HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 196 / 2005 vom 21.08.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autor:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LESERBRIEF

(red) Reinhard, DJ3NRA, schreibt uns zur Ausgabe von letzter Woche:

"Hallo Hermann,

als regelmäßiger Leser von HamRadio 2day ist mir unter der Rubrik 'Funken ist verdächtig' ein Fehler aufgefallen. Als Betroffener kann ich aus erster Hand berichten.

Bei dem Yaesu-Gerät, ein FT-709 aus den 80er Jahren, handelt es sich um ein 70-cm-Handfunkgerät. Die Anzeige '7.300' bedeutet hier 437,300 MHz, die ersten beiden Stellen zeigt das Gerät nicht an. Mit dem Handfunkgerät im Satellitenband? Nein, selbstverständlich kenne ich den Bandplan. Bei der Sicherstellung war das Gerät auf 439,250 MHz eingestellt. Einer der Beamten hat dem Funkverkehr auf DB0VOX sogar noch interessiert zugehört, bevor er das Gerät abgeklemmt hat. Die Frequenz muss durch Ausprobieren der Beamten vor Ort ins Display gelangt sein. Mit dem Kenwood-Gerät hatte der Polizeibeamte übrigens diverse Sendeversuche unternommen bei gleichzeitiger Beobachtung des eigenen BOS-Gerätes (ebenso in der anderen Richtung). Ob er im Besitz einer Amateurfunkzulassung ist, ist nicht überliefert.

Ein weiteres spannendes Detail findet sich auf dem Sicherstellungsbescheid: Als Gegenstand der Sicherstellung steht dort 'ein Scanner Kenwood TH-F7E' sowie 'ein Scanner Yaesu FT-709'. Ich wies mehrfach darauf hin, dass es sich nicht um Scanner, sondern um Amateurfunkgeräte handelt. Der Polizeibeamte zeigte sich dadurch unbeeindruckt. Man werde die Geräte zwecks Überprüfung an die 'Post' schicken.

Während das Yaesu-Gerät ausschließlich auf dem 70-cm-Amateurfunk-Band abzustimmen ist, hat das Kenwood-Gerät (ein TH-F7E) einen durchgehenden Empfänger. Die spannende Frage an dieser Stelle ist nun: Was wäre passiert, wenn – ebenso wie an dem Yaesu FT-709 – die Frequenz durch die Polizeibeamten verstellt worden wäre, z.B. auf eine 'unerlaubte' Frequenz?

Übrigens war ich nicht mit dem eigenen Auto unterwegs, sondern Beifahrer bei Daniela, DO7NDM. Für die Sicherstellung der Geräte sowie die Durchsuchung des Fahrzeuges war neben der üblichen Streife anscheinend noch eine Zivilstreife nötig, insgesamt waren also vier Polizeibeamte knapp zwei Stunden beschäftigt. Daniela wohnt außerhalb Nürnbergs, und einer der Polizisten gab ihr noch einen Rat mit auf den Weg: 'Mit diesem Auto brauchen Sie sich in dieser Stadt nicht mehr sehen lassen!' Jetzt hat sie also Nürnbergverbot. Schade, aber es gibt ja noch andere Städte, um Amateurfunk auszuüben. Zum Schluss bliebe noch anzumerken, dass die Bundesnetzagentur bei der Überprüfung der Geräte schnell und absolut korrekt verfahren ist.

Viele Grüße aus Nürnberg, Reinhard, DJ3NRA."

Danke Reinhard für Deinen Leserbrief.


NACHGEHAKT

(hfs) habe ich in Reinhards Angelegenheit am 16. August beim Polizeipräsidium Mittelfranken. Dort versicherte mir ein Mitarbeiter, dass die Polizeibeamten im Außendienst über die gesetzlichen Grundlagen des Amateurfunkdienstes sehr gut informiert seien.

In Anbetracht des Vorgangs um DJ3NRA stellte ich diese Aussage allerdings in Frage und hakte nochmals nach – diesmal ein paar Etagen höher. Der leitende Beamte versicherte glaubhaft, dass er im Rahmen einer Schulung am 6. Oktober den Amateurfunkdienst nochmals ausdrücklich thematisieren wird.

Obwohl sich Reinhard vom Grundsatz her und auch nach Gesetzeslage richtig verhalten hat, möchte ich als verantwortlicher Redakteur raten, die Genehmigungsurkunde zur Teilnahme am Amateurfunkdienst grundsätzlich ebenso mitzuführen wie eine Kopie des Amateurfunkgesetzes – am besten aus dem Bundesgesetzblatt. Auch sollte die zentrale Infotelefonnummer der Bundesnetzagentur griffbereit liegen: das ist 02845-960205 bzw. 02845-9600. Die Polizeibeamten sind nämlich gehalten – genau wie bei der Zentralen Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge – bei der hier zuständigen Bundesnetzagentur nachzufragen, bevor sie irgendwelche "Zwangsmaßnahmen" ergreifen. Verlangen Sie in Zweifelsfällen diesen Anruf!

Ebenfalls sollten Funkamateure die ihnen vorgelegte "Bescheinigung über Sicherstellungen und Beschlagnahmen" keinesfalls unterschreiben, insbesondere, wenn Verstöße gegen das Telekommunikationsgesetz als Begründung gegeben werden und es sich eindeutig um Amateurfunkgeräte handelt. Denn dann gilt nur das Amateurfunkgesetz! Achten Sie darauf, dass auf der Ihnen ausgehändigten Quittung "Amateurfunkgerät" steht und auf keinen Fall Scanner, wenn es sich nicht explizit um einen solchen handelt.

Achten Sie ebenfalls darauf, dass auf der Quittung der Name und der Dienstgrad des Polizeibeamten, seine Telefonnummer und die Nummer seines Dienstausweises stehen. Entfernen Sie vor der Übergabe die Batterien und händigen Sie diese separat aus – oder ergreifen Sie andere Maßnahmen, damit der Amateurfunksender nicht unbefugt betrieben werden kann. Dazu sind Sie gemäß Amateurfunkverordnung verpflichtet. Versuchen Sie in jedem Fall bereits im Vorfeld zu erreichen, dass die Staatsanwaltschaft nicht aktiv wird: Denn egal, wie deren juristischer Rückzug aussieht, erspart Ihnen das einen schlechten Leumund und auch Kosten, auf denen entweder Sie, Ihre Rechtsschutzversicherung oder der Steuerzahler sitzen bleiben.

Haben Sie aber auch Verständnis für die Beamten im Außendienst, besonders dann, wenn Sie innerhalb einer Fahndungsaktion "zwischen die Räder" kommen. Reagieren Sie bitte als souveräner Staatsbürger und Funkamateur.

Hermann, DL1EEC


ECHOLINK AUF 144,975 MHZ

(hfs) entwickelt sich zumindest in Nordrhein-Westfalen mit der zunehmenden Anzahl von speziell genehmigten und individuellen Echolinkstationen zur einer Sackgasse. Sendet man aus exponierter Lage eine Nodenummer, dann verbinden sich mindestens drei bis vier Stationen mit dem Zielgateway und sorgen für mehrfachen Traffic – und auf 144,975 MHz natürlich für Interferenzen. Hinzu kommen dann noch die No-Echolink-Hooligans mit frustrierten Dauer-QSOs – sogar auf 144,975 MHz: Ein normaler Echolink-Betrieb ist damit nicht mehr möglich.

Ähnliche Szenarien spielen sich auf den Repeatern mit Echolink-Anbindung ab. Entweder ist Echolink gar nicht aktiviert, weil sich keiner mehr traut, oder die Stationsbeschreibung meldet bei Kommunikationswilligen lakonisch "Local QSO" – und das Relais ist damit nicht ansprechbar.

Einzig die Links auf Simplexfrequenzen ermöglichen noch Individual-QSOs, wobei dort die angestrebte "echte" Amateurfunkverbindung – also "Wireless to Wireless" – überdurchschnittlich stark, aber dennoch absolut gesehen selten vertreten ist.

Ich hoffe, dass Echolink nicht Tendenzen wie bei Pactor und Winlink zum Opfer fällt und weiterhin eine Betriebsart bleibt, die mit einfacher Anwendertechnik weltweite Kommunikation mittels Amateurfunk erlaubt – auch und vor allem bei Reisen und im Urlaub mit portablem Equipment. Es wäre sehr schade, wenn Echolink der OV-Kanaldenke zum Opfer fallen würde.


HILFERUF VON DL2BMH

(red) Seit 1964 bin ich nun lizenziert und seit dieser Zeit meinem Hobby unter dem Rufzeichen DL2BMH nachgegangen. Seit 1993 bin ich stolzer Besitzer einer Doppelhaushälfte in Obrigheim. Auf dem Dach befinden sich Antennen für VHF und UHF. Im Garten ist ein Kelemen-Sperrkreisdipol für fünf Kurzwellenbänder gespannt. Dies alles wurde 1993 aufgebaut und unter kleinen Änderungen bisher beibehalten. Probleme mit meinen Nachbarn in der anderen Doppelhaushälfte gab es nicht, jedenfalls bis April 2004. Dann plötzlich behaupteten meine Nachbarn, dass sie unter Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und vielerlei anderer Beschwerden leiden würden und dass dies auf meine Aussendungen und die Antennen zurückzuführen sei.

Obwohl meine Amateurfunkstelle von der Regulierungsbehörde zweimal auf die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte überprüft und nicht beanstandet wurde, klagte mein Nachbar zivilrechtlich auf Beseitigung der Antennen. In dem gleichen Rechtsstreit habe ich zuvor meine Nachbarn verklagt, weil die meine Familie und mich durch monatelang andauernde Ruhestörungen zur Verzweiflung getrieben haben: Es wurde nachts mit einem schweren Gegenstand gegen die Wand geschlagen und tagsüber laute Discomusik abgespielt. Jetzt ist es soweit: Die Hauptverhandlung in dieser Sache findet am

Mittwoch, den 14. September 2005 um 13:00 Uhr
im Amtsgericht Mosbach, Justizgebäude,
Hauptstrasse 110, Sitzungssaal 12, 74821 Mosbach/Baden

statt. Da dieser Fall für uns Funkamateure von besonderer Bedeutung ist, würde ich mich freuen, durch Eure Teilnahme an der Verhandlung Unterstützung zu erhalten und aufzuzeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind und uns gegen unberechtigte Angriffe wehren.

Quelle: www.radio-spechbach.de


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Im Jahr 1935 fand vom Brocken aus die erste öffentliche Fernsehübertragung statt, damals noch mit einem mobilen Sender. Doch bereits ein Jahr später wurde ein 52 Meter hoher Turm gebaut – der erste Fernsehturm der Welt.

Quelle: www.harzlife.de


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