HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 200 / 2005 vom 25.09.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Wolfgang van Gels, DL5EDA (wvg)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

GUTER BRAUCH

(hfs) bei der Redaktion von HamRadio 2day war es schon immer, periodisch die besten Beiträge Ihnen komprimiert nahe zu bringen. Anlässlich der 200. Ausgabe von HamRadio 2day lesen Sie bitte heute

DIE BESTEN LEITARTIKEL DER LETZTEN EINHUNDERT AUSGABEN !


VERSTÄNDNIS

(hfs) Ich habe Verständnis für den Wettbewerb, den der Deutschland-Rundspruch mit HamRadio 2day führt. Ebenso sehe ich es sehr positiv, dass der Deutschland-Rundspruch an Qualität und Aktualität in den letzten Wochen deutlich zulegt; das kann dem Funkamateur in DL nur nützlich sein.

Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass Sysops von Repeatern ihre exklusiv zugeteilten Frequenzen dazu benutzen, um sie abzuschalten, also um Zensur auszuüben. Sie üben diese Zensur aber nicht gegenüber der AGZ, sondern ihren Zuhörern gegenüber aus.

Ich halte auch die OM für fehlgeleitet, die sich vom DARC beauftragt fühlen, die Aussendungen von HamRadio 2day mutwillig zu stören. Sie machen sich selbst zu genau denjenigen Trägerdrückern, die sie lauthals in so genannten "Ham-Spirit-Bulletins" anklagen.


LÖCHRIG WIE EIN SCHWEIZER KÄSE

(hfs) sind die Schnittstellen der RegTP, wenn sie mit Beamten oder Angestellten besetzt sind, die gleichzeitig auch Funkamateure und zusätzlich noch Mitglieder in amateurfunkrelevanten Vereinigungen sind. Da tauchen Interna zu einer 50 MHz-Auseinandersetzung urplötzlich im Packet-Radio-Netz auf. Hakt man dann etwas nach, findet man den Einspieler als VFDB-Mitglied im gleichen OV wie einen Mitarbeiter der RegTP.

Obwohl es Anträge für automatische und fernbediente Amateurfunkstellen bei der RegTP gibt, wo der Antragsteller die Weitergabe von Daten an Dritte untersagt, tauchen diese Anträge auf der Packet Radio-Tagung in Darmstadt auf und werden dort offensichtlich und öffentlich gehandelt.

Derartige Verhaltensstrukturen liegen auch in schriftlich dokumentierter Form vor. Sie ergaben sich z.B. aus den Schriftwechseln zwischen der RegTP in Mainz, Hermann Schulze und Joachim Berns. Obwohl die Behörde Herrn Schulze offiziell erst nach dem 11. Februar anschrieb, hatte Herr Berns bereits am 6. Februar darauf geantwortet. Offensichtlich hatte Herr Berns einen Vertrag mit der Vorsehung - oder er hatte der Behörde in die Feder diktiert. Beides ist für eine vertrauensbildende Maßnahme wenig förderlich.

Auch wenn man diese Verhaltensstruktur von Behördenmitarbeitern als "MENSCHELN" bezeichnen kann, so sollte jeder Funkamateur in kritischen Situationen darauf Wert legen, dass er bei der RegTP nicht von Funkamateuren "bedient" wird, wenn er denn nun Befangenheit vermutet.


DER TRANSPARENTE MODUS

(hfs) automatischer und fernbedienter Amateurfunkstationen stellt Funkamateure mit deutschem Zeugnis zunehmend vor Verständnisprobleme, deren Ursache in der Ausbildung liegt. Noch immer liegen dort die Schwerpunkte auf traditionellen statt auf modernen digitalen Betriebsarten mitsamt deren Vernetzungstechniken. Hört man auf vernetzten Repeatern zu und konfrontiert sich mit den Gesprächsinhalten, dann scheint es, dass in den Augen der Funkamateure erstens Relaisfunkstellen nur für Mobilisten da zu sein haben und zweitens Simplexfrequenzen eine exklusive Pacht für OV-Frequenzen an die entsprechenden Vereine zahlen. Mit dieser Geisteshaltung der frühen 80er Jahre können wir im 21. Jahrhundert bestimmt nicht punkten.

Noch folgenreicher wird diese antiquierte Verhaltensstruktur, wenn Vernetzungsmedien sich auf drahtgebundener Basis anbieten. Hier sind die abwehrenden Reaktionen teilweise schon militant und führen oftmals zu Beleidigungen der Gesprächsteilnehmer, wenn diese mittels Internettechnik auf Simplexfrequenzen auftauchen. Analysiert man dieses Unbehagen, dann kommt man schnell zu den eigentlichen Motiven: Man will erstens unter sich bleiben und man will zweitens überregionale Anbindungen Satelliten und der Kurzwelle überlassen. Technologisch befinden sich diese Positionen allerdings auf der Ebene der Quarzgräber.

Richtig wäre es, auf Simplexfrequenzen nicht nur drahtgebundene oder drahtlose Netze anzubinden, sondern auch digitale Datenströme. Technisch ist es bereits heute möglich - siehe z.B. DAB und DRM -, seinem Empfänger ein Rufzeichen auf die Überwachungsliste zu setzen, mit dem man ein QSO machen will, oder man gibt eben einen bestimmten Satelliten ein, den man arbeiten möchte. Das wäre ein ideales Frequenzsharing der Zukunft.

Trotz der Vorbehalte vieler Nutzer arbeiten die Funkamateure DL1XM, das ist Rocco Busch, und Joachim Berns, DL1YBL, unbeirrt an der digitalen Vernetzung von Sprachumsetzern. Die Strecke Frankfurt-Ruhrgebiet-Hamburg ist z.B. bereits digital-drahtlos verbunden und erlaubt eine fast deutschlandweite Kommunikation zwischen Funkamateuren - und zwar mit einer geringen eigenen Strahlungsleistung. Gerade der Einsatz ausrangierter kommerzieller und nicht mehr marktkonformer Technik wie z.B. des APCO-Protokolls und der 5,7-GHz-Technik des Canopy-Systems von Motorola mit einer maximalen spezifizierten Reichweite von 56 km ist vielversprechend. Unter Amateurfunkbedingungen sind hier gut 80 km Reichweite drin. Deutschland wäre also mit gut 50 Repeatern komplett abgedeckt - und das auf einer einzigen Frequenz!


WARUM IST ECHOLINK EINE "DIGITALE" BETRIEBSART?

(wvg) Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, die RegTP: einst von der Politik mit der Erwartung ins Leben gerufen, eine Behörde zu schaffen, die der Entwicklung innovativer Techniken umfassend den Weg bereitet. Ein guter Gedanke mit kluger Zielsetzung. Doch was hatte man nicht bedacht? Behörden brauchen Menschen, die das Gedachte und Gewollte auch umsetzen.

Und hier beginnt das Dilemma: Wer nur den Inhalt einer Dose austauscht, den neuen Inhalt jedoch nicht auf der Verpackung erklärt, der lässt alles beim Alten, weil er die Erwartungshaltung nicht geändert hat. Wenn dann die Handelnden zusätzlich nicht einmal bereit sind, sich mit dem Inhalt überhaupt zu befassen, dann bleibt wirklich alles beim Alten.

Und so ist das mit dem Amateurfunkdienst: Ein nutzerfreundliches Gesetz - umgesetzt von Menschen, die dies für sich gar nicht wollen und die es anderen nicht gönnen. Eine Behörde als Aufsicht, die sich von einigen Nutzern sagen lässt, wo es lang zu gehen hat: Das ist unsere Situation.

Was wir brauchen, ist ein radikaler Austausch der Handelnden. Wenn dies schon nicht auf der Seite der Nutzer geht, dann ist es um so dringender auf der Seite der Aufsicht. Sie lässt sich nämlich von der Nutzerseite z.B. sagen, dass Echolink eine digitale Betriebsart sei, nur weil hier das Internet eine Rolle spielt - und ordnet folglich ihr Handeln diesem fachlichen Irrtum unter. Hier verkommt Bürgernähe zur Unterwürfigkeit. Auf die Dauer nimmt diese Haltung dem Amateurfunkdienst seine eigentliche Grundlage: die Innovation. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Behörde zum Totengräber ihres Schutzbefohlenen werden möchte.


WILHELMINISCHES

(hfs) Da feiert im neuen Telekommunikationsgesetz wilhelminisches Gedankengut fröhliche Urständ - und man übersieht dabei, dass im Zuge der fortschreitenden drahtlosen Vernetzung der Gesellschaft mittels Consumer Products die Regulierungsbehörde das alles gar nicht mehr praktisch kontrollieren kann. Hinzu kommt, dass momentan die RegTP auch seitens ihres Geräteparks augenscheinlich gar nicht mehr in der Lage ist, gerichtsverwertbar zu messen.

Gerade in diesem Regelungsbereich des TKG sieht man deutlich, dass der Gesetzgeber nur noch um seiner selbst willen Gesetzestexte macht, die weder ziel-, noch praxisorientiert sind.

Vy 73,
Hermann, DL1EEC