HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 192 / 2005 vom 24.07.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL

(hfs) Da ändert die RegTP ihren Namen in BNetzA und gewährleistet damit, dass das Amateurfunkgesetz von 1997 jetzt ohne AFuV angewendet werden muss: Ein Erfolg der AGZ?

Da weigert sich die gesamte Manpower der BNetzA, Funkdienste mit gemeinsamer Frequenznutzung zu koordinieren, um aber gleichzeitig jedem Funkamateur im Detail vorzuschreiben, wann und wie er seine Station automatisch laufen lassen darf. Ein neuer Fall für den Bundesrechnungshof?

Da bekommt der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen einen Brief mit einer Information von DL1RTK, dass der DARC einen Behinderten ausgeschlossen hat. Daraufhin fordert diese Behörde die AGZ auf, sich für den Ausschluss des Behinderten zu rechtfertigen: Ein Fall von Leseschwäche?

Funkamateure sollten sich jetzt endlich darauf konzentrieren, das Amateurfunkgesetz nicht durch stümperhaft getextete Rechtsvorschriften verwässern zu lassen.

Hermann, DL1EEC


LESERBRIEF

(red) Gerd, DL2ROG, DARC-Ortsverbandsvorsitzender von Y05, schreibt uns am 17. Juli:

"Hallo AGZ-Team,

eigentlich wollte ich mich bei Euch nicht äußern, da ich nicht Fan der AGZ bin und nicht alles richtig finde, was ihr veröffentlicht. Der letzte Artikel über den Ausschluss von Olaf Habermann war aber so gut recherchiert, dass mir einige OM im eigenen Distrikt sogar anlasten, ich hätte daran mitgearbeitet.

Als erstes bitte ich richtig zu stellen, dass ich den Artikel im Rundspruch weder angeregt, noch Zuarbeiten gemacht habe. Was ich besonders gut an dem Artikel fand, war, dass Ihr den Link zu der eigentlichen Behinderung mit eingestellt habt. DM2OH war tatsächlich kein Waisenknabe, wenn man jedoch aufmerksam liest, was über seine Behinderung im Internet steht, dann kann man sich auch als medizinischer Laie viele Sachen erklären. Ich möchte einen Hauptstreitpunkt, der stark in PR diskutiert wird, aufklären.

Olaf Habermann hat seinen vollen Beitrag einschließlich Mahngebühren an die Geschäftsstelle überwiesen, aber leider viel zu spät. Olaf Habermann hat seinen Beitrag in der Vergangenheit per Bankeinzug bezahlt. Für das Jahr 2004 war die Einzugsermächtigung erloschen, da die Abbuchung nicht von seiner Bank eingelöst wurde. Darauf hin hat er seinen Beitrag durch persönliche Überweisung bezahlt. Für das Jahr 2005 ging er davon aus, dass seine Einzugsermächtigung noch Gültigkeit hat und ignorierte auch die Mahnungen deshalb. Leider hat er mich erst relativ spät angesprochen, weil er Mahnungen erhielt. Zwischenzeitlich erfolgte der Ausschluss.

Auch mir war nicht klar, wie viel denn ein ausgeschlossener OM bezahlen muss, deshalb rief ich nach dem Informationsschreiben in der Geschäftsstelle an, ab wann der Ausschluss gilt und wie viel er denn noch bezahlen müsse. Auch die Geschäftsstelle wusste bei erster und zweiter Anfrage nicht, wie viel denn Olaf Habermann nun bezahlen muss und ab wann der Ausschluss gilt. Erst durch Klärung durch die Juristin war offensichtlich, dass der Ausschlusstermin der Tag der Amateurratssitzung war und dass der vollständige Jahresbeitrag gezahlt werden muss, da bei Ausschluss im Gegensatz zur Aufnahme keine Beitragsverkürzung erfolgt. Dies war ja auch kein Problem, Olaf Habermann, DM2OH, hat seinen Beitrag im Juli 2005 ordnungsgemäß und mit Mahngebühren bezahlt. Vielleicht kann dieser Punkt einmal richtig gestellt werden.

Zum Ausschluss selbst sehe ich das so, der Amateurrat kann nur über das abstimmen, was ihm vom DV Brandenburg und von der Juristin des DARC vorgelegt wird. Das Verfahren wurde vom DVV Y eingeleitet. Wir hatten damals im OV-Vorstand die Begründung des DV ausgewertet und beschlossen, in Widerspruch zu gehen, da wir der Ansicht waren, dass man erst schuldig ist, wenn man rechtskräftig verurteilt ist und aus unserer Sicht einfach die Beweise für einen Satzungsverstoß fehlten oder Beschuldigungen nicht beweisbar seien. Wir haben jedoch im Amateurfunk 'selbsternannte' Richter über andere, die das Wort 'Selbstregulierung' falsch verstehen.

Was eindeutig erwiesen ist, ist dass DM2OH auf den UKW-Bändern einen Stil an den Tag legte, der gegen jeglichen guten Geschmack im Amateurfunk verstieß. Daran haben wir im OV, und auch andere, hart gearbeitet, dass dies aufhört. Denn Olaf wurde ständig von anderen provoziert und wird es immer noch und genau dann kommt das soziale Verhalten, welches sich aus seiner Behinderung ergibt, zum tragen.

Wir hatten gerade im letzten Jahr Erfolge, um Olaf wurde es ruhiger, er begann mit einem zweiten Hobby und er wurde von uns stark mit in die Jugendarbeit einbezogen. Lest einfach einmal die Artikel auf der Seite www.ag-mbo.de und auf der Y05-Webseite. Jegliche Bemühungen, Olaf Habermann zu integrieren, werden aber ständig von anderen 'funkenden Zeitgenossen' wieder zu Nichte gemacht. Solche Leute kramen ständig alte Kamellen, über die schon längst Gras gewachsen ist, wieder hervor und leben ständig in der Vergangenheit, meist, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Diese stellen jedoch nur eine sehr kleine Gruppe dar. Unsere Befürchtung ist, dass Olaf Habermann durch diese Provokationen wieder in seine alte Schiene zurück fallen könnte, und da spielt der Ausschluss eine äußerst negative Rolle.

Jeder wertet das für sich anders, je nachdem, welche Einstellung er zu Behinderten hat. Und so gehen die Forderungen von 'Genehmigungsentzug' bis zu 'lasst ihn in Frieden' oder sogar nazistischen Sprüchen. Gerade der rechte Rand fühlt sich durch den Ausschluss bestärkt und redet auch offen über Band darüber, was wir belegen können.

Im Endeffekt haben sich mit dem Ausschluss von Olaf Habermann die Leute durchgesetzt, die von der Integration von Schwerbehinderten entsprechend dem Schwerbehindertengesetz und von der Akzeptanz einer Behinderung weit entfernt sind oder diese Gesetze nicht kennen. Man muss aber auch berücksichtigen, dass die Behinderung von Olaf Habermann sich im normalen QSO oder beim Treffen auf der Straße nicht offensichtlich zeigt. Deshalb ist sie auch für alle, die noch nichts mit Behinderten zu tun hatten, sehr schwer einzuschätzen. Ich selbst bin durch Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk im Oberlinhaus in Potsdam, wo behinderte Jugendliche ausgebildet werden, seit Jahren gut mit der Behindertenproblematik vertraut.

Meine persönliche Meinung ist, wer nicht versteht oder besser gesagt in der Lage ist, die 'Schwachen' in unserer Gesellschaft zu verstehen, mit ihnen umzugehen oder sich mit deren Problemen auseinander zu setzen, ist für mich selber ein schwacher Mensch und ein 'Außenseiter' in unserer Gesellschaft.

Gerd, DL2ROG, OVV Y05"

Danke für diesen Leserbrief!


BNETZA: AMATEURFUNK MUSS ABSCHALTEN

(rps) – falls es zu einer Störung des geplanten europäischen Satellitennavigationssystems Galileo kommt. Der Hintergrund: Die AGZ wollte Klarheit über die Zukunft und die Investitionsfähigkeit unseres 23-cm-Bandes und bat das Präsidium der damaligen RegTP um Auskunft, wie die Behörde das gegenseitige Störpotenzial von Galileo und Amateurfunk einschätzt, ob ihr Verträglichkeitsstudien bekannt sind und welche Maßnahmen sie im Störungsfalle ergreifen wird. Wir wollten schlicht wissen, wo wir dran sind – schließlich ist 23 cm ein nicht nur unter Netzaspekten wichtiges Amateurfunkband.

Die Antwort: Eine Verträglichkeitsstudie ist der Bundesnetzagentur genauso wenig bekannt wie der AGZ. Die BNetzA hält eine solche – im Gegensatz zur AGZ – auch nicht für erforderlich. Denn schließlich sei der gemeinsame Frequenzbereich durch die WRC im Jahre 2000 dem Satellitennavigationsfunkdienst mit Primärstatus zugewiesen worden – und dabei sei ein funkverträgliches Nebeneinander mit dem Amateurfunkdienst angenommen worden. Begründet wird diese Vermutung durch angeblich positive Erfahrungen mit Hochleistungsradaren und dem parallel betriebenen GPS-Navigationssystem knapp unterhalb von 1240 MHz.

So ganz können wir dieser Beruhigungspille allerdings nicht folgen. Der AGZ sind nämlich Fälle bekannt, wo der Amateurfunk am unteren Ende des 23-cm-Bandes GPS massiv gestört hat – und zwar bereits außer Band. Es mussten z.B. Packet-Radio-Linkstrecken außer Betrieb genommen werden. Und – wie kam eigentlich die Annahme des "funkverträglichen Nebeneinanders" auf die Tagesordnung der WRC-2000? Sassen dort nicht als Tagungsteilnehmer Mitarbeiter genau derselben Behörde, die eine solide Studie für überflüssig hält? Auch Sie denken dabei an den Münchhausen-Effekt? Wie will schließlich eine Fachbehörde bzw. Netzagentur im Amateurfunk Relaisfunkstellen bis herunter zum letzten Detail koordinieren, wenn sie das Mit- oder Gegeneinander von ganzen Funkdiensten nur mit puren Vermutungen und Annahmen abhandelt?

Allein eines ist jedenfalls klar: Kommt es zu Störungen, dann müssen wir laut dem aktuellen Schreiben der BNetzA an die AGZ die Aussendungen einstellen, da Galileo die höheren Rechte besitzt. Und jetzt kommt die Katze aus dem Sack: Wegen dieser eindeutigen Rechtslage will die BNetzA gar nicht erst irgendwelche Verträglichkeitsuntersuchungen durchführen. Investitionen in 23-cm-Amateurfunkequipment gleichen daher einem Roulette – schließlich soll und wird Galileo nach dem Willen der Europäischen Kommission irgendwann einmal überall und omnipräsent sein.

Ralph, DC5JQ


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) HamRadio 2day hören Sie zusätzlich sonntags um 11:00 Uhr Ortszeit auf 144,320 MHz in SSB mit horizontaler Polarisation vom Standort Wermelskirchen (JO31OD) und von 09:00 bis 11:00 Uhr viertelstündlich im Internet über das Echolinknetz via DB0AGZ, Node 102249.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC