HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 186 / 2005 vom 05.06.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
  Bastian Hengsbach, DH1KBH (bh)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

DIE AGZ NAHM STELLUNG

(rps) und zwar zu den im April veröffentlichten RegTP-Amtsblattmitteilungen, die sich mit Einzelheiten zur Durchführung der Amateurfunkprüfungen und zur Rufzeichenzuteilung fernbedienter und automatisch arbeitender Amateurfunkstellen beschäftigen. Lesen Sie die ausführlichen Texte auf unserer Website unter der Navigation "Statements". Wir möchten sie im Folgenden kurz zusammenfassen.

Die AGZ betont gegenüber der Regulierungsbehörde, das Amateurfunkgesetz lasse es in seiner jetzigen Form nicht zu, dass private Rechtspersonen Amateurfunkprüfungen oder Teile davon durchführen. Wir sehen in der nunmehr gewählten Form, Prüfungsausschüsse zu bilden, eine hinreichende Beteiligung der Amateurfunkverbände und einzelner Funkamateure. Eine Verlagerung der direkten Verantwortlichkeit etwa an private Vereine würde aus unserer Sicht ein enormes Konfliktpotenzial schaffen und kann wegen schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit im Rahmen der so genannten Vorkoordinierung von Relaisfunkstellen nicht gut geheißen werden. Wer dennoch Amateurfunkprüfungen in die Hand von privaten Vereinen legen möchte, der muss zuerst zum Deutschen Bundestag bzw. zu den Parteien gehen und für eine entsprechende Änderung des Amateurfunkgesetzes Mehrheiten finden.

Betreffend fernbediente und automatisch arbeitende Amateurfunkstellen leitet die AGZ aus dem Amateurfunkgesetz ab, dass ein weiteres Rufzeichen ausschließlich kennzeichnende Funktion hat und dass sich das mit diesem Rufzeichen verbundene Recht zur Nutzung von Frequenzen nicht von demjenigen personengebundener Rufzeichen unterscheidet. Das bedeutet, dass jeder Funkamateur einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf die Zuteilung eines entsprechenden Rufzeichens besitzt.

Das geltende Amateurfunkgesetz gibt zudem keine Grundlage her, ein wie auch immer gestaltetes Koordinierungsverfahren oder eine so genannte standortbezogene Verträglichkeitsprüfung oder gar eine anlagen- bzw. standortbezogene Genehmigungssystematik im Amateurfunkdienst durchzuführen.


DER STEIN DES ANSTOSSES

(hfs) Der "Runde Tisch Amateurfunk" mobbt die AGZ in seiner Stellungnahme vom 25. Mai gegenüber der Regulierungsbehörde:

"Dieser immens geleistete Arbeitsaufwand ist in Gefahr, da ungenügend koordinierte automatisch und fernbedient arbeitende Amateurfunkstationen ein außerordentliches Konfliktpotenzial bieten, wie aktuell am Beispiel einer Echolinkstation im Distrikt Nordrhein zu sehen ist."

Die technische Betriebsart Echolink fördert in entscheidendem Masse die internationale Völkerverständigung bei einer gleichzeitigen massiven Reduktion elektromagnetischer Feldstärken – und erfüllt damit eines der zentralen Ziele des Amateurfunkdienstes weltweit! Der vom RTA als Nachteil dargestellte Vorteil der Echolinksysteme ist pikanterweise die vermehrte Nutzung einer Frequenz. Das zu unterbinden kann nicht Ziel des Amateurfunkdienstes sein.

Der RTA sollte sich besser darauf besinnen, dass der Amateurfunkdienst für alle 78.000 Funkamateure in Deutschland da ist und nicht nur für die – ohne Doppelzählung – 48.000 von ihm vertretenen Mitglieder. Offensichtlich aber hat der RTA das Amateurfunkgesetz von 1997 in seiner nach oben offenen Liberalität noch gar nicht wahrgenommen und verharrt sowohl technologisch als auch ideologisch auf dem Stand der frühen achtziger Jahre. Anders ist sein Missverständnis transparenter Modi nicht zu erklären: mehr dazu in HamRadio 2day 187.

Hermann, DL1EEC


DAS ERSTE RUFZEICHEN

(red) nach der Veröffentlichung des neuen Rufzeichenplans mit einem mehr als dreistelligen Suffix wurde diese Woche Till Uhde, DL9JT, zugeteilt: Mit DQ10AGZ soll das zehnjährige Bestehen der AGZ e.V. im August 2006 auf den Bändern begleitet werden.


BRITISCHER REGULIERER SCHLÄGT LIZENZEN AUF LEBENSZEIT VOR

(rps) Ofcom, Großbritanniens Regulierungsbehörde, will die Verwaltung des Amateurfunkdienstes verschlanken und schlägt vor, Amateurfunkgenehmigungen künftig lebenslang zu vergeben sowie anstatt einer Urkunde aus Papier ein kostenloses elektronisches Dokument via Internet auszuhändigen. Damit könnte eine große Menge Geld gespart werden, so Ofcom, sowohl beim Staat als auch beim Funkamateur.

Ofcom betont, dass man keinesfalls daran denke, den Amateurfunk ohne Prüfung und ohne Einzelgenehmigung für jedermann frei zu geben. Dies wurde nämlich vom britischen Amateurfunkverband RSGB eingewendet, der in der Lizenz auf Lebenszeit schon gleich den Einstieg in den Ausstieg und den Untergang des Amateurfunks sah. Man zog seitens dieser Interessenvertretung alle möglichen Argumente gegenüber Ofcom heran, um den heute im Vereinigten Königreich noch vorgeschriebenen jährlichen Verlängerungsantrag mit immer wieder aufs Neue anfallenden Kosten in Höhe von 15 britischen Pfund weiterhin zu behalten: Sogar die nationale Sicherheit sei in Gefahr – die RSGB verwies explizit auf den 11. September 2001, sollte Großbritannien Lizenzen auf Lebenszeit ausstellen. Und sogar die Frequenzen seien langfristig gefährdet, wenn man nicht jedes Jahr einen neuen Antrag stellen muss – eine seltsame Logik.

Dies alles wurde seitens der Behörde nun zurück gewiesen: Schließlich gibt es die lebenslange Lizenz ja schon lange in anderen europäischen Staaten – in Deutschland z.B. seit 1949, ohne dass die nationale Sicherheit zusammenbricht und ohne, dass der Amateurfunk Schaden leidet. Ofcom betont, dass das Ziel allein die Verschlankung der Verwaltung ist – und nicht, den Funkamateuren Rechte zu nehmen. Der Lizenzentzug bei Verstößen sei schließlich unabhängig von der Gültigkeitsdauer weiterhin möglich.

Quellen: RSGB, Ofcom und Radio Nederland

Anmerkung der Redaktion: Die Tendenz, gesetzlich verankerte Rechte durch Vereinsinteressen zu verschlechtern, scheint bei so genannten "Interessen vertretenden Amateurfunkverbänden" in Deutschland ihre Anleihe zu nehmen.


DEM AMATEURFUNK EINEN BÄRENDIENST

(bh) erwiesen hat der Vorsitzende von Westlink e.V., das ist Ralf Jansen, DG1TV ex DO1KK, indem er sich am 29. Mai gegen 16:00 Uhr auf der Frequenz 145,450 MHz in die Phalanx der "Anti-Echolink-Hooligans" einreihte und einer DARC-Clubstation aus Langenfeld die Frequenz und die Nutzung des dort ansässigen Simplex-Gateways DB0AGZ verwehrte. Dabei wusste er ganz genau, dass die Gateways Düsseldorf und Bergisch Gladbach auf 144,975 MHz in Langenfeld nicht zu hören sind.

Was DG1TV allerdings nicht wusste: Die Station aus Langenfeld war eine Eventstation und sollte bei vielen Zuhörern vor Ort für den Amateurfunkdienst werben. Dass man mit solch rüdem Gehabe nur verlieren kann und dass so etwas bestimmt kein Aushängeschild für den Amateurfunkdienst ist, das sollte Ralf aufgrund seiner persönlichen Vergangenheit schon wissen.

DG1TV hat DB0AGZ nicht geschadet; er hat auch nicht der AGZ geschadet, er hat vielmehr dem Ortsverband Langenfeld im DARC und dem Ansehen des Amateurfunkdienstes in der Öffentlichkeit geschadet!

Bastian, DH1KBH


REGULIERUNGSBEHÖRDE FORDERT KOHLE

(rps) Der niederländische Online-Dienst "etherpiraten.com" berichtet, dass die deutsche Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post von den Betreibern des UKW-Piratensenders "Koning Keizer Admiraal" – wir berichteten im Dezember – nun ein hohes Bußgeld eintreiben will. Die Forderung soll sich auf 53.500 Euro belaufen.

"Koning Keizer Admiraal" war während einer Marathonsendung am 11. Dezember 2004 auf 97,0 MHz an der deutsch-niederländischen Grenze bei Bad Bentheim ausgehoben worden. Seinerzeit hieß es, die Behördenvertreter hätten keine Personalien aufgenommen – bei der Piraten-Party war nämlich eine größere Menschenmenge vor Ort. Es stellt sich also die Frage, an wen denn der Bußgeldbescheid zugestellt worden ist. Andererseits gilt "etherpiraten.com" im Allgemeinen als gut informierte Quelle. Ihr zufolge will "Koning Keizer Admiraal" nun rechtliche Schritte unternehmen, um gegen das Bußgeld anzugehen, das mindestens ebenso rekordverdächtig hoch ist wie der seinerzeit aufgebaute, mehr als einhundert Meter aufragende Antennenmast und die damit erzielte Reichweite des UKW-Rundfunkpiraten.

Quellen: www.vogelfreiesradio.de und www.etherpiraten.com


ZUM GUTEN SCHLUSS: HAM RADIO 2005

(red) Diskutieren Sie statt mit Keyboard und Maus einfach einmal live mit uns: am Stand der AGZ auf dem Gelände der Neuen Messe Friedrichshafen am Bodensee vom 24. bis zum 26. Juni. Sie finden uns in Halle A1 am Stand 617, direkt gegenüber DIFONA und neben SWISSLOG.


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Hermann, DL1EEC