HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 202 / 2005 vom 09.10.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Wolfgang van Gels, DL5EDA (wvg)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: VISIONEN

(hfs) muss man haben. Trotzdem frage ich mich, warum wir seit vier Jahren jeden Sonntag HamRadio 2day machen? Warum wir einen "Bilderkasten" – will sagen SSTV-Repeater – auf 144,900 MHz rund um die Uhr betreiben? Warum wir ein Echolinksystem auf der Simplexfrequenz 145,450 MHz durchlaufen lassen? Nur weil wir dem "Großen Bruder" DARC nacheifern wollen? Nein ist die Antwort; denn wir machen es aus Spaß am Amateurfunkdienst und wir wollen anregen, dass individuelle Aktivitäten sich mehr und besser durchsetzen können als die organisierte Vereinsfunkerei. Das Amateurfunkgesetz von 1997 und seine Rechtsverordnung von 2005 wollen genau dies ermöglichen: nämlich, dass mehr individuell denn organisiert automatisch bzw. fernbedient gefunkt wird.

Wir wollen polarisieren, wir wollen aufrütteln und wir wollen, dass das Hooliganunwesen im Amateurfunkdienst zumindest in Deutschland aufhört. Wir wollen keine Trägerdrücker aus Vereinsräson, wir wollen keine Jammingstationen während der Rundsprüche, seien sie vom DARC oder von der AGZ. Und wir wollen auch, dass der, der sein mitgehörtes Bulletin bestätigen will, das auch ungestört tun kann: sei es seitens des DARC, sei es seitens der AGZ.

Wir wollen, dass Funkamateure sich auf ihre Ursprünglichkeit zurück besinnen – auf die Völkerverständigung. Aber wie wollen Funkamateure in Deutschland um die Völkerverständigung ringen, wenn sie sich schon im eigenen Land wegen unterschiedlicher Auffassungen von Bandeinteilungen und anderen Dingen wie die Kesselflicker gegenseitig an die Gurgel gehen?

Nur zu gerne möchten uns einige glauben machen, dass alleine die Technik im Vordergrund des Amateurfunkdienstes stünde. Sie ist aber lediglich das Vehikel, mit dem der Amateurfunkdienst zur Völkerverständigung erst kommt. Wenn in der CQ-DL-Ausgabe Oktober 2005 Frau Gillrath, DF7WU, jetzt erst nach fast 60 Jahren in ihrem Leserbrief herausfindet, dass die Völkerverständigung der Inhalt des Hamspirits ist, dann hat sie zumindest an dieser Stelle entweder etwas verschlafen oder Grundsätzliches während ihrer Amateurfunk-Praxis nicht mitbekommen.

Das Ziel der AGZ ist es, sowohl den Amateurfunkdienst auf der Basis seiner technischen Ausbildung zusammen mit seinen ihm gewidmeten Privilegien, als auch die demokratischen Grundsätze der Völkerverständigung innerhalb unserer globalen Gesellschaft abzusichern.

Hermann, DL1EEC


STRAHLENDE DECT-TELEFONE

(wvg) ist die Überschrift eines Beitrags des Deutschlandfunks in Köln. In Sachen Verbrauchertipp hieß es dort am 3. Oktober:

"Kabellos telefonieren und im Internet surfen – die digitale Funktechnik macht's möglich. Was bequem ist, kann aber auch ungesund sein. Durch die Geräte ist man nämlich erhöhter elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt. Die Beurteilung dieser gesundheitlichen Risiken ist umstritten. Das gilt auch für schnurlose DECT-Festnetztelefone."

Ein seriöser Sender mit entsprechenden Beiträgen, so habe ich bisher gedacht. Schon beim Hören stieg der Blutdruck, aber ich wollte meinen Ohren nicht trauen und besorgte das Manuskript im Internet:

www.dradio.de/dlf/sendungen/verbrauchertipp/422442/ (1 von 5) [03.10.05 10:08:48]

Und da war dann die Bestätigung: ein tendenziöser Beitrag mit falschen Aussagen. Zitat:

"Es ist so, dass beim DECT-Telefon die Basisstation immer strahlt, sobald es eingestöpselt ist. Im Unterschied zu anderen Systemen, wie beim Handy oder CT1plus-schnurlosen Telefon. Die strahlen nur, wenn wirklich telefoniert wird. Insofern unterscheidet sich das DECT-System ganz wesentlich von den anderen Systemen."

Soweit korrekt. Der Redakteur bezieht sich dabei auf die Aussage vom Isabel Wilke vom Kölner Umweltinstitut Katalyse. Und dann kommt’s:

"Als Alternative bieten sich Schläuche aus Metallgewebe an, mit denen die DECT-Apparate umhüllt werden, um die nach außen dringende Strahlung deutlich abzusenken. Dabei wird die Basisstation mit einem Schirmschlauch und das Mobilteil mit einem Mobilschlauch überzogen. Der Nachteil hierbei: auch die Sendeleistung kann zurückgehen. ..."

Jetzt weiß ich, warum wir uns eine Informationsgesellschaft schimpfen, Sie auch?

vy 73 de
Wolfgang, DL5EDA


IARU-REGION-1 GIBT GRÜNES LICHT FÜR EUROPÄISCH HARMONISIERTE EINSTEIGERLIZENZ

(rps) Das Interesse unserer Leser und Hörer ist offenbar groß: Man fragt uns, was die Tagung der IARU-Region-1 im schweizerischen Davos, die im September stattfand, in dieser Sache an Ergebnissen hervor gebracht hat. Vorweg: Nichts konkret Inhaltliches ist protokolliert. Beschlossen wurde lediglich, die laufenden Diskussionen der IARU-Arbeitsgruppe "Radio Regulations" mit der CEPT in Sachen harmonisierte Einsteigergenehmigungsklasse zu unterstützen. Im Eingangsdokument zur Tagung aufgeworfene Fragen, wie denn so eine Genehmigung im europäischen Rahmen inhaltlich aussehen soll, wurden wohl nur außerhalb des Protokolls diskutiert. Das Ergebnis kennen wir nicht. Lesen Sie bitte auf den Internetseiten der IARU-Region-1 nach.

Allerdings hat die CEPT ihre Vorstellungen von einer gemeinsamen Entry Level License bereits diesen Sommer – also vor der Tagung – öffentlich zur Diskussion gestellt, wir berichteten in HamRadio 2day 189 am 3. Juli: Während die EU-Staaten nach wie vor Frequenzen und Senderleistungen erst einmal selber festlegen sollen, muss die Prüfung jedoch unabdingbar Fragen zur Kurzwelle beinhalten, um im Ausland anerkannt zu werden. Damit muss dann wohl auch in Deutschland bei In-Kraft-Treten dieser CEPT-Empfehlung die Kurzwelle für DO-Lizenzen geöffnet werden. In diesem Zusammenhang ihrer Zeit voraus waren in den letzten Wochen offenbar einige deutsche Funkamateure, die man von Südtirol aus bereits mit dem Präfix IK/DO hören konnte ... In Italien gibt's allerdings noch gar keine Einsteigerklasse, sondern zur Zeit nur eine Einheitslizenz.


EUROPÄISCHE KOMMISSION WILL EINHEITLICHEN BINNENMARKT FÜR FREQUENZNUTZUNG

(rps) Die Zuteilung von Frequenzen, die bisher noch jeder Staat in Europa alleine in nationaler Hoheit bestimmen kann, soll nun endgültig in europäisch harmonisierte Strukturen übergeleitet werden – und zwar bis zum Jahr 2010. Funk ist ein europäisches Wirtschaftsgut. Wenige Jahre nach Veröffentlichung ihres "Grünbuchs Frequenzpolitik" macht die Europäische Kommission nun ernst. Lesen bzw. hören Sie dazu Auszüge aus einem aktuellen Beitrag von Heise Online. Für uns Funkamateure heißt es nun – wie schon im Leitartikel der vergangenen Woche – aufgepasst!

Die Europäische Kommission hat eine neue Strategie vorgelegt, die eine "optimale" Nutzung des Funkfrequenzspektrums im gesamten EU-Raum zum Ziel hat. Darin strebt die Kommission ein gemeinsames, länderübergreifendes Konzept zur Verwaltung der Frequenzressourcen an. Derzeit sei die Frequenznutzung in den 25 Mitgliedstaaten noch "weitgehend aufgesplittert", weshalb die "wirtschaftlich wichtige" Ressource Funkspektrum nicht effizient genutzt werden könne. Nach Einschätzung der EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, tragen Wirtschaftszweige, die Funkfrequenzen nutzen, schon heute mit einem bis zwei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt in den EU-Staaten bei. Dieser Wert könne jedoch "enorm steigen", wenn die nationalen Regulierungsbehörden und alle Interessengruppen dazu beitrügen, einen EU-Binnenmarkt für Geräte und Dienste zu schaffen, die drahtlose Übertragungswege nutzen.

Das Frequenzspektrum ist aus Sicht der Kommission eine "entscheidende Ressource" für zahlreiche Sektoren wie Rundfunk, Verkehrssysteme und Mobilfunk. Die Kommission strebt nunmehr an, die aus ihrer Sicht derzeit "starre Verwaltung der Funkfrequenzen" zu überwinden, bei der nationale Behörden Frequenznutzungsrechte an spezielle Übertragungstechnologien und "zu eng definierte Dienste wie Rundfunk oder Mobilfunk" binden. Eine stärkere Flexibilität beim Zugang zu Frequenzen ermögliche den Marktakteuren hingegen eine freiere Nutzung der Frequenzressourcen.

Als Teil ihrer Frequenzreformstrategie schlägt die Kommission auch vor, die ausschließlichen Nutzungsrechte für wesentliche Teile des Frequenzspektrums bis 2010 nach gemeinsamen EU-Regeln verhandelbar zu machen. Würden Marktmechanismen eingeführt, um Frequenzen in der EU optimal zu nutzen, so könnte dies nach Einschätzung der Kommission, die sich auf unabhängige Schätzungen beruft, zu Gewinnen in Höhe von 8 bis 9 Milliarden Euro im Jahr führen. Zudem sollen die Möglichkeiten für ein weiteres lizenzfreies Frequenzspektrum ausgelotet werden, damit Spektren von mehreren Interessenten gemeinsam genutzt werden können, wie dies bereits bei WLAN der Fall sei.

Die neue Kommissionsstrategie zum Frequenzspektrum ist Teil der Initiative i2010 namens "Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung", die die Kommission bereits am 1. Juni dieses Jahres verabschiedet hat.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Schweden verlangen von ihrem Staat viel und sind auch bereit, dafür viel zu zahlen. Dänen erwarten von ihrem Staat wenig und zahlen deswegen wenig Steuern. Deutsche jedoch verlangen von ihrem Staat sehr viel und sind nicht bereit, dafür entsprechend Steuern zu zahlen.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC