HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 187 / 2005 vom 12.06.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

DER TRANSPARENTE MODUS

(hfs) automatischer und fernbedienter Amateurfunkstationen stellt Funkamateure mit deutschem Zeugnis zunehmend vor Verständnisprobleme, deren Ursache in der Ausbildung liegt. Noch immer liegen dort die Schwerpunkte auf traditionellen statt auf modernen digitalen Betriebsarten mitsamt deren Vernetzungstechniken. Hört man auf vernetzten Repeatern zu und konfrontiert sich mit den Gesprächsinhalten, dann scheint es, dass in den Augen der Funkamateure erstens Relaisfunkstellen nur für Mobilisten da zu sein haben und zweitens Simplexfrequenzen eine exklusive Pacht für OV-Frequenzen an die entsprechenden Vereine zahlen. Mit dieser Geisteshaltung der frühen 80er Jahre können wir im 21. Jahrhundert bestimmt nicht punkten.

Noch folgenreicher wird diese antiquierte Verhaltensstruktur, wenn Vernetzungsmedien sich auf drahtgebundener Basis anbieten. Hier sind die abwehrenden Reaktionen teilweise schon militant und führen oftmals zu Beleidigungen der Gesprächsteilnehmer, wenn diese mittels Internettechnik auf Simplexfrequenzen auftauchen. Analysiert man dieses Unbehagen, dann kommt man schnell zu den eigentlichen Motiven: Man will erstens unter sich bleiben und man will zweitens überregionale Anbindungen Satelliten und der Kurzwelle überlassen. Technologisch befinden sich diese Positionen allerdings auf der Ebene der Quarzgräber.

Richtig wäre es, auf Simplexfrequenzen nicht nur drahtgebundene oder drahtlose Netze anzubinden, sondern auch digitale Datenströme. Technisch ist es bereits heute möglich – siehe z.B. DAB und DRM –, seinem Empfänger ein Rufzeichen auf die Überwachungsliste zu setzen, mit dem man ein QSO machen will, oder man gibt eben einen bestimmten Satelliten ein, den man arbeiten möchte. Das wäre ein ideales Frequenzsharing der Zukunft.

Trotz der Vorbehalte vieler Nutzer arbeiten die Funkamateure DL1XM, das ist Rocco Busch, und Joachim Berns, DL1YBL, unbeirrt an der digitalen Vernetzung von Sprachumsetzern. Die Strecke Frankfurt-Ruhrgebiet-Hamburg ist z.B. bereits digital-drahtlos verbunden und erlaubt eine fast deutschlandweite Kommunikation zwischen Funkamateuren – und zwar mit einer geringen eigenen Strahlungsleistung. Gerade der Einsatz ausrangierter kommerzieller und nicht mehr marktkonformer Technik wie z.B. des APCO-Protokolls und der 5,7-GHz-Technik des Canopy-Systems von Motorola mit einer maximalen spezifizierten Reichweite von 56 km ist vielversprechend. Unter Amateurfunkbedingungen sind hier gut 80 km Reichweite drin. Deutschland wäre also mit gut 50 Repeatern komplett abgedeckt – und das auf einer einzigen Frequenz!

Interessierte Funkamateure finden am 25. Juni um 12 Uhr auf der Ham Radio in Friedrichshafen im Raum Österreich einen Vortrag von Joachim Berns, DL1YBL, zum Thema "Vernetzung von digitalen und analogen Sprachrelais". Nutzen Sie diese internationale Messe, um sich über digitale Kommunikationsformen im Amateurfunk zu informieren; besuchen Sie Joachims Vortrag und kommen Sie anschließend zur AGZ an den Stand 617 in Halle A1 – gegenüber DIFONA und neben SWISSLOG. Wir freuen uns, über dieses Kernthema mit Ihnen "fachsimpeln" zu können.

Hermann, DL1EEC


AMATEURFUNK-NEWSGROUPS – WIRKLICH NOCH LEGAL?

(rps) Straftaten sind das tägliche Brot der so genannten Newsgroups im Internet: Nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel geschimpft, beleidigt, verleumdet und gemobbt wie in Online-Netzen. Sei es, dass ein Teilnehmer aufgefordert wird, "sterben zu gehen", sei es, dass tatsachenwidrig behauptet wird, eine gewisse Person habe eine Straftat begangen und es wird deshalb Antrag auf Strafverfolgung angedroht, sei es, dass jemand aufs Übelste öffentlich genötigt wird, und sei es schließlich, dass mit justiziablen Kraftausdrücken nur so um sich geworfen wird, natürlich anonym. Der Umgang miteinander in diesem "Sandkasten" ist derart unbekümmert, dass es offenbar keine Hemmungen mehr gibt.

Das miese Spiel geht aber noch weiter: Beschwert man sich beim Provider eines strafrechtlich aneckenden Teilnehmers – schließlich stellt der Provider nicht nur den Netzzugang, sondern auch eine Infrastruktur bereit, mit deren Hilfe diese Taten überhaupt erst begangen werden können –, dann erhält man Antworten wie etwa diese vom Kölner Anbieter NetCologne:

"Wie Sie [...] sehen können, wird NetCologne sich nicht in persönliche Differenzen von Usenet-Teilnehmern einmischen. Wir empfehlen den Einsatz von Filtern ("Killfiles"), die eine Vorauswahl der angebotenen Artikel ermöglichen und von nahezu jedem Newsreader unterstützt werden."

Es ist nicht zu fassen: Klar erkennbare Straftaten werden als "persönliche Differenzen" herunter gespielt – und man empfiehlt schlicht das Wegschauen. Dass der Rest der Community die justiziablen Angriffe auf Diskussionsteilnehmer weiterhin auf der Bühne des providereigenen Servers dargeboten bekommt, das spielt bei NetCologne keine Rolle. Wegsehen bei Straftaten anstatt einzuschreiten – kommt das nicht irgendwie bekannt vor? Interessant ist, dass es zum unterzeichnenden NetCologne-Mitarbeiter einen Funkamateur gleichen Namens gibt: Er wohnt in Köln. Zufall?

Was sagt die Rechtsprechung eigentlich dazu? Selbst geschaffene Benimmregeln wie die so genannte "Netiquette" haben aus Sicht des Juristen kaum eine Bedeutung. Die Justiz lässt sich von sich selbst Regeln gebenden privaten Gruppen, die keine gesetzlich anerkannte Legitimation besitzen, kaum beeindrucken. So wertet das deutsche Strafrecht das Fremdcanceln von Newsgroupbeiträgen etwa als rechtswidrige Datenveränderung im Sinne von Paragraf 303a des Strafgesetzbuches – auch, wenn die "Netiquette" dies ausdrücklich vorsieht. Wird einem Provider etwa die Existenz von beleidigenden Newsgroupinhalten unmissverständlich bekannt, so ist er verpflichtet, sie von seinem eigenen Server zu entfernen, will er nicht als Mittäter oder Begünstigter gelten.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang die eingehende Lektüre des Buches "Online-Recht" von Rechtsanwalt Tobias H. Strömer, das im dpunkt-Verlag erschienen ist, und dem ich viele Argumente und Informationen entnommen habe. Danach wird sich so Mancher fragen, ob das Usenet unter der gegenwärtigen Praxis der Provider überhaupt noch als legal bezeichnet werden kann: Das Packet-Radio-Netz lässt grüßen!

Ralph, DC5JQ


EINSTEIN AUF TOUR

(rps) 2005 ist das Einsteinjahr. Die bahnbrechenden wissenschaftlichen Verdienste Albert Einsteins sollen anlässlich des einhundertsten Geburtstags der speziellen Relativitätstheorie mit vielen Veranstaltungen und Ausstellungen für die Öffentlichkeit transparent gemacht werden. Für eine Woche verwandelt sich z.B. der Potsdamer Lustgarten in den "Jahrmarkt der Wissenschaften". Vom 11. bis zum 16. Juni – also diese Woche – zeigen dort über 30 Forschungsinstitute in bunter Atmosphäre neueste Forschung.

Seit dem 19. Mai bereits ist das Ausstellungsschiff "MS Einstein" auf Reisen und legt in zahlreichen Städten entlang der deutschen Wasserstraßen an – und dies noch bis zum 19. September. Die Ausstellung an Bord des 105 Meter langen Binnenschiffs bringt ihren Besuchern Einsteins Werk und seine Persönlichkeit nahe. Die Exponate regen zur spielerischen Auseinandersetzung mit den komplexen Theorien Albert Einsteins an und zeigen Entwicklungen der aktuellen Forschung, die es ohne Einsteins Vorarbeit nicht gäbe.

Begeben Sie sich auf Einsteins Spuren und erfahren Sie von Wissenschaftlern aus erster Hand, wie aufregend und spannend das sein kann! Mehr zum Jahrmarkt der Wissenschaften und zur MS Einstein – vor allem die Orte und Zeiten, wo sie vor Anker geht – das entnehmen Sie bitte dem Internet unter

www.wissenschaft-im-dialog.de.


WENN EINER EINE REISE TUT ...

(rps) dann will er wissen, wo er im Ausland funken darf. Hier unsere Kurzinformation zur Urlaubszeit:

Zwischen den deutschen Funkamateuren der ehemaligen Klassen 1 und 2 gibt es heute keinen Unterschied mehr: Die Vergangenheit ist quasi rechtlich ausgelöscht. Beide sind national jetzt Klasse A und international gehören sie der nunmehr einzigen CEPT-Klasse schlechthin an. Dies bedeutet in Sicht der AGZ, dass die gesamte deutsche Klasse A in allen Ländern, die das CEPT-Abkommen zum Amateurfunk anwenden, auch auf der Kurzwelle senden darf, und zwar unabhängig davon, ob das Gastland die Morsetelegrafieprüfung schon abgeschafft hat oder nicht. Ein guter Tipp ist in diesem Zusammenhang, sich von der Regulierungsbehörde eine neue Genehmigungsurkunde ausstellen zu lassen, aus der Klasse A und auch die neue CEPT-Konformität eindeutig hervorgehen.

Die deutsche Zeugnisklasse E ist dagegen bisher nicht europäisch harmonisiert. Hier bedarf es einer ausdrücklichen Gastlizenz im jeweiligen Land, die es allerdings nicht überall gibt. Informationen, welche Staaten dies anbieten, finden Sie nebst Antragsformularen und Adressen der zuständigen Behörden im Internet unter

www.delta-oscar.de


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Hermann, DL1EEC