HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 199 / 2005 vom 18.09.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Wolfgang van Gels, DL5EDA (wvg)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

GUTER BRAUCH

(hfs) bei der Redaktion von HamRadio 2day war es schon immer, periodisch die besten Beiträge Ihnen komprimiert nahe zu bringen. Anlässlich der bevorstehenden 200. Ausgabe von HamRadio 2day lesen Sie bitte in dieser Ausgabe 199 und auch in Ausgabe 200

DIE BESTEN LEITARTIKEL DER LETZTEN EINHUNDERT AUSGABEN !


INFORMATION IST EINE HOLSCHULD !

(wvg) Wissen ist Macht, eine Binsenweisheit. Und wer will nicht mächtig sein? Mächtig im Sinne von "in der Lage sein, qualifiziert mitreden, mitgestalten zu können".

Hörer und Leser des AGZ-Rundspruchs am Sonntag gehören sicher dazu, denn sie informieren sich regelmäßig über das, was den Amateurfunkdienst betrifft, was innerhalb seiner Strukturen läuft und was am Rande geschieht; sie können die Meinungsbildung auf diesen Feldern vorantreiben.

Natürlich nehmen wir von Hamradio 2day nicht für uns in Anspruch, alles zu wissen und alles richtig zu machen. Aber wir nehmen für unser Produkt in Anspruch, dass es unter Nutzung des Amateurfunkdienstes interessierten Zuhörern zugänglich ist. Wir tun unsererseits alles technisch Mögliche, diesen Anspruch zu erfüllen.

Wer also mächtig im Sinne des eingangs gesagten sein will, darf es sich nicht gefallen lassen, von Dritten am Abholen von Informationen gehindert zu werden.


DAS KAMEL, DAS VOM APFEL DER ERKENNTNIS FRISST

(wvg) Vergangene Woche wurde die RegTP als Kamel beschrieben, auf dem zwei Vereine durch die Amateurfunkwüste reiten. Vielleicht ist es bei einigen Hörern bzw. Lesern so rübergekommen, als sei die Behörde ein Kamel. Ist sie natürlich nicht! Schon deshalb ist sie es nicht, weil eine Behörde etwas Unfassbares darstellt, ein Kamel aber nun einmal sehr fassbar ist.

Könnte die Behörde doch ein Kamel sein, es wäre um den Amateurfunk als Reiter um einiges besser bestellt; denn dem Kamel sagt man nach, schnell zu sein, sich seiner Umgebung gut anpassen zu können, sich nach einem langen Ritt durch die Wüste in kurzer Zeit regenerieren zu können. Nicht zuletzt deshalb stellt das Kamel in Teilen der Welt ein besonders hochwertiges Kulturgut dar. Die Menschen in seiner Umgebung wissen seine Fähigkeiten zu schätzen.

Aber es würde ja schon reichen, wenn die RegTP kamelhafte Züge hätte. Ich hätte dann Grund, ihre Fähigkeiten zu schätzen.


NICHTS DAZUGELERNT

(hfs) haben die Kommunikationsschützer in Deutschland seit der Wilhelminischen Zeit. Die Verwaltungen verbieten selbst im aktuellen TKG immer noch lieber das Abhören einer Frequenz, anstatt sicherheitsrelevante Aussendungen zwingend digitalisiert und verschlüsselt vorzuschreiben. Aktuell kann man dazu in der "Welt" lesen, dass die Polizeibehörden in Deutschland bis 2006 bestimmt noch keine abhörsicheren Kommunikationsgeräte einsetzen können, die im europäischen Ausland mittlerweile selbstverständlich sind. Die organisierte Kriminalität wird sich bis dahin vom TKG ebenso bestimmt nichts vorschreiben lassen.

Des Weiteren machte diese Woche Bill Gates den Deutschen klar, dass niemand anderes als sie selbst für die Sicherheit ihrer Computer sorgen müssen. Wer seinen Computer offen und ungepatched oder sogar ohne Virenschutz im Netz rumstehen lässt, der muss damit rechnen, von elektronischen Langfingern Besuch zu erhalten. Selbst die einfachsten Regeln, z.B. wichtige vertrauliche Daten auf nicht freigegebenen Laufwerken abzulegen, werden nicht eingehalten. Geradezu hysterisch reagierte sogar die Linux-Gemeinde, als Bill Gates behauptete, dass im Verhältnis zur Distributionstiefe das Betriebssystem Linux in gleicher Weise bedroht sei wie seine Windows-Betriebssysteme.

Wichtig ist gerade für Funkamateure, dass sie sich nicht auf Gesetze und Vorschriften verlassen dürfen, wenn es um ihre persönlichen Daten geht. Wenn Sie den Zugang zu Ihren Daten offen lassen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Sie Besuch erhalten, denn die Gauss'sche Verteilungskurve macht auch vor der kriminellen Energie einiger Funkamateure nicht halt.


PLC - DIE HERAUSFORDERUNG

(wvg) Haben wir in der vergangenen Woche über die Mannheimer Entscheidung berichtet, soll es heute mal nicht abstrakt zugehen. Am 25. April tagte die Nationale Gruppe zur Vorbereitung der nächsten Weltfunkkonferenz der ITU - der WRC-2007 - in Bonn beim Bundeswirtschaftsministerium. Unter dem Tagesordnungspunkt "Informationsaustausch über Vorbereitungen in anderen Gremien" kam auch Powerline Communication zur Sprache. Übereinstimmend wurde PLC als nicht hinnehmbar bezeichnet. Die Nutzungsbestimmung 30 müsse aufgehoben werden. Soweit die Auffassung der anwesenden Frequenznutzer.

Interessant war dann schon, was das BMWA darüber denkt: Man ist über die NB 30 nicht glücklich, denn es handelt sich um einen politischen Kompromiss. Schlimmer noch: Die NB 30 ist in ihrer jetzigen Fassung keineswegs in trockenen Tüchern. Auf europäischer Ebene soll PLC sogar ausgeweitet werden, aus Sicht der Brüsseler EU-Kommission ist die NB 30 ein rechtswidriger deutscher Alleingang, die Frequenzordnung das falsche Mittel der Wahl.

Und was bedeutet das für uns Funkanwender? Wir müssen mobil machen, und das auf allen Ebenen. "Frau Meier" muss wissen, warum ihre liebgewordenen Geräte in der Küche, im Bad oder am Bett nicht mehr richtig funktionieren - eben weil "Herr Meier" im Internet surft - und das mittels PLC. Und was ist mit dem Babyfone? Is' nich' mehr: Denn Vater surft im Internet und das über PLC. Und wenn das dann auch noch der Nachbar macht, ist der Krach vorprogrammiert.

Alle Frequenznutzer bis 1000 MHz sind aufgerufen, in geeigneten Aktionen die Politik auf allen Ebenen zu bedrängen. Es geht hier nicht um PLC selbst, sondern um dessen Auswirkungen, die jeden treffen werden, der sich drahtloser Kommunikation bedient. Und das tun schließlich alle. Also heran an alle Entscheidungsträger mit allgemein verständlichen Beiträgen, die Tageszeitungen in Leserbriefen löchern, wenn es die Sache zulässt. Wir sollten uns für nichts zu schade sein:

Auf auf - Ihr Kurzwellenamateure!


GALILEO KOMMT - HAMRADIO GEHT ?

(rps) Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo wirft bereits jetzt seine Schatten voraus: Die IfEN Gesellschaft für Satellitennavigation mbH im oberbayerischen Poing baut derzeit im Berchtesgadener Land ein Testsystem auf, das Sender auf sechs hoch gelegenen Berggipfeln vorsieht, um Galileo in realen Situationen - etwa in Tälern und Schluchten - simulieren zu können. Die Regulierungsbehörde hat bereits alle notwendigen Genehmigungen einschließlich der Standortbescheinigungen erteilt - und das Testsystem namens GATE geht nach Aussage der Betreibergesellschaft Anfang 2006 in Betrieb.

Galileo hat unter anderem eine Frequenzzuweisung für den Bereich 1260 bis 1300 MHz. Hier kommt bei einer Mittenfrequenz von 1278,75 MHz Spread-Spectrum-Technologie zum Einsatz, die das gesamte Band abdeckt. Auch das Berchtesgadener Testsystem wird dieses so genannte E6-Band nutzen. Während später die Galileo-Satelliten als Punktquellen leicht durch die im Amateurfunk gängigen eng bündelnden Richtantennen vom Funkamateur ausblendbar sind, werden die im lokalen Vergleich extrem starken Aussendungen von Funkamateuren eine nur als desaströs zu bezeichnende Wirkung auf künftige Galileo-Navigationsempfänger am Boden haben. Dies ist um so konfliktreicher, weil der Funkamateur selbst davon gar nichts mitbekommt.

Dem Amateurfunkdienst ist das 23-cm-Band von 1240 bis 1300 MHz bereits seit vielen Jahrzehnten auf sekundärer Basis nahezu weltweit zugewiesen. In Deutschland ist eine Senderausgangsleistung von bis zu 750 Watt erlaubt. Heftiges Kopfschütteln und Unverständnis vernahmen wir dazu von der Poinger Betreibergesellschaft, der dies bis jetzt völlig unbekannt war. Man ging von einem freien Band aus. Systembedingt sind Amateurfunk und Galileo als flächendeckendes Rund-um-die-Uhr-Navigationssystem mit hohen Sicherheits- und Verfügbarkeitsansprüchen nämlich schlicht inkompatibel.

Offenbar herrscht bei den Regulierungsbehörden eine Art von "Schaun-wir-mal-Mentalität" vor. Ein Unding in Anbetracht der Tatsache, dass viele Installationen des Amateurfunks gefährdet sind: vom aufwendigen Fernseh- und Multimediaumsetzer bis hin zu FM-Relaisfunkstellen und dem gesamten Interlink-Backbone des digitalen Packet-Radio-Netzes - alles erbaut in privater Initiative und mit privatem Geld. Sekundär zu sein kann aber nicht heißen, überhaupt nicht mehr zum Zuge zu kommen. Der Amateurfunk wird das 23-cm-Band nicht kampf- bzw. ersatzlos räumen. Wir erwarten von der zuständigen Fachbehörde einen konstruktiven Dialog.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC