibt in der Unterabteilung VIIB angesiedelt, die nun "Informationsgesellschaft und Medien" heißt. Das zuständige Referat heißt nun VIIB6 mit dem Titel "Medienwirtschaft und besondere Fragen der Informations- und Kommunikationstechnologie". Die handelnden Personen dort bleiben allerdings dieselben und auch in Berlin.

Was heißt das nun für uns? Ist doch klar: Der Amateurfunk ist vor allem ein integraler Teil der Informations- und Kommunikationstechnologie und zudem in der Nähe moderner Medien innerhalb der Informationsgesellschaft angesiedelt. Bei dieser Aktion des BMWA ist wohl eine Riesenmenge antiquierter Muff davon geflogen. Glückwunsch!


DER SSTV-UMSETZER DF0AGZ

(rps) ist seit letzten Freitag vom Standort JO31OE in Remscheid QRV. Die Frequenz ist 144,900 MHz und die Strahlungsleistung beträgt 10 Watt ERP. Versuchen Sie es einfach einmal: Aktivieren Sie DF0AGZ mit einem 1750-Hz-Ton, warten Sie die Quittung ab und senden Sie Ihr SSTV-Bild. DF0AGZ wird es anschließend auf derselben Frequenz wieder abstrahlen. Empfangsberichte und Anmerkungen erbitten wir an dl0agz@agz-ev.de.


EINE NEUE TAKTIK

(hfs) hat sich die RegTP bei Streitigkeiten mit Funkanwendern ausgedacht, sobald sie in Beweisnöte kommt: Sie stellt das Verfahren einfach ein oder nimmt den Bußgeldbescheid zurück, z.B. beim Schwarzsenden. In einigen Fällen der jüngeren Vergangenheit blieben diese vermeintlichen Gewinner von Rechtsstreitigkeiten allerdings auf ihren eigenen Anwaltskosten sitzen, da der Fall noch nicht vor Gericht bzw. der Staatsanwaltschaft übergeben war. Der Rechtsstaat wurde quasi auf dem Rücken des "Gewinners" gebeugt.

Bei den so genannten Ordnungswidrigkeitenverfahren ist also zu überlegen, erst dann eigene Kosten zu verursachen, wenn die Sache vor einem Gericht anhängig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten Sie erwägen, das Heft des Handelns der Gegenseite zu überlassen. Achten Sie aber darauf, bei Widersprüchen und Einreden keine Termine zu verpatzen. Sobald Ihr Fall bei einem ordentlichen Gericht ansteht, können Sie alle Ihnen entstandenen Kosten der Gegenseite in Rechnung stellen – natürlich nur dann, wenn Sie gewinnen.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC